Heiße und kalte Whiskeys

Isabella Reicher , 20. September 2011, 17:02
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    Brendan Gleeson (li.) als irischer Cop in "The Guard" - selbst ein Mordopfer bringt ihn nicht aus der Fassung.

Die irische Krimi-Groteske "The Guard" mauserte sich zum Überraschungserfolg

  In der Hauptrolle brilliert Brendan Gleeson als Polizist ohne Eile, der mit Don Cheadle einen ebenbürtigen Partner aus Übersee erhält.

Wien - An der irischen Westküste spielt man nach eigenen Regeln. Schon mit jenen in Dublin sind sie nicht mehr vergleichbar. Und wenn nun einer aus London kommt oder gar aus Übersee und USA, dann wird ihm erst einmal vorgeführt, wie sehr sein Weltwissen hier gar nichts gilt.

Die Behauptung von Einzigartigkeit und das Bedürfnis nach Abgrenzung steigen offenbar proportional zur Abnahme der relativen Bedeutung. Das nennt man dann Provinz. Auf pfeilgeraden Straßen krachen dort Fahrzeuge mit zugedröhnten Jugendlichen und hoher Geschwindigkeit in die immer gleiche, tödliche Befestigungsmauer. Und gleich in der ersten Szene des Films The Guard sieht man deutlich, dass der schon etwas in die Jahre gekommene Küstenwächter, der hier seinen Dienst versieht, angesichts solch lähmender Routine mit seinen Kräften hauszuhalten weiß.

Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist ein gelassener, gestandener Mann. Anders lautende Erfahrungen bei der Arbeit haben ihm inzwischen so manche Dienstvorschrift ersetzt. Übertriebene Eile und Ehrgeiz schaden nur. Den Rookie, den man ihm zuteilt, kann er mit so viel Freigeist noch schockieren. Erst in einem anderen Außenseiter, dem zur Drogenfahndung nach Irland abkommandierten FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle), findet Boyle einen ebenbürtigen Sparringspartner. Aber auch der braucht eine Weile, um herauszufinden, ob Boyle Rassist oder Rebell, "motherfucking dumb" oder "motherfucking smart" ist.

Schon mit der ersten Szene an der Küstenstraße hat das Debüt von John Michael McDonagh recht deutlich den Grundton gesetzt: The Guard ist weniger ein Krimi als eine gallige Gesellschaftskomödie mit viel Lokalkolorit. Das hat manchen Nachteil: altkluge, bleiche irische Kinder und Drogenkuriere, die Nietzsche zitieren, Nutten mit dem Herz am rechten Fleck und etliche Käuze bevölkern die Szene.

Andererseits hat man mit Brendan Gleeson aber auch einen Schauspieler engagiert, der das richtige Format hat, um aus einem Typus eine unverwechselbare Figur zu machen, einen Satz wie "einen heißen Whiskey und einen kalten, während ich darauf warte" kann er am Tresen ganz selbstverständlich sagen. Die übrige Besetzung - Don Cheadle, Liam Cunningham, Fionnula Flanagan u. a. - darf am Ende des Films ebenfalls zu Recht noch einmal vor den Vorhang. In Irland hat sich The Guard zum bis dato kommerziell erfolgreichsten unabhängigen irischen Film aller Zeiten entwickelt, bei einem Budget von rund vier Millionen Euro hat man weltweit nahezu acht Millionen eingespielt. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 21. September 2011) 

Ab Freitag

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16 Postings
El Lute
00
22.9.2011, 01:51

A Scotsman who spells
Whisky with a n ‘e’,
should be hand cuffed
and thrown head first in the Dee.
In the USA and Ireland,
it’s spelt with an ‘e’
but in Scotland
it’s real ‘Whisky’.
So if you see Whisky
and it has an ‘e’,
only take it,
if you get it for free!
For the name is not the same
and it never will be,
a dram is only a real dram,
from a bottle of ‘Scotch Whisky’.

RebelAngel
 
00
21.9.2011, 15:04

nach "In Bruges" hab ich mich sehr gefreut, als ich den Trailer gesehen habe...bin schon gespannt...und hoffe, dass ich im Original halbwegs was verstehe ;-)

mechaniac
00
21.9.2011, 16:46

unbedingt OV, aber mit untertiteln. der irische akzent is mörderisch, aber unerlässlich fürs erlebnis.

RebelAngel
 
00
21.9.2011, 16:48

ich versuche mittlerweile eh schon komplett ohne Synchros auszukommen...nur immer geht es halt nicht (koreanische Filme zB) ;-)

altbürgermeister
00
21.9.2011, 14:57
Toller Film!

Leider im Original kaum verständlich (außer jemand hat einen umfassenden Sprachaufenthalt in Irland absolviert).

gefürstete grafschaft tirol
00
21.9.2011, 13:50
Don Cheadle ist ein hervorragender Schauspieler aber immer wenn ich ihn sehe kommt mir immer "Hotel Ruanda" in den Sinn.

Gerald H
02
21.9.2011, 05:29
"Die Behauptung von Einzigartigkeit und das Bedürfnis nach Abgrenzung steigen offenbar proportional zur Abnahme der relativen Bedeutung."

Wohl eher zur Abnahme der absoluten Bedeutung, relativ ist sie ja hoch, oder?

Johnny Chicago
00
21.9.2011, 02:07

der film spielt eh an der westküste direkt vor "craggy island", so much for that ;-P

Mondmann
03
20.9.2011, 20:50

Übrigens mit fabelhaftem Soundtrack von Calexico...

667 one step ahead of the devil
00
20.9.2011, 18:35
Hab da großartige Zeilen im Artikel gefunden:

"Die Behauptung von Einzigartigkeit und das Bedürfnis nach Abgrenzung steigen offenbar proportional zur Abnahme der relativen Bedeutung. Das nennt man dann Provinz".

Der Film ist übrigens sehr gut. Englische Untertitel zur Orginalversion zu empfehlen. Die Geschwindigkeit des Gesprochenen ist verdammt hoch.

Asha P.
 
00
21.9.2011, 10:03
In der Tat

excellent movie. Leider scheinen noch nicht mal engl. subs zu existieren… :(

Gerald H
00
21.9.2011, 05:28
"Die Behauptung von Einzigartigkeit und das Bedürfnis nach Abgrenzung steigen offenbar proportional zur Abnahme der relativen Bedeutung."

Wohl eher zur Abnahme absoluten Bedeutung, relativ ist sie ja hoch, oder?

rockoconnoisseur
00
21.9.2011, 08:31

geh gerald hast eh chon oben, geschrieben, hast eh recht.
wann hattest du zum letzten mal mit sex?

Kronen Zeitung Verbrennungsmobil
 
01
20.9.2011, 17:54

Das kann nicht ganz stimmen mit "erfolgreichster irischer Film"....

"Once" kostete in der Produktion lächerliche 100.000 Eur und spielte weltweit um die 30 Mio € ein...

Olivio Tasso
00
20.9.2011, 21:24
Stimmt

DER Liebesfilm unter den "Blair Witch"-Streifen, andererseits muss man auch sagen, dass auch ein gewisser Mr. Spielberg vermarktungstechnisch bei "Once" seine Finger im Spiel hatte.

G. B. Corner
00
20.9.2011, 20:00

Jop, ich nehme aber an, dass solche Infos einfach vom Verleiher mit dem Infomaterial übernommen werden. So gesehen sind das mehr Werbe-Aussagen. In einem anderen Film-Artikel heute ist auch gestanden, "The Lion King" sei der erfolgreichste Trickfilm aller Zeiten; hört sich ebenfalls nach Disney-Speak an.

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