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Die Türkei ist dabei, ihre Außenpolitik völlig umzukrempeln. Hauptgrund ist der sogenannte Arabische Frühling, den Ankara als Chance begreift, seine Art der Demokratie zu exportieren und damit eine neo- osmanische Einflusssphäre zu schaffen. Mit starker wirtschaftlicher Verflechtung.
Die Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen passt als zweites Element dieser Neuorientierung ins Bild. In den arabischen Ländern steht man als Freund Israels nicht gut da, weshalb der Muslime Tayyip Erdogan den Konflikt um die Gaza-Hilfsschiffe hochspielt. Und die bornierte Regierung Israels hilft ihm dabei auch noch.
Der Türkei gelingt es damit, sich aus der Dringlichkeit der EU-Beitrittsfrage auszuklinken und den Ball nach Brüssel weiterzuspielen. Symptomatisch ist eine diesbezügliche Passage in einem am Freitag in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Interview mit Staatspräsident Abdullah Gül anlässlich seines Deutschland-Besuchs:
"Gül: (lacht) Ja, wenn sie uns aufnehmen! Dann wollen wir schon gerne noch Mitglied werden ... Die Türkei würde helfen, die stagnierende Wirtschaft in Europa wieder auf Vordermann zu bringen."
Die Eurokrise hat nicht nur eine Verschiebung der Gewichte zu China und anderen asiatischen Ländern gebracht, sie hat die EU insgesamt geschwächt und die Türkei beispielsweise gestärkt. Gerade auch im Zusammenhang mit Griechenland.
Geschafft, könnte man sagen. Die Türken drängen nicht mehr in die EU. Und verschärfen sogar die Gangart. Am Sonntag hieß es in Ankara, man werde während der Zypern-Präsidentschaft 2012 die Beziehungen zur EU auf Eis legen. Indessen erwähnten führende Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihren Leitartikeln der Tage davor die Beitrittsproblematik überhaupt nicht mehr. So als hätten sie nie an Verzögerung und schließlichem Stillstand mitgewirkt.
Möglicherweise hat der türkische Machtzuwachs im Nahen Osten und in ehemaligen GUS-Staaten auch einen Vorteil. Die Türkei wird zu einem Konkurrenten des Iran, gestärkt durch ihre Zugehörigkeit zur Nato.
Denn gleichzeitig mit der Entfremdung von Israel hat auch der Druck auf Syrien zugenommen - ganz im Sinne der Anhänger und Betreiber des Arabischen Frühlings. Wobei Gül sich im erwähnten Interview beeilte, einen Unterschied zu machen zwischen der israelischen Regierung, in die er "kein Vertrauen" hat, und dem israelischen Volk als "einem Freund". Was im nahöstlichen Kontext (siehe die Aggressionen der iranischen Führung oder der Hamas) natürlich wichtig ist.
Die USA halten sich aus dem türkisch-israelischen Konflikt heraus. Was als Indiz gedeutet werden könnte, dass die USA der Türkei gegenüber Israel eine "Bad Boy"-Rolle zumessen, die sie selbst nicht spielen kann und will, die neben den sozialen Unruhen der Regierung Netanyahu zusetzt.
Barack Obamas Außenpolitik arbeitet - siehe Libyen und Nicolas Sarkozy - zunehmend mit Stellvertretern, die sich profilieren oder aber verlieren können. (DER STANDARD-Printausgabe, 19.9.2011)
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Ein Mann, der Präsident einer politischen Mittelmacht werden möchte, darf kein Sicherheitsrisiko sein
Kann man sich nicht einmal für die Türkei freuen? Die Türkei spielt mit offenen Karten. Hat Israel unterstützt und dann gesehen dass die es mit Frieden nicht ernst nehmen. Zu Zypern, da waren Türken schon ansaessig. PS: Uniabsolventenanteil besagt nicht über den Intellekt aus.
A recent report shows that Turkey ranks low in rates of higher-education, exhibits gender disparities and has high unemployment rates among youth. Accordingly, only 18 percent of Turks attend university education, while the avarage among Economic Development and Cooperation, or OECD countries is 40 percent.
http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=t... 2011-09-13
http://diepresse.com/home/bild... g/index.do
"Denn während in Kanada etwa 50Prozent der 25- bis 64-Jährigen einen Hochschulabschluss haben, trifft das in Österreich nur auf 19Prozent zu. Hinter Österreich liegen damit nur die Türkei (13Prozent), Portugal, Italien (je 15), die Slowakei, Tschechien und Mexiko (je 16Prozent)."
Und jetzt wo die TÜrkei sowas in die Richtung anstrebt, ist die EU aufeinmal höchst unzufrieden!!
dass die Türkei sich wirtschaftlich entwickelt und hoffe einfach, dass dieser wirtschaftlichen Entwicklung wie so oft auch eine gesellschaftliche Entwicklung folgt. Zur jetzigen und auch auf absehbare Zeit hin wäre eine EU-Beitritt allerdings für alle Beteiligten eine Katastrophe und sollte weder von der EU noch von der Türkei weiter verfolgt werden.
wobei die Türkei ein herrliches Land ist, wenn ich da an die alte (mazedonisch/griechische) Kultur denke...
Ephesos usw...
in diesem Sinne würde ich sehr gerne die Türkei als Teil der EU bereisen können.
Allerdings muß die Türkei noch sehr viel machen - das wirtschaftliche/politische/bildungsmäßige Gefälle wäre im Moment katastrophal - ganz zu schweigen von deren Minderheitenpolitik.
