Rektorinnen

Vier Frauen im Kampf für mehr Uni-Budget

20. September 2011, 14:59
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    apa-foto: herbert neubauer

    Eva Blimlinger, Sonja Hammerschmid, Christa Neuper, Sabine Seidler.

Gegen Studiengebühren und für Zugangsbeschränkungen: Drei neue Rektorinnen nehmen im Herbst ihr Amt auf

Ab dem kommenden Wintersemester gibt es vier weibliche Rektorinnen an Österreichs Universitäten. Eva Blimlinger wird der Akademie der bildenden Künste vorstehen, Christa Neuper der Universität Graz und Sabine Seidler der Technischen Universität Wien. Sonja Hammerschmid von der Veterinärmedizinischen Universität Wien komplementiert das Quartett, sie übt das Amt der Rektorin bereits seit einem Jahr aus. 

Bei einer Veranstaltung des Klubs für Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten am Montagabend traten die vier Frauen zum ersten Mal gemeinsam auf. Es wurde über Studiengebühren und Zugangsbeschränken diskutiert und darüber, wie es die wissenschaftlichen Einrichtungen schaffen können, wichtiger genommen zu werden, um von der Wirtschaft unterstützt zu werden. Das Thema Frauenquoten wurde von den Rektorinnen schnell abgehandelt und nicht alle waren begeistert, - wiedermal - darauf angesprochen zu werden. O-Ton Sabine Seidler: "Dazu äußere ich mich nicht mehr."

Kostenneutrale Studiengebühren

Einig waren sich die Rektorinnen, dass Studiengebühren nur im großen Zusammenhang betrachtet werden sollten, im Paket einer Gesamtreform. Außerdem waren die Rektorinnen der Meinung, dass es ein gerechtes Stipendiensystem geben müsse. Seidler bezeichnete die Studiengebühren daher als "im günstigsten Fall kostenneutral". Neuper fragte sich, ob "das unter dem Strich was bringt".

Seidler erinnerte daran, dass bei der Einführung der Studiengebühren 2001 das Uni-Budget um den entsprechenden Betrag gekürzt worden sei. Für Blimlinger machen Gebühren keinen Sinn, solange nicht klar ist, wie die Unis finanziert werden.

"Was nix kostet, ist nix wert"

Hammerschmid sieht in den Studienbeiträgen ein "Steuerungsinstrument, das etwas bewirken kann", etwa "erhöhte Verbindlichkeit der Studenten". Sie erinnerte an den Spruch "was nix kostet, ist nix wert". 

Unisono ablehnend zeigten sich die Rektorinnen bei der von Seidler als "zynisch" bezeichneten Vorstellung, für bestimmte Fächer unterschiedlich hohe Gebühren zu verlangen. Hammerschmid hatte erst kürzlich im Interview mit derStandard.at gemeint: "Wir sollten das System so einfach wie möglich halten, weil sonst der ganze Zusatzeffekt wieder weg ist. Wenn wir ein System mit Studiengebühren machen, dann: keep it simple."

Dort befürwortete sie auch Zugangsbeschränkungen ("Ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte") - wie auch Neuper - etwa um Lehre und Ausbildung zu verbessern. Diese seien wegen kürzerer Wartezeiten im Studium auch für die Studierenden selbst "sozial gerecht".

Abschaffung der Matura

Blimlinger stellte dann jedoch in den Raum, dass man die Matura gar nicht mehr brauche, wenn man Zulassungsprüfungen einführt. 

Thema des Abends war wenig überraschend auch das Uni-Budget, das den Rektorinnen laut eigenen Erfahrungen nicht viel Spielraum lasse. So argumentierte Hammerschmid, dass sie über 30 Prozent für die Gebäude der Miete brauche und weitere 40 bis 45 Prozent für Personalkosten.

Bessere Uni-PR

Um Drittmittel zu lukrieren, forderte Hammerschmid eine stärkeres Auftreten der Rektoren in der Öffentlichkeit und damit einhergehend eine bessere Kommunikation über die Wichtigkeit von Forschung. "Die Universitäten haben bisher zu wenig kommuniziert, was sie für die Gesellschaft leisten". Man müsse Mann und Frau auf der Straße erklären, was die Unis vollbringen. 

Hier widersprach ihr jedoch Blimlinger. Nicht jeder Wissenschafter müsse dazu in der Lage sein: "Nicht jeder muss lernen wie Öffentlichkeitsarbeit funktioniert." (rwh, derStandard.at, 20.9.2011)

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12 Postings
Simplicius Simplicissimus
00
21.9.2011, 20:27
Immer dieses ...

