Tschutschutschu, die Eisenbahn

  • Einzelfahrt:
 zwölf Euro. Gruppen ab 350 Euro. Info und Buchungen im 
Informationszentrum des Vereins Steirische Eisenstraße, 
office@erzbergbahn.at, Tel.: 03849/832, www.erzbergbahn.at
Das Radwerk IV kann nach telefonischer Voranmeldung unter 03849/832 besichtigt werden. Außerdem
 finden Führungen in die Lehrfrischhütte statt. Am Erzberg werden 
Fahrten mit dem "Hauly" sowie Besuche im Schaubergwerk angeboten.
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    foto: derstandard.at/mirjam harmtodt

    Einzelfahrt: zwölf Euro. Gruppen ab 350 Euro. Info und Buchungen im Informationszentrum des Vereins Steirische Eisenstraße, office@erzbergbahn.at, Tel.: 03849/832, www.erzbergbahn.at

    Das Radwerk IV kann nach telefonischer Voranmeldung unter 03849/832 besichtigt werden. Außerdem finden Führungen in die Lehrfrischhütte statt. Am Erzberg werden Fahrten mit dem "Hauly" sowie Besuche im Schaubergwerk angeboten.

  • Die Schienen sind fast durchgehend noch jene, die bereits 1891 unter den
 Erzzügen ächzten. Das macht sich durch unsanftes Ruckeln und Schaukeln 
bemerkbar.
Mehr Bilder gibt's in einer Ansichtssache.
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    Die Schienen sind fast durchgehend noch jene, die bereits 1891 unter den Erzzügen ächzten. Das macht sich durch unsanftes Ruckeln und Schaukeln bemerkbar.

    Mehr Bilder gibt's in einer Ansichtssache.

Seit 120 Jahren schleppt die Erzbergbahn ihre Beladung über die Gleise. Eisenerz, Passagiere und Nostalgiker wechselten sich als Fahrgäste ab

Mit einem kläglichen "Mähuähuu" wird am Bahnhof Vordernberg zur Abfahrt gerufen. Der Signalton des Schienenbusses mit dem knopfäugigen Gesicht war noch 1999 Alltag auf der Strecke zwischen Leoben und Vordernberg Markt, bis 1990 reichte die Verbindung bis Eisenerz.

Wo einst pünktlich zur Abfahrt gepfiffen wurde, ist die Zeit stehengeblieben - auch auf der Bahnhofsuhr. Seit 1990 fahren Schienenbusse von Vordernberg Südbahnhof bis Eisenerz - als Museumsbahn. 2010 wurde bei einem Murenabgang die Zufahrt nach Eisenerz versperrt - bis heute. Aus Geldmangel.

Die ehemaligen Hochburgen der Eisenindustrie, Eisenerz und Vordernberg, kämpfen mit Abwanderung, Überalterung und Verfall. Die Spuren der jahrhundertelangen Eisenproduktion, die ganze Generationen von Erzarbeitern in den beißenden Rauch der Hochöfen hüllte, sind bis heute erhalten.

Ehe 1922 der Betrieb des letzten Radwerks eingestellt und die Erzeugung nach Donawitz verlagert wurde, waren in Vordernberg 14 Radwerke in Betrieb. Das Radwerk IV ist noch intakt. Ein funktionstüchtiges Wasserrad, riesiges Werkzeug und Hunte - kleine Wagen zum Transport von Erz - die Erzerzeugung war schon immer eine Schufterei. Ein kleiner Balkon diente einzig dazu, Arbeiter mit einer Gichtgasvergiftung durch Zufuhr von frischer Luft vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Goldgräberstimmung

Der Bahnhof Vordernberg erscheint für das heute etwa 1080 Einwohner zählende Dorf überdimensioniert, auch er stammt aus Zeiten florierender Erzgeschäfte. Heute erinnern verrostete Schienen, milchige Scheiben und bröckelnde Fassaden an eine alte Goldgräbersiedlung. Wild wuchernde Gräser, Sträucher und Büsche beherbergen zirpende Grillen, in der Sonne schwitzen die Bahnschwellen kleine schwarze Tröpfchen. Es duftet nach Wildblumen und Rost.

