15 Millionen

Türk-Tablets verspäten sich

20. September 2011, 09:31

Tablets für 600.000 Schulklassen und jeden Schüler im Land will die türkische Regierung verteilen und so den Unterricht umkrempeln

Das neue Schuljahr hat für viele junge Türken diese Woche mit einer Enttäuschung begonnen. Von den 15 Millionen Tablet-Computern, die Regierungschef Tayyip Erdogan noch vor ein paar Monaten auf Wahlkampfpostern für jedes Schulkind im Land angekündigt hatte, war nichts zu sehen.

Details klären

Es wird auch erst einmal bei der Ankündigung bleiben. Man arbeite derzeit noch an den technischen Fragen und dem Prozess für die Ausschreibung der Tablet-Hersteller, hieß es im Bildungsministerium in Ankara auf Anfrage des STANDARD. Erdogans Mammutprojekt, das die Türkei bei E-Learning weit vor die EU-Staaten katapultieren würde, ist auch von der Webseite seiner konservativ-islamischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) verschwunden. Ein schlechtes Omen: Das Logo der AKP ist eine energiefressende Glühbirne, nicht eben ein Symbol für Hightech und digitale Welt.

Doch mit den Tablets ist es der Regierung Ernst. Handelsminister Zafer Caglayan machte bei einer US-Tour im Vormonat Station bei Microsoft in Seattle. Der Softwarehersteller sei interessiert an einem Einstieg in das Projekt und werde Experten in die Türkei schicken, um die Anforderungen zu sehen. Dasselbe hörte Caglayan nach einem Treffen mit Apple-Managern.

Großer Auftrag

Der Auftrag ist groß: Umgerechnet 5,5 Milliarden Euro will die türkische Regierung für die Anschaffung der 15 Millionen Tablets ausgeben - gewünschter Stückpreis wären also 370 Euro, die Hälfte unter dem derzeitigen durchschnittlichen Verkaufspreis für einen Tablet.

Marktbeobachter sehen durch den Massenauftrag erhebliche Vorteile für die türkische Wirtschaft, zweifeln aber doch am Sinn. Verglichen mit einem Laptop oder einem E-Reader sei der Preis eines Tablets zu hoch, seine Funktionalität zu gering. Die Idee ist gleichwohl, dass türkische Verlage Schulbücher auf die Tablets spielen und die Schüler unter anderem Hausaufgaben in Form einer Computerpräsentation erledigen. 70 Prozent des Auftrags sollen dabei türkischen Unternehmern zugutekommen. Ankara will damit lokale Hardwarehersteller wie Casper, Exper und Vestel fördern sowie TürkTelekom.

Verspätet

Angelehnt an Bildungsprogramme in Südkorea und Japan hat sich die türkische Regierung vier Jahre für ihr sogenanntes Fatih-Programm Zeit gegeben, wollte aber schon in diesem Schuljahr mit der Verteilung der Tablets beginnen. Die haben bisher nur Privatschulen des islamischen Predigers Fethullah Gülen. (Markus Bernath aus Istanbul, DER STANDARD/Printausgabe, 20.9.2011)

Kommentar posten
18 Postings
Bauchnabelerkundungsassistent
00
21.9.2011, 13:00
wow...

schmeissen wa halt mal 600.000 tablets in die schulen... wird schon wat bringen...

the JJ
00
26.9.2011, 10:34

Nicht 600.000 Tablets...15.000.000 Tablets...

natoll
00
24.9.2011, 08:32

600.000 klaseen ....

Bauchnabelerkundungsassistent
00
27.9.2011, 17:30

ändert nichts an der aussaaageee...........

Der nächste Bundeskanzler
01
21.9.2011, 08:50

Ein Tablet finde ich für Schüler recht sinnlos.

Erst wenn ein Tablet billiger als ein Laptop wäre, könnte es sinn machen für manche Länder.

I8NY
01
20.9.2011, 21:30

türk-tablets... ist ein wenig pejorativ, oder??

Der Nasenbär
01
22.9.2011, 09:26

alter ich mach dich kaputt!!

Füxchen
03
20.9.2011, 14:56
ob da geschmiert wird, dass ein proprietäres System verwendet werden soll?

Aber nein, sowas ist praktisch unmöglich und entspringt nur dem Gehirn eines Weltverbesserers.

tan48
01
20.9.2011, 23:43

Naja für den Schulgebrauch gibt es derzeit eigentlich kaum brauchbare Tablet-OS.
QNX hat nur mäßige Handschrifterkennung und Chrome OS wird zu stark in Richtung Netbook-OS entwickelt.
Der größte Hoffnungsträger ist derzeit Android, wobei die Tendenz auch eher in Richtung Medienkonsum als Arbeit geht.
Wenn man aber 370 Euro Geräte anbieten kann wird Microsoft spätestens mit Windows 8 schwer zu schlagen sein.

Herman Toothrot
04
20.9.2011, 14:56

So schnell gehts. Eben noch war die Glühbirne der Gehilfe des überragenden Erfinders, und das Symbol für die Idee

http://www.faz.net/artikel/C... 12505.html

Ein paar Lobbying-Eingriffe später ist die "nergiefressende Glühbirne, nicht eben ein Symbol für Hightech und digitale Welt."

I make things
00
22.9.2011, 07:10

schournalisten sind halt immer ihrer zeit voraus.
im sauseschritt.

Gentleman mit Tagesfreizeit
00
22.9.2011, 11:05

mindestens

Käptn Hirni
 
00
20.9.2011, 13:00
Naja, bis

zur nächsten Wahl wird die Ausschreibung fertig sein, dann kann man das wieder versprechen, nach der Wahl kommt man drauf, daß jetzt alles anders ist und arbeitet an einer neuen Ausschreibung, bis zur folgenden Wahl...

Diese Lektion hat Erdogan gut von seinen europäischen Amtskollegen gelernt.

4green2
01
20.9.2011, 21:23

die wahl ist grade mal vier monate her, kann mir nicht vorstellen, dass jemand erwartet hat, dass in 4 monaten, in denen auch die sommerpause war, die ausschreibung geschrieben wurde und 16 mio tablets hergestellt und an die schulen während der sommerferien verteilt wurde.

Käptn Hirni
 
00
21.9.2011, 08:27
Naja,

in anderen (wenigen) Staaten hätte man die Ausschreibung schon vorher gebastelt und schubladisiert, damit man sie dann schnell adaptieren und öffentlich machen kann. Wie gesagt: Nach der Wahl ist vor der Wahl, und auch wir hierzulande kennen das, daß ein Wahlversprechen bis zu dreimal verwendet werden kann, ohne jemals umgesetzt zu werden.

Blacknight
 
00
20.9.2011, 12:20

Ey, kommt dem nach österreich mit dem Turkbasta Tarif?
http://telering.at/Content.N... abasta.php

Change
00
20.9.2011, 11:22
iTürk

Osman Mert
00
21.9.2011, 15:20

Sie wissen gar nicht wie genial das ist :)
Das lasse ich mir patentieren. iTürk :)

In der Türkei hat quasi alles ein Türk angehangen.
CNNTürk
IBMTürk
MercedesBenzTürk
iTürk

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