Steuersystem

Umbau statt Erhöhung

Leser-Kommentar | 21. September 2011, 09:12

Zur Debatte um die Vermögenssteuer: wie eine effizientere Struktur des österreichischen Steuersystems erreicht werden kann

Wenn man die kürzlich von IHS-Chef Bernhard Felderer dargelegten negativen Effekte aller Arten von Vermögenssteuern betrachtet, bleibt eigentlich nur übrig, das Steuersystem so zu belassen, wie es ist. Sind die von vielen als zu hoch kritisierten Abgaben auf Arbeitseinkommen - im Vergleich zu vermögensbezogenen Steuern - kein Problem des österreichischen Steuersystems?

Arbeitseinkommen zu hoch belastet

Ich denke schon. Auch die hohe Belastung der Arbeitseinkommen, vor allem im unteren Bereich, hat zweifellos negative Auswirkungen. Empirische Studien zeigen, dass Steuern auf Vermögen, insbesondere Immobilienvermögen, dem BIP-Wachstum zuträglicher sind als andere Steuern. Daher scheint mir ein Umbau der Steuerstruktur sinnvoll, aber natürlich muss man genau überlegen, wie er klug durchgeführt werden kann.

Es stimmt allerdings, dass die generelle Vermögenssteuer einerseits Bestandteile betrifft, die schon durch die Kapitalertragsteuer (in Zukunft ausgeweitet auf Wertsteigerungen) erfasst sind. Bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent auf das Vermögen sind 0,7 Prozent Vermögensteuer im Endeffekt gleichbedeutend mit 14 Prozent Steuer auf den Ertrag, die zusätzlich zur KESt von 25 Prozent anfallen würden. Bei einem entsprechenden Freibetrag ließe sich das als ein progressives Element in der ansonsten proportionalen Besteuerung der Kapitaleinkommen deuten, das vermutlich Konsequenzen beim Verhalten der Betroffenen auslöst. Wie groß diese Reaktionen ausfallen, lässt sich ohne genauere Analyse nicht abschätzen.

Andererseits betrifft eine generelle Vermögensteuer auch Gegenstände, die gar keinen (realisierten) Ertrag erbringen, was problematisch sein kann. Jedenfalls müsste für eine präzisere Diskussion die SPÖ Details ihrer Pläne formulieren, vor allem auch zur Kontrollierbarkeit der Vermögensangaben. Der Information der Steuerbehörden über das Finanzvermögen steht ja das Festhalten am Bankgeheimnis entgegen - das allerdings kein Dogma darstellt.

Vermögensabhängige Steuer sinnvoller

Mir erscheinen differenzierte, vermögensabhängige Steuern sinnvoller. Zum einen ist es die häufig genannte Grundsteuer, die eine größere Rolle spielen sollte. Eine Erhöhung - eine Anpassung der Bemessungsgrundlagen an die wahren Werte - muss keinen Sturm der Entrüstung hervorrufen, wenn sie mit einer längeren Übergangsfrist erfolgt.

Öffentliche Ausgaben im Griff haben

Klar ist: jede solche Umstellung des Steuersystems wird einer Regierung nur gelingen, wenn sie gleichzeitig sehr deutlich machen kann, dass sie die öffentlichen Ausgaben im Griff hat, dass es eben um einen Umbau und nicht um eine Erhöhung des gesamten Steueraufkommens geht.

Als zweite Steuer liegt meines Erachtens die Erbschaftssteuer nahe. Wie bei der Grundsteuer dürften auch hier negative Effekte (Ausweichreaktionen) relativ gering sein und sie bringt einen positiven Verteilungseffekt mit sich (vor allem bei einem ausreichenden Freibetrag), der angesichts der größer werdenden Kluft in der Vermögensverteilung bedeutsam ist. Sie ermöglicht in erster Linie die Erfassung von nicht realisierten Wertsteigerungen, die nicht bei der Ertragsbesteuerung (auch nicht bei der geplanten Capital Gains Tax) erfasst werden. Gleichzeitig ist sie eine geeignete Steuer zur Finanzierung der Pflege, weil sie jene Personen stärker erfasst, deren Nachlass nicht oder wenig durch die Notwendigkeit von Pflegeausgaben verringert wird. Natürlich erfordert auch bei dieser Steuer die Bewertung von Vermögensgegenständen einen geeigneten Apparat bei den Steuerbehörden - vor allem, um eine gleiche Behandlung von Immobilienvermögen und Finanzvermögen sicher zu stellen. Das ist machbar und wird in anderen Ländern praktiziert.

