Joe Kalina

"Die Krone hat zu keiner Partei ein Nahverhältnis"

Interview | Katrin Burgstaller, 19. September 2011, 15:28
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    foto: der standard/corn

    Josef Kalina: "Alle Medien, die ich kenne, trennen Redaktion und Anzeigenabteilung streng."

Ex-SPÖ-Sprecher und Krone-Journalist Joe Kalina findet an Faymanns Inseraten für die ÖBB nichts Unehrenhaftes - Man wolle nur vom "größten Skandal der zweiten Republik" ablenken

"Die Staatsanwaltschaft wird ihre Ermittlungen in zwei, drei Wochen einstellen. Ende der Durchsage", sagt Josef Kalina, ehemaliger SPÖ-Bundesgeschäftsführer und SP-Sprecher auf die Frage, ob er von Werner Faymanns Inseraten, die mutmaßlich  via die ÖBB gelaufen sind, etwas mitbekomme hat. Im derStandard.at-Interview sprach er außerdem über seine journalistischen Erfahrungen bei der Kronen Zeitungen, Käuflichkeit von Medien und über famililiäre Bande zwischen Politik und Journalismus.

***

derStandard.at: Sie waren Sprecher von Viktor Klima, später SPÖ-Bundesgeschäftsführer unter Alfred Gusenbauer. Dazwischen waren Sie unter anderem als Chronik-Journalist für die Krone tätig. Glauben Sie, die SPÖ hat zur Kronen Zeitung eine bessere Beziehung als andere Parteien, zum Beispiel die ÖVP?

Kalina: Nein, das glaube ich gar nicht. Ich kenne die Kronen Zeitung. Sie hat zu keiner Partei ein besonderes Nahverhältnis.

derStandard.at: In Sachen Wehrpflicht kann man erkennen, dass die SPÖ und die Krone auf einer Linie sind. Was glauben Sie, wer ist in dieser Sache die tonangebende Kraft. Die Kronen Zeitung oder die SPÖ?

Kalina: Bei den Vermögenssteuern sind SPÖ und Krone nicht auf einer Linie. Bei einzelnen Themen der Kronen Zeitung gibt es immer wieder Bündnispartner. Über Jahre hat man zum Beispiel gesagt, in der Frage der Zuwanderung macht die Kronen Zeitung die Politik Jörg Haiders oder Jörg Haider die Politik der Kronen Zeitung. In Fragen Naturschutz, Umwelt haben sich einst Grüne mit der Kronen Zeitung verbündet. Man kann diese Bündnisse nicht auf eine Partei reduzieren. Die Krone hat ein Gespür für breite, attraktive Themen. Bei der Wehrpflichtdebatte ist die Initiative von der SPÖ ausgegangen, weil man ein Thema gesucht hat, das junge Leute interessiert.

derStandard.at: Kanzler Werner Faymann soll in seiner Amtszeit als Verkehrsminister bei der ÖBB Inserate um 500.000 Euro für die Kronen Zeitung angewiesen haben. Sie waren zu dieser Zeit SPÖ-Bundesgeschäftsführer. Haben Sie damals etwas davon mitbekommen?

Kalina: Es findet gerade eine interessante und beängstigende Debatte statt. Wir stehen vor der Aufdeckung eines sehr großen Korruptionsnetzwerkes rund um Strasser, Grasser, Scheibner, Gorbach, Mensdorff-Pouilly. Das ist einen Topf zu werfen mit dieser gekünstelten, lächerlichen Debatte halte ich für kontraproduktiv. Ich bin viele Jahre in diesem Geschäft tätig. Alle Minister schalten Inserate. Man kann darüber grundsätzlich diskutieren, ob das legitim ist.

derStandard.at: Es geht hier nicht um die Frage, ob Minister Inserate schalten dürfen, sondern ob Faymann bei den ÖBB interveniert hat.

Kalina: Das alles ist völlig überzogen und konstruiert. Man versucht von einem der größten Korruptionsskandale der Zweiten Republik abzulenken. Die Staatsanwaltschaft wird ihre Ermittlungen in zwei, drei Wochen einstellen. Ende der Durchsage.

derStandard.at: Glauben Sie, dass man mit Inseraten das Wohlwollen bestimmter Medien erkaufen kann?

