Der Uhr

2. Juni 2003, 14:10
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Ob Herr Stallone oder Mr. Schwarzenegger: Harte Männer haben besonders fette Dinger. Gisbert L. Brunner hat sich auf einen Streifzug durch die Welt von Macho-Uhren begeben

Wie der Zufall so spielt: Zu Dreharbeiten weilte Sylvester Stallone 1995 im malerischen Florenz. Dort faszinierten den Oscar-Preisträger nicht nur Architektur, Kunst und Kultur, sondern auch die markanten Armbanduhren der Officine Panerai. Kurzerhand legte sich der Action-Star eine davon zu. Mehr noch: Der markante Mammutzeitmesser wuchs ihm so sehr ans Handgelenk, dass er sie auch während des Jobs nicht mehr ablegen mochte. Auf diese Weise kam die außerhalb Italiens nicht sonderlich bekannte Uhrenmarke in dem 1996 lancierten Thriller "Daylight" völlig kostenlos zu chronometrischen Ehren.

Doch damit nicht genug: Begeistert von seiner Neuerwerbung, orderte Silvester Stallone später weitere Exemplare. Personalisierte, mit seinem Namenszug im Boden graviert. Auslöser für eine ungeahnte Markenrenaissance und einen echten Welterfolg, von dem nun auch der Berufs-abenteurer Mike Horn profitiert. Derzeit umrundet er die Erde im Alleingang entlang des Polarkreises. Die rund 20.000 Kilometer lange Strecke legt der 35-Jährige ohne motorisierte Transportmittel zurück. Die 12.240 Stunden unter arktischen Extrembedingungen liest er von seiner "Luminor Arktos AmagneticA" mit automatischem Aufzug und einseitig verdrehbarer Himmelsrichtungslünette ab.

Szenenwechsel: Man schrieb das Jahr 1997. Über der Eingangstür von Audemars Piguet wehten neben der schweizerischen auch die österreichische Fahne sowie Stars and Stripes. Der Grund: Die Uhrenmanufaktur erwartete hohen Besuch aus Hollywood. Im Rahmen seines Schweizbesuchs wollte der Hollywoodstar Arnold Schwarzenegger dem traditionsreichen Unternehmen seine Aufwartung machen. Nach einem Besuch der Ateliers und des Museums begutachtete der passionierte Taschenuhrensammler auch die aktuelle Kollektion. Dort beeindruckte ihn speziell der opulente Offshore-Chronograf aus der Leader-Linie Royal Oak. Ob es am verlockenden Angebot lag oder ob der Mime tatsächlich nicht widerstehen konnte, entzieht sich der Kenntnis Außenstehender, sicher ist jedenfalls, dass Schwarzeneggers Handgelenk eine dieser üppigen Armbanduhren zierte, als er am Abend Le Brassus in Richtung Genf verließ.

Und er ist dem ultrasportiven Produkt gewissermaßen treu geblieben. Für sein neuestes Filmepos "Terminator 3" kreierte die Luxusmarke das Modell T 3, ein gewaltiges chronografisches Manifest. Der Link zum Kollegen Stallone und seiner Vorliebe für Panerai ist hierbei übrigens unübersehbar. Die T 3 zieren gleich drei schützende Bügel vom Schlage "Luminor". Einer über der Krone, zwei legen sich über die Drücker zur Steuerung der Chronografenfunktionen.

Erneuter Szenenwechsel: rund 180 Männer, handverlesen, unerschrocken, bestens ausgebildet und sturmerprobt. Ihre wahre Tätigkeit ist außerhalb des engen beruflichen Umfelds nur den Familienangehörigen bekannt. Ihre Namen sind Schall und Rauch, weil sie nach Belieben geändert werden. Doch ihre Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: bislang mehr als 1400 Einsätze. 1977 befreiten sie auf dem Flughafen von Mogadischu die Geiseln aus der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut". 1993 beendeten sie die Entführung eines KLM-Flugzeugs, 1998 nahmen sie den Erpresser der Deutschen Bahn AG fest und 2002 Mitglieder der Terrorgruppe Al-Tawhid. Gemeint ist die deutsche Grenzschutzgruppe 9, kurz GSG 9 genannt.

Klar, dass die Ausstattung der Elitepolizisten ihren harten Einsätzen entsprechen muss. Und dazu gehört auch die Armbanduhr. Die maritime Einheit der GSG 9 hat sich für eine hoch belastbare Armbanduhr des Frankfurter Spezialisten Sinn entschieden, und zwar den stählernen Einsatzzeitmesser EZM 2 Hydro mit Quarzwerk, dessen Druckfestigkeit bei mehr als 500 Bar liegt, was 5000 Metern Tauchtiefe entspricht. Der Trick: Das Gehäuseinnere ist mit Silikon gefüllt. Was den GSG-9-Tauchern recht ist, kann weniger kampferprobten Zeitgenossen nur billig sein. Deshalb ist der EZM 2 für jedermann zu haben.

Rückblende: Der höchste Berg der Erde, der 8848 Meter hohe Mount Everest im östlichen Himalaya, machte es der Menschheit wahrhaftig nicht leicht. Seit 1921 versuchten mehrere Expeditionen, diesen faszinierenden Gipfel zu erklimmen. Bis 1953 waren alle Bemühungen vergebens. Dann traten der Neuseeländer E. P. Hillary und sein Sherpa Tensing auf den Plan. Ihnen gelang es, das schnee- und eisbedeckte Felsmassiv in einem gewaltigen Kraftakt zu bezwingen. Am Handgelenk trugen sie die Oyster Perpetual von Rolex, welche den gewaltigen Strapazen unbeeindruckt widerstand. Bei IWC ist "Der Uhr" en vogue. Und Scheibenputzen ab 42 mm Männersache. Der Erfolg gab den Schaffhausener Uhrenmachern Recht. Bestes Beispiel ist die "große Fliegeruhr" mit nicht minder großem Uhrwerk und extremen Kraftreserven. Ein Jumbo in jeder Hinsicht, der den Männlichkeitswahn am Handgelenk mehr als deutlich unterstreicht.

Fünf Beispiele, eine Quintessenz: Was vor rund 100 Jahren niemand für möglich gehalten hätte, ist längst Realität geworden. Armbanduhren haben das Image femininer, vorwiegend modisch akzentuierter Accessoires abgelegt. Sie sind nicht nur das "einzig akzeptable Schmuckstück" des wahren Mannes, wie Ferrari-Formel 1-Chef Jean Todt jüngst lakonisch bemerkte, sondern ein echtes "must" für unerschrockene Burschen jeglicher Couleur geworden. Sie haben sich in 10.000 Metern unter dem Meeresspiegel ebenso bewährt wie auf dem Mond.

Viele der modernen Zeitboliden kann kein Abenteuer abschrecken, weil sie für härteste Beanspruchungen und echte Machos konzipiert wurden: für Hitze, Kälte, Shocks, Wasserdruck und was des Lebens Fülle sonst noch zu bieten hat. Doch das Kuriose an der Angelegenheit: Viele Frauen sind verrückt nach diesen Dingern. (DER STANDARD/rondo/30/05/03)

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