Ein spanisches Lehrstück

Florian Vetter, 19. September 2011, 02:26
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    Spaniens Basketball-Nationalteam: Lief wie eine perfekt geölte Maschine...

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    und verteidigte somit den Titel von 2009. So sehen keine Eintagssfliegen aus.

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    Mit allen Wassern gewaschen: Juan Carlos Navarro vom FC Barcelona (r.).

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    Auch so kann man den Gegner in die Knie zwingen: Spaniens Rudy Fernandez reißt Frankreichs Besten Tony Parker zu Boden.

Spaniens Basketballteam lief wie eine sehr gut geölte Maschine und krönte sich erneut zum Europa­meister gegen bemitleidenswerte Franzosen - Ein Spielbericht

Das Traumfinale im europäischen Basketball war also perfekt. Spanien gegen Frankreich, das ist wie Beluga-Kaviar gegen Alba-Trüffel. Nur das Feinste vom Feinen. Ähnlich wie ein EM-Endspiel im Fußball. Und eine Analogie zur Kickerei ist durchaus angebracht: Mit Ausnahme der USA sind die Spanier eine Weltmacht im Basketball. Und die Franzosen? Ein Team mit allerhöchster Qualität, das trotzdem noch nie reüssieren konnte. Und wie es sich für ein Traumfinale gehört, wurde auch traumhafter Basketball geboten.

Die Franzosen begannen ohne allzu viel Respekt vor den Spaniern, Joakim Noah ließ nach 20 Sekunden das erste Mal die Anzeigentafel aufleuchten, stopfte den Ball nach einem Pass von Boris Diaw mit Nachdruck in den Korb. 2:0 für Frankreich. Spaniens erste Fünf: Pau Gasol, sein Bruder Marc, Juan Carlos Navarro, Rudy Fernandez und Jose Calderon. Für Frankreich gingen fünf NBA-Spieler auf Korbjagd: Noah, Diaw, Pietrus, Batum, Parker.

Ehrfuchtsvoller Name: "La Bomba"

Die ersten fünf Minuten verliefen ausgeglichen wobei vor allem bei der "Seleccion" die Gasol-Brüder erste Ausrufezeichen setzten. Sie gaben ihrem Team eine mächtige Präsenz unter den Körben, waren schier unüberwindbar. Mitte des ersten Viertels lief Jose Calderon heiß, verwandelt zwei Dreier und klebte in der Verteidigung wie eine Klette an Tony Parker - die beiden lieferten sich ein intensives Duell auf der Spielmacher-Position. Parker, der französische General, war der schnellste Spieler am Feld, ließ sich nicht einfangen und antwortete mit neun Punkten in den ersten zehn Minuten. Sein Wille war unbändig, er wollte diesen Sieg gegen den Favoriten so unbedingt. Und es sollte ein erstklassiges Finale sein, das war schon nach dem ersten Viertel klar: 25:20 für Spanien.

Im zweiten Abschnitt folgte die Flugshow von Serge Ibaka, einem Athleten aus dem Bilderbuch. Er nutze seine gewaltige Sprungkraft und blockte fünf Würfe des Gegners. Darunter einen Lay-up von Nando de Colo, bei dem er in der Luft hängend den Kopf einziehen musste, um sich diesen nicht am Brett anzuschlagen. Die Spanier verschärften den Druck in der Verteidigung, bestraften jeden Ballverlust der Franzosen beinhart mit Punkten. Der Mann des Abends zeichnete sich schon ab: Juan Carlos Navarro, den sie in seiner Heimat "la bomba" nennen, hat ein gottgegebenes Basketball-Talent und zeigte dies auch erneut: 15 Punkte erzielte er allein in der ersten Halbzeit. Von der Dreierlinie gnadenlos sicher, beim Zug zum Korb furchtlos und von der Freiwurflinie ohne Nerven. So automatisch wie Menschen Zähne putzen, so wirft Navarro den Ball aus sieben, acht Metern Entfernung den Ball in den Korb. Am Ende kam er auf 27 Punkte und wurde zum Spieler des Turniers gewählt.

