Alexander Gerst ist für eine ISS-Mission 2014 vorgesehen - Entwarnung: Raumstation wird nicht evakuiert
Köln/Paris - Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (35) wird im Jahr 2014 für ein halbes Jahr zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Nach
Angaben der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) in Paris hatte sich der
35-Jährige aus Künzelsau in Baden-Württemberg gegen 13.000 Mitbewerber
durchgesetzt. "Ich liebe das Abenteuer. Für mich ist das ein großer Traum",
sagte Gerst am Sonntag im Europäischen
Astronautenzentrum in Köln. Er sei froh, "auf den Schultern" der ESA ins All zu fliegen und so die Tradition der
deutschen Raumfahrt fortzuführen: "Das wird eine großartige Zeit, die auf mich
wartet."
"Natürlich noch sehr viel Training
nötig"
Gerst ergänzte, er habe von seiner Berufung in der Vorwoche erfahren. Er sei sich bewusst, dass kein einfacher Weg vor ihm liege,
bevor er im Dezember 2014 an Bord einer russischen Sojus TMA vom Kosmodrom Baikonur in
Kasachstan ins All geschossen werde. "Da ist natürlich noch sehr viel Training
nötig, durch das ich durchgehen muss." Unter anderem werde er während seiner
Ausbildung in Houston in Texas im Raumanzug in ein Unterwasserbecken gezogen. So
werde die Schwerelosigkeit simuliert, sagte Gerst.
Bestimmendes Thema an Bord der ISS sei, wie sich Menschen in der
Schwerelosigkeit verhalten. "Das sind wertvolle Erkenntnisse auch für Menschen
auf der Erde", so Gerst. Der Astronaut werde sich in seiner Zeit an Bord der ISS
auch mit Experimenten aus allen Bereichen der Physik, der Humanmedizin und der
Biologie beschäftigen.
Deutsche im Weltraum
Der deutsche Forscher ist der dritte Deutsche an Bord der Station und der
elfte Deutsche im All. Vor ihm hatten Thomas Reiter 2006 und Hans Schlegel 2008
auf der Station gearbeitet. "Die ISS ist der einzige Ort, der uns einen Blick
von außen auf unseren Heimatplaneten ermöglicht. Durch diesen Blickwinkel können
wir gleichzeitig auch sehen, wie verletzlich die Erde ist", sagte Gerst.
Der 35-jährige Astronaut hat bereits abgelegene Berge erklimmt und in der Antarktis gearbeitet. Der promovierte Geologe und Vulkanologe gehört zu den sechs Astronauten, die 2009 rekrutiert wurden und die neue Generation von ESA-Astronauten bilden.
Entwarnung: Keine Evakuierung der Station
Auf der ISS arbeiten derzeit drei Raumfahrer, am 14. November sollen drei
weitere starten, um ihnen Verstärkung zu leisten. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa
hat inzwischen Entwarnung für die bemannte Raumfahrt gegeben: Anders als
befürchtet, müsse die ISS nicht evakuiert werden. Nach einer Pannen mit einer
Sojus-Trägerrakete standen bemannte Flüge zur ISS zwischenzeitlich zur
Diskussion.
Der nächste Europäer im All wird der Niederländer André Kuipers sein. Er wird an Bord einer russischen Sojus-Rakete starten - aktuellen Informationen zufolge spätestens am 26. Dezember diesen Jahres. Nach ihm wird Luca Parmitano fliegen, der erste Astronaut der neuen Gruppe, der einen Missionsauftrag bekam. Seine Mission wird von der Italienischen Weltraumagentur getragen und soll im Mai 2013 beginnen. (red/APA)