Justiz demaskiert Uribes Paramilitärstaat

20. September 2011, 06:15
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    foto: ap/saenz

    Proteste gegen Uribe bei einer Rede des Expräsidenten in Asuncion

Exgeheimdienstchef wegen Mordes an Kritikern zu 25 Jahren verurteilt – Verfahren gegen Abgeordnete

Bogotá/Puebla - Vor einem Jahr schied Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe aus dem Amt, die Justiz ist derzeit voll damit beschäftigt, das ganze Ausmaß der Zusammenarbeit seiner Regierung mit den Todesschwadronen zu erfassen: Vergangene Woche wurde der bisher ranghöchste Funktionär vom Obersten Gerichtshof in Bogotá verurteilt. Uribes ehemaliger Geheimdienstchef Jorge Noguero erhielt 25 Jahre Haft wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Außerdem wurde ihm die Verantwortung für den Mord an dem linken Soziologen Alfredo Rafael Correa de Andreis angelastet. Der Professor war 2004 von Todesschwadronen in Barranquilla ermordet worden.

Noguera muss den Hinterbliebenen knapp 86.000 Dollar Entschädigung zahlen. Auch der Tod zahlreicher linker Gewerkschafter ist nach Auffassung der Richter auf Informationen zurückzuführen, die Noguera den Todesschwadronen zukommen ließ.

Noguera unterhielt dem Urteil zufolge engste Beziehungen zum Nordblock der Paramilitärs, machte mit ihnen Geschäfte und belieferte sie regelmäßig mit Insiderinformationen, die von den ultrarechten Killergruppen dazu benutzt wurden, vermeintliche oder wirkliche Sympathisanten und Kollaborateure der linken Guerilla umzubringen.

Uribe hatte Noguera, mit dem er schon in seiner ersten Wahlkampagne zusammengearbeitet hatte, stets als "guten Jungen" verteidigt. Nach Bekanntwerden des Urteils allerdings bat er um Entschuldigung. "Ich habe ihn wegen seines Lebenslaufs und seiner Familie mit dem Amt betraut. Ich habe ihm vertraut, sollte er straffällig geworden sein, entschuldige ich mich dafür" , twitterte der ehemalige Staatschef.

Gegen weitere enge Vertraute Uribes laufen derzeit Verfahren, darunter Nogueras Nachfolgerin María del Pilar Hurtado, die sich nach Panama abgesetzt hat, und Uribes ehemaligen Privatsekretär Bernardo Moreno. Auch gegen mehr als 70 Abgeordnete wird ermittelt. Rund 30 sind im Gefängnis, ein Dutzend wurde bereits verurteilt, darunter Uribes Vetter, Exsenatspräsident Mario Uribe.

Spionage gegen Journalisten

Der noch immer funktionierende Geheimdienst DAS war auch in einen Spionageskandal verwickelt. Zum Abhören und Einschüchtern kritischer Journalisten, Richter und Bürgerrechtler wurde in Uribes zweiter Amtszeit ein eigenes Büro im DAS eingerichtet. Die Tentakel reichten bis nach Europa, wo der DAS Spitzel anwarb und europäische Geheimdienste um Mithilfe bei der Beobachtung von Menschenrechtsorganisationen bat.

Opfer der Verfolgung war auch der kritische kolumbianische Journalist Hollmann Morris. Noguera leitete den Geheimdienst von 2002 bis 2005, ging anschließend als Konsul nach Mailand und wurde 2007 festgenommen. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
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dr. kokos
 
00
6.11.2011, 19:11

was an dem kolumbianischen schlamassel irgendwie bewundernswert ist, ist die relative unabhängigkeit der justiz. vor vielen kol. richtern wie jara gutiérrez, die mit ihren entscheidungen ihr leben riskieren, kann man nur den hut ziehen.

docNukem
00
31.10.2011, 18:00
Ach nun ist der Kumpel vom Pablo Escobar auch vor dem Abschuss?

so langsam an der zeit wäre es ja.

pike bishop
11
22.9.2011, 17:00

das ist wieder so eine scheinheilige Meldung. Solange der Uribe mit Chávez streitet, ist er als treuer Knecht des westens allen Liebkind. Zwischendurch, wenns nicht gefährlich ist, muss man dann einmal schnell zeigen, dass man ja liberal und kritisch ist, und die Menschrechte verteidigt.

Das richtet sich jetzt gegen die internationale Mediengehirnwäsche, der man uns aussetzt, und nicht gegen die Urteile, die zu begrÜßen sind. Und es ist keine Verteidigung von Chávez. Aber es werden halt immer die einen heruntergemacht (Gaddafi z.B.) und die anderen geschont (der KÖnig von Saudi Arabien z.B.) und es fällt auf, dass die heruntergemachten immer die für den Westen unangenehmen sind, und die geschonten, unsere "treuen Freunde".

