Martin Blum - Chefvermittler für ein besseres Radklima

Als Radverkehrsbeauftragter der Stadt Wien hat er den Auftrag, den Wienern die Vorteile der unmotorisierten Fortbewegung auf zwei Rädern näherzubringen

In seiner Diplomarbeit ging es um Hydrologie und Klimafolgen, in den nächsten Jahren wird sich Martin Blum mit wesentlich erdigeren Dingen beschäftigten. Als Radverkehrsbeauftragter der Stadt Wien hat der Boku-Absolvent den Auftrag, den Wienern die Vorteile der unmotisierten Fortbewegung auf zwei Rädern näherzubringen.

Das könnte sich zum echten Knochenjob entwickeln. Denn seit die Grünen in Wien mitregieren und die Verdoppelung des Radfahranteils als Ziel bis 2013 definiert haben, sind laut Studien zwar mehr Radfahrer auf der Straße - allerdings gibt es seither auch wesentlich mehr Konflikte zwischen überzeugten Stadtradlern und dem Rest der Welt. "Mir geht es auch darum, das Miteinander im Straßenverkehr zu fördern", sagt Blum.

Das sollen der Radverkehrsbeauftragte und sein zweiköpfiges Team vor allem mit Werbemaßnahmen bewerkstelligen. Viel Geld steht der von Rot-Grün neu geschaffenen Radagentur aber nicht zur Verfügung. 200.000 Euro im Jahr macht die Stadt für die Lohnkosten locker, die Finanzierung einzelner Projekte muss erst der betreffende Gemeinderatsausschuss bewilligen. Blum, der aus 440 Bewerbern ausgewählt wurde, will sich davon nicht abschrecken lassen. "Werbung und PR sind gut und wichtig, aber nur ein Teil. Genauso wichtig sind Vernetzung und fachlicher Input."

Rüstzeug vom VCÖ

Sein eigenes Rüstzeug in Verkehrsfragen hat der 35-Jährige beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erworben. Ursprünglich wollte er dort nur seinen Zivildienst absolvieren, blieb dann aber neun Jahre lang - und übernahm die Leitung der Abteilung für Verkehrspolitik. "Fürs Radfahren habe ich mich immer schon begeistert", sagt der gebürtige Wiener, der in der Steiermark aufgewachsen ist. "Ich bin schon in die Volksschule mit dem Rad gefahren." Das Rad blieb ständiger Begleiter: Als 13-Jähriger radelte Blum quer durch Österreich, mit 17 arbeitete er als Fahrradbote in Graz.

Inzwischen ist der verheiratete Vater dreier Söhne hauptsächlich im Wiener Stadtgebiet mit dem Rad unterwegs. Für kürzere Strecken schwingt sich Blum auf ein schweres Holland-Rad, für längere Fahrten aufs Trekking-Bike. Der Weg zur neuen Arbeitsstelle ist eher ein Fall fürs sportliche Modell. Denn von Blums Wohnung im zweiten Bezirk in die neue Radagentur in Hernals geht es immerhin rund sieben Kilometer quer durch die Stadt. (Martina Stemmer, DER STANDARD-Printausgabe, 21.9.2011)

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7 Postings
Ich möchte hiermit gerne mich selbst für den Posten des Fußgängerbauftragten vorschlagen

Ich gehe schon seit jüngsten Jahren leidenschaftlich gern und dabei zu nichts lieber als zu Fuß.

In den letzten Jahren konnte ich viel Erfahrung beim Gehen auf verschiedenen Untergründen sammeln (Asphalt, Gras, Teppich, sogar Kork).

Meinen Zivildienst habe ich beim Bundesheer absolviert und bin auch dort ausgiebig marschiert. Meist fußläufig.

An der Uni habe ich Kurs in Statistik belegt, sodass ich auch problemlos eine Auftrittswahrscheinlichkeit berechnen kann. Aber bei mir ist die Auftrittswahrscheinlichkeit eh 100 Prozent, weil ich hab ein super Auftreten.

Und: Ich geh noch heute jeden Tag in die Arbeit, zumindest vom Parkplatz aus!

Woher bitte?

"Denn seit die Grünen in Wien mitregieren und die Verdoppelung des Radfahranteils als Ziel bis 2013 definiert haben, sind laut Studien zwar mehr Radfahrer auf der Straße - allerdings gibt es seither auch wesentlich mehr Konflikte zwischen überzeugten Stadtradlern und dem Rest der Welt."

--> welche Studie besagt, dass es mehr Konflikte gibt?

Ich hab eher die Vermutung, die Medien pushen hier unnötig ein Streitthema, dass im Alltag gar nicht so schlimm ist... .

eines hat

dieser Beauftragte ja mit den Grünen jetzt schon gemeinsam: er ist überflüssig!

Geiler Kommentar.

"Fürs Radfahren habe ich mich immer schon begeistert", sagt der gebürtige Wiener, der in der Steiermark aufgewachsen ist. "Ich bin schon in die Volksschule mit dem Rad gefahren."

Wenn er in seiner Volksschulzeit bereits mit dem Auto oder dem Moped gefahren wäre, hätte es sogar in der Steiermark "rambazamba" gespielt.

Ein "no na net" Statement.

Aber was soll dieser Job auch sonst kreatives ans Tageslicht bringen?

Naja,

die meisten fahren doch mit dem Bus oder Zug bzw. gehen zu Fuß.

200.000 Euro pro Jahr für drei Leute, die hauptsächlich damit beschäftigt sein werden, Werbung zu schalten -

vermutlich in den beiden Wiener Spitzenblättern "heute" und "Österreich".

Das ist sicher eine vernünftige und nachhaltige Investition der Wiener Stadtpolitik. Aber war sie wirklich notwendig?

Laut den zitierten Studien hat ja allein die Regierungsbeteiligung der Grünen schon zu einem Anstieg des Radfahreranteils geführt.

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