"Hexer" enthauptet

19. September 2011, 17:17

Amnesty International konnte Hinrichtung nicht verhindern

Riad - Ein Henker hat in Saudi-Arabien am Montag einen Mann enthauptet, der wegen "Hexerei" zum Tode verurteilt worden war. Das teilte das Innenministerium in Riad mit. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte zuvor vergeblich versucht, die Hinrichtung des Sudanesen zu verhindern, der als Gastarbeiter in dem islamischen Königreich lebte. Er war im Dezember 2005 in der Stadt Medina von der Religionspolizei verhaftet worden, die ihm vorwarf, er praktiziere "Zauberei".

Laut Amnesty International war der Sudanese der Islam-Polizei in die Falle gegangen. Ein Religionspolizist soll ihn gebeten haben, einen Fluch auszusprechen, um seinen Vater dazu zu bringen, seine Zweitfrau zu verstoßen. Der Sudanese soll eingewilligt haben. Angeblich forderte er für seine "Dienste" 6.000 Rial (1.176 Euro) und ließ sich einen Vorschuss geben. Kurz darauf wurde er verhaftet. Ein Gericht in Medina verurteilte ihn 2007 zum Tode.

Seit Jahresbeginn wurden in Saudi-Arabien 43 Menschen hingerichtet. "Hexerei" gehört neben Vergewaltigung, Drogenhandel und Mord zu den Straftatbeständen, die in Saudi-Arabien mit der Todesstrafe geahndet werden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 311
1 2 3 4 5 6 7
Jimmy_Ringo
00
24.9.2011, 13:52
in den USA und Saudi Arabien

gibts gar nicht soviele Unterschiede.

Das Töten können sie beide gut und sie töten gerne.

gernot pflaumenholer
00
21.9.2011, 14:32
Hexer wurde für 48 Grad Hitze verantwortlich gemacht

ein lächerlicher willkürlicher Vorwurf wie jeder abendländische Meteorologe bestätigen wird. Es gab 3 Wochen lang diese Mörderische Hitze in der Gegend von Medina, der "Hexer" wurde angeblich bei einer Verwünschung vor mehreren Zeugen ertappt.

tignosa
00
27.9.2011, 19:26
es gibt da gewisse Parallelen zu den Hexenprozessen der Frühen Neuzeit in unseren Breiten

letztere wurden nämlich von der "Obrigkeit" genutzt, um die Armen zu reduzieren. Selten "erwischte" es Reiche oder Adelige, und wenn, dann wurden diese zumeist freigesprochen. Wenn man Saudi Arabien ein wenig kennt, weiss man, dass dort mit den "GastarbeiterInnen" nicht gerade zimperlich umgegangen wird, das ist hart an der Grenze zur Sklaverei (durchschnittlicher "Verdienst" etwa 140 Euro im Monat, die "Arbeitgeber" kassieren die Dokumente und wer flieht, wird ausgepeitscht und zumeist auch sexuell missbraucht). In beiden Fällen wurden Religion und Aberglaube dazu genutzt, um sich Armer zu entledigen.

Zinsenfeger
00
28.9.2011, 07:49

Mitnichten! Es ging sehr wohl gegen Reiche - vor allem gegen wohlhabende alleinstehende Frauen, die keinen Schutz durch die Familie hatten und sich deshalb nicht wehren konnten.

Das Vermögen des Opfers wurde konfisziert. Schon deshalb hat man diejenigen ausgesucht, bei denen man darauf gehofft hat, dass es etwas zu holen gibt. Und nicht selten waren es die lieben Nachbarn, die sich da in der Denunziation bemüht haben...

