Ein Petz für zu Haus

1. Juni 2003, 12:53
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Gourmetsupermarkt Meinl am Graben versucht sich mit seinem neuen "Meinl to go" an einem ambitionierten Takeaway-Konzept

Dass diverse Fertiggerichte oder Halbfertiggerichte in diversen Supermärkten ein ziemlich großer Renner sind, wird niemand bestreiten. Dass der "Arkaden" genannte Vorbau im Eingangsbereich vom Meinl am Graben nie so wirklich fetzte, ist ebenfalls Tatsache: Man probierte es mit einer Snack-Verabreichung, man probierte es mit Verkaufsständen für saisonale Ware, längere Zeit verkaufte Häagen Dazs hier seine Kalorien, auch ein Outlet für einfachere und billigere Kost als oben im Restaurant geboten war da auch schon einmal vor Ort.

Funktioniert hat nichts von alledem so besonders, und da die Idee der Verabreichung preiswerter Edelhappen momentan ziemlich eklatant durch die Wiener Innenstadt wabert - siehe Korso, siehe das neue Sacher Eck - wehrte man sich auch beim Meinl nicht dagegen. Und baute - nicht ohne größeren Aufwand - einen hübschen, grünen Pavillon in die Meinl-Arkaden, wo fortan feine Fertiggerichte für den unmittelbaren oder mittelbareren Verzehr zu Hause und im Büro zu bekommen sind.

Ein Spargelmousse, zum Beispiel, von elegantem Äußeren und wirklich sehr delikat, wenngleich es den Transport im zugeklebten (und mikrowellentauglichen) Plastiknapf nicht wirklich unbeschadet überlebt hat (€ 2,50); oder eine so genannte "Gemüse-Marmorata" - gebratenes Mittelmeer-Gemüse in Aspik -, sehr fein (€ 3,90). Wirklich exzellent war die Cremesuppe von der Bachkresse, in der erstens wirklich viel vom Kraut, zweitens wenig Schlagobers und drittens ein hervorragender Fond drin war (€ 2,10), aber kein Wunder: Immerhin sorgt Meister Christian Petz und die Meinl-Küche auch für das Take-away-Programm, (zumindest bis Ende Juni, dann verlässt der "Koch des Jahres" Meinl nämlich in Richtung Palais Coburg, wo er dann ab November die Küche leitet). Filet Wellington, rosa gebratener Kalbsrücken und Roastbeef sind jetzt vielleicht ein bisschen sehr traditionell, aber hin und wieder hat man ja auch einmal Lust auf Klassik (100g € 4,90), der gebratene Radicchio war erstaunlich gut, die kernigen Fischlaibchen mit einer interessanten Kräuter-Komponente machten ebenfalls Spaß, der Spargelrisotto litt freilich ein bisschen unter der für dieses Gericht suboptimalen Vorverarbeitung.

Fertige Polenta zum Braten, ziemlich köstliche Pesto-Erdäpfel, vier erstklassige Jus, wie man sie zu Hause nie im Leben zusammenbringt - Meinls Spektrum wurde durch das "To go"-Standl mit seinen Fertiggerichten erheblich verbreitert. Und dürfte vor allem für Picknick-Fans eine heiße Adresse werden. (DER STANDARD/rondo/Florian Holzer/30/05/03)

Meinl to go
Graben 19
1010 Wien,
Tel.: 01/532 33 34-44
Mo-Fr 8-19.30
Sa 8.30-17 Uhr
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