Internationale Konferenz

HPV ist im Verdacht auch Hautkrebs auszulösen

19. September 2011, 15:38
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    foto: apa/deutsches krebsforschungszentrum

    Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer Humaner Papillomviren.

Nicht nur Auslöser von Gebärmutterhalskrebs - Nobelpreisträger zur Hausen empfiehlt Impfung aller Buben gegen HPV

Berlin/Wien - Human Papilloma Viren (HPV) lösen nicht nur Gebärmutterhalskrebs aus. Bestimmte Typen stehen auch unter Verdacht, Vorstufen für Weißen Hautkrebs (Basaliome) zu verursachen, hieß es bei der 27. Internationalen Konferenz zu Papillomviren in Berlin. Der für die Entdeckung des Zusammenhanges zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs mit dem Medizin-Nobelpreis geehrte deutsche Wissenschafter Harald zur Hausen forderte bei der Konferenz die Impfung aller Buben.

Derzeit sind über 100 Typen der Papillomviren (HPV) bekannt. In Tierversuchen fand die Forschergruppe um Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg nun Hinweise dafür, dass die Hautregionen der Tiere, die mit bestimmten beta-HPV-Genen versehen waren, nach Bestrahlung mit UV-Licht eine Vorform von hellem Hautkrebs (aktinische Keratose) entwickelten. Aus der aktinischen Keratose können Plattenepithel-Karzinome entstehen. Falls sich dieser Verdacht erhärten sollte, könnte in Zukunft die frühzeitige Impfung von Kindern Schutz bieten, sagte Gissmann. Auch Organtransplantierte, die bis zu 100 mal häufiger an Weißem Hautkrebs erkranken als die Normalbevölkerung, könnten dann von einer Impfung vor der Transplantation profitieren.

Experte: "Buben impfen"

Harald zur Hausen, der für seine Arbeiten über HPV-Viren 2008 den Medizin-Nobelpreis erhielt, forderte erneut, auch Buben gegen HPV zu impfen. Männer übertragen via Sexualkontakte die Viren. zur Hausen: "Ich glaube sogar, wenn wir nur Buben impfen würden, wäre das ein besserer Schutz als nur Mädchen." Derzeit wird die Impfung in zahlreichen Staaten - nicht in Österreich - als Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs für Mädchen über öffentliche Impfprogramme finanziert. Der renommierte deutsche Wissenschafter wies in diesem Zusammenhang auch auf zusätzlichen Nutzen einer Immunisierung von Buben hin: "Nicht nur, dass geimpfte Männer ihre Partnerinnen nicht mehr infizieren - die Impfung bewirkt auch bei den Männern selbst einen hohen Schutzeffekt gegen Krebs der Genital- und Analregion - vorausgesetzt, sie wird früh genug verabreicht."

Für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs hat sich mittlerweile ein neues Verfahren bewährt: Karl Ulrich Petry (Frauenklinik Wolfsburg/Deutschland) berichtete von sehr guten Erfolgen beim HPV-DNA-Screening, das den bisher üblichen Pap-Abstrich künftig ersetzen könnte. Statt der jährlichen Abstrichuntersuchung könnte alle zwei Jahre der genauere Test zur Auffindung von HPV-Genmaterial erfolgen. Der Experte: "Das DNA-Verfahren ist medizinisch von höherer Qualität und auch kosteneffizient, denn es können überflüssige, durch Fehlalarme hervorgerufene Untersuchungen vermieden werden."

Mehr als 80 Prozent der Neuerkrankungen und auch der Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs entfallen auf die Entwicklungsländer. Im südlichem Afrika ist diese Krebsart die häufigste überhaupt und auch die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. Einer der beiden HPV-Impfstoffhersteller hat jetzt angekündigt, HPV-Impfungen sehr kostengünstig in Entwicklungsländern abzugeben. "Allerdings brauchen wir nicht nur die Impfstoffe, sondern auch eine Infrastruktur, um sie flächendeckend zu verteilen", betonte Denise Galloway vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle (USA). (APA)

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