Kein Fair-Play

Bei Frankreich scheiterten dann serienweise Nicolas Batum und Tony Parker aus guten Wurfpositionen, Spanien spielte erstmals einen 10-Punkte-Vorsprung heraus - und plötzlich wurde es unschön. Zwei Minuten vor der Halbzeit-Pause riss Rudy Fernandenz Frankreichs Speedy Gonzales (Parker) beim Wurfversuch mit beiden Armen zu Boden. Parker knallte mit dem Kopf auf den Parkettboden, blieb benommen liegen und musste danach kurzzeitig mit einer Platzwunde vom Feld. Eine einfach nur überharte und unfaire Aktion. Mann kann den besten Mann des Gegners mit guter Verteidigung aus dem Spiel nehmen, aber nicht mit brutalen Fouls. Fernandez spielte daraufhin das Unschuldslamm, sehr unsympathisch. Parker konnte gottseidank weitermachen. In die Pause ging es mit 50:41. Der Stand sprach für die Offensivkraft beider Teams.

In der zweiten Hälfte war kurz die Hoffnung für die Equipe zurückgekehrt, Noah und Diaw verkürzten auf 56:49, doch die Spanier waren einfach abgezockt und exekutierten präzise. Navarro lief das Pick n' Roll formidabel, passte auf den abrollenden Marc Gasol in der Mitte und dieser beförderte den Ball wiederum per Bodenpass weiter zum in die Zone schneidenden Pau Gasol, der per krachendem Dunking abschloss. Eins, zwei, drei oder so einfach kann Basketball sein. Drei schnelle Pässe, und die Verteidiung ist ausgehebelt.

Gasol und der Deckel

Ausgerechnet jetzt hatte Frankreich seine größte Schwächephase, in der ersten Hälfte wurden noch 60 Prozent aller Dreier versenkt, im dritten Viertel waren es nur 1/6. Navarro packte hingegen die scharfen Handwechsel aus, dribbelte den Gegner schwindlig und traf aus allen Lagen. Er war aber kein Egomane, bei den Spaniern hatten bis zum Viertelende bereits alle Spieler aus der ersten Fünf zehn oder mehr Punkte erzielt. Ohne Worte, eine Offensiv-Armada die selbst eine sehr starke französische Verteidung einfach überrollte. Gegen einen anderen Gegner hätte es für Frankreich wohl für den Titel gereicht. Stand: 75:62.

Der Schlussakt geriet dann fast zu einer Formalie, der lange Mann Pau Gasol traf aus dem Eck einen Dreier zum 84:68. Das tut ungefähr so weh, wie wenn im Fußball ein Verteidiger sich den Ball schnappt und von hinten bis zum 16er durchdribbelt und das Tor macht. "Der Deckel ist nun also drauf", vermeldete Frank Buschmann, Deutschlands großartiger Basketball-Kommentator auf Sport1. Die Franzosen schmießen leichtfertig Bälle weg, die Spanier waren aber auch hellwach und liefen blitzschnelle Gegenangriffe die zu leichten Punkten in Überzahl führten. Frankreichs langer Lackel Traore wurde nach zwei Minuten zuerst geblockt und dann gestealt, Sada und Fernandez münzten dies in Punkte um. Die letzten Minuten gehörten dann noch einmal Navarro, der nach einer erfolgreichen Freiwurf-Orgie unter großem Applaus eine Minute vor Schluss ausgewechselt wurde.

Spanien krönte sich mit einem 98:85-Sieg erneut verdient zum Europameister, so spielt man Basketball und nicht anders. Frankreich war kein Jausengegner, hätte aber auch mit einer Top-Leistung nicht gewonnen. Es war wohl eine heiße Schlacht am kalten Buffet, die nur einen logischen Sieger haben konnte. (Florian Vetter, 19.9.2011, derStandard.at)

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themistokles
21
20.9.2011, 09:35

Auch wenn ich viele Diskussionen mit meinen Basketball-Freunden deswegen geführt habe, ich bleibe dabei: diese spanische Mannschaft könnte auch alle NBA-Teams schlagen.

H_I
00
20.9.2011, 12:39

Zumindest würden sie im Vorderfeld mitspielen, denke ich, so groß wie vor 20 Jahren ist der Abstand zwischen NBA und FIBA Basket nicht mehr.

Einer Auswahl an NBA Top-Stars hat Spanien ja schon 2008 bei Olympia paroli geboten. Ich bin sogar der Meinung sie hätte damals gewonnen oder wären zumindest noch viel näher drann gewesen, wenn die Schrittfehler der US-Spieler konsequent nach FIBA Regularien gepfiffen worden wären. Dennoch sind die USA natürlich auch in London der Top Favorit.