Last but not least ist die Bevölkerungsexplosion der Türken generell ein ökologisches Problem. Die Ressourcen der Erde sind begrenzt und das massive Bevölkerungswachstum ist zwar für das Pensionssystem super, aber zögert das Problem nur um weitere Jahrzehnte hinaus um dann noch viel extremer auf unsere Kinder/Enkel herein zu brechen.
Ich empfehle Ihnen
Mit offenen Karten - Überbevölkerung - Eine falsche Frage
http://www.youtube.com/watch?v=WHMyf6J6xlg
Korrektur: seit knapp 40 Jahren, wenn man es europa grosszügig auslegt. Kongo, Moçambique, Angola, etc. Indochina und Algerien gab es dazu hässliche Kriege. Naja Hong Kong und macau lassen wir mal als halbwegs freiwillige Besetzungen gellten. Die Territorien die heutzutage noch von eumitgliedsstaaten in Übersee existieren, sind in der tat aus freien Stücken bei den jeweiligen Ländern.
1.) Die inflationär verfallende (= sehr staatschuldenfreundliche) türk. Lira wurde vor einigen Jahren finanziell von Europa gerettet (um´s stabil zu machen)
2.) Eine Menge EU-Hilfe...
http://tinyurl.com/6jcqzzo
Zitat: von 2007 bis 2013:
4,8 Mrd. Euro an EU-Heranführungshilfen.
d.h. Nicht-Mitglied Türkei erhält bereits mehr Mittel aus Brüssel als Mitgliedsstaaten Estland (3.8 Mrd.) oder Lettland (4,6 Mrd).
die heranführungshilfe orientiert sich an der größe eines landes. so gesehen bekommen die letten und esten zirka 10mal mehr pro einwohner. also doch nicht sooo ungerecht wie sie vielleicht glauben.
die "rettung der TL" (türkische wirtschaftskrise 2000) ist auch weit aus dramatischer und weniger selbstlos als sie glauben. die damalige krise hat uns sogar geholfen unser wirtschaftssystem so umzustellen, dass die weltwirtschaftskrise 2009 uns nur in geringem ausmaß getroffen hat wie unsere wachstumszahlen zeigen.
Who cares? Das Thema "Türkei in die EU" war von je her so abseitig und wirklichkeitsfremd, dass es als endgültiger Beweis für den absoluten Realitätsverlust (oder ist es nur 100% Wurschtigkeit, solange die Bürokratenkarriere stimmt?) der europäischen "Eliten" taugt. Entschuldigung, aber kämen die USA auf die Idee, einfach so Mexiko, Haiti und Kuba aufzunehmen?
Ach ja, zentrale Energieversorgungswege des "Christenclubs" werden in Zukunft ja über ein zunehmend islamisiertes Land führen, dass sich gegen Europa immer unkooperativ gezeigt hat und sich unter Grossmachtsphantasien Richtung verwandter Turkvölker und Vorderasien/Nordafrika umorientiert.
Man kann sich wirklich nur noch zwingen, darüber zu lachen, um nicht als Paranoider zu enden.
über die eigenen probleme machen : 10 % wachstum bei 7,8 % inflation (vorher: nullwachstum), steigende arbeitslosenzahlen, hohe privatvschulden.
dass jeder 2. anatolier jetzt einen kühlschrank hat, heisst noch nicht, dass die türkei wirtschaftlich explodiert. mal besser ein jahr oder zwei warten, bevor man hilfe anbietet, die man nicht leisten kann.
Welcher Teufel Erdogan geritten hat den Konflikt mit Zypern (und damit automatisch mit GR und EU) zu suchen weiss er vermutlich nur selbst. Die innenpolitischen Vorteile sind von kurzer Dauer, Aussenpolitik hingegen ist ein langfristiges Spiel.
Der Konflikt mit Israel ist sicherlich von 50% von Israel provoziert. Ob es allerdings sher klug war für eine einmalige Schlagzeile auf den arabischen Strassen eine lange strategische Partnerschaft zu opfern halte ich für stark zweifelhaft. Auch hier hat sich Erdogans populistischer Instinkt durchgesetzt.
Man kann sich nun fragen wieviele Freunde der Türkei in der Region noch bleiben. Mir fällt keiner ein.
Na dann schreibe ich den ersten teil meiner Analyse halt nochmals:
Nachdem es die Türkei geschafft hat den arabischen Frühling völlig zu verschlafen nützen ihr die wunderbaren Kontakte zu Gaddafi, Mubarak und Assad nichts mehr. In Libyen gehen nun Cameron, Sarkozy und Obama ein und aus und das Ansehen dei der arab. bevölkerung hat massiv gelitten.
Durch den bornierten Nationalismus schafft Ankara es, den Kurdenkonflikt ein ums andere mal eskalieren zu lassen. Sogar der Iran ist hier erfolgreicher.
Durch den zunehmenden Aufstieg des Iran ist der regionale Grossmachtstatus in Gefahr.
Nach fast 100 Jahren ist es immer noch nicht gelungen sich mit Armenien zu verständigen, der Iran wird immer mehr zu einem Konkurrenten und die Beziehungen zur EU gehen auch immer weiter den Bach hinunter.
Nachdem Freunde nun rar sind, versucht Erdogan offenbar auf Stärke zu setzen, verkennend die Tatsache, dass er sich nur noch mehr Feinde schafft.
Nach 20 Jahren hat es Armenien nicht geschafft, die Grenzen der Türkei anzuerkennen.
Iran war immer ein Konkurrent.
Die EU-Beziehungen gehen seit Amtsantritt Merkel und Sarkozy den Bach runter.
Die angeblichen Freunde werden nicht rar. Es waren nur nie aufrichtige Freunde. Das wird nun allmählich offensichtlicher.
Dank Erdogan fallen die ersten Masken....
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