ASK Bad Vöslau, trainiert vom Ex-Internationalen Willy Kreuz, bekommt heute Besuch von Rapid
Bad Vöslau / Wien - "Wenn was passiert, rufen S' mich am Donnerstag
wieder an", sagte Wilhelm "Willy" Kreuz am Dienstag. Heute Mittwoch (16 Uhr)
empfängt sein Klub, der ASK Bad Vöslau, gegenwärtig Zweiter in der 1.
Landesliga, Rekordmeister Rapid. Kreuz freilich geht nicht unbedingt
davon aus, dass die Sensation passiert.
"Rapid ist klarer Favorit. Sie könnten auch mit der Reserve spielen.
Aber ich sag sicher nicht: Burschen geht's raus, wir verlieren eh. Wir
wollen Rapid ärgern, dem Publikum ein schönes Spiel zeigen. Es ist ja
nichts Neues, dass der Cup eigene Gesetze hat. Die Bayern sind auch
schon an Amateurmannschaften gescheitert. Viele träumen jetzt bei uns.
Und Träumen ist natürlich erlaubt. Gott sei Dank ist das am Mittwoch
vorbei. Am Samstag spielen wir Meisterschaft in Retz. Wenn wir dort
gewinnen, sind wir Tabellenführer."
Remember Stockerau?
Fünf Stunden hat es nach der Auslosung vor einem Monat gedauert, ehe
das
Match ausverkauft war. 2200 Zuschauer haben Platz im kleinen Bad
Vöslauer Stadion. "Für Ihre Sicherheit ist gesorgt", teilt der Verein
mit. 50 Polizisten, 40 Security-Mitarbeiter und 40 Ordner werden
anwesend sein. Obacht: Die Polizei filmt mit.
"Es ist ein großer Tag für die Mannschaft. Für mich nicht, ich hab
schon
alles durchgemacht." Zum Beispiel im Mai 1991, als der SV Stockerau,
damals zweitklassig und von Kreuz trainiert, im Cupfinale Rapid mit 2:1
geschlagen und im Europacup bei den beiden 0:1-Niederlagen gegen
Tottenham Hotspur eine erstaunlich gute Figur gemacht hat.
Der Wiener Kreuz, der in 56 Länderspielen zwischen 1969 und 1981
elfmal
netzte, bei vier WM-Qualifikationen mitwirkte, 1978 in Argentinien die
Endrunde schmückte und am 3:2 gegen Deutschland beteiligt war, ist schon
lange im Trainergeschäft. Beim Erwerb der diesbezüglichen A-Lizenz war
er Klassenkollege unter anderem von Hans Krankl. Er betreute Stockerau,
Vöest Linz, St. Pölten, Gablitz, wieder Stockerau, die SV Donau und seit
eineinhalb Jahren ASK Bad Vöslau.
"Mir macht es Spaß in der Landesliga"
In der Eliteliga war Kreuz nur ganz kurz beschäftigt. "Das war 1986,
bei
der Admira. Ich war Ko-Trainer von Gustl Starek. Der wurde acht Runden
vor Schluss entlassen. Ich übernahm die Mannschaft und verpasste einen
Uefa-Cup-Platz nur um einen Punkt. Das Stadthallen-Turnier haben wir
gewonnen. Aber weil ich mit der Lizenz noch nicht fertig war, wurde mir
ein anderer vorgezogen." Ein Engagement bei einem Bundesliga-Klub könne
er sich vorstellen. "Aber ich trag mich nicht an. Mir macht es Spaß in
der Landesliga."
Kreuz schwärmt so richtig von seinen Burschen, auch wenn diese seit
Wochen etwas unkonzentriert sind, da sie nur das Rapid-Spiel im Kopf
haben. "Sie spielten körperlos und wollten unbedingt Sperren vermeiden.
Ich verstehe es auch."
Bad Vöslauer Serie
Die Mannschaft besteht aus einheimischen Jungen, zum Teil aus dem
eigenen Nachwuchs, und zwei tschechischen Routiniers, dem Verteidiger
Karol Schulz (37) und dem Offensiven Lukas Nechvatal (30). "In den
vergangenen beiden Wintern haben wir ein Trainingslager in der Türkei
gemacht. Die Spieler mussten sich eine Woche Urlaub nehmen und 600 Euro
zahlen. Dafür durften sie dreimal täglich trainieren. Die Einstellung
ist wirklich super." Immerhin ist Bad Vöslau bereits seit 26 Partien
ungeschlagen.
Ob er, Kreuz, noch bisweilen kickt? "Ein bisserl im Training mit der
Mannschaft, aber nicht viel. Ich bin 62, auch wenn ich so jung
ausschaue. Eigentlich brauch ich zwei neue Kniegelenke. Einige meiner
Kollegen von damals haben die schon. Ich will die Operation
hinauszögern. Ich lebe seit 50 Jahren Fußball. Zehn Operationen hab ich
schon gehabt." (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 21. September 2011)