Fauchende Dampflokomotiven wurden hier verschoben, und Passagiere füllten die Bahnsteige. Heute sind die Schienen zugewachsen, die Anlage verfällt. Nur aus einem Gebäude ist Musik zu hören, es wird geschraubt und lackiert, gehämmert und gebohrt. Von hier startet der Schienenbus zur Fahrt auf den Erzberg. Dank der Arbeit des Vereins Erzbergbahn fährt die Erzbergbahn von Juni bis November entlang der steilsten Normalspurbahn Europas.

Zwischen 1888 und 1891 wurde die Zahnradbahnverbindung zwischen Eisenerz und Leoben erbaut. Unfälle mit Lokomotiven und Fracht, Brände und Anekdoten begleiteten die Geschichte der Erztransporte. Die Dampflokomotiven waren bis 1978 im Einsatz, 1979 wurde die Zahnradanlage quasi in einer Nacht- und Nebelaktion unter Protest von Eisenbahnfreunden entfernt und eingeschmolzen.

1988 stellte die ÖBB die Strecke nach Eisenerz ein, bediente nur noch die Personenbeförderung von Leoben bis Vordernberg Markt. 1999 war auch damit Schluss, der Autobus ersetzte die Bahnstrecke. Ein trauriger Moment für die Bewohner. Die Erzbergbahn ist ein landschaftsarchitektonisches Wunder - und war lange Zeit wichtige Arbeitgeberin in der Region.

Der Abschnitt von Leoben bis nach Vordernberg Südbahnhof ist jetzt verwildert und unbefahrbar. Die Teilstrecke bis zur Station Erzberg ist im Besitz des Vereins Erzbergbahn. Damit auch die restliche Strecke bis Leoben genutzt werden könnte, müsste die Gleisanlage gekauft werden. Der ÖBB fehlen die Mittel, sie zu erhalten und - entgeltlich - zur Verfügung zu stellen. Aber die Möglichkeiten des Vereins sind beschränkt, und die Freilegung der Strecke zur Bahnstation Eisenerz hat Vorrang. Etwas Geld kommt durch die Fahrten herein, die Voest-Alpine steuert als wichtigster Sponsor weitere Mittel bei.

Rund 100.000 Euro kostet ein fertig renovierter Schienenbus, der ideelle Wert ist unschätzbar. Sieben Fahrzeuge sind im Besitz des Vereins Erzbergbahn, vier davon sind auf der Strecke im Einsatz, zwei dienen als Ersatzteillager, ein weiterer soll restauriert werden. Gebaut wurden sie bei Simmering Graz Pauker in den 60er- und 70er-Jahren. Praktisch waren die blauen Busse vor allem, da für sie keine Stromversorgung notwendig war und mit ihnen daher auch Nebenstrecken bedient werden konnten, Nebenstrecken, die später wegen Unrentabilität geschlossen wurden.

Kunstlederbezüge

Die restaurierten Züge sind fast im Original erhalten, sogar die Toiletten mit Blick nach unten, die aus gutem Grund nur außerhalb der Stationen benutzt werden durften, gibt es noch. Nostalgischen Charme verbreiten die gelben Vorhänge mit Lederschlaufen, die Koffernetze und die grünen Kunstlederbezüge der Sitzbänke, auf denen die Fahrgäste an heißen Sommertagen mit nackten Oberschenkeln kleben blieben.

Das tat und tut aber dem Vergnügen keinen Abbruch, wenn der knatternde Dieselmotor den Schienenbus über bis zu 71 Promille Steigung hinauf zum Erzberg schiebt, vorbei an historischen Gebäuden, über bis zu 32 Meter hohe Viadukte und durch natürliche Tunnel aus dichtem Wald.

Romantisch ist die Strecke zu jeder Jahreszeit, wobei im Winter kein Betrieb möglich ist, weil in diesen Höhen der Schnee ein Befahren der Gleise unmöglich macht.

Die Schienen sind fast durchgehend noch jene, die bereits 1891 unter den Erzzügen ächzten. Durch die Belastung wurden sie zum Teil schwer in Mitleidenschaft gezogen, an manchen Stellen macht sich das durch unsanftes Ruckeln und Schaukeln bemerkbar. Die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wird nicht erreicht. Aber Geschwindigkeit ist hier, wo die Zeit vor Jahrzehnten stehenblieb, ohnehin bedeutungslos. (Mirjam Harmtodt/DER STANDARD/Printausgabe/17.09.2011)


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