Bevölkerungswachstum

Wo Afrikas demografische Chancen liegen

20. September 2011, 13:50

Neue Studie untersucht, wie sich das Bevölkerungswachstum auf die Entwicklung von Subsahara-Afrika auswirkt

Mittlerweile hat die Weltbevölkerung eine Zahl von etwa sieben Milliarden erreicht, und sie wächst nach wie vor stark - um etwa 79 Millionen Menschen im Jahr. Dieser Zuwachs findet fast ausschließlich in den weniger entwickelten Ländern statt. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in einer aktuellen Studie für 103 heutige und ehemalige Entwicklungsländer nachgewiesen, dass eine sozioökonomische Aufwärtsentwicklung offenbar stets auch mit einem Rückgang der Geburtenrate einher geht. Der Entwicklungsstand eines Landes hängt also eng mit seiner Bevölkerungsstruktur zusammen.

Drei Faktoren

Das anhaltende Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern ist auf drei Faktoren zurückzuführen: Erstens bekommen Frauen in den Entwicklungsländern deutlich mehr Kinder als in den entwickelten Regionen der Welt. Zweitens sind die Bevölkerungen in den Entwicklungsländern durch die hohen Geburtenraten im Schnitt sehr jung, das heißt, die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter ist hoch und wird künftig noch steigen. Und drittens werden die meisten Menschen in den armen Regionen dank einer verbesserten gesundheitlichen Versorgung und einer besser gesicherten Ernährung inzwischen älter.

Infolge dieser Entwicklung droht vielen Menschen Hunger, die Gesundheits- und Bildungssysteme stehen unter Druck, die Infrastruktur ist überlastet und Ressourcen sind knapp. Das alles steht der weiteren Entwicklung im Wege und birgt auch Konfliktpotenzial.

Subsahara-Afrika

Entwicklungspolitisch bestehen heute in Subsahara-Afrika die meisten und größten Probleme. Von den weltweit 48 am wenigsten entwickelten Ländern befinden sich 33 in diesem Teil Afrikas. Gleichzeitig zeichnet sich die Region durch die weltweit höchsten Geburtenraten aus. Bis zum Jahr 2050 dürfte sich die Zahl der Menschen in Subsahara-Afrika verdoppeln, bis Ende des Jahrhunderts könnte sie sich vervierfachen.

Das Bevölkerungswachstum könnte sogar noch stärker ausfallen, etwa wenn Verhütung in Subsahara-Afrika keine deutlich stärkere Verbreitung findet als dies derzeit der Fall ist. Bei der Nutzung von modernen Mitteln zur Familienplanung hinkt vor allem Westafrika weit hinterher.

Kleinere Familien durch Stärkung der Frau

Das Bevölkerungswachstum und die hohen Geburtenraten sind keineswegs allein dem Wunsch nach großen Familien geschuldet. Sie lassen sich vielmehr teilweise darauf zurückführen, dass Frauen und Paaren effektive Möglichkeiten zur eigentlich gewünschten Familienplanung fehlen. Wenn Menschen ihr Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit wahrnehmen können, wenn also Verhütungsmittel bereitgestellt, Sexualaufklärung angeboten und reproduktive Gesundheits- und Beratungsdienstleistungen ausgebaut werden, gehen die Kinderzahlen dem Wunsch der Menschen entsprechend deutlich zurück. Doch damit allein ist es nicht getan. Da sich Frauen in Entwicklungsländern im Durchschnitt weniger Kinder wünschen als Männer, führt der Weg zu niedrigeren Kinderzahlen vor allem über die Stärkung von Frauen.

Die Geburtenraten sinken nachweislich,

  • wenn Frauen in Familie und Gesellschaft mehr Mitsprachemöglichkeiten erhalten und sich ihnen Alternativen zur reinen Mutterrolle eröffnen.
  • wenn Mädchen und Frauen einen ungehinderten Zugang zu Sexualaufklärung, Familienplanung und Verhütungsmitteln haben.
  • wenn Mädchen und Frauen eine bessere Bildung erlangen. Insbesondere der Besuch einer weiterführenden Schule führt dazu, dass Frauen später Kinder bekommen und Familienplanung aktiver betreiben.
  • wenn sich neue Lebensperspektiven ergeben, etwa durch einen Umzug vom Land in die Stadt, durch bessere Verdienstmöglichkeiten oder durch neue Familienbilder, die von den Medien transportiert werden.
  • wenn die Kindersterblichkeit sich verringert. Denn Paare sind erst bereit, weniger Nachwuchs zu bekommen, wenn sich die Überlebenschance für jedes einzelne Kind erhöht.