Thomas North
02
21.9.2011, 21:38
Uribe wusste alles

... Das ist ja wohl sonnenklar und gehört auch hinter Gitter. Hoffentlich schaffen das die Kolumbianer auch noch

Porqué no te callas?
133
20.9.2011, 12:37

wenn die bekannten subjekte hier uribe als den personifizierten teufel darstellen, muss man sich andererseits wieder fragen warum er so hohe zustimmung im land genoss.

klingt alles eher nach den üblichen ferndiagnosen der anti-"westen" heuchler, die die hier im gemütlichen "westen" sitzen und sich über länder auslassen von denen sie keine ahnung haben.

napfiatgott
13
25.9.2011, 21:39
Sie sollten sich auf Ihren nickname besinnen!

Alfred Fux
01
21.9.2011, 13:40
Auch Hiter fand breite Zustimmung.

Es gibt auch sicher genügend Nutznießer von Terror-Regierungen. Aber sagen Sie mal, haben Sie denn alle Kolumbianer persönlich befragt? Oder sind Sie ein Klugscheißer? Man kann Menschen die unfreiwillig nicht in Kolumbien wohnen nicht verbieten, eine Meinung dazu haben. Oder sind Sie vielleicht ein Kolumbianer, der aus der sicheren Deckung der "Heuchler" seinen Senf dazu gibt? Wenn es Ihnen nicht recht ist, dass sich Menschen über Geschehnisse äußern, dann gehören Sie wahrscheinlich zu denselben Geisteskindern, die für Geld Bauern und politisch unbequeme Personen abschlachten.

yomellamo
40
30.9.2011, 10:57

Hitler vergleiche werden immer dann vorgebracht, wenn es an Argumenten mangelt.

yomellamo
61
22.9.2011, 06:44

Gratulation sie haben 1 Godwin-point gewonnen!!!

http://de.wikipedia.org/wiki/Godw... 80%99s_law

Apocalypse
00
20.9.2011, 22:03

naja wer politische Gegner systematisch ermordet und mundtot macht wird natürlich eine hohe Zustimmung haben.

Mike Müller
 
25
20.9.2011, 16:23
Die hohe Zustimmung hatten viele Andere auch

nur um ein paar Namen zu nennen Hitler, Stalin, Pinochet (am Anfang), Menem, Stroessner uvm.
Die Taten zählen, nicht die Propaganda. Was hat er getan/als Präs. zu Verantworten
Da kommt dann von
Ermordungen unschuldiger Junger Männer als FARC Rebellen.
Bewusste Defamierung seiner Kritiker als FARC Sympatisanten. Wissend das die PARAS dies als Auftrag zur Ermordung verstanden
Ausverkauf der Bodenschätze
Armut
Bildungesausgaben gekürzt
Fächenddeckende Besprühung von Feldern unter inkaufnahme von Gesundheitsgefärdung der Bewohner
bis Vertreibungen von Kleinbauern uvm
War alles in seinem Program da hilft auch nicht das er das Land in und zwischen den Ballungsräumen sicherer gemacht hat. Ausser Ihnen ist es das Wert mir nicht.

AntiFa201
15
20.9.2011, 12:34
und wie haben die "kritischen und freien medien im westen" damals über das regime in kolumbien berichtet?

na, wie? nur positiv! es galt als demokratisch, kapitalistisch und usa-gehörig...

Kein Begriff drückt Mich aus
10
20.9.2011, 12:28
Terrorstaat

Alf von Melmak
 
00
5.11.2011, 23:05
Terrorstaat

'
Naja, der Terrorstaat schafft es immerhin, innerhalb relativ kurzer Zeit mit rechtsstaatlichen Mitteln gegen solche Machenschaften vorzugehen - und das obwohl es keinen radikalen Politikwechsel (mit politischer "Abrechnung" am Vorgängerregime, etc.) gab.

Carlito336
02
20.9.2011, 11:38
Auch in unseren Breiten haben manch Kurzsichtige dem Uribe vertraut

Er ist der Padron der Mordbrigaden.
So lange er nicht selbst hinter Gitter sitzt, ist alles nur Beschwichtigung, Umgehung der aufarbeitung.

