Die Situation in Nahost

Israel braucht Palästina

Kommentar der anderen | 20. September 2011, 18:38

Nur die Zwei-Staaten-Lösung kann Israel als einen demokratischen Staat mit jüdischer Mehrheit retten - Von Igal Avidan

Deshalb sollte die Regierung in Jerusalem die Anerkennung Palästinas in der Uno nicht bekämpfen, sondern sich ihr anschließen.

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In Basel hat Theodor Herzl den Judenstaat gegründet. Der Vater des Zionismus stellte 1897 fest, dass die Juden ein Volk sind, nicht eine Religionsgemeinschaft. In New York wird PLO-Chef Mahmoud Abbas wohl den Palästinenserstaat gründen. Der PLO-Chef braucht dafür nicht einmal die Aufnahme Palästinas durch den UN-Sicherheitsrat.

Ein simples Aufwerten in der Vollversammlung von einem "permanenten Beobachterstaat" zum "Nichtmitgliedstaat ohne Stimmrecht" der UN, vergleichbar dem Vatikan oder früher Österreich, wird eine klare Mehrheit finden. Das wird Palästina ermöglichen, Mitglied in mehreren UN-Organisationen zu werden und israelische Soldaten oder Siedler wegen Menschenrechtsverletzungen beim Internationalen Gerichtshof in den Haag zu verklagen.

Die Führung in Ramallah braucht einen diplomatischen Sieg, weil sie bei der eigenen Bevölkerung immer weniger Unterstützung findet und die Spaltung zwischen Westjordanland und Gaza neue Wahlen verhindert. Der Friedensprozess begann vor 18 Jahren. In der Zeit wuchs die Zahl der jüdischen Siedler auf das Dreifache, und Israel kontrolliert 60 Prozent des Westjordanlandes. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Israelis den Friedensprozess unterstützt und zugleich die Unabhängigkeit Palästinas ablehnt, egal wie die Vereinten Nationen entscheiden.

Durch einen Erfolg in New York könnte Abbas auch einen Sieg über die radikale Hamas feiern, die den Gang zur Uno ablehnt. Er kann auch seine wirtschaftliche Abhängigkeit von Israel temporär kaschieren. Aber auch Israel braucht die gemäßigte Palästinenserführung, deren Sicherheitskräfte zusammen mit den Israelis den Terror bekämpfen und so auch das Leben von Juden schützen. Die israelischen Drohungen, im Gegenzug zum Uno-Antrag die Finanzhilfe für die Palästinenserbehörde zu kürzen, könnten das Westjordanland ins Chaos stürzen und Israels Isolierung in der Welt noch vergrößern.

Uno stärkt Israels Grenzen

Daher sollte sich Israel besser der Anerkennung Palästinas anschließen. Dies wird einen unlösbaren Konflikt zwischen einem Staat und einer Befreiungsbewegung in einen handhabbaren Disput zwischen zwei Staaten verwandelt. Die Uno wird dadurch zum ersten Mal indirekt auch Israels Grenzen und seine Hauptstadt in Westjerusalem anerkennen und Israels Selbstdefinition stärken.

Nach einem israelischen Grundgesetz ist Israel nämlich ein jüdischer und demokratischer Staat. Die jahrzehntelange gewaltsame Herrschaft über die Palästinenser verwandelte Israel jedoch in einen schizophrenen Staat, eine Demokratie im Kernland und eine Besatzungsmacht im Westjordanland und dem Gazastreifen.

Nun kann Israel auch demokratisch bleiben, ohne seine Truppen und Siedler aus den besetzten Gebieten ziehen zu müssen. Es muss bloß den Palästinensern dort die gleichen demokratischen Rechte verleihen. Das aber würde die jüdischen Israelis zu einer Minderheit im eigenen Land verwandeln. Herzls Traum von einem jüdischen Staat, der als Zufluchtsort für Juden weltweit dient, würde somit begraben.

Es wäre ein symbolischer Akt, wenn Palästina das 194. Vollmitglied der Uno sein würde. Denn diese Zahl erinnert an die UN-Resolution 194 von 1948, der das gerade gegründete Israel als Bedingung für die Aufnahme in die Vereinten Nationen zustimmen musste. Die damalige israelische Regierung akzeptierte diese Bedingung sofort, obwohl die Resolution eine Uno-Kontrolle über Jerusalem und eine Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge, "die es wünschen, im Frieden mit ihren Nachbarn zusammenzuleben", verlangte. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2011)

Igal Avidan, geb. 1962 in Tel Aviv, Journalist, Politikwissenschaftler und Buchautor ("Israel: Ein Staat sucht sich selbst"), lebt in Berlin.

