Haydn, Liszt und der Geheimdienst

20. September 2011, 18:27
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    foto: apa/gindl

Der burgenländische Kulturlandesrat klärt US-Botschafter über Pannoniens "major cultural attractions" auf

Raiding - Jeden Herbst lädt Helmut Bieler, Burgenlands Kultur-Landesrat, die Kulturveranstalter des Landes zum gemeinsamen Bilanzziehen über die kulturellen Highlights des abgelaufenen Sommers.

Diesmal traf man einander am Montagabend im mittelburgenländischen Raiding, immerhin ist das der Geburtsort des pannonischen Jahresregenten Franz Liszt, dem sie gleich neben sein Geburtshaus einen Konzertsaal hingebaut haben, der ausschauen mag wie ein Turnsaal, aber akustisch - hört man - alle Stückerl spielt. Und das ist jetzt nur eine kulturelle Attraktion des Landes.

Bevor Helmut Bieler nach Raiding aufbrach, schrieb er noch einen Brief, den er im Lisztzentrum dann allen vorlas. Denn es war ein sogenannter "offener Brief" , und zwar an Mr. William C. Eacho, der - wie kürzlich Österreich via Wikileaks erfuhr - im Herbst 2009 einen geheimen Kundschafterbericht an seine Chefin, Hillary Clinton, sandte. In dem stand allerlei Unbekanntes über den exotischen austriakischen Ostrand. Zum Beispiel das:"Burgenland is Austria's smallest province, as well as the poorest and flattest." Und das: "Though it produces the country's best wine, it lacks ski slopes or major cultural attractions."

Letztere Beobachtung reizte Bieler klarerweise zum Einspruch. Sein offener Brief beginnt deshalb so:"Mit großer Verwunderung habe ich ..." , um dann all das aufzuzählen, was das Burgenland sehr wohl an "major cultural attractions" aufweisen würde und Sommer für Sommer immerhin rund 700.000 Besucher locke.

"Besonders verwunderlich" fand Helmut Bieler "die Tatsache, dass Ihr Bericht im internationalen Haydn-Jahr 2009 ... verfasst wurde." Und nicht nur diesbezüglich verwies er den Botschafter und seine emsigen Geheimagenten an die "verschiedenen Haydn und Liszt Societies in den USA" .

"Ich habe versucht", erklärte Bieler dem Standard, "einen sarkastischen Ton eher zu vermeiden." Ganz ist das nicht gelungen. Mit spürbarem Wohlgefallen verweist er Recherche-bezüglich auf die Provinzpresse an der amerikanischen Ostküste:"The New York Times listete in ihren Reiseempfehlungen ,The 44 Places to Go in 2009‘ vom 11. Januar 2009 Wien und Eisenstadt aufgrund des Haydn-Jahres auf Platz 8."

Um weitere einschlägige Missverständnisse künftig hintanzuhalten, lädt Bieler Eacho deshalb am 19. Oktober nach Raiding zum Konzert des russischen Pianisten Boris Bloch, der den Herbstblock des Listz-Festivals eröffnen wird. Ob ein oder vor, das sei, so Bieler, "Interpretationssache". (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2011)

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10 Postings

Was für eine provinzielle und peinliche Aktion.

wuahahahaha!

was sind denn das für infos, für die die US-regierung die leute durch die welt schickt???

da informiere ich mich doch bei wikipeadia und weiss mehr ;)

lieber herr weisgram

ich verstehe nicht ganz, warum der konzertsaal in raiding wie ein turnsaal aussehen soll. sprossenwände habe ich dort noch keine gesehen. sie sind wohl am vergangenen montag zum ersten mal dort gewesen. schade, für einen journalisten der an sich sehr gur beiträge schreibt.

najo, von außen irgendwie schon.

ein Schmunzeln

Danke Herr Bieler

Lol.

"Smallest Country": EW ja, Fläche nein.
"poorest": diverse Studien, Einkommensberichte, etc. listen das Burgenland vor Tirol, Kärnten und Vorarlberg.
"flattest": Hermannskogel, Wien: 542; Geschriebenstein, Bgld: 884, Schilifte gibts auch 2-3.

Für den Blick von außen passt der Bericht schon.
2 -3 Lifte sind im Vergleich zu Restösterreich einfach keine ernsthaften Skigebiete und wer außerhalb von Österreich weiß überhaupt, dass Wien ein eigenes Bundesland ist?

Nein, er passt eben nicht. Das mit den Schigebieten ist eher ein Scherz, aber von wegen Einkommen und Kultur ist es eben komplett falsch.

Nominal sind die Einkommen im Burgenland sicher niedrig, nur das niedrige Preisniveau führt dazu, dass die Realeinkommen höher sind.

Falsch: www.ogm.at/pdfs/Beri... e_kurz.pdf

Einkommen:
Wien > NÖ > OÖ > Vbg > Szb > Bgld > Stmk > Tirol > Ktn

durch Schattenwirtschaft überholt Szb Vbg. Das Preisniveau ist gleichzeitig das Höchste
---
Ranking reale Kaufkraft (= Einkommen mit Schattenwirtschaft in Relation zu Preisniveau):
NÖ > W > OÖ > B > S > K > V > T

sprich: Der Westen ist ziemlich arm.

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