Railjet von Italien auf Südbahn verschoben

19. September 2011, 16:37

Um auch die Südbahn mit ÖBB-Railjets zu befahren, wird der Parade-Schnellzug vom Brenner auf den Semmering verschoben

Wien - Die ÖBB wird für die letzte Tranche an Schnellzuggarnituren der Type Railjet voraussichtlich doch eine Pönalezahlung von rund zwei Millionen Euro an Hersteller Siemens zahlen.

Der Grund: Der ÖBB-Personenverkehr kann sich die 16 Garnituren nicht leisten und aus dem angestrebten Weiterverkauf an die tschechische Staatsbahn dürfte, so wie es aussieht, nun doch nichts werden.

Auf der Südbahn, die betreffend Wagenmaterial deutlich schlechter auf Schiene ist als die Westbahn, sollen ab Dezember trotzdem Railjets fahren, kündigte ÖBB-Holding-Chef Christian Kern am Montag an: Man werde umschichten und die für die Brennerstrecke nach Mailand vorgesehenen Garnituren über den Semmering schicken. Dass die Pönalezahlung zwei statt vier Mio. Euro beträgt, liegt an der Aufrüstung der Railjets mit Speisewägen. Der Umbau der Bistros schlägt mit rund zwei Millionen zu Buche.

Kern will Finanzlösung bis 2012

Auf Schiene sind mit dem am Montag von Verkehrsministerin Doris Bures und ÖBB-Holding-Chef Christian Kern präsentierten Zielnetz 2025+weitere Schließungen von Nebenbahnen- und Zulaufstrecken zum hochrangigen A-Netz. Es geht um insgesamt 725 Kilometer Schienenstrecken des so genannten B-Netzes, denen es an "systemadäquater Nachfrage" fehle, wie es im ÖBB-Jargon heißt. Heißt auf gut Deutsch: Das Fahrgastaufkommen unterschreite 2000 Reisende pro Tag und sei damit unwirtschaftlich. Dass die 700 Kilometer Schiene geschlossen werden, stehe noch nicht fest. Davon befinden sich rund 200 km in Oberösterreich - über deren Zukunft wird mit den Ländern verhandelt. Wenn diese Gespräche so enden wie in Niederösterreich, schaut es freilich schlecht aus. Dort zahlte die Bahn 120 Mio. Euro und die meisten Nebenbahnen wurden zugesperrt und durch Autobuslinien ersetzt.

Um die Finanzierung gerungen wird mit den Bundesländern Wien und Niederösterreich auch betreffend den Einsatz neuer Nahverkehrszüge. Wohl hat die Bahn vor Jahren einen Rahmenvertrag im Volumen von 250 Mio. Euro für Desiro-Züge von Siemens geschlossen, das Geld zum Abrufen fehlt allerdings. Kern will bis 2012 eine Lösung haben.

Zahl der Bahnkunden soll auf 300 Mio erhöht werden

Dass im hochrangigen Schienennetz in den nächsten 20 Jahren rund 400 neue Schienenkilometer entstehen, liegt an Milliardenausbauprojekten wie Koralmbahn, Lainzer-, Semmering- und Brennerbasistunnel, Unterinntal und natürlich dem viergleisigen Ausbau der Westbahn bis Wels, dessen Kernstück die Güterzugsumfahrung St. Pölten darstellt. Das Geld - bis 2030 werden rund 36 Milliarden Euro investiert - sei bestens und vor allem ökologisch richtig angelegt, betonte Bures.

Bis 2025 soll die Zahl der Züge in Österreich von täglich 7000 auf rund 9000 erhöht werden, die Zahl der Bahnkunden von 240 auf 300 Millionen pro Jahr. Schließlich solle der Anteil des Bahngütertransports von 30 auf 40 Prozent des Gesamtgütervolumens in Österreich erhöht werden. (ung, DER STANDARD; Printausgabe, 20.9.2011)

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haveacigar1
00
12.12.2011, 11:45
Unterstützung für die Bahn!

Wenn der Bahnverkehr in Europa genauso stark gefördert worden wäre, wie der Straßenverkehr, sähe unsere Infrastruktur heute anders aus!
Auf den Schulden der Bahn wird ständig rumgehackt,
aber wieviel Steuergeld in die Straßenfördrung geht...
Es ist Zeit umzudenken!

altbürgermeister
00
3.11.2011, 16:54

Was ist eigentlich mit dem 1-2-3-Schema passiert? Also eine Stunde Fahrtzeit nach Linz, zwei nach Salzburg, drei nach Inssbruck bzw München?