Kalina: Das glaube ich nicht. Diese Erwartungen sind völlig unrealistisch und diese Idee widerspricht allen Erfahrungen, die ich in und mit Medien gemacht habe. Alle Medien, die ich kenne, trennen Redaktion und Anzeigenabteilung streng.

derStandard.at: Sie haben einmal für die Kronen Zeitung geschrieben. Werden dort Redaktion und Anzeigenabteilung streng getrennt?

Kalina: Ja, ich habe dort selbst gearbeitet und kann mich nicht an eine Vermischung zwischen Anzeigenabteilung und Redaktion erinnern.

derStandard.at: Sie sind der Welt auch als umtriebiger Sprecher von Viktor Klima in Erinnerung geblieben. Die Opposition ätzte damals ob seiner starken Präsenz im ORF von "Klima-Festspielen". Wie haben Sie es geschafft, Klima damals so präsent zu halten?

Kalina: Es geht darum, dass man den Journalisten Geschichten anbietet, die die Leute begreifen und in bildhafter Sprache näherbringt. Man erreicht die Menschen nur dann, wenn man sie gemäß ihre Lebensinteressen anspricht. Ich habe mit Journalisten aller Medien telefoniert und ihnen auf ihre Medien zugeschnittene Inhalte angeboten.

derStandard.at: Wurde auf Sie von einzelnen Medien finanzieller Druck ausgeübt? Inserate gegen gute Berichterstattung?

Kalina: Ich habe derartige Dinge nie erlebt. Es hat mir nie irgendjemand ein Angebot gemacht, von dem ich das Gefühl gehabt hatte, ich kann es nicht vertreten. Meine Erfahrungen sind ganz anders. Es so darzustellen, als wären alle Journalisten, Politiker und Medienleute käuflich, halte ich fatal für die Demokratie. Dass mir als Kanzlersprecher jemand mit schlechter Berichterstattung gedroht hätte, wenn wir nicht inserieren, hat im Land der Fantasie stattgefunden.

derStandard.at: Zwischen Medien und Politik gibt es zahlreiche familiäre Bande. Claus Pandi von der Kronen Zeitung ist mit Angelika Feigl, sie arbeitet in Faymanns Kommunikationsabteilung, verheiratet. Beeinflussen solche Verbindungen die politische Arbeit oder die Berichterstattung?

Kalina: Das glaube ich nicht. Das ist eben eine Branche, wo man einander trifft. Ich würde aus einzelnen Beziehungen zwischen Journalisten und Politikberatern kein Drama machen. Wolfgang Schüssels ehemalige Sprecherin Heidi Glück ist zum Beispiel mit Radiochef Luis Glück verheirat, das ist auch kein Problem.

derStandard.at: Eine andere Frage, die Sie in Ihrer Tätigkeit als Kommunikationsberater betrifft. Vizekanzler Spindelegger will, dass Berater-Honorare des Staats öffentlich gemacht werden und und nur mehr zulässig sind, wenn es dafür eine klar erkennbare Leistung gibt. Provisionen und Mittelsmänner soll es bei staatlichen Geschäften nicht mehr geben. Eine gute Idee?

Kalina: Die Forderung, dass es Beraterhonorare nur bei einer klar erkennbaren Leistung geben soll, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Es müssen die aktuellen Skandale aufgeklärt werden. Wenn sich herausstellt, es ist ein System der Halblegalität geschaffen worden, dann gehört das abgestellt. Aber man soll auch aufpassen, dass die Wirtschaft weiter arbeiten kann. Manchmal müssen auch der Bund oder staatsnahe Betriebe für bestimmte Dienstleistungen marktübliche Preise zahlen. (burg, derStandard.at, 19. September 2011)

JOSEF KALINA, geboren 1958 in Wien, war von 1997 bis 2000 Sprecher von Bundeskanzler Viktor Klima. Nach der Wahlniederlage der SPÖ wechselte Kalina zur "Kronen Zeitung" wo er zuerst Redakteur im Ressort "Lokales" war und später in das Management aufstieg. 2005 kehrte er in die Politik zurück, er war erst Kommunikationschef und dann Bundesgeschäftsführer der SPÖ. 2008 überwarf sich Kalina mit Kanzler Alfred Gusenbauer und gründete das PR-Unternehmen Unique Relations.

Kommentar posten
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IhrseidverantwortlichfürdasbrauneDesaster!!!
00
12.5.2012, 19:01
Zu einer schon!