Faktor Arbeit entlasten

Der generelle Punkt ist: eine Entlastung des Faktors Arbeit und eine differenzierte stärkere Belastung von Vermögen ermöglichen eine effizientere Struktur des österreichischen Steuersystems. (Leser-Kommentar, Johann K. Brunner, derStandard.at, 21.9.2011)

Autor

Johann K. Brunner, Institut für Volkswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität Linz

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Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Confusius
00
9.12.2011, 16:34
Besser als die meisten und erfreulich Polemikarm aber..

ein bisschen muss man doch noch nörgeln:
Erbschaftssteuer als Pflegekostenersatz: ist ein guter Gedanke, allerdings muß bedacht werden daß die Pflege tlw durch die Erbenden erbracht wird. In diesen Fällen ist die Besteurung von Erbfällen vor allem eine Benachteiligung der Pflege durch Verwandten!
Untergrenze sollte aber die Durchführung einer CGT Bewertung und Besteuerung im Erbschaftsfall sein.
Historisch war die Grundsteuer (auch) eine Produktivitätspeitsche. Es sollte also verstärkt nach Verwendung (Kapitalanlage, Landwirtschaft, Eigenheim) differenziert werden. Ein Rentner kann nicht Teile seiner Wohnung verkaufen um Steuern zu zahlen.
Arbeitslohnentlastung und Anreiz zur Vermögengsbildung sollten auf jeden Fall in den Vorder

Bobby W
00
16.10.2011, 23:01
Könnte sagen, dass mit Ende

des Kommunismus alles angefangen hat,
könnte sagen, dass durch das Entstehender EU alles angefangen hat, eigentlich alles Schwachsinn, wir sollten nach vor blicken und die Weichen in Steuer und Wirtschaftspolitik so stellen, dass eine Wohlstandpolitik entsteht, wo Arme reich und Reiche verarmen dürfen und sie werden es überleben, weil die Wohlstandpolitik für die entsprechende Rahmenbedinggen sorgt, alles blah bla, möglich, doch wir sollten es ausprobieren!

Cote 304
01
22.9.2011, 08:00

Wer für neue Steuern plädiert hat keine Ahnung wieviel er tatsächlich Zahlt, weil alles verschleiert wird.
Ein Teil des eigenen Gehalts wird als Lohnnebenkosten ausgelagert, die Mehrwertsteuer ist im Preis inbegriffen, die Kommunalabgaben über die Betriebskosten eingehoben...
Ich bin überzeugt, wenn jeder seine ganzen Steuern, die er zahlt, selber zum Finanzamt tragen müsste, gäbe es einen Aufschrei, den man noch am Mond hören würde.
Der Tax Freedom Day in Österreich ist übrigens derzeit der 31.Juli.
http://www.taxfreedomday.at/medien.html

luke skywalker
00
22.9.2011, 08:52
31. Juli ??

Sie Optimist.
Es ist eher der 31 Oktober

http://www.nachrichten.at/nachricht... t15,713483

her wig
30
22.9.2011, 08:17

Sie sind auch einer von denen die meinen dass Strassen von selbst aus dem Boden wachsen, dass der Schulbesuch ein Recht ist das nichts kosten darf, usw.