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Posting 1 bis 25 von 47
1 2
René Herndl
01
24.9.2011, 08:00
Bedingung

Der Autor hat im letzten Absatz eine der wesentlichen Gründe für den Status quo angeführt: Israel wurde nur unter der Bedingung der Erfüllung der UN-Resolution 194 in die UNO aufgenommen und als Staat anerkannt. Da Israels dies nie umgesetzt hat, vielmehr weiter eine aggressive Besiedlungspolitik betrieb, sind hier die Ursachen für den permanenten Widerstand gegen die Besatzer zu finden. Die Internationalisierung Jerusalems wäre nach wie vor der wahrscheinlich beste Weg, Verhandlungen über eine dauerhafte Grenze auf Basis der UN-Resolution 181 der beste Ausgangspunkt.

Wolfgang Bieber
00
23.9.2011, 12:41
Nr. 194

Vor der UN-Vollversammlung will Palästina zum 194. Staat werden. Israel warnt vor den Gefahren. Dabei ist die Anerkennung das Beste, was beiden Seiten passieren kann: Es bringt die eingeschlafenen Verhandlungen auf eine neue Ebene:
http://bit.ly/pb9uxe

Franzerl1
01
21.9.2011, 18:04

ich glaube die eu hat wichtigeres zu tun und sollte sich um seine eigene probleme kümmern, als den staat israel zu helfen...

Erich Sevcik
12
21.9.2011, 16:51
Jammer

Ein Jammer, was die Israelis so treiben, und sie werden kaum gebremst. Amerikaner und Deutsche zahlen und zahlen, noch schlimmer, diese beiden zahlen den Krieg der Israeli. Den Palestinänsern schicken diese beiden dann etwas Geld für's Verbandmateria. Bin neugierig was da herauskommt bei der UNO. Mir schwant da nicht Gutes

Allmächtiger Satan
02
21.9.2011, 16:03

Religion hat in Staaten nichts verloren. Es hat keine jüdischen, islamischen, christlichen und sonstige Republiken, Demokratien, etc zu geben. Diese Staatsformen säen und ernten nur Krieg und Verderben.

A Mann
04
21.9.2011, 14:13

Israel möchte seine Bautätigkeit im Westjordanland solange fortsetzen, bis es nichts mehr zu verteilen gibt. In diesem Sinne wird die israelische Regierung einem Staatsgründung niemals zustimmen, zu mal die Palästinenser dies in den Grenzen von 1967 vorschlagen. Abbas braucht - stimme ich dem Autor vollkommen zu - einen diplomatischen Erfolg, ansonsten werden die radikalen Kräfte noch stärker. Israel - so scheint es - ist an einem erstarken der radikalen Kräfte auf der Gegenseite interessiert, schließlich können sie so ihre Siedlungspolitik weiter vorantreiben und müssen keinem Frieden oder etwaigen Grenzen zu einem neuen Staat zustimmen.

krieg-nein danke!
26
21.9.2011, 12:39
Ich glaube nicht mehr an eine friedliche Lösung.

Vor allem, wenn sich die Europäer nicht geschlossen für ein geteiltes Land in (jüdisch) Israel und (islamisch) Palästina entscheiden wollen.
Herzls Vision war die eines Kolonialisten: So entstand auch das weiße Südafrika. Heute haben die einstigen Kolonialisten nach jahrhundertlanger Herrschaft letztendlich die Herrschaft an die genuine Bevölkerung zurückgeben müssen. Und dies nach langen, blutigen Kämpfen.

Israel kann sich dieses Schicksal nur ersparen, wenn es jetzt einer gerechten Teilung zustimmt, und die Grenzen von 1948 bzw. Jerusalem als internationale UNO Hauptstadt der drei Weltreligionen akzeptiert.

Wahrscheinlich alles Fiktion. Es wird vielmehr zu einem Nahostkrieg apokalytischen Ausmaßes kommen.

paradiselost
00
21.9.2011, 17:31
da ist einiges schief

die 2-staaten-lösung sieht einen überwiegend jüdischen und einen überwiegend arabischen (palästinensischen) staat vor. letzterer wäre keineswegs islamisch, sondern dies nur überwiegend, weil ein teil der palästinensischen bevölkerung christen sind (wenn auch durch arafats umsiedlungsprogramme - z.b. in bethlehem - dezimiert).

juden in israel sind keine kolonialisten wie die buren in südafrika. es gab und gibt tatsächlich eine (in geringem ausmaß sogar kontinuierliche) jüdische bevölkerung im gebiet israel-palästina. die jüdische disapora nahm von diesem ursprungsland ihren ausgang.

und hätten nicht im 19. und 20. jh. die pogrome in osteuropa + die shoah durch D(+A) stattgefunden, wäre die rückkehr nach palästina nicht notwendig geworden.

krieg-nein danke!
00
22.9.2011, 18:18
ich möchte nicht darüber streiten

ob die Landnahme Palästinas durch europäischen Zionisten Kolonialismus war oder nicht. Israel ist seit seiner Staatengründung Fakt und als Staat anzuerkennen.
Es geht mir eigentlich mehr darum, Verständnis für die Anliegen der genuinen Bevölkerung (auch der bereits dort lebenden jüdischen) zu zeigen. Es war ihr Land, das Jahrhunderte hindurch von den Osmanen und später von den Engländern besetzt war. Sie haben zuerst das Recht auf einen eigenen Staat, gleichberechtigt neben Israel.

