Ex-Spezialeinheit soll an Mord am serbischen Premier Djindjic 2003 beteiligt gewesen sein
Belgrad - In Belgrad sind am Dienstag laut Medienberichten fünf
ehemalige Angehörige der ehemaligen berüchtigten Sonderpolizei-Einheit "Rote
Barette" festgenommen worden. Die Festnahme wurde von der
Sonderstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität angeordnet. Die Männer
stehen wegen des Mordes am serbischen Premiers Zoran Djindjic vor acht Jahren
unter Verdacht.
Die Verdächtigen sollen laut dem Sender B-92 zu einer Protest-Kundgebung der
"Roten Barette" im November 2001 befragt werden, das später in den Medien oft
als versuchter Staatsstreich bezeichnet wurde. Die Festnahmen könnten laut dem
Sender zur Aufklärung des "politischen Hintergrundes" der Mordattacke auf
Djindjic im März 2003 führen.
Der Anwalt der Djindjic-Familie, Srdja Popovic, hatte im November 2010 eine
Strafanzeige gegen Ex-Mitglieder der Sondereinheit erstattet. Er zeigte sich
überzeugt, dass die Ermittlungen über die Motive des Protestes auch zur
Aufklärung vom Hintergrund des Djindjic-Mordes beitragen könnten. Die "Roten
Barette" hatte am 11. November 2001 die wichtigste Belgrader Durchfahrtstraße
stundenlang blockiert. Der Grund dafür wurden nie geklärt. Der damalige
Staatschef Vojislav Kostunica hatte die Bedeutung der Aktion, zu der die
Sonderpolizisten in voller Montur mit ihren Geländewagen erschienen waren,
heruntergespielt. Die Gruppe habe, wie andere Berufsgruppen auch, ihre
Unzufriedenheit bekundet - eben in ihrer Arbeitskleidung, erklärte Kostunica.
Die vorjährige Strafanzeige von Popovic richtete sich auch gegen Kostunica
sowie den damaligen Chef des Militärnachrichtendienstes Aca Tomic, der mit der
"Roten Barette" unmittelbar vor dem Protest im Kontakt gewesen sein soll. Laut
dem Internetportal der Tageszeitung "Blic" ist einer der fünf festgenommenen
Ex-Sonderpolizisten derzeit Mitarbeiter des Geheimdienstes BIA, zwei weitere
gehören zu einer derzeitigen Sonderpolizeieinheit, einer zu einer
Terrorbekämpfungseinheit, einer befindet sich im Ruhestand. Die "Rote Barette",
deren mehrere Mitglieder am Anschlag auf Djindjic beteiligt waren, wurde nach
seinem Tod aufgelöst. (APA)