Schmied zeigt trotz Berlakovich-Absage weiter Interesse - Landwirtschaftsministerium ortet Ablenkungsmanöver
Wien - Die zuletzt medial ausgetragene Kompetenzdebatte
zwischen Kultur- und Landwirtschaftsministerium um die Spanische
Hofreitschule ist auf Eis gelegt. Kulturministerin Claudia Schmied
(SPÖ) hatte sich interessiert gezeigt, die Institution in ihr
Ministerium einzugliedern. Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich
(ÖVP) erteilte dem eine Absage. Somit scheint das Thema - zumindest
vorerst - erledigt: Der nächstmögliche Zeitpunkt, wo darüber
diskutiert werden könnte, wäre nach der nächsten Nationalratswahl, so
ein Sprecher Schmieds am Montag.
In Rollen gebracht hat die politische Diskussion der Verein
"Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule". Dieser forderte, dass
das Bundesgestüt Piber wie auch die Hofreitschule in die
Zuständigkeit des Kultur- und nicht in die des
Landwirtschaftsministeriums fallen sollen. "Nur weil es hier um
Pferde geht, hat das nichts mit der Landwirtschaft zu tun", wurde
argumentiert.
"Ablenkung von Problemen in Bildungspolitik"
Schmied erklärte daraufhin, dass die Eingliederung der
Hofreitschule in ihr Ministerium durchaus eine Überlegung sei, falls
Berlakovich zustimme. Die Kulturinstitution würde gut in die Wiener
Kulturmeile passen. Berlakovich erteilte jedoch keine Zustimmung und
auch heute, Montag, wurde betont, dass es keinen
Anlass gebe, über die Ausgliederung der Hofreitschule zu diskutieren.
"Wir sehen das als Ablenkung von ihren (Claudia Schmieds, Anm.)
eigenen Problemen in der Bildungspolitik", hieß es dazu aus dem
Ministerbüro. Die Hofreitschule sei seit 1918 beim
Landwirtschaftsministerium eingegliedert, das nun Lebensministerium
heißt.
Außerdem wurde betont: "Wir tragen die Zuchtverantwortung für
alle
Tierarten in Österreich." Daher sei die Lipizzanerzucht "eindeutig
unserem Ressort zuzurechnen". Überdies wurde auf die erfolgreiche
Umsetzung eines durchstrukturierten Finanz- und Revitalisierungsplans
verwiesen, die Hofreitschule werde heuer eine schwarze Null
schreiben.
"Kein
Grund zum Streiten"
Nach der Absage Berlakovichs gab es heute aus dem Büro von
Ministerin Schmied versöhnliche Worte: Die Hofreitschule sei "kein
Grund zum Streiten" - man wolle deswegen "keine Streiterei in der
Koalition anfangen". Nichtsdestotrotz scheint Schmied weiterhin
Interesse an den edlen Rössern zu hegen, denn es wurde heute auch
angekündigt: Der nächste Zeitpunkt, "wo die Karten neu gemischt
werden", sei nach der Nationalratswahl 2013, wenn die
Geschäftseinteilungen besprochen würden.
Hofreitschul-Generaldirektorin Elisabeth Gürtler will sich in
die
Debatte "gar nicht" einmischen: "Ich bleibe ganz neutral in der
ganzen Sache", betonte sich auf APA-Nachfrage. Sie sei keine
Politikerin: "Mir ist es ganz egal, wo die Spanische Hofreitschule
angesiedelt ist." Hauptsache, man lasse sie selbstständig arbeiten. (APA)