Junge Bevölkerung als volkswirtschaftlicher Motor

Wenn Mortalität und Fertilität sinken, kann eine junge Bevölkerung zu einem volkswirtschaftlichen Motor werden. Das lehren die Erfahrungen der asiatischen Tigerstaaten. Diese hatten zu Beginn ihrer beeindruckenden Entwicklung eine ähnliche demografische Ausgangslage wie viele subsaharische Staaten heute, und auch ihr damaliger Entwicklungsstand war ähnlich schlecht. Den Entwicklungsschub der asiatischen Tigerstaaten ermöglichten zwei grundlegende Veränderungen:

Zum einen ist ein demografischer Bonus entstanden, weil sich die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter im Verhältnis zu den abhängigen jungen und alten Menschen erhöht hat. Damit solch eine günstige Altersstruktur zustande kommt, müssen die vielen Kinder und Jugendlichen erwachsen werden, die Sterblichkeit in der Altersgruppe der Erwerbsfähigen muss zurückgehen, und die Fertilität muss sinken, sodass die nachwachsenden Jahrgänge (und die damit verbundenen Belastungen) kleiner werden.

Darüber hinaus konnte der demografische Bonus in eine demografische Dividende verwandelt werden, also in einen volkswirtschaftlichen Gewinn, weil die vielen Erwerbsfähigen auch die Chance bekamen, erwerbstätig zu werden. Dafür müssen die Menschen ausgebildet und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Investition in Bildung und Familienplanung

Die asiatischen Tiger haben gleichzeitig in Bildung und Familienplanung investiert, notwendige wirtschaftliche Reformen durchgesetzt und vor allem Arbeitsplätze für die große Zahl junger Erwerbsfähiger geschaffen. Zudem erkannten diese Gesellschaften, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen für den wirtschaftlichen Fortschritt unbedingt nötig und Bildung dafür eine zentrale Voraussetzung ist. Es war gerade der umfassende Ansatz, der den Tigerstaaten ihre Erfolge ermöglicht hat.

Auch wenn sich das Konzept der demografischen Dividende aufgrund von kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Unterschieden nicht einfach von den "asiatischen Tigern" auf die Länder Subsahara-Afrikas übertragen lässt, steht den afrikanischen Staaten der Weg der demografischen Dividende im Prinzip offen. Dafür muss die Politik allerdings die richtigen Weichen stellen, so das Ergebnis der Studie. (red)


Link
Studie: Afrikas demografische Herausforderungen (pdf-Dokument)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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supermike
03
21.9.2011, 13:19
Kein Pensionssystem = hohe Kinderanzahl

Und das ist auch ganz logisch, war bei uns früher auch so. Irgendwer muss ja mal auf die Alten schauen und bei vielen Kindern ist die Wahrscheinlichkeit halt höher.

Blick nach Libyen: die "hatten" ein gutes Pensionssystem und entsprechend niedrig war auch die Geburtenrate.

djang
11
21.9.2011, 12:53
Alles Humbug

Gott will, dass die Ärmsten der Armen weiter so viele Kinder wie möglich kriegen, so lange sie brav ihr Vaterunser beten kommen sie eh in den Himmel und alles ist paletti.

Erstversuch
01
29.9.2011, 10:27
Solange die katholische Kirche Gegner wie Sie hat hat sie nichts zu fürchten

Daß die da unten keine Gummis nehmen liegt NICHT am Benedikt!

Adolf Ogi
00
2.10.2011, 23:35
Vergleich

wenn die Karte stimmt, zeigt ein Blick auf's katholische Brasilien, dass das obige Argument sowieso nicht stimmt, während die dunkelroten Spitzenreiter alle muslimisch sind.

Der junge Jim Kirk
00
21.9.2011, 12:00

"Bis zum Jahr 2050 dürfte sich die Zahl der Menschen in Subsahara-Afrika verdoppeln"

Ist in deren Rechenmodellen auch die dezimierung durch Hungersnöte, Bürgerkriege und Krankheiten berücksichtigt? Ich glaub solchen Zahlenspielen nicht.

Chris Quast
01
22.9.2011, 12:45

ist ja auch ein ziemlich hitzkopf der junge kirk. der soll beim schlägern und weibern bleiben und das denken dem spock überlassen

Johannes Benn
02
21.9.2011, 12:51
.

die sind garantiert mit eingerechnet, spielen aber fuer die entwiclungs der bevoelkerungszahl heutzutage ein kleine rolle

maimai
00
21.9.2011, 11:37
Der Entwicklungsstand eines Landes hängt also eng mit seiner Bevölkerungsstruktur zusammen.

