Neuesten Studien zufolge stehen Schlafstörungen im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen
Etwa fünf Millionen Deutsche leiden an medizinisch relevanten
Schlafstörungen: vom Schichtarbeiter, der nach getaner Arbeit am frühen
Morgen kein Auge zu machen kann, bis zum aufgedrehten Urlauber, den der
Jetlag nach langem Flug durch die Zeitzonen nicht zur Ruhe kommen lässt.
Der Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur die geistige
Leistungsfähigkeit dieser Menschen, sondern auch die ihrer Herzen.
Gestörter Schlaf belastet das Herz
Dass Schädigungen der Blutgefäße durch Arteriosklerose sowohl einen
Herz- als auch Hirnschlag auslösen können, ist hinlänglich bekannt. Dass
diese "Verkalkungen" aber auch den Schlaf stören können, fanden
Neurologen erst kürzlich heraus.
In mehreren aktuellen Studien konnten sie die dabei wirkenden
Mechanismen beschreiben und nachweisen, dass auch umgekehrt ein
Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
besteht.
Zusammenhänge
Kürzlich entdeckte genetische Ursachen vieler Schlafstörungen gelten als Ansatzpunkte neuer Therapieformen. "Diese Entdeckung könnte von großer Tragweite sein, weil wir die Herzen von Patienten mit gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus besser schützen können", so der Neurologe und Schlafforscher Peter Young vom Universitätsklinikum Münster.
Neurologische Schlafmedizin nimmt eine zentrale Rolle in der Prophylaxe
und der Behandlung von Krankheiten des Herz-Kreislauf- und des
Hirn-Kreislauf-Systems ein. "Leidet ein Mensch primär an Schlaflosigkeit, kann das sein Herz und seine Blutgefäße nachhaltig schädigen", sagt der Schlafforscher.
Experten diskutieren
Über die Zusammenhänge von Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden neurologische Experten auf der 84. Jahrestagung
der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) am 29. September in
Wiesbaden diskutieren. (red, derStandard.at)