Luky Pozzo
09
20.9.2011, 15:33
Die systemadäquate Nachfrage fehlt, weil die Verkehrspolitik längst abgedankt hat

Unter einem Kaiser Franz Josef waren entlegene Gebiete mit der Eisenbahn erreichbar, wurden mit dem Ausbau des Schienennetzes erschlossen.

In der hochindustriellen Republik, in der der Wahnsinn des Individualverkehrs mit seinen Umweltzerstörungen beweinenswerte Ausmaße angenommen hat, soll das nicht mehr möglich sein?!

Es ist nicht nur möglich, es ist verdammt notwendig, das Schienennetz nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen.

Die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht einfach Schicksal, wie von ÖBB-Spitze und zuständigen PolitikerInnen suggeriert, sondern in der Verantwortung einer Politik, für die Landschafts-, Umwelt- und Lärmschutz nicht nur ein zynischer Witz ist.

Zinnmo
 
12
23.9.2011, 09:31

Unter dem Kaiser waren Eisenbahnen fast vollständig privat finanziert und betrieben. Eisenbahnen wurden dorthin gebaut, wohin es sich auszahlte.

Quim Barreiros
04
25.9.2011, 10:45

Unterm Kaiser wurden aber die Eisenbahnen auch zweimal verstaatlicht.

Verbal Kint
00
5.11.2011, 11:59
Weil die privaten BEtreiber pleite gegangen sind

Nur um eventuellen Mißverständinissen vorzubeugen ;-)

NANANANANANANANA BATMAN
00
20.9.2011, 15:12
+ verspätung halt

es ändert sich eh nix :D

leo lander alias mont tatont
41
20.9.2011, 14:40
also ich würd Siemens sagen, wenn sie die nächsten 10 Jahre wieder zu einer Ausschreibung eingeladen werden wollen

dann sollen sie auf die 2 Mio verzichten. Aber im verfilzten Bereich geht sowas ja nicht.

der_kleine_pariser
 
12
20.9.2011, 21:06

Ich würde eher die ÖVP verpflichten, die 2 mio zu zahlen.

Sie hat ja der Finanzierung der an sich dringend benötigten Züge nicht zugestimmt.

Faeryl
03
20.9.2011, 20:10

Warum?

Beide Seiten haben einen Vertrag unterschrieben und der wurde von der ÖBB nicht eingehalten. Warum immer alle sofort auf Siemens hinhauen versteh ich auch nicht.

Soph
02
20.9.2011, 16:03
Eine hochinteressante ...

... betriebswirtschaftliche und vertragsrechtliche Einstellung.

politisch verfolgt
04
20.9.2011, 14:16
nach durchlesen

vieler postings auch mein senf:
railjet finde ich gut. hübsch und bequem. ich finde, er sollte durchgängig schneller fahren dürfen. oft fährt er nur 100, keine ahnung, warum genau. strecke, lärmschutz?
bahnfahren muß attraktiver gemacht werden. vorteilskarten, einfach-raus-ticket, was auch immer die bahnen voller macht, ist gut. aber es ist klar, daß die bahn wirtschaftlich sinnvoll nicht täglich 10 mal jedes kaff anfahren kann, in dem nur 3 leute zusteigen wollen. auf den großen verbindungen muß die bahn aber punkten. ziel muß sein: wien-linz-salzburg zum beispiel soll keiner mehr mit dem auto fahren.
es grüßt ein ex-autobesitzer, der bahnfahren entdeckt hat.

Inconnu
02
20.9.2011, 16:08

Danke für dieses Posting!
Vielleicht liege ich auch komplett falsch, aber ich glaube gehört/gelesen zu haben, dass die Strecke/Gleise im Bereich von München nach Salzburg keine durchgehenden 200km/h erlauben.

Vorteilscard: Jeder der über die Vorteilscard meckern sollte, soll mal das Preis-/Leistungsverhältnis der österreichischen Vorteilscard mit der deutschen Bahncard vergleichen.

Unglaublich, so viel gelobt/verteidigt wie heute im Standard-Forum hab ich die ÖBB glaub ich mein ganzes Leben nicht ;)

Hefeweizerlbier
00
22.9.2011, 20:55

Das deutsch Eck ist gleismäßig sehr schlecht ausgebaut und noch dazu überlastet. Haselsteiner wollte die Westbahn bis nach Innsbruck weiterführen, bekam aber keine Slots.
Von Kufstein bis Salzburg ist die Zugfahrt sehr mühselig. Immer wieder nur 80 km/h und ein mords Gequietsche. Da sind die Deutschen säumig.

politisch verfolgt
00
20.9.2011, 17:31
naja

ich wäre ja schon froh, wenn der railjet wenigstens durchgehend 150 fahren würde. aber oft bremst er auf 80, 100 ab oder 120 ab, aus für mich unerfindlichen gründen.
die öbb sind schlecht geführt, verpolitisiert und defizitär, aber prinzipiell ist die bahn eine gute sache. das sollte man nicht aus den augen verlieren.

