Mit einem gesamtheitlichen Ansatz lassen sich schon jetzt bis zu zehn Prozent der Lebenszykluskosten einsparen, sagt M.O.O.CON-Chef Karl Friedl
Mit einem gesamtheitlichen Ansatz sei es bereits möglich, bis zu zehn Prozent der Lebenszykluskosten eines Gebäudes einzusparen, sagt Karl Friedl, Chef von M.O.O.CON. Wojciech Czaja fragte nach.
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STANDARD: Ist das gesamtheitliche Denken in Lebenszykluskosten in österreichischen Unternehmen bereits verankert?
Friedl: In den Industriebetrieben ist das Bewusstsein für die Wirtschaftlichkeit der Produktionsflächen immer schon da gewesen. Da wird nicht nur in Investitionskosten gedacht, sondern in Vollkosten. Schließlich ist der Betrieb oft energie- und somit kostenintensiv. Anders sieht es im Verwaltungs- und Bildungsbereich aus. Da ist das Thema in den Controlling-Abteilungen noch nicht sehr verankert.
STANDARD: Projektentwickler und Investoren sollen für dieses Thema nun sensibilisiert werden. Mit welchen Argumenten?
Friedl: Da muss man nach Zielgruppen unterscheiden. Die Nutzer und Betreiber möchten wir auf deren Bestellqualitäten aufmerksam machen. Außerdem müssen wir betonen: Lebenszyklus bedeutet Nutzungsperiode! Nur so ist eine genaue Kalkulation möglich. Und die Planer, Errichter, Betreiber und Finanzierungsinstitute wollen wir auf die Verschärfung der Baugesetze hinweisen, die in den kommenden Jahren zu erwarten ist. In der Automobilindustrie sind die Vorschriften schon sehr streng. Die Baubranche hinkt immer noch hinterher. Je früher man umdenkt, desto besser.
STANDARD: Wie stark kann man die Lebenszykluskosten eines Gebäudes senken, wenn man nach dem neuen IG-Modell ausschreibt?
Friedl: Im besten Fall sind etwa zehn Prozent Einsparungspotenzial drin. Auf den gesamten Lebenszyklus umgerechnet ist das sehr viel Geld.
STANDARD: Und als interessierter Bauherr komme ich einfach zu Ihnen und ...
Friedl: ... lassen sich von uns beraten. Wir sind keine Dienstleister, wir sind eine unabhängige Interessengemeinschaft. Das heißt: Wir entwickeln nur die Werkzeuge und stimmen uns mit der Politik ab. Dieses Wissen stellen wir als eine Art Open-Source-Plattform interessierten Bauherren zur Verfügung.
STANDARD: Was schätzen Sie? Wie lange wird es dauern, bis sich Lebenszykluskosten im Bauen als Faktor tatsächlich gefestigt haben werden?
Friedl: Ich gehe davon aus, dass das noch circa fünf Jahre dauern wird. Punktuell ist die Kalkulation der Lebenszykluskosten heute schon Standard. Und die Investitionskosten werden als Faktor immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Wir stehen jedenfalls vor einem großen Umbruch. Davon bin ich überzeugt. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.9.2011)
KARL FRIEDL (45), ist Geschäftsführer des Wiener Bauherrenberatungsunternehmen M.O.O.CON.