Piratenpartei Österreichs

"Können nicht in Taschen der Steuerzahler greifen"

Rainer Schüller, 19. September 2011, 16:26
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    Andrea Grasserbauer: "Ich wende meine gesamte Freizeit für die Piratenpartei Österreichs auf."

Andrea Grasserbauer ist Bundesgeschäftsführerin des österreichischen Ablegers der Piratenpartei, sie kämpft vor allem um Aufmerksamkeit

In Berlin hat die Piratenpartei den Einzug in das Abgeordnetenhaus geschafft. In Wien bekommt man vom österreichischen Ableger kaum etwas mit. Warum das so ist, erklärt Andrea Grasserbauer, Bundesgeschäftsführererin der österreichischen Piratenpartei, im Gespräch mit derStandard.at.

***

derStandard.at: Die Piratenpartei hat in Berlin ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Erfreut?

Grasserbauer: Wir freuen uns mit unserer Schwesterpartei, aber wir haben aufgrund der guten Umfrageergebnisse auch mit einem Erfolg gerechnet. Dass die Piratenpartei allerdings so hoch abschneidet, hat auch uns überrascht.

derStandard.at: Bitte nennen Sie drei Punkte, warum eine stärkere Piratenpartei auch für Österreich wichtig wäre.

Grasserbauer: Drei Punkte sind uns zu wenig. Wir stehen für die Hauptpunkte: Demokratie, Transparenz, Netze, Bildung, Stadtentwicklung, Verkehr und Öffentlicher Personennahverkehr, Bürgerrechte und Innenpolitik mit Asyl- und Immigrationspolitik, Suchtpolitik, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Geschlechter- und Familienpolitik, Staat und Religion, Kunst- und Kulturpolitik.

derStandard.at: In Österreich merkt man wenig von der Piratenpartei, warum?

Grasserbauer: Wir werden nicht von Lobbys unterstützt und können uns daher keine aufwendigen Werbemaßnahmen leisten. Kleinparteien werden von den Medien in Österreich meist zu wenig wahrgenommen.

derStandard.at:
Was fehlt für einen besseren Erfolg?

Grasserbauer: Mehr Aufmerksamkeit der Medien. Wir können nicht in die Taschen des Steuerzahlers greifen, um auf uns aufmerksam zu machen. Trotzdem haben wir ungehindert Zulauf und unsere Mitgliederzahl steigt stetig.

derStandard.at: Was unterscheidet die Piratenpartei von den Grünen?

Grasserbauer: Die Grünen sind zu einer traditionellen Partei geworden. Wir sind eine junge basisdemokratische Partei, die sich mit den wichtigen Zukunftsthemen beschäftigt. Wir sind eine Mitmach-Partei, unsere Mitglieder bestimmen den Kurs und nicht unsere Koalitionspartner. In unseren Kernthemen haben die Grünen keine Kompetenz. Die aktuelle Entwicklung von Rot-Grün in Wien sorgt dafür, dass auch die ehemalige Alternativpartei ihre Wähler vergrault. Preiserhöhungen bei den Öffis, Erhöhung der Gas- und Wasserpreise - viele enttäuschte Wähler, die wir potentiell für uns mobilisieren können.

derStandard.at: Gab es in Richtung der Piratenpartei schon Anfragen von Seiten potentieller finanzieller Unterstützer?

Grasserbauer: Nein.

derStandard.at: Wie stehen Sie zu Julian Assange und Wikileaks?

Grasserbauer: Wikileaks war ein so heißes Thema, weil sich die USA, die als Weltpolizei auftritt, wie ein Kriegsverbrecher verhalten hat. Dieser Hype war
zeitlich begrenzt und die meisten Österreicher haben das wohl schon wieder vergessen. Unser Programm ist langfristig angelegt. Kurzfristige Hypes haben auch nur einen kurzfristigen Effekt.

derStandard.at: Was sagen Sie zu den aktuellen eher kritischen Berichten über Wikileaks?

Grasserbauer: Wikileaks steht für Transparenz und die Möglichkeit Informationen anonym preiszugeben. Kritische Berichte beziehen sich auf Streitereien der Gründer und nicht den Grundgedanken, darauf will ich nicht näher eingehen, da Wikileaks wie gesagt nicht unser einziges Thema ist. Konkret arbeiten wir an einer Vernetzung und der Kommunikation mit Whistleblowern.

derStandard.at: Wie anonym sollte das Internet sein?

Grasserbauer: Die Anonymität des Internets ist der Anonymität im realen Leben gleichzusetzen.

derStandard.at: Wie gesetzfrei sollte das Internet sein?