Gargravarr
00
22.9.2011, 08:36

Also bei der letzten WM hat man gesehen das der Unterschied sehr wohl noch riesig ist.

girls in the cage
00
20.9.2011, 14:40

aber nur wenn Durant dabei ist und sie 2-3 Monster (Howard) unterm Korb mit dabei haben-also wirklich die besten. ansonsten wirds gegen die Spanier sehr schwer.

Stephen Morrissey
21
19.9.2011, 23:12

"Fernandez spielte daraufhin das Unschuldslamm, sehr unsympathisch"

drum hat er sich auch ca. 5x entschuldigt...

Günther Hase
 
10
20.9.2011, 22:10
Entschuldigt ...

Anstatt einer Entschuldigung hät' er vielleicht mal nachschaun können wie es dem Mann so geht, dem er eben noch den Kopf abreissen wollte.
Mich hat er an einen hundebesitzer erinnert, der so tut als ob er nur gerade zufällig in der nähe ist, während sein Köter mitten auf den gehsteig scheisst.
Sympathiepreis haben die Spanier allgemein keinen verdient, aber dafür einen Basketballtitel ... auch net schlecht ;-)

H_I
00
21.9.2011, 13:50

Rudy ist unmittelbar nach seinem unschönen Foul zur französichen Bank gegangen um sich bei Parker zu entschuldigen (Video ab 1:21:50)...selbst wenn man über den Ausgang des Endspiels frustriert ist, darf man die Kirche auch ruhig im Dorf lassen.

http://www.youtube.com/watch?v=6RNNRJWD7mc

Videobeweis im Fußball. JETZT!
10
19.9.2011, 20:22
Hm.

Spanien ist seit 10-15 Jahren schon auffällig gut im Sport generell. Zufall?

girls in the cage
00
20.9.2011, 14:49

nö. schauen sie mal im Sommer nach Spanien, an die Strände oder reisen sie durchs land-das ist unglaublich wieviel Jugendvereinees dort gibt.

Und egal ob Fussball oder Basketball alle werden von mindestens 2-3 Trainern betreut (immer alles mit Ball) und ich rede hier nicht von den Nachwuchsteams vom FCB oder Real nein das sind "Dorfclubs"!

H_I
01
20.9.2011, 12:30
Das Spanien im Sport "generell" auffällig gut sei...

...kann man so auch nicht sagen, bei Olympischen Spielen landen sie in der Regel (außnahme Barcelona) weit hinter den Top Nationen im Medaillenspiegel. Das man so oft in den Schlagzeilen ist, liegt womöglich daran, dass Spanien bei einigen international beliebten Breiten- und Publikumssportarten wie Fußball, Basketball, auch Handball sowie Tennis und Radfahren sehr stark ist. Ich würde da weniger nach obskuren Gründen suchen, als einen Blick auf die hervorragende Jugendarbeit machen. Im Basketball bspw. haben sie alleine in diesem Sommer derart abgeräumt, wie ich es noch nie von einer Nation gesehen hab: Burschen: U20 und U18 EM Gold, U16 EM Bronze; Mädchen: U20 und U16 EM Gold, U19 WM Silber, U18 EM Bronze.

Videobeweis im Fußball. JETZT!
00
20.9.2011, 12:34

Naja, das kritische Hinterfragen von Erfolgen kann man wohl kaum mit aufzählen von Erfolgen entkräften. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. :)

Ich glaubs eh auch nicht, aber es fällt schon auf und Fuentes ist ja Spanier.

H_I
02
20.9.2011, 12:54

...und Michele "Dottore EPO" Ferrari ist Italiener, Bernard "Dr. Mabuse" Sainz ist Franzose, Walter Mayer und Stefan Matschiener sind Österreicher.

Es gibt offensichtlich Sportarten bei denen das ganze System hat, und zwar nicht nur bei einer Nation.

Aber in den konkreten Fällen von Fußball und Basketball ist es ja nicht so, dass die Spanier durch physische oder athletische Überlegenheit ihre Siege feiern, eher durch mannschaftliche Geschlossenheit, Talent und Spielwitz.

Videobeweis im Fußball. JETZT!
00
20.9.2011, 12:59

Keine Frage, Doper gibts überall!