... Nachäffen und Zitieren ältester Dummheiten. "Was nichts kostet, ist nichts wert" - die Dame weiß offenbar nichts von den verschwendeten Steuerleistungen, die den freien Bildungszugang verunmöglichen. Und von den schlecht geführten EU-Beitrittsverhandlungen der österreichischen Delegation vor 1994. Außerdem ist es auch rechtlich bedenklich, dass Generationen freien Uni-Zugang hatten, die kommenden aber nicht, und die Fehler inkompetenter Politiker ausbaden müssen. Nebenbei erwähnt, dürfte auch Frau neue Rektorin ein Opfer "wertloser" Bildung sein.

Heavyweather
00
21.9.2011, 00:37

Um Bildende Kunst zu studieren hat man noch nie eine Matura gebraucht...

Got Your Nose!
00
20.9.2011, 20:55

fressen, schlafen, keine zahnschmerzen. der bildungsbegriff des 21. jahrhunderts.

politisch verfolgt
00
20.9.2011, 21:41
nicht mehr

die 3 F?

per verser
00
21.9.2011, 09:24

daran denken sie ohnehin nicht, wenn sie zahnschmerzen haben. aber ein f kriegen sie dennoch, denn sie sprechen bei kräftig geschwollener backe etwa so: "fanfmerfen" :-)

Got Your Nose!
02
21.9.2011, 00:09

naja, das zweite f will ich nicht schlechtmachen ;)

Birnenbäumchen
02
20.9.2011, 19:06
"Was nichts kostet, ist nichts wert."

Ob sich Frau Hammerschmied schon mal überlegt hat, ob sie wirklich ein Weltbild unterstützen möchte, in dem Wert einer Sache sich ausschließlich aus seinen monetären Kosten ableitet?

In dem Sinne müsste man auch die kostenlose Vorsorgeuntersuchung beim Arzt abschaffen. Ist nach dieser Logik ja auch nichts wert!

120 Jahre Karl Schranz
01
20.9.2011, 23:33
unabhängig von der stoßrichtung ihrer argumentation:

die vorsorgeuntersuchungen sind natürlich nicht kostenlos. sie bezahlen sie nur nicht selbst.

ebenso ist es mit dem studium.

Dietmar Bauer_v2
00
21.9.2011, 13:18
und dann wäre da noch

das Musterbeispiel eines freien Gutes, die frische Luft. Alles nichts wert, dieser Dreck. Lustig finde ich ja auch, dass die ÖVP diesen Spruch vor sich her trägt wie eine Ikone. Die haben sich scheinbar noch nicht überlegt, dass sie damit Heerscharen der von ihnen hofierten freiwilligen Feuerwehren, Rotkreuzhelfer etc. genau die von ihnen propagierte Zivilgesellschaft desavourieren. Arbeit ohne Gegenwert? Pah, nichts wert! Sie meinen, das kostet ja doch etwas, weil diese Helfer ihre Zeit opfern, in der Zeit nichts anderes verdienen können etc. Tja sehen sie, genauso ist es beim Studium. Wer "Was nichts kostet ist nicht wert" sagt, kann kein Christ sein.

Postingname1001
 
00
20.9.2011, 15:47
Die nichtstudierte Allgemeinheit,

kann man über die Wichtigkeit der Forschung nur dann aufklären wenn diese das will.
Ich habe das oft genug, in zahlreichen Nebenjobs die man als Student auf sich nehmen muss, erlebt, wie Leute die Handy und Internet nutzen absolut uneinsichtig waren, warum Wissenschaft denn überhaupt betrieben wird.
Totschlagargument war immer: ".... naja des kummt ja aus Amerigga und ned aus Österreich..."

Allesleser
00
20.9.2011, 15:23
Frauenpower vom Feinsten!

Es ist ja fast ein Vergnügen, dass man zu diesem diskutablen Thema gleich mehrere Vorschläge, die sogar realistisch möglich wären, vor seine Augen bekommt.
Völlig klar sollte sein, dass die qualitative Ausbildung unter anderem indirekt mit den finanziellen Mitteln zusammenhängt, und wenn Vater Staat keine Gelder umschichten will, dann sind letztendlich Studiengebühren nötig, ABER gleichzeitig eine Überarbeitung des Stipendiensystems (die vom Staat kommen sollen), sodass sozial Benachteiligte neutral aussteigen und die Beiträge trotzdem gänzlich ins Unibudget fließen und die derzeitigen staatlichen Zuschüsse erhalten bleiben. So kommt es auch zu keiner sozialen Selektion hinsichtlich Studierenden, Keine Gebühren differenziert wegen Fächern!

Protagoras v. Abdera
03
20.9.2011, 22:46
Auch wenn die Rektorinnen natürlich unterschiedliche Ansichten vertreten und Bimlinger ganz besonders zu gratulieren ist, sich mit ihren Ansichten gegen die unreflektierte Phraseologie des mainstreams zu stellen:

Insgesamt heben sich alle vier wohltuend von den Manager-Protzen ab, die als erste Generation des UG 2002 an die Macht in den Rektoraten gespült wurden. Ich denke da vor allem an Winckler, Badelt und Co.

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