Grasserbauer: Das Internet soll nicht gesetzfrei sein, insbesondere dort, wo es um Online-Shops und Geschäfte geht. Permanente Überwachung und Vorratsdatenspeicherung sowie Zensur sind aber absolut abzulehnen und helfen im Kampf gegen Terrorismus überhaupt nicht weiter, da nur Unschuldige ins Fahndungsraster geraten und nicht diejenigen, die sich Mittel und Wege finden den Fahndungsmethoden zu entgehen.

derStandard.at: Es gibt Ex-Piratenpartei-Mitglieder, die von internen Streitereien berichten. Wie geeint ist Ihre Partei?

Grasserbauer: Unsere Partei ist geeint, die Zusammenarbeit mit unseren Schwesterparteien sehr gut. Ex-Mitglieder, die ausgetreten sind, weil sich die Partei vergrößert hat und Arbeit notwendig ist, die wir ehrenamtlich leisten, sind durch die Erfolge neidisch geworden. Ihre Aussagen besitzen keine Relevanz, es handelt sich um eine Gruppe von maximal zehn Personen.

derStandard.at: Wer soll Spitzenkandidat/in der Piratenpartei bei einem möglichen Antritt bei der Nationalratswahl sein?

Grasserbauer: Das wird die Bundesgeneralversammlung der Mitglieder bestimmen, wir sind basisdemokratisch.

derStandard.at:
Wieviel Zeit wenden Sie für die Piratenpartei auf?

Grasserbauer: Ich wende meine gesamte Freizeit für die Piratenpartei Österreichs auf. Es ist notwendig, dass es eine neue, junge Partei gibt, die der Jugend wieder Interesse an politischen und demokratischen Prozessen vermittelt. Die derzeitigen Korruptionsskandale führen dazu, dass sich die Menschen angewidert von der Politik abwenden. Wohin das führen kann, zeigt uns die Geschichte. (derStandard.at, 19.9.2011)

Kommentar posten
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Johannes St.
 
11
20.9.2011, 19:04
das Ergebnis in Deutschland zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einer Alternative ist...

Hairy Tongue
11
20.9.2011, 17:28

kein widerstand ist zwecklos.

per verser
07
20.9.2011, 15:28

entsetzlich. die österreichische partei hat mit der deutschen aber so gar nichts gemein. das ist ja ganz übel - was in deutschland kreativ und förderlich sei kann, ist bei uns schon im ansatz kontraproduktiv.

ND1
10
23.9.2011, 14:03

sprichst du von unseren Grünen?

C R3
04
20.9.2011, 14:35
Ziemlich cooles Interview mit Berliner Piratin

http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2011... interview/

Ich muss sagen, das Interview hat mich beeindruckt. Zumindest die Berliner Piraten scheinen eine interessante Truppe zu sein. Ich für meinen Teil schaue mir das jedenfalls mal in Österreich an, die Themen sprechen mich an und bei den anderen Parteien weis ich höchstens wen ich sicher nicht wähle. :-(

07578532075
10
20.9.2011, 17:53
Die neuen Grünen?

Wenn sie in Wien antreten, und die Grünen so weitermachen bzw. weiter umfallen, dann würde ich mir sogar bei Umfragewerten von 1-2% eine Stimme sehr überlegen. Oder wen soll die vergraulte Wählerschaft der Grünen in Zukunft wählen?

Lacy Laser
13
20.9.2011, 15:15
So gehts mir auch.

Ich werde mal zu einem zwanglosen Treffen schaun und mich umhören.
Als ehemaliger Grünwähler sind mir ganz einfach die wählbaren Parteien abhanden gekommen.

nk b
 
20
20.9.2011, 14:29
Ein Fall für Thomas Berhard......

Ein Blick auf das (politische?) "Programm" dürfte wohl genügen......
sehr umfangreich und revolutionär......
:-)

die naive
01
20.9.2011, 13:38
Wie finanziert Ihr Euch?

bzw wieviel Subventionen erhält dieser österreichischen Ableger?

Der Barbier von Sevilla
146
20.9.2011, 13:24
Dei Partei, die ich mir wünschen würde:

Die Grünen minus Genderschwachsinn und plus rationalem Umgang mit der immigrationsproblematik.

Jane Lane
 
10
21.9.2011, 19:40

also rohköstliche Primitivlinge mit starker "Heimatschützer"-Affinität?

Versuchen Sie es mal mit dem Ideologiekonstrukt rund um den "Ur"-köstler Franz Konz. Dürfte Ihnen sympathisch sein.