Zum letzten Absatz: nicht nur! Barcelona und Spanien laufen in jedem Spiel ein paar Kilometer mehr als der Gegner. Zumindest jedesmal, wenn ich die Statistik gesehen habe war es in etwa 12-13 zu 10-11 gelaufene Kilometer. Das ist schon deutlich!

Nadal ist ja auch so ein Ausdauer Monster.

H_I
01
20.9.2011, 13:10

Meine Hand lege ich sicher für keinen Profisportler ins Feuer. Weder für Nadal, noch für spaniens Radfahrer und auch nicht für unsere Langläufer, Skistars, etc...nur vorverurteilen sollte man auch nicht, denke ich. Und ich will auch irgendwie nicht glauben, dass spaniens U-16-Basketballmädchen - natürlich durchwegs Amateure - durch systematisches Dopen serienweise Medaillen holen.

Ad Barça: Wirklich? Bei Barça hatte ich als Zuschauer immer eher den Eindruck, dass der Gegner mehr läuft...dem Ball hinterher...muß aber zugeben, dass ich jetzt keine Statistik im Kopf habe.

Videobeweis im Fußball. JETZT!
00
20.9.2011, 13:16

Wie gesagt, ich glaub eh nicht daran. Da wäre schon ein sehr großes Ding. Oftmals wissen die Sportler auch gar nicht, was sie vom Mannschaftsarzt bekommen.

Zu Barcelona: ja möchte man meinen, aber wenn man genau hinschaut sieht man, dass da jeder ständig am Laufen ist. Vor allem bei Ballverlust.

ich versteh dich
00
19.9.2011, 20:00

Vielleicht nicht in allen, aber immerhin in zwei der meist verbreiteten Sportarten obenauf. Basierend am Breitensport. Daneben noch viele gute Tennisspieler und Radfahrer. Vielleicht liegts an der Sportlichkeit dieser Menschen, daß sie sich trotz Bruchlinien als Nation nicht so deppert verhalten wie zb. die Belgier. Oder auch Österreicher. Mehr Sport für die Kids bitte?!

kernöl
00
19.9.2011, 12:28
war voll begeistert von beiden mannschaften

und freu mich schon auf weitere spiele. weiß jemand, wo man in wien in lokalen unter gleichgesinnten (eher keine wettlokale) klassebasketball sehen kann??

Stagger_Lee
06
19.9.2011, 10:42

Buschmann ist einfach nur der hammer... Er hat mich von 94-99 durch so unendlich viele NBA-Spiele begleitet, besonders durch die Finals mit Rodman ("Wir haben Rodmans Axelhaare!"). Vor allem gemeinsam mit dem jetzigen Poker-Spezialisten Körner einfach ein Traum... Und unglaubliches Know-How!

Martin Silenus
00
20.9.2011, 09:18

War auch für mich sowas wie mein NBA-Mentor. Bekomm immer wieder nostalgische Gefühle wenn ich ihn höre und fühl mich in die Finals Bulls-Jazz zurückversetzt. Die hab ich sicher 100 mal gesehn als damals 12-13 jähriger. Schäbige videoquali, schäbige audio, aber alleine die "Grant Hill trinkt Sprite Werbung" entschädigte schon für alles :-)

Herr Zebra
20
19.9.2011, 16:49

leider ist er hart parteiisch wenn die deutschen spielen, da isses echt kaum auszuhalten. aber sonst schon ein guter mann.

Gargravarr
00
20.9.2011, 11:36

Ich fände es ehrlich gesagt eher bedenklich wenn er als deutscher bei Spielen der Deutschen nicht parteiisch wäre.

Find das aber klasse mit welcher Begeisterung und welchen Emotion er kommentiert.

ryuu
00
19.9.2011, 17:34

das war auch in den nba spielen mit deutscher beteiligung schon immer so. aber man kanns aushalten ;) ... ma... inside nba war damals leiwand...

kingkade21
03
19.9.2011, 10:26
Und der liebe ORF ...

... hat im Sport dieses Top-Sport-Ereignis mit keinem Wort erwähnt ... danke

Herr Zebra
03
19.9.2011, 11:10

wurde die volleyball-em erwähnt? die findet im eigenen land statt und die berichterstattung in den nachrichten der mainstream-medien (orf, ö3 zb.) ist derart mangelhaft, dass es einfach nur zum kotzen ist.

Toxiclemon
00
19.9.2011, 20:21

viele spiele wurden vom orf sogar gestreamt!

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