Siehe Talksalon wo sich die Ringerl Typen versammelt haben und versuchen die Jugend zu verarschen!

Zappelzapp
01
23.9.2011, 03:39
Es ist natürlich kein Zufall, dass die SPÖ das Ablenkungamanöver mit alten Geschichten

und neuen Skandälchen veranstaltet. Dass die Blauen den Millionen-Werner und seinen kommenden Sündenbock bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatten, war längst bekannt. In solchen Fällen schreit die SPÖ seit Menschengedenken "haltet den Dieb".

Interessant wäre allerdings zu wissen, woher denn die SPÖ so genau weiß, wann die Entscheidungsträger für Werners Millionen einvernommen werden. Ohne Informanten aus der Justiz kann die SPÖ kaum den passenden Zeitpunkt für die fällige Ablenkungskampagne herausgefunden haben.

kater bruno
03
22.9.2011, 08:33

3 x kurz gelacht, jeder weiß daß die SPÖ eine KronenZeitungPartei geworden ist und es wird mit den Tag schlimmer - der Boulevard und der politische Populismus.

henriette mayr
01
20.9.2011, 23:09
sehr richtig, die krone hat nur zum geld ein naheverhältnis.

jedenfalls galt das für den "alten".

Kronenzeitungsleser
00
20.9.2011, 22:10
...die KZ hat zu keiner Partei ein Nahverhältnis!

Aus diesem Grund poste ich seit 2006, weil ich weiß, dass das absolut nicht stimmt!

Im Übrigen bin ich der Meinung:

Keine dirkekte oder indirekte (via Inserate) Förderung für Österreichs Deppen- und Idiotenpresse!

cantanto
11
20.9.2011, 21:09
"Die Krone hat zu keiner Partei ein Nahverhältnis"

Na, eh net, Joe!

Nur zu der größten "Partei" in Österreich: den braunen Brüdern - die sich quer durch fast alle Parteien bewegen...

duck29
02
20.9.2011, 19:24

Sie, "Herr" Kalina, haben in Ihrer Funktion als SPÖ-Sprecher bei einer ORF-Veranstaltung völlig ungeniert den damaligen Informationsdirektor angesprochen und Auftrittsmöglichkeiten gefordert... wäre ich nicht direkt daneben gesessen, hätte ich es nicht geglaubt... und Sie sprechen von "zugeschnittene Inhalten für Medien"...

Das alles ist nicht einmal mehr lachhaft... Politiker in Österreich haben jeden Kredit verspielt... in mehrfacher Bedeutung!

Gerhard Schwarz6
 
00
28.9.2011, 00:48

Das Krebsgeschwür der hiesigen Politik sind die "spin-Doktoren" a la Kalina. Er plus Rudas waren die Erfinder der SP-Spins - und verbrochen die weitgehende Entideologisierung der SPÖ. Also "Rote" waren das nie. Genausowenig wie die gekaufte Boulevardmistpresse.

Prof. Alois
 
01
26.9.2011, 19:12
Dieser Politiker hat Kredit verspielt

Dass alle österr. Politiker Kredit verspielt hätten, kann deshalb nicht stimmen, weil es bei uns das Passive Wahlrecht gibt. Es ist also bei uns jeder potentiell Politiker. Wenige üben es aus. Die meisten nicht. Weil sie glauben Demokratie funktioniert so wie vor 100 Jahren.

Es läuft sich darauf hinaus, dass jeder, der auf Politiker schimpft, sich immer auch ein bisschen selbst beschimpft. Was soll man davon halten, wenn wer die Politiker als drittklassig klassifiziert es aber selbst noch nie probiert hat. Zweitklassig sollte doch zusammenzubringen sein.

ceterum censeo faymanem esse d...
12
20.9.2011, 19:08
" Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten...."

Genau so kommt mir diese Lüge vor. Konsequenzen gibt es, wie immer, keine. Sind ja schließlich Rote - und da muss in erster Linie beschwichtigt werden, nicht wahr, wertes Forum?

Gerhard Schwarz6
 
00
28.9.2011, 00:51

Nein-das-sind-keine-"Rote"n !!
Das sind entideologidierte Marketingfuzzis und "Spindoktoren". ROT werden die nicht einmal aus Scham.

