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vergrößern 900x600Die Auersbacher Amateurmusiker singen und spielen für die Gäste aus Polen, Ungarn und Kroatien auf. In der Bildmitte mit der Harmonika: Musikschulleiterin Monika Kahr.

Bürgermeister Helmut Buchgraber: fordern und geben.
Kornberg/Auersbach - Da redet einer mitten in der Euro- und Schuldenkrise von unendlichem Wachstum - und niemand widerspricht. Denn alle im Raum spüren, dass er recht hat. Und manche wissen es bereits.
Es geht natürlich um immaterielles Wachstum, wenngleich keinesfalls abgekoppelt von materiellem Wohlstand. Und es ist kein Zufall, dass dieses Treffen gerade an diesem Ort stattfindet: im Haus der Regionen auf Schloss Kornberg im Steirischen Vulkanland.
Seiner Erfolgsgeschichte von einem der rückständigsten Gebiete Österreichs zum international beachteten Vorzeigeprojekt für nachhaltige Regionalentwicklung hat das Vulkanland den Zuschlag für ein neues mitteleuropäisches Vorhaben zu verdanken, das von der EU kofinanziert wird: "Cultural Capital Counts" (CCC) setzt auf das immaterielle Kulturerbe - Wissen, Fähigkeiten, Geschick, Talente der Menschen - als schier unbegrenzter Ressource.
Unter Federführung des Vulkanlandes machen sich zehn Partnerorganisationen aus Österreich, Italien, Slowenien, Ungarn, Polen und Deutschland sowie die österreichische Unesco-Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe daran, zunächst einmal zu sichten und festzuhalten: "Es geht um die Seele der Regionen, das Alltägliche, das aber sehr wenigen bewusst ist", sagt Projektleiter Michael Fend, ein Vorarlberger, der in der Südoststeiermark "hängengeblieben" ist.
Regionale Einzigartigkeit
Daraus sollen Aufbereitung und Nutzung entwickelt werden. Mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Kultur will man dann regionalspezifische Dienstleistungen und Produkte entwickeln. Das alles soll schließlich in ein Handbuch von Strategien für ländliche Regionen fließen.
"Inwertsetzung" nennt das Josef Ober, einer der beiden Vulkanland-Obmänner, der seine Vision gegen anfangs erhebliche Widerstände (die es auch jetzt wieder gibt) mit immer mehr Gleichgesinnten bis zum jetzigen Stand umgesetzt hat und laufend weiterentwickelt.
Quasi ein Nebenprodukt ist der Tourismus. Die in wachsender Zahl aus dem In- und Ausland anreisenden Gäste merken, dass hier keine Folkloreshow abgezogen wird, sondern dass die Menschen authentisch sind. Das reicht vom gediegenen Handwerk über die (ebenfalls hoch entwickelte) Gastronomie bis zur Festkultur. Verstärkerfreie Musik wird immer mehr als Standard für niveauvolles Feiern geschätzt.
Daran hat die Gemeinde Auersbach gehörigen Anteil. Im Ideellen wie im Praktischen ist sie der Kern des Vulkanlandes. Was Ober dort als Bürgermeister begonnen hat, setzt sein Nachfolger, der Unternehmer Helmut Buchgraber (er verarbeitet und vermarktet Obstkerne), seit Ende 2004 fort. Seit drei Jahren hat die Gemeinde eine Musikschule, die sich selbst finanziert. Von den rund 800 Einwohnern sind mehr als 200 Musikschüler, vom drei Monate alten Baby bis zum 80-Jährigen. Unterrichtet werden mehr als 20 Instrumente, aber nicht nach klassischem Lehrplan. Im Zentrum steht die Freude am Musizieren. Buchgraber: "Wir haben in der Steiermark ein hochbezahltes Musikschulwesen, aber kaum Musiker, die bei lokalen Festen einfach so auftreten." In Auersbach spielen sie gratis, aus Freude - ein Verdienst der engagierten Musikschulleiterin Monika Kahr, Buchgrabers Lebensgefährtin.
Jüngst spielten und sangen ein Auersbacher Spontan-Amateurorchester und der Chor für Gäste aus den Partnergemeinden in Polen, Ungarn und Kroatien auf. Sie waren gekommen, um das einzigartige Musikschulwesen zu studieren. Bei einem früheren Treffen, im südpolnischen Zywiec, wurden typische Regionalgerichte gekocht, verkostet und verglichen. "InKult" heißt dieses Projekt des Kulturaustausches. Es leistete und leistet Vorarbeit für das weiter gefasste CCC-Projekt.
Vorreiter ist Auersbach auch anderswo. Das Gemeindebudget erlaubt keine großen Sprünge, wenn der Schuldenstand weiter reduziert werden soll. Straßensanierung ist in ausgedehnten Landgemeinden eine ständige Notwendigkeit, aber teuer. Buchgraber stellte die Bewohner eines Ortsteils vor die Wahl: Entweder alle helfen mit, oder die Straße bleibt, wie sie ist.
Mit allgemeiner Zustimmung wurde das bis in die 1950er-Jahre gängige "Roboten" reaktiviert: unentgeltliche Gemeinschaftsarbeit. In 1100 freiwilligen Arbeitsstunden wurde die Straße saniert. Nachbarn kamen einander näher, nach der Arbeit wurde oft gemeinsam gefeiert. Wer nicht arbeiten konnte oder wollte, lieferte Getränke und Essen oder trug ein finanzielles Scherflein bei.
"Dass die Leute zufrieden sind, ist zu wenig. Du musst ihnen etwas darüber hinaus geben", sagt Buchgraber. "Die Gemeindestraße ist jetzt ihre Straße." In den Worten Josef Obers: "Es auf die Lösungskompetenz der Bürger herunterzubrechen - das ist Politik."
Da gibt es freilich noch etwas Besonderes an Auersbach: Es ist die einzige Kommune Österreichs mit einer weiblichen Mehrheit (5:4) im Gemeinderat. Zufall? (Josef Kirchengast, STANDARD-Printausgabe, 20.9.2011)
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war keine unentgeltliche Gemeinschaftsarbeit, sondern Frondienst für den adeligen oder kirchlichen Grundherrn. Auch nach Abschaffung der Leibeigenschaft hat es noch Robot gegeben, etwa als Form von Zins für ein vom Großgrundbesitzer gepachtetes Grundstück. Für einen Hektar Acker musste mann dann 10 Tage beim Herrn Graf roboten, also als Erntehelfer auf den herrschaftlichen Gütern mitarbeiten, dreschen, Heu machen oder ähnliches.
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