Kunstfehler.

expat1
 
00
21.9.2011, 09:12

Viagra auf Krankenkasse! Damit wir in den entwickelten Laendern bis ins hohe Alter die Chance haben aufzuholen! :)

Julian Casablancas
23
20.9.2011, 22:56

afrika muss sich selber helfen nur so funktioniert es. entwicklungshilfe einstellen und es wird besser. viele afrikaner sagen das mittlerweile selber. afrika kann sich solange nicht selbst weiterentwicklen solange es am tropf der industrieländer hängt!

ichdenkeniezuende
00
24.9.2011, 02:08
Denk ich mir bei griechenland auch immer...

Wappen hea
12
21.9.2011, 15:05

bitte auch die Subventionen der Landwirtschaft in Europa, USA und Südamerika auf null zurückschrauben.

Dann schaut's in der Welt gleich anders aus.

virginia plain
12
21.9.2011, 14:25

dann aber bitte auch alle erlöse aus afrik. rohstoffen an die betreffenden länder zurückgeben.

Erstversuch
01
29.9.2011, 10:29
D.h. der der aus 1kg Eisen einen Hammer macht

(Aufwand 1h) soll weniger verdienen als der der das Erz aus dem Gestein bricht ( Aufwand 1s) Richtig? Arbeit soll also nichts wert sein?

Johannes Benn
00
21.9.2011, 12:52
.

es ist die einzige loesung aber es geht nicht, denn das wuerde kurz- bis mittelfristig zu viele opfer fordern

Never trust the clerics
01
21.9.2011, 11:20
Gute Idee

Nur zu welchem Preis?

Wer geht dann zu einer Dame, deren 8 Kinder verhungert sind und sagt "Gnä' Frau, Ihre Famile wurde
gesundgeschrumpft."
Der "Reinigungsprozess" den viele, die in ihre Richtung argumentieren, von einem Einstellen der Entwicklungshilfe erhoffen würde wahrscheinlich mit einem Massensterben einhergehen.

Aber denen, die's überleben gehts nachher bestimmt besser.

Erstversuch
01
29.9.2011, 10:32
Aber es geht doch gegen die "Pest Mensch"!

HUch der Beaujolais Nouveau ist da! Ein fröhliches "Atome nein danke" und papa.

Der junge Jim Kirk
00
21.9.2011, 12:03

Von den 8 Kindern überleben auch mit Entwicklungshilfe nicht alle.

Never trust the clerics
00
21.9.2011, 13:03

Nun, wenn das ihr Argument gegen Entwicklungshilfe ist, dann können Sie auch gleich empfehlen, die Krebsstationen in allen Krankenhäusern weltweit zu schließen. Die kriegen ja auch net alle durch.

C R3
02
20.9.2011, 16:55
Hans Rosling

Zu dem Thema sind die Videobeiträge von Hans Rosling (http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Rosling ) einfach der Hammer!

http://blog.esowatch.com/?s=Rosling

Chris Quast
00
22.9.2011, 12:48

der hat ja auch den "festen" laserpointer erfunden ;-), wirklich genialer mann

Fairy Tail
66
20.9.2011, 15:56

Da müssen aber die afrikanische Infrastruktur und die Lebensbedingungen besser werden und dem entgegen steht immernoch der ausbeutende weisse Mann aus Europa und Amerika. Stichworte: Kaffee, Kakao, Milchpulver, Edelsteine, Elektroschrott u.a.

Der junge Jim Kirk
00
21.9.2011, 12:04

was ist mit dem ausbeuterischen gelben und hellbraunen mann aus china und indien?

Mediator113
53
20.9.2011, 19:35

Haben Sie auch Fakten, die diese These untermauern? Oder schreiben sie es nur aus gesundem Hass gegen Europa und USA?

brand
03
21.9.2011, 12:39

Als Beispiel:
Das Thema Hühnerexporte ist zu relativer Bekanntheit gelangt. Es lief ungefähr so:
1) Weltbank drängt westafrikanische Staaten, die Einfuhrzölle von Hühnerfleich zu senken
2) USA und Europa "überschwemmt" den lokalen Markt mit in USA und Europa nicht verkaufbaren Hühnerteilen
3) lokale Hühnerfarmen gehen in Konkurs, da sie nicht konkurrieren können (Für USA und EU ist es billiger das Fleisch nach Afrika zu schicken als es in USA oder EU zu entsorgen)
4) eine weitere lokale Branche wurde ruiniert und die Staaten noch ein Bißchen mehr abhängig von EU und USA gemacht.

Ich will niemandem Absicht/Böswilligkeit unterstellen - möglicherweise war sogar die Idee zu helfen mit ein Grund - das Ergebnis war aber kontraproduktiv!

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