Ex-Mak-Direktor riskiert mit Klage auf Abfertigung eine Anklage wegen Untreue
Wien - Peter Noever hat es sich offenbar anders überlegt. Die vom gefeuerten Mak-Direktor angekündigte Wiedergutmachung des Schadens gegenüber dem Museum für angewandte Kunst kommt offenbar nicht zustande: Noever hat ein arbeitsrechtliches Verfahren gegen das Mak angestrengt, mit dem er u. a. Abfertigungsansprüche geltend machen will, um die er mit der "Fristlosen" umgefallen ist.
Damit sei auch die "tätige Reue" hinfällig, setze sich Noever mit dem Schritt doch gegen Teile des vereinbarten "Vergleichs" zur Wehr, ist aus Justizkreisen zu hören. Die Vereinbarung sei nur bei "vollständiger Einhaltung" aller Punkte gültig. Offiziell heißt es dazu aus der Staatsanwaltschaft, dass "Erhebungen wegen des Verdachts der Untreue laufen". Die von Noever erhobenen Ansprüche würden derzeit auf ihre strafrechtliche Relevanz geprüft. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr, wurde doch für die Umsetzung der tätigen Reue eine Frist bis 30. September gesetzt. Verstreicht sie, wird mit einer Anklage wegen Untreue gerechnet. Noever befindet sich im Ausland und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, für ihn gilt selbstredend die Unschuldsvermutung.
Zur Vorgeschichte: Im Februar sind Unregelmäßigkeiten in der Amtsführung Noevers bekannt geworden. Der Schaden wurde im Rahmen einer von PwC durchgeführten Prüfung mit 173.000 Euro (inklusive Abgaben und Verzugszinsen) beziffert und betraf im wesentlichen Geburtstagsfeiern von Noevers Mutter, die auf Kosten des Mak ausgerichtet worden waren. "Lieferanten wurden angehalten, Rechnungen mit falschen Angaben an das Mak zu legen", heißt es dazu im betreffenden Prüfbericht. Die genannte Summe wurde von Noever hinterlegt.
Noever war rund einen Monat vor seiner Entlassung zurückgetreten. Sollte der ehemalige Direktor das arbeitsrechtliche Verfahren gewinnen, "steht fest, dass gar kein Schaden bestand", heißt es aus informierten Kreisen. Womit man bei der Frage angelangt sei, inwieweit "zivilgerichtliche Urteile strafrechtlich bindend sind".
Dem Mak und seinem neuen Chef Christoph Thun-Hohenstein sind die neuen Entwicklungen offenbar unangenehm, eine Stellungnahme war unter Verweis auf das "laufende Verfahren" nicht erhältlich. Ähnlich reserviert die Reaktion aus dem Kunstministerium: Das sei eine Angelegenheit des Mak, zu der man sich nicht äußere. Im Zuge der Ermittlungen wird wohl auch geklärt werden, aus welchem Budget Claudia Schmieds Los-Angeles-Reisen mit Noever bezahlt wurden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD/Printausgabe 20. September 2011)