Religiöse Verblendung oder einfach nur Gier? - Beides.

tignosa
00
30.9.2011, 01:08
Verzeihung, der erste Satz ist wirklich ein Klischee

wohlhabende alleinstehende Frauen konnten sich im Regelfall sehr wohl wehren, da man sich mit Geld auch die Leibgarde kaufen konnte. Ja, es gab vereinzelt Fälle von Anzeigen gegen Reiche, Männer wie Frauen, doch in den allermeisten Fällen wurden die Verfahren eingestellt. Für den/ die Anzeigende wurde es dann mitunter brenzlig, da dann fallweise diese hingerichtet wurden. Im Regelfall ging es allerdings gegen Arme. Nachlesen können Sie das unter Anderem bei Dopsch oder in der Dissertation von Nagl.

shahabblack
00
21.9.2011, 10:14

ich packs grad garnicht. ich hoff das ist ne scherzmeldung

Tuncay
05
23.9.2011, 15:01

Das ist noch gar nix.
In den USA hat man soeben einen hingerichtet der nicht mal gehext hat.

oberst "the fury" bögele
00
21.9.2011, 10:06
Voyeure werden geblendet - auf einem Auge für immer blind

so ist es gefährlich Frauen lüstern von der Seite anzuschauen. Früher hat es beide Augen gekostet, "dank" Reformen jetzt "nur" mehr eins.

Der Kluge
26
21.9.2011, 05:40

Schon toll, dass jetzt wieder die Gutmenschen daher kommen und uns erzählen, dass Europa im Mittelalter nicht besser war. Ja, und?

(Wobei der Umfang der Hexenverbrennungen vielfach überhöht wird. Da hat es ganz andere Massenmorde in Europa gegeben.)

Diese Kontextualisierung und Verharmlosung ist purer Zynismus. Es ist keine Solidarität mit den Opfern, sondern eine Solidarität mit den Tätern.

Die Gleichgültigkeit und das Kleinreden im Namen von Toleranz und Respekt ist purer Verrat an den vom politischen Islamismus hingerichteten.

Wenn es einem in Saudi Arabien egal ist, so sollte man zumindest überlegen, ob man solche Debatten auch im Europa der Zukunft führen will.

tignosa
02
27.9.2011, 19:31
obs Islamismus war oder einfach nur Blödheit, sei dahingestellt und ist im Grunde genommen unerheblich

dem Ermordeten ist es wohl auch wurscht, warum er ermordet wird. Bin dafür, saudische Touristen nicht mehr ins Land zu lassen.

Seine Durchlaucht
11
22.9.2011, 18:28
Die haben doch erst das Jahr 1432.

Die Frage ist nur, ob man Jemandem, der noch im Mittelalter lebt westliche Waffen und westliches Know-How liefern sollte.

Gendo
15
21.9.2011, 09:16

Es war in Europa nicht besser im Mittealter. Wir sollten nur dafür sorgen, dass wir in Europa nicht noch ein Mittealter bekommen!

Mormoloc
01
29.9.2011, 10:43
Im Mittelalter hatte man aber Ketzer auf dem Kieker.

Zauberer standen erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts auf dem Plan, etwas später dann Hexen...

froilein froilein
01
27.9.2011, 21:38
Hört doch endlich auf, das Mittelalter zu diffamieren. Das war ein Zeitalter der kulturellen Hochblüte

Der elende Ruf des Mittelalter wurde in der Aufklärung gebastelt- um die eigenen "ideen" besser zu vermarkten.

Hexenverfolgungen gab es schon in biblischen Zeiten. Allerdings als verstreute einzelne Ereignisse.
Die Aufnahme in ein Strafgesetzbuch und die Massenverfolgungen kamen erst im 16. Jahrhundert, mit einem Höhepunkt im 17. Jahrhundert, vor allem in protestantischen (nicht katholischen) Gebieten.
Die Scheiterhaufen brannten noch bis Ende des 19. Jahrhunderts, also noch deutlich nach der Zeit der (angeblichen) Aufklärung.
DH, der Höhepunkt der Hexenverfolgung lag in der Zeit der Aufklärung- genau der Zeit, die verbreiten ließ, wie finster das Mittelalter doch nicht sei.

tignosa
00
30.9.2011, 01:10
in den katholischen Gebieten Europas war einleichter Überhang

dennoch wäre es kindisch, zu behaupten, wer mehr "Hexen" und "Hexer" umgebracht hat sei schlimmer. Ein(e) wäre schon ein(e) zuviel gewesen...

