Kurdischer Aktivist

In Österreich Asyl, in Bulgarien in Haft

Maria Sterkl, 21. September 2011, 06:15

Trotz drohender Misshandlung will Bulgarien in Salzburg lebenden Kurden an Türkei ausliefern

Ein Salzburger Transportunternehmer sitzt seit 19. August in Bulgarien in Haft: Er soll in die Türkei ausgeliefert werden, obwohl Österreich seine Abschiebung in die Türkei für unzulässig erklärt hatte. Der Fall lässt bei Menschenrechts-NGOs die Alarmglocken schrillen, auch das Außenministerium wurde bereits aktiv.

Ramazan G., der seit elf Jahren in Salzburg lebt, floh als 19-jähriger Wehrdienstverweigerer mit kurdischem Hintergrund aus der Türkei nach Österreich. Im Jahr 2007 bekam er in zweiter Instanz Asyl zugesprochen. Sollte er in die Türkei abgeschoben werden, drohe G. „eine erhebliche Gefährdung, Misshandlung oder Folter ausgesetzt zu sein", stellte der Unabhängige Bundesasylsenat (UBAS) fest.

Doch genau dies droht G. nun zu widerfahren: In Bulgarien, wo er seinen Urlaub verbringen wollte, wurde er kurz nach seiner Ankunft am Flughafen Sofia festgenommen. Der Grund: Gegen ihn liege ein Haftbefehl der Türkei wegen Mitgliedschaft bei einer kriminellen Organisation, konkret der kurdischen Untergrundorganisation PKK, vor. Seit einem Monat befindet sich G. nun im Gefängnis der bulgarisch-rumänischen Grenzstadt Varna in Untersuchungshaft. Am 30. September soll er einem Berufungsgericht vorgeführt werden.

Vorgehen "stinkt gewaltig"

Das Vorgehen "stinkt gewaltig", sagt Amnesty International Österreich-Sprecher Heinz Patzelt - grob rechtswidrig sei es dennoch nicht. "Leider", wie Patzelt meint: "Es gibt in den meisten Rechtsordnungen keine Bestimmung, die eine Abschiebung trotz aufrechten Asylbescheids keinesfalls zulässt" - Ausnahmebestimmungen gebe es etwa beim Verdacht auf schwere Straftaten. Dass Österreich G.s Ausweisung in die Türkei für unzulässig erklärt, sollte die bulgarischen Behörden zwar aufhorchen lassen, sie seien daran aber nicht strikt gebunden, wenn sie die Auslieferung wegen eines schweren Strafdelikts für geboten sehen.

"Meinung" eines Staates

KritikerInnen wenden ein, dass jener Haftbefehl, auf dessen Basis G. nun festgehalten wird, bereits im Jahr 2004 von einem niederländischen Gericht geprüft worden ist: Im Jahr 2004 musste sich G. wegen dem Vorwurf, Mitglied in einer kriminellen Vereinigung zu sein, bereits verantworten - und wurde freigesprochen.  Doch auch dieses Urteil sei lediglich als "Meinung eines Staates" zu betrachten, sagt Patzelt: "Jeder Staat ist souverän und hat das Recht auf seine eigene, hoffentlich menschenrechtskonforme, Meinung." Theoretisch könne G. also aufgrund eines einzigen Haftbefehls in zwanzig verschiedenen Staaten zwanzig Mal verfolgt werden. "Das ist höchst absurd und menschenrechtlich hochbedenklich, aber leider nicht zu ändern", sagt Patzelt.

Misshandlung droht

G. lebt seit 2001 in Österreich. Sein Asylantrag wurde in erster Instanz abgelehnt, die zweite Instanz gab ihm jedoch Recht: Als Angehöriger der kurdischen Minderheit sei er besonders stark gefährdet, während seiner Inhaftierung Folter und Misshandlungen ausgesetzt zu sein. Laut Salzburger Bekannten ist G. kein Mitglied der PKK, er habe sich lediglich aus dem österreichischen Exil für kurdische Belange stark gemacht, heißt es. Auch das niederländische Gericht gelangte zu dieser Ansicht. 

In der Türkei wird G. nicht nur wegen Verbindungen zum Terrorismus, sondern auch wegen Fahnenflucht gesucht.

G.s Rechtsvertreterin in Salzburg, Veronika Sengmüller, ist indessen auf der Suche nach einem Vertrauensanwalt in Bulgarien. Zurzeit wird G. von einem Pflichtverteidiger vertreten. Sengmüller hat das Außenministerium, das UNHCR und die österreichische Botschaft in Sofia kontaktiert. Das Außenministerium habe „wiederholt die bulgarischen Behörden über seinen Status als Konventionsflüchtling informiert", sagt dessen Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal zu derStandard.at. In der Vergangenheit sei dies ausreichend gewesen: "Wenn sie die Nachricht bekommen haben, dass jemand den Asylschutz genießt, ist eine Auslieferung bisher nicht erfolgt." Der Botschafter in Sofia werde den Gang des Verfahrens weiter „unter Beobachtung halten", so Launsky-Tieffenthal.

"Ich würde mir erwarten, dass man mehr tut", sagt Anwältin Sengmüller, die im Fall einer Auslieferung Schlimmes befürchtet. Die türkische Rechtssprechung sei "unglaublich streng", so Sengmüller. "Es reicht, dass man jemandem von einer prokurdischen Demonstration erzählt -und man wird schon als Teil der PKK betrachtet." Die mögliche Folge: 15 Jahre Haft. Eine Stellungnahme der bulgarischen Botschaft in Wien blieb bis Redaktionsschluss aus.  (Maria Sterkl, derStandard.at, 21.9.2011)

Kommentar posten
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Kubilay Aslan
31
24.9.2011, 20:56
Das sind die Beweise, wie Österreich Terroristen unterstützt.