Cato lebt!
00
4.11.2011, 12:03

Mein Eindruck ist, dass die Bahn ein sehr gutes Unternehmen sein könnte - aber so wie da ständig aus Regierung und Gewerkschaft hineingefunkt wird, geht jedes Unternehmen (egal wie gut es aufgestellt ist) irgenwann vor die Hunde.

Stephan W.
03
20.9.2011, 22:47

Wenn es immer die selbe Stelle ist an der Abgebremst ist dann wird es wohl dort die Streckenhöchstgeschwindigkeit sein (entweder dauerhaft aufgrund von Kurvenradien, Steigungen, etc. - erkennbar an den quadratischen weißen Tafeln mit rotem Rand und einer roten Zahl darin, die x10 die Höchstgeschwindigkeit angibt - oder temporäre Langsamfahrstellen aufgrund von Bauarbeiten - dann ist die Tafel gelb mit schwarzer Zahl). Aber es gibt noch andere Gründe: im einfachsten Fall ist weiter vorne noch ein langsamerer Zug unterwegs, der erst auf ein Nebengleis genommen werden muss; oder es wird eine Weiche in ablenkender Richtung befahren die nur eine geringere Geschwindigkeit (auf der Strecke meist 60 oder 80, im Bahnhof oft auch nur 40) erlaubt.

Zinnmo
 
00
23.9.2011, 09:33

Vollkommen richtig. Leider kann ich nur einmal grünstricherln...

Im Prinzip kann der Railjet nur auf den viergleisigen Bereichen der Westbahn richtig angasen. Überall anders wird er gebremst.

Cato lebt!
00
4.11.2011, 12:10

Dann hoffen wir mal auf einen zügigen viergleisigen Ausbau.

Leider ist die Bestuhlung der RJs trotzdem ein echter Rückschritt an Sitzkomfort.
Die Sitze sind für Personen ab 1,90m einfach zu eng gestellt und der Sitzkomfort für Fernverkehrszüge nicht adequat.

politisch verfolgt
00
21.9.2011, 01:03
aha

wußte ich nicht.

Stephan W.
01
24.9.2011, 09:39

Der Lokführer muss folgende Geschwindigkeitsgreznen beachten: Höchstgeschwindigkeit des Zuges (ergibt sich aus der kleinsten zugelassenen Geschwindigkeit der Wagen im Zug, dem Zuggewicht und der Bremsausrüstung der Wagen), Streckenhöchstgeschwindigkeit (regulär und temporäre Langsamfahrstellen), signalisierte Geschwindigkeit (bei der Fahrt über Weichen), Geschwindigkeit lt. Buchfahrplan (i.d.R. ident mit der Streckengeschwindigkeit) sowie sonstige Geschwindigkeitsbeschränkungen, die ihm per schriftlichem Befehl übermittelt wurden - aus all diesen muss der Lokführer stets die niedrigste einhalten (und sollte trotzdem pünktlich ankommen).

Protonenzerquetscher
00
20.9.2011, 22:41

Die Streckenhöchstgeschwindigkeiten lässt sich an den viereckigen Tafeln ablesen, so bedeutet die Zahl 8 80 km/h Streckenhöchstgeschwindigkeit. Und gerade an Wels schaut es mit der Höchstgeschwindigkeit der bei der Strecke leider nicht besonders gut aus.

cannery row
13
20.9.2011, 12:43
am rande..

wird man irgenwann einmal wieder direkt nach venedig fahren können (ausser wie jetzt mit dem nachtzug, der stundenlang die reise unterbricht, auf einem abstellgleis vergammelt und um 4 uhr früh in venedig ankommt - ideal, um im hotel einzuchecken oder zu shoppen..)?

kann die irre logistische herausforderung einer einigung mit den italienern irgendwann bewältigt werden?

der_kleine_pariser
 
01
20.9.2011, 21:09

was die Ankunftszeit in Venedig anbelangt : da gibt's einen, der kommt um 08:30 an.

der_kleine_pariser
 
00
20.9.2011, 21:08

Wenn die Südbahn fertig ausgebaut ist (oder wenn der Ausbau ernsthaft in Angriff genommen wird), wird Trenitalia wohl wieder mit den ÖBB zusammenarbeiten.

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