Tastafariahs fliegendes Zehnfingermonster
00
21.9.2011, 17:07

In Afrika waren die Weißen immer eine Minderheit.

krieg-nein danke!
01
23.9.2011, 08:15
eine Minderheit:

das waren die Zionisten 1948 auch!

Harald Bruckner
13
21.9.2011, 10:26
Terroranschlag

ist die normale Antwort der Radikalen ihr Absinken in die Bedeutungslosigkeit zu verhinder.

molekühl
115
21.9.2011, 09:33

Von Berlin aus schreibt es sich leicht...
Auch ein souveräner Palästinenserstaat wird sich über kurz oder lang weiter radikalisieren, und wer soll dann dort gegen Terror und Raketenbasen vorgehen? Die UNO vielleicht? Lachhaft.

URKNALL
12
21.9.2011, 13:10
lachhaft ist einzig ihre bornierte einstellung.

honni soit
00
21.9.2011, 16:53
molekühl hat völlig recht!

Wenn ein von irren Islamisten regierter Palestinenserstaat entstehen sollte, was natürlich niemand hofft aber derzeit leider sehr wahrscheinlich wäre, würde der Israel dauernd piesaken, was Israel auf die Dauer keine andere Wahl liesse als in den nächsten Krieg zu ziehen. Dann würden sie die Teile Palästinas besetzen, von denen Bedrohungen ausgehen und wir wären, einen Krieg später wieder genau dort, wo wir jetzt schon sind.

Freigeist78
11
21.9.2011, 15:01

Warum? molekühl ist nur realistisch. Die Menschen in Gaza hätten nach dem Abzug der Israeli auch Frieden haben können. Gewählt haben sie die Hamas und den Raketenterror gegen Israel.
Was wird passieren, wenn Israel auf dem Westjordanland abzieht, ich meine nach dem vorprogrammierten innerpalästinensischen Bürgerkrieg?
Ja, Israel braucht einen Palästinenserstaat, aber einen der sich mit der Existenz Israels abfindet und der ist nicht in Sicht.

kasandro
10
21.9.2011, 18:57

Was für eine gedeihliche Entwicklung erwarten sie denn wenn 1,7 Millionen menschen auf einer Fläche kleiner als wie mit nur tröpfelnder Versorgung mit dem notwendigsten eingekerkert sind?

Freigeist78
00
21.9.2011, 22:10

Darf ich fragen welches Problem der Zensor mit meiner Antwort auf dieses Posting hat?

Freigeist78
01
21.9.2011, 19:31

Ursache und Wirkung. Die Wahl der Hamas, der innerpalästinensische Bürgerkrieg und der Raketenterror kamen zuerst. Die Blockade war eine Reaktion darauf.

URKNALL
20
21.9.2011, 16:26
"vorprogrammierter innerpalästinensischer Bürgerkrieg" ???????

Das klingt mir nach Gehirnwäsche - im Ernst! - so derart abwegig ist das.

Freigeist78
00
22.9.2011, 08:28

Was ist denn in Gaza nach dem Abzug der Israeli passiert? Natürlich wird die Hamas versuchen auch die Kontrolle im Westjordanland zu übernehmen.

miss chicken
114
21.9.2011, 07:44
Eine Stimme der Vernunft aus Israel

Aber Palästina braucht die Eigenstaatlichkeit aus eigenem Interesse, nicht nur um von Israel den Makel der Apartheid zu nehmen.
Nur die Souveränität über das Land und die Grenzen kann ein Leben in Würde und Frieden ermöglichen.

chaim54
2215
20.9.2011, 21:40
na zdorovje

theoretisch wäre das ganz schön, was hier von hr. avidan überlegt wird. leider ist die realität aber so, dass v.a. die hamas, aber auch die mehrheit der sogenannten gemäßigten palästinenser im wesentlichen davon träumen, alle juden ins meer zu jagen und ganz jerusalem zu kassieren. das wird auch gar nicht kaschiert, sondern ganz offen gesagt. auch mir ist das gesagt worden. und man soll nicht vergessen: israel hat 7,6 millionen einwohner, davon ein fünftel araber. rundherum leben ca. 600 millionen araber.
alles klar?

john breinössl
00
21.9.2011, 18:42
Die Bibel lesen.

Zu diesem Thema sollte man vor allem die Bibel lesen.
was sagt die Bibel über die Zukunft Jerusalems und Israels voraus?

sitting bull
00
21.9.2011, 17:58
ja, alles klar: Sie sind Verschwörungstheorektiker.

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