07578532075
01
20.9.2011, 17:57

BZÖ?

flohimpelz
71
20.9.2011, 14:28
Abzüglich des Einflusses

durch die Scientologen - haben sie vergessen!!

trollvottel
43
20.9.2011, 14:11

Die Grünen sind derzeit eine der wenigen Parteien in Ö mit rationalem Zugang zum Thema Migration.

Deine Forderung sehe ich in Tradition der blaun-braunen Kampfposter, die es gezielt so darstellen, als hätte Ö keine ernst zu nehmenderen Probleme als ein paar Mitbürger mit lustigen Namen.

07578532075
02
20.9.2011, 18:02

rational in dem Sinn, dass die zu strikten Fremdenrechts-Bestimmungen und grundlose Abschiebungen etc. kritisiert werden, ja.

Dass aber auf Aussagen wie "in der Gegend wohnen nur noch Türken und Serben, da hat man ja Angst" einfach nur mit Ignorieren reagiert wird, sollte sich ändern, ohne dass gleich die "alle sofort abschieben"-Ansichten von HC vertreten werden. DAS ist schon wirklich ein Problem der Grünen.

Der Barbier von Sevilla
43
20.9.2011, 14:51
Immigration = ein paar Mitbürger mit lustigen Namen

Dein Posting ist ein perfektes Beispiel für die Realitätsverdrängung und die Problemverleugnung, die ich bei den grünen Positionen in Sachen Migrationspolitik kritisiere.

Jemanden, der eine andere Meinung als Du vertritt, als "blau-braunen Kampfposter" zu beschimpfen, ist einfach nur letztklassig. Da bist Du um nichts besser als jener Irrwicht, der hier im Forum alles links von der ÖVP als kommunistisch bezeichnet.

trollvottel
33
20.9.2011, 17:38

Was konkret ist denn nun dein "Problem" mit Ausländern?

Dass es Döner gibt und eine Unterschicht, die oft vom Dönerbudenbetrieb lebt? Die "einheimischen" Würstelstandler sind auch nicht immer angenehm.

Die ach so böööse fremden Geschäfte in Ottakring? Oder "Mord und Totschlag auf der Ottakinger Straß, wo kein Weißer sich mehr hin traut", wie es mir eine leicht weltfremde Großtante beschrieb?

Oder die verfehlte Schulpolitik, die dazu führt, dass es halbweg gute Weißenschulen und miese Türkenschulen gibt und letztere halt verwahrlosen, weil man dort gezielt spart und zu deppert ist, um halt ein paar türkische Lehrer einzustellen?

ND1
01
23.9.2011, 14:06

je mehr ich von dir lese desto mehr würde ich 2 Buchstaben in deinem Nick verschieben ...

flohimpelz
46
20.9.2011, 11:05
Schön, dass es noch Menschen gibt, die in Österreich etwas bewegen wollen!

Weg vom Patrteienmief der außer Korruption kein Ziel mehr hat - oder diese grünen Scientologen welche die Gesellschaft auch nur mehr für Versorgungsposten ausnutzen - Bravo!

Briefmarkenkleber
20
20.9.2011, 16:46

Nicht in Österreich: Im Internet!

Richard Ebner
34
20.9.2011, 10:52
Die etablierten Parteien sind ja sowas ...

... von beschizzen, dass die Zustände immer mehr werden wie an der Uni damals. Da haben wir auch die Rebellen vom Lian Shan Po gewählt, die mehr Reis in der Mensa gefordert haben, nur weil alles andere unwählbar war.
So wird es jetzt eben auch in der richtigen Politik.

trollvottel
52
20.9.2011, 12:32

Ah, chronische Nörgelei also: Parteien sind kompliziert, deshalb drückst dich mit Komplettverweigerung und einer Stimme für eine Spaßfraktion ohne Programm aus der Verantwortung, die Zukunft mit entscheiden zu müssen.

Hans Funkelfels
41
20.9.2011, 10:46
Lucius Malfoy

Wer muss beim Foto noch an Lucius Malfoy denken?

http://www.dentrocine.com/wp-conten... Malfoy.jpg

Jane Lane
 
00
21.9.2011, 19:43
Macht nix!

Bei Pressephotos von Martin Graf & Co. in "Wichs" muss ich auch immer an Chris Nolans Joker denken.

trollvottel
50
20.9.2011, 12:33

Wie nennt man noch gleich Greise, die krampfhaft jugendlich aussehen wollen und sich damit völlig lächerlich machen?

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