Kontra
01
22.9.2011, 09:31

Das alles funktioniert auch in der Schweiz, die darüber hinaus noch wesentlich höhere Militärausgaben haben, eine wesentlich niedrigere Steuerquote und ein praktisch ausgeglichenes Budget. Es liegt in Österreich an der ineffizienten Verwaltung, Frühpensionen, ÖBB.

her wig
10
22.9.2011, 14:25

Wenn Sie wissen dass es woanders besser ist, warum sind Sie dann noch hier? Wer nur jammert aber keine Konsequenzen zieht ist nicht ernstzunehmen.

amber103
00
22.9.2011, 00:46
Wenn man vor lauter Zahlen die Realität nicht mehr erkennt.

5% soll das Vermögen an Wert zunehmen Herr Brunner? Sind Sie da sicher?
Irgendwo müsste man diesen Vermögenszuwachs aber auch in Form von Realvermögen sichtbar werden, denn das Finanzvermögen legt nur die Besitzverhältnisse am Realvermögen fest.
Grundstücke wachsen gar nicht. Der Zuwachs an Häusern deckt kaum den Bevölkerungszuwachs, und neue Betriebsanlagen sind auch kaum wo sichtbar. Bestanfalls Lager und Verkaufshallen voller chin. Waren werden errichtet.
Ein reale Zuwachs an Vermögen kann übrigens nur durch reale Investitionen erreicht werden.

Der angenommene 5%ige Zuwachs entspricht also beinahe der Inflation.

Angenommen das Realvermögen wächst durch Innvestitionen um ein halbes Prozent, dann werden diese mit 140% besteuert

her wig
20
22.9.2011, 07:32

Die Vermögenden leben von den Zinsen die andere berackern müssen, was genau ist schlecht daran wenn es der Staat genauso macht? Etwa, dass dann die Vermögenden nicht mehr an der Spitze der Abschöpfungspyramide stehen? Ok, das erklärt die starken Abwehrreaktionen.

RS69
 
00
21.9.2011, 23:36

"Bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent auf das Vermögen"

Jetzt fangen's schon wieder an zu schwafeln. DIe haben's auch bei den Pensionskassen versprochen.

Wenn's was abzwicken wollen, werden in freudiger Erwartung unrealistische Erträge präsentiert.

Garfield2
00
21.9.2011, 22:21
Mittlere Arbeitseinkommenden sind zu hoch besteuert!

Das sollte mittlerweile jedem klar sein. Ab einer gewissen Einkommensklasse, ist der Anreiz sich fortzubilden, mehr zu arbeiten - ausser Pfuschen, Standort zu wechseln, etc, fuer ein paar Hunderter brutto mehr, defacto 0. Das ist schlecht.

Ich will hier nicht dafuer plaedieren, sozial beduerftigen was wegzunehmen. Ich moechte nur Leuten mit mittleren Einkommen, die die Hauptsteuerlast in diesem Land tragen, entlastet sehn.

Nur mit einer halbdurchdachten Reichensteuer und Erbschaftssteuern wird sich das Geld nicht auftreiben lassen, das fuer eine Vereinfachung des Systems und Entlastung von Einkommen, sagen wir bis zu 4000 Euro brutto/Monat, notwendig ist. Der einzige Weg ist strukturell zu reformieren.

Quatremère
00
21.9.2011, 21:25

die entlastung des "faktor arbeit" würde vor allem eines bringen: eine reduktion der arbeitslosigkeit. ganz nebenbei wahrscheinlich eine leichte steigerung des konsums und damit etwas mehr wirtschaftswachstum.

metall81
02
21.9.2011, 16:31
Auch die hohe Belastung der Arbeitseinkommen, vor allem im unteren Bereich,

Ähm, ist das so. Meines Erachtens haben wir einen viel zu hohen Eingangssteuersatz bei gleichzeigtig hoher Freigrenze und zudem völlig unangemessene Progressionsstufen. Das lähmt die Produktivität erheblich ud schafft Eingangsbarrieren. Beispiel: Wieso soll ich als Elternteil eines Kindes, das das Kindergartenalter erreicht meine Beschäftigung von 20 auf 30 Stunden ausweiten, wenn ich mit dem Mehrverdienst nicht einmal die zusätzlichen Kosten der Kinderbetreuung decken kann? Wieso soll ich als Arbeitgeber einen hochqualifizierten Mitarbeiter einstellen, wenn die höhere Qualifikation in keiner Relation zu seinem Mehr-Gehalt steht?