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
00
26.9.2011, 23:01

Solange Grasser frei herumläuft blablabla Und überhaupt der Schüssel blablabla

bully bullson
02
20.9.2011, 16:39
...die Frage von Armin Wolf an Ostermeyer (oder besser: dessen ANtwort) fand ich gut.....

Wolf:"Warum finden sich soviele Querverbindungen zwischen der SPÖ und zwischen bestimmten Zeitungen...(Pandi mit Ex-Pressesprecherin von Faymann, Heuteredakteur mit Ostermeyer Mitarbeiterin...etc)

Antwort Ostermeyer: Weil Österreich ein so kleines Land ist...es eben nur 8 Mio Einwohner hat..echt geiler Sager!:-))

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
00
26.9.2011, 23:03

Sicher, drum sieht man ja auch immer dieselben Gfrieser im Fernsehen. hört dieselben Kapserlm im Radio und immer dieselben Politiker und auch Journalisten bleiben ewig. Ist ja sonst niemand da ...

Post-vom-Poster
 
02
20.9.2011, 14:27
Krone hat zu keiner Partei ein Nahverhältnis

nein, antürlich nicht, denn die gewissen inhaltsleeren Parteien suchen das Nacheverhältnis zum Billiboulevard ....

Das einzige Naheverhältnis, das dieses unsägliche Blättchen hat, ist das seiner Eigentümer zu MACHTRAUSCH und GELD ...

metall81
02
20.9.2011, 13:36
"Die Krone hat zu keiner Partei ein Nahverhältnis"

Eh nicht, jeder der zahlt kriegt gute Presse. Dass das in den meisten Fällen die Roten sind liegt an dem Zufall, dass sich deren Kernwählerschaft mit den Lesern der Krone deckt.

bertie wooster
01
20.9.2011, 13:27
WARNUNG

bei mir brach beim lesen die furcht vor einem inkontinenzproblem aus.

MAXIMA
02
20.9.2011, 12:22
... man bietet Journalisten GESCHICHTEN an ...

... aus dem Märchenbuch der SPÖ, verantwortlich W.Faymann ... die die Leute begreifen und in bildhafter Sprache näherbringen, Kalina hält die Wähler wohl für Vollidioten. Seine präpotente Haltung spiegelt sich in seiner Wortwahl : Ende der Durchsage.

zxj
01
20.9.2011, 12:50
Alle Roten halten die Wähler für Vollidioten

manchmal leider nicht ganz zu unrecht - man braucht sich ja nur die Ergebnisse gewisser "Leserbriefe" udgl. ansehen.

Harald Bruckner
03
20.9.2011, 12:17
unnötiges Interwiev

was soll der schon sagen

Prof. Alois
 
00
26.9.2011, 19:16
Das Interview ist nur deshalb unnötig

weil es der Interviewer einfach unteralssen hat, den Interviewten nach Strich und Faden zu zerlegen, wenn er Schwachsinn absondert.

Wobei der Interviewer viel zu tun gehabt hätte.

Weshalb das Interview bis ins letzte Detail abgesprochen wirkt.

imanitram
 
02
20.9.2011, 12:05

Kalina, der Märchenonkel-
Äusserst unprofessionell.

?und
00
20.9.2011, 12:03
warum fällt mir immer ostern ein, wenn ich den typen seh? wegen dem eierpecken?

Gerhard Schwarz6
 
116
20.9.2011, 11:53

Lieber Joe Kalina. Die Kronen-Zeitung wurde 1957/58 mittels Krediten gegründet, zu deren Besicherung der damalige ÖGB-Chef Franz Olah Gewerkschaftssparbücher verpfändete. Als das aufflog wurde er zu Recht aus der SPÖ ausgeschlossen, verlor seine Funktionen und sass eine Haftstrafe ab.
Ein Naheverhältnis zur SPÖ ist aber dadurch tatsächlich nicht entstanden - im Gegenteil. Die KronZ schreibt seit einem halben Jahrhundert beharrlich und konsequent gegen die Wertvorstellungen der Sozialdemokratie - allerdings in enger Liaison mit einzelnen Karrieristen, die auf Kosten dieser Partei persönliche Ziele verfolgen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Walter J. Ferstl
03
20.9.2011, 14:23
Tut mir leid, dass ich für dieses Posting nur ein einziges grünes Stricherl geben konnte.

Außer Konkurrenz, sozusagen:
+++

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