Ausrottungskampagne gegen Ratten erfolgreich

14. April 2004, 11:56
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Campbell Island war der Ort mit der höchsten Rattendichte der Welt - ökologisches Gleichgewicht wieder gewahrt

Auckland - In 200 Jahren Besiedlungsgeschichte hat es die neuseeländische Insel Campbell Island zu einem traurigen Weltrekord gebracht: an keinem Ort der Welt hat es mehr Ratten pro Landfläche gegeben als auf dem subantarktischen Eiland. Mehr als 200.000 Nager lebten auf der knapp 11.000 Hektar großen Insel. Nun, meldet die neuseeländische Regierung, sind die Ratten erfolgreich vernichtet worden. Campbell Island gehört wieder den Millionen von Seevögeln, die zum Brüten hierher gekommen sind.

Großflächiger Gifteinsatz

Zwei Jahre lang haben die Umweltschützer gegen die Ratten einen tödlichen Kampf geführt und Tonnen von giftigen Rattenpellets von Helikoptern aus abgeworfen. "Nach 200 Jahren der Besetzung durch Ratten gehört Campbell wieder den Seevögeln", erklärte Chris Carter, Umweltminister von Neuseeland. Campbell Island ist seit einigen Jahrzehnten unbewohnt, nachdem die neuseeländische Regierung auch die Wetterstation geschlossen hatte und die Insel 1998 zur World Heritage Site erklärt wurde.

Die subantarktischen Inseln wie das 700 Kilometer südlich von Neuseeland liegende Eiland war tausende Jahre lang eine Brutstätte von Seevögeln. Aufgrund der Isolation vom Festland konnten sich auf zahlreichen dieser abgeschlossenen Ökosysteme auch eigene seltene Spezies entwickeln. Dazu zählen etwa die flugunfähige Campbell-Krickente und die Cambell-Insel-Schnepfe, die nur durch Entfernen von der Insel vom Aussterben gerettet werden konnte. Die Rattenpopulation hatte auch die Sturmtaucher-Kolonie auf der Insel bis auf wenige Exemplare vernichtet.

Weitere Insel-Habitate in Gefahr

Insgesamt hat die Vernichtung der von Walfängern ungewollt eingeführten Ratten mehr als 1,4 Mio. Euro gekostet. Den Angaben der Regierung zufolge wurden mit Messgeräten und Sensoren auch die letzten verbliebenen Ratten tot gefunden. Zurzeit ist der Besuch der Insel wegen der Wetterlage, der Winter zieht ein, nicht möglich. Die ersten Forscher sollen im Südsommer, der Ende 2003/Anfang 2004 beginnt, die Insel betreten. Bis sich die Sturmtaucher-Kolonie aber wieder erholt, werden noch hunderte Jahre vergehen, meinen Experten.

Ratten bedrohen übrigens auch zwei andere endemische Spezies in Neuseeland: die Brückenechse und den Wappenvogel der Doppelinsel, den Kiwi. Der flugunfähige Vogel ist nach Angaben von Umweltorganisationen massiv vom Aussterben bedroht. Auch streunende Haustiere wie Hunde und Katzen bedrohen die Population des hennengroßen Vogels. (pte)

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