Benjamin Klein
00
21.9.2011, 20:53
sind nicht die relativ hohen Sozialversicherungsbeiträge

der Gesamt-Abgabenbelastung des Arbeitseinkommens hinzuzurechnen ...

die Bezeichnung ...versicherung ist ja schon lange eher irreführend.

her wig
00
21.9.2011, 19:48

Zum letztgenannten: was hat der Marktpreis für höherqualifizierte Mitarbeiter mit dem Steuersystem zu tun? Die Steuersätze gelten doch für alle Arbeitgeber gleich.

RS69
 
00
21.9.2011, 23:38

Bei den - üblicherweise besser verdienenden - hochqualifizierten fallen's stärker ins Gewicht.

metall81
00
21.9.2011, 20:06
Kleinere Unternehmen können...

...z.B. einem DI aufgrund hoher Lohkosten kein ansprechendes Gehalt zahlen, müssen daher ein Ing. einstellen, obwohl der DI einen hohen Wert hätte.

her wig
00
22.9.2011, 07:37
Wer sich einen Hochqualifizierten nicht leisten kann

hat ihn nicht verdient. Ich meine, wenn andere Betriebe das können und kleine nicht, dann liegt das offensichtlich daran dann die kleinen zu wenig Wertschöpfung generieren, die grösseren aber schon. D.h., es liegt offensichtlich nicht an der Besteuerung.

metall81
00
23.9.2011, 07:02
Wer sich einen Hochqualifizierten nicht leisten kann hat ihn nicht verdient.

Was für eine bescheuerte Aussage.

RS69
 
01
22.9.2011, 07:41

Besteuerung und Lohnnebenkosten sind nicht so ganz ohne Einfluss auf die Kalkulation.

her wig
00
22.9.2011, 14:29

Ja, und? Die Lohnnebenkosten sind bei anderen Firmen dieselben. Wenn die sich das leisten können und Sie nicht, dann haben Sie einfach im Wettbewerb verloren.

metall81
00
23.9.2011, 07:02
Wenn die Lohnkosten aber aufgrund....

...staatlicher Intervention so hoch sind ist das Marktverzerrung. Von freiem Wettbewerb kann keine Rede mehr sein.

her wig
00
23.9.2011, 08:40

Der Punkt ist dass sie für alle gleich hoch sind. Wenn andere mehr zahlen können als Sie, dann gehen die hochpreisigen Leute immer zu den anderen.

metall81
00
23.9.2011, 08:58
Sie gehen von Vollbeschäftigung aus,...

...einem VÖLLIG freien Arbeitsmarkt und der Annahme, dass potentielle Arbeitnehmer NUR mit Geld zu locken wären. Fakt ist, bereits bei eher bescheidenen Gehaltsansprüchen des Hochqualifizierten sind die Lohnkosten ÜBERPROPORTIONAL höher. Zudem: In einem kleinen Betrieb ist das potentielle Mehr-Generieren an Mehreinnahmen geringer als in einem großen. Uner Steuersystem begünstigt das Einstellen niedrig Qualifizierter (was richtig und wichtig ist), aber lähmt die Einstellung höher Qualifizierter. Hier gehört korrigiert.

1116er
70
21.9.2011, 14:45
vermögensteuer belastet bereits versteuertes...

sie sollte auch nicht als steuer interpretiert werden, sondern als eine solidarabgabe.
das land benötigt geld. andere einkommensklassen sind bereits überproportional belastet. für 1+ mio vermögen besitzende ist sie, gemessen an ihrem verbleibenden vermögen, ein klacks.

sie sollte von den betroffenen als zukunfsinvestion/verspäteter dank angesehen werden, denn ohne diesen staat und ohne die anderen bürger wären sie gar nicht zu ihrem vermögen gekommen und könnten es in zukunft nicht weiter mehren!

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