Mormoloc
11
29.9.2011, 10:42
Bitte keinen Quatsch verzapfen.

Das Hexenparadigma ist von der katholischen Kirche im Laife mehrere Phasen ab ca. 1430 entwickelt worden. Heinrich Kramer war Dominikaner. Und beim Hexenverbrennen waren sich Katholen und Protestis recht ähnlich. Unterscheide in der Verfolgungsintensität sind anders motiviert gewesen.

Und daß die Scheiterhaufen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gebrannt haben sollen, glauben Sie doch selbst nicht.

net-diver
 
00
30.9.2011, 08:23
Naja...

... die letzte überlieferte Hinrichtung einer Hexe in Mitteleuropa fand 1793 in Südpreußen statt. Aber noch 1836 wurde eine vermeintliche Hexe von den Fischern der Halbinsel Hela der Wasserprobe unterworfen und, da sie nicht untersinken wollte, gewaltsam ertränkt.

Da hat er fast recht :D

tignosa
00
27.9.2011, 19:30
was Sie meinen, ist die Frühe Neuzeit, allenfalls das Spätmittelalter

Sie haben recht, das soll in Europa nicht mehr geschehen. Es haben aber auch die Menschen in Saudi- Arabien ein Recht darauf, dass ihre Menschenrechte geachtet werden. Und beileibe nicht nur die wohlhabenden Einheimischen. Als Reaktion sollte man vielleicht diese ganzen Hochzeits- und sonstigen Reisen nach Zell am See verbieten, aber "huch!" "kreisch!", würde da die Wirtschaft aufjaulen, und zwar die heimische.

Gustav Gans der Wahre
01
21.9.2011, 00:35
Für Freunde der USA benehmen sich die Saudis sehr manierlich

Ich sehe nichts, was die Freundschaft trüben könnte. Gut, den USA wäre lieber, wenn die Saudis bewaffnete Drohnen aus US Produktion verwenden würden, um solche Übeltäter zur Strecke zu bringen, aber das sind nur minimale Meinungsunterschiede. Dass die Saudis unverständlicherweise Hemmungen haben, die Mitbewohner des Sudanesen zu kollateralieren hängt wahrscheinlich mit den Kulturunterschieden zusammen. Auf sowas muß man unter Freunden Rücksicht nehmen.

Perkun
15
20.9.2011, 22:23
Unglaublich

Es sind und bleiben glaubige Barbaren

eze eze
 
11
21.9.2011, 04:09

Ja, wie auch z.B. China oder die USA. In Georgia soll heute Troy Davis hingerichtet werden, ohne Beweise, nur weil dieser Schwarze nicht in der Lage war, seine Unschuld zu beweisen.
"Quiana Glover, who did not testify at the original trial, said one of the witnesses who did not recant told her he was the real shooter. That man, who was with Davis that night, could not be reached for comment on Monday and Tuesday, and did not answer his door this week when a reporter visited.
"Justice should be served, but it should be served to the right man," said Glover, who urged the pardons board to grant clemency Monday. "There's no evidence against this young man.""
http://www.huffingtonpost.com/2011/09/2... 71349.html

Richard III
00
21.9.2011, 13:07
na ja...der Vergleich hinkt doch etwas...es geht ja hier vor allem um das Delikt "Hexerei"...

Also auch wenn ich ebenfalls diese Hinrichtung in den USA ablehne, geht es hier vor allem um das hierzulande mittelalterlich anmutende Delikt "Hexerei"...ist schon etwas andreas.

LG,

Ri

tignosa
01
27.9.2011, 19:32
beide Anklagen sind allerdings ähnlich wackelig

Machtjan X
00
24.9.2011, 15:39
Delikt: Mord von Amts wegen

Und sonst geht´s um nix.

Kowosch
 
00
21.9.2011, 01:36
Und es gibt überall Leute, die ähnlichen Murks im Kopf haben:

http://videos.arte.tv/de/videos... 12156.html

Ca. bei Minute 34: Auch Harry Potter gehörte hingerichtet...

Okay, diese Spinner haben nicht die Macht im Staate. Hätten sie aber gerne...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 311
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.