Ernst Guevara
28
20.9.2011, 10:07
bilanz von uribes politik der "demokratischen sicherheit" - teil 1-2

* zum dank für die systematische verfolgung und ermordung von allein 800 kolumbianischen gewerkschaftern in uribes regierungszeit (aka gutes investitionsklima) schloss die EU mit kolumbien ein freihandelsabkommen ab
* allgemeine militarisierung der gesellschaft (aufstockung der armee, privatisierung der sicherheitsdienste)
* allein im jahr 2009 "verschwanden" 18000 kolumbianer oder wurden ermordet - in 75% aller fälle von "verschwundenen" seit uribes amtsübernahme sind staatliche institutionen involviert
* der plan colombia ist gemessen an seinen zielen gescheitert (verfolgung der drogenbarone und zerstörung der anbauflächen) und dient nur dazu, das image der regierung aufzupolieren - kolumbien ist nach wie vor kokainproduzent numero uno

yomellamo
92
20.9.2011, 12:09

* systematische verfolgung und ermordung von gewerkschaftern
--> vor Uribes amtszeit hat sich nicht gewerkschaftlich engagieren koennen ohne umgebracht zu werden. Ganz klar hat sich die lage in diesem punkt verbessert.

* allgemeine militarisierung
--> war leider die moegliche einzige antwort auf den buergerkriegszustand. Um den Krebs rauszuschneiden muss man leider das skalpell schaerfen.

* in 75% aller fälle von "verschwundenen" seit uribes amtsübernahme sind staatliche institutionen involviert
--> super aus den fingern gezogen, die zahl :)
--> wie wollen sie jetzt genau abgezaehlt haben wer wen verschwinden hat lassen?

* plan colombia ist gemessen an seinen zielen gescheitert
-->gemessen an den zielen scheitern so gut wie alle plaene

Alfred Fux
03
21.9.2011, 13:51
Sie sind im falschen Zeitalter.

Wir schreiben das Jahr 2011, nicht 1600. Menschen sind kein "Krebs". Aber Sie machen den ehemaligen Faschisten in Europa alle Ehre. Ihre Haltung würde selbst Stalin überraschen. Nicht mal der hat Andersdenkende als "Krebs" bezeichnet.
Kolumbien ist in den Händen einer - von Kolonialwarenhändlern bezahlten - Egide von Kriminellen, Wahlfälschern und Oppositionsunterdrückern. Ich kenne Kolumbianer, die mir sagten, es sei egal ob man dort in die Hände der Polizei oder in die von Raubmördern gerät. Der Ausgang wäre ziemlich ähnlich. Dass in einem solchen "Staat" berufliche Halsabschneider Zustimmung finden ein Ergebnis der Angst die sie verbreiten und nicht das einer sozialen Politik.

yomellamo
20
22.9.2011, 11:32

Ihre Agitation (die der FPOe-rethorik erstaunlich aehnlich ist) sagt mehr ueber sie selbst aus als ueber irgendjemand anderen.

Schade, dass sie offenbar der zivilisierten Diskussion nicht faehig sind.

Karl May
 
00
25.9.2011, 21:42
Das Posting von "Alfred Fux" ist absolut korrekt und sehr gut!

Der Einzige, der es darstellt wie eine "Hetzkampagne", sind Sie "yomellamo".
Und genau das kenne ich von der FPÖ-Rethorik.

yomellamo
10
30.9.2011, 10:48

Schade, dass auch sie mehr in rethorischen fpö Gefilden zu hause sind denn in zivilisierten debattieren, wenn ihnen fuxes Agitation nicht sofort Abscheu verursacht.

*space
11
20.9.2011, 20:17

* allgemeine militarisierung
Was verstehen Sie denn unter den Krebs?

* in 75% aller fälle von "verschwundenen" seit uribes amtsübernahme sind staatliche institutionen involviert
Typisch für Rechte, es ist unwichtig wer von wem ermordet wurde! Dumm!

mcon
00
23.9.2011, 23:11
space 75%??

Wohl leicht übertrieben.

yomellamo
20
21.9.2011, 06:44

* Guerilla, Paras

* "bla bla bla typisch fuer rechte bla bla bla*
--> 75% ist halt einfach eine zahl die sich ernesto beim kronenzeitunglesen aus den fingern gezogen hat.

Ernst Guevara
23
20.9.2011, 19:01
LOL, genau, yomellamo, uribes liebster jubelkolumbianer in propagandahöchstleistung!

jetzt ist uribe nicht mehr nur der grosse held, der die sicherheit erhöht hat (zumindest für die städtische oberschicht), nein, wir erfahren vom jubelkolumbianer nun auch noch, dass uribe ein held der arbeitnehmer ist, dem nichts wichtiger als die rechte der werktätigen und der gewerkschaften ist. ja, dafür ist uribe berühmt... nie wäre uribe, dieser held der arbeit, auf die idee gekommen, gewerkschafter als FARC-anhänger zu beschuldigen und so andersdenkende ins kriminelle eck zu stellen wie zb rosalba gaviria toro, die monatelang ohne jeden beweis in haft gehalten wurde, weil uribe meinte, die gewerkschafterin so aus dem weg räumen zu können. wahrscheinlich erklärt uns der jubelkolumbianer jetzt, sie sei zu ihrem eigenen besten im knast.

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