Afghanistan hat man für solcherlei umtriebe bombaridiert und besetzt. Hoffe dass die Türken Österreich auch anständig befrieden und von der Terrorunterstützung befreien werden.

chat noir
01
23.9.2011, 11:36
Die Türkei will gar nicht in die EU ...

armin delmenhorst
 
05
23.9.2011, 17:09
Die Türkei gehört

so wie die Kaukasus-Republiken oder Isareal nicht in die EU, weil es keine europäischen Länder sind. Darum sollte es einer verantwortungsvollen Politik gehen. Es spricht ja nicht dagegen, mit diesen Ländern zusammenzuarbeiten, aber eine Aufnahme sollte es schon aus Prinzip nicht geben. Ganz gleich, ob sich diese Staaten mal näher oder mal weiter von der europäischen Zivilisation zu- bzw.wegbewegen. Mit welchem Argument sollte man dann zum Beispiel Afghanistan oder Tschetschenien die Aufnahme verweigern. In ein paar Jahren wird ohnehin die überwiegende Bev. bei uns und in D sitzen, da wird so wie bei den Türken dann auch der Ruf laut werden.

Kubilay Aslan
00
2.10.2011, 20:54
Sie haben zypern vergessen...

Aber keine Sorge, die Türken werden nicht müde werden euch daran zu erinnern, das Zypern nicht in der EU ist und die ganze Scheinaufnahme nichtig ist.

chat noir
10
23.9.2011, 11:35
In Österreich Asyl, von

der Interpol Moskau jahrelang gesucht.
Aber natürlich gibt es keinen Missbrauch, das ist alles nur r***istische Hetzerei.

chat noir
10
23.9.2011, 17:16
tja die Wahrheit kommt, früher oder später, immer ans Licht

http://www.kleinezeitung.at/steiermar... chen.story

8 Millionen Lebensmenschen
30
23.9.2011, 16:49

Die Faschopost als Quellenangabe... echt niedlich

Viel Platz zwischen blau und grün!!
12
22.9.2011, 09:26
Ich dachte, die Türkei ist EU-reif!

Dann kann es auch keine Verfolgung geben.
Entweder oder.

keywords
00
22.9.2011, 10:03

wäre die türkei EU reif, wäre sie in der EU.

Viel Platz zwischen blau und grün!!
11
22.9.2011, 10:38
Wenn sie nicht EU-reif ist,..

...warum wollen die Grünen sie dann in der EU?

Montgomery McFerryn
03
22.9.2011, 11:56

Weil die Grünen noch nie Realitätssynchron gelaufen sind. :-)

[sic!]ut.at
 
00
22.9.2011, 08:37
Bitte, Bitte, ...

... neben ctrl+c und ctrl+v auch mal ein Blick auf Google Maps.

Gruß aus Bulgarien
Burgas - Bulgarisch-Türkische Grenzstadt ;-)

mstislav raskachlovitsch
10
22.9.2011, 07:29
wei blöd muss man sein....

.....bei einer derartigen Konstellation Urlaub in Bulgarien anzustreben?

"So mancher wird von seiner eigenen Blödheit geschlagen."

keywords
00
22.9.2011, 10:04

was ist da dran blöd?
hätten sie davon gewusst?

strangerinastrangeland
 
31
21.9.2011, 22:30

Wenn man in einem Land Asyl erhalten hat, ist es unklug, dieses Land zu verlassen.

Das gehört zum Allgemeinwissen jedes Asylanten, was war so wichtig, dass der Mann nach Bulgarien fahren musste?

Walles
11
21.9.2011, 23:38

Es hätte ihm zumindest klar sein müssen, dass der Rest von Europa auf die österreichischen Asylentscheidungen scheisst. Die miserable Qualität der österreichischen Asylentscheidungen ist legendär. Lesen Sie zu diesem Thema gelegentlich den Standard. Asylexpertin Brickner berichtet regelmässig darüber. Solche Entscheidungen dürfen auf keinen Fall einen Freibrief für internationale Terroristen darstellen!

Hubert Ungeist
 
00
29.10.2011, 18:13
ÄH?

Jetzt soll Österreich plötzlich schlecht sein, weil es Asyl gegeben hat?

j e
12
21.9.2011, 19:29
Varna eine Grenzstadt???

Miserable Recherche!

Tschuri Cazzino
 
00
22.9.2011, 08:20
Wenn man, was Usus ist, eine Küste eines Gewässers,

das nicht zur Gänze von einem Land umschlossen ist als Landesgrenze bezeichnet, dann wird man wohl dem Verfasser des Artikels zu 100 % Recht und Ihnen zu 100% Unrecht geben müssen.

aha15
01
22.9.2011, 09:30

das, was sie beschreiben, nennt man üblicherweise hafenstadt. oder haben sie je von der grenzstadt venedig oder palermo oder marseille oder barcelona oder lissabon gehört?

DirtyHarry
65
21.9.2011, 17:08

Österreich sollte eine Einreiseverbot über Ramazan G. verhängen.

keywords
00
22.9.2011, 10:05

warum?

DirtyHarry
00
15.10.2011, 11:10

weil wir nichts noch jemanden aus der türkei brauchen, der das österreichische sozialsystem ausnimmt

Erwin Wolfram
11
21.9.2011, 16:50
...

aha bulgarien hat zu viel geld, herabstufen...

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