"Charakter der politischen Kaste ist zu hinterfragen"

18. September 2011, 17:37
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    Es geht nicht um die Optik, die schief ist. Das Problem ist, dass die Moral schief ist.

Militärstratege Gerald Karner diente unter Verteidigungsminister Herbert Scheibner und wundert sich nicht über Vorwürfe gegen seinen Ex-Chef - Politik sei nur eine "Machterhaltungsmaschinerie" der Parteien

Wien - "Die Formulierung von der schiefen Optik kann ich nicht mehr hören", ärgert sich Gerald Karner, wenn es um die Vorwürfe gegen Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner (BZÖ) geht: "Es geht nicht um die Optik, die schief ist. Das Problem ist, dass die Moral schief ist."

Karner, Militärstratege mit dem Dienstgrad eines Brigadiers, der durch ORF-Auftritte als Experte öffentlich bekannt wurde, war unter Scheibner im Verteidigungsministerium und saß 2001 und 2003 in beiden Reformkommissionen des Bundesheeres.

Dass Scheibner nun rund um die Eurofighterbeschaffung unter den Verdacht der Annahme von Schmiergeldern und Geldwäsche geriet, ist für Karner nicht überraschend, obwohl er einräumt: "Wenn bei so etwas Geld fließt, dann fließt es doch sofort."

Es sei untypisch, dass da jemand erst Jahre später Zahlungen erhalte. Aber: "Es kann schon sein, dass sich Kontakte später gewissermaßen materialisieren. Ich bin jedenfalls sehr skeptisch." Scheibner erklärt die auf einem Konto aufgetauchten Geldflüsse mit der Präsentation eines Produkts im Ausland. "Wenn das so ist, dann ist das höchstwertiger Lobbyismus. Und es ist unverständlich, dass sich ein aktiver Politiker überhaupt für so etwas gewinnen lässt", sagt Karner.

Für Karner, der nach einer Karriere ohne Parteibuch 2005 dem Bundesheer den Rücken kehrte und heute als Strategie- und Organisationsberater arbeitet, ein Beispiel für "zutiefst österreichische Verhältnisse", wegen derer der "Charakter und die Moral der politischen Kaste zu hinterfragen ist". Das sei schon lange vor Schwarz-Blau so gewesen, "aber in dieser Zeit ist der Topf offenbar übergekocht".

Den plötzlichen Schwenk Scheibners vom Gripen zum Eurofighter empfand Karner damals als "sehr, sehr überraschend", denn der Minister hatte die Meinung seiner Berater vertreten und war wegen der Betriebskosten für die Gripen.

Dabei zweifelte Karner selbst nie daran, "dass der Eurofighter das bessere Flugzeug ist. Vor allem wenn wir uns in multinationale Operationen einklinken wollen". Dass sich aber die Bundesregierung "aus solch höheren strategischen Gründen" für die Eurofighter entschied, bezweifle er angesichts des "Mangels an außen- und sicherheitspolitischer Kompetenz Österreichs". Ein Mangel, der "daher rührt, dass es in diesem Bereich keine großen Pfründe zu verteilen gibt, deswegen interessiert das keinen".

Vielmehr war es "leider immer ein Running Gag, dass Provisionen bei solchen Geschäften fließen - aber leider offenbar eben kein Gag. Manche sprechen von kleineren Beträgen, manche von zig Millionen, die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen", schätzt Karner. Der Militärexperte könnte sich aber auch vorstellen, dass "die Regierungen anderer Staaten des Eurofighterkonsortiums (Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien, Anm.) auf diplomatischer oder persönlich auf politischer Ebene für EADS interveniert haben".

"Unerträgliche" Vorgänge

Ganz allgemein habe Karner selbst genügend "unerträgliche" Vorgänge beobachtet, die ihm zeigten: "Die Politik ist in Österreich zur Machterhaltungsmaschinerie degeneriert. Es geht nicht darum, Politik auf sachlicher Ebene für das Land zu machen, sondern ausschließlich darum, die Macht für seine Partei zu erhalten und auszubauen."

Ernst Strasser, von dem Karner 2003 selbst miterlebt habe, wie er als Innenminister versuchte, "einen Kabinettschef im Verteidigungsministerium zu installieren", ist da nur ein Beispiel. Dieser Versuch ging übrigens schief. "Strassers Mann musste nach drei Tagen wieder abgezogen werden."

Aber auch die "völlig überraschende" Genehmigung eines Exports von Scharfschützengewehren der Firma Steyr Mannlicher in den Iran 2004 durch die damalige Bundesregierung "könnte man sich noch einmal anschauen", regt Karner an. Österreich war damals von Großbritannien und den USA scharf kritisiert und der Export bei etwa der Hälfte der Stückzahl gestoppt worden.

VP-Chef Michael Spindelegger sagt, er wolle den Korruptionssumpf trockenlegen, doch Karner ist skeptisch, dass ihm das gelingt: "Selbst wenn er ein Titan wäre, würde das schwierig werden", sagt der 1955 geborene Militärstratege über Spindelegger, den er erstmals als jungen Sekretär des damaligen Verteidigungsministers Robert Lichal (VP) traf: "Und er ist kein Titan." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 254
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female
01
20.9.2011, 09:34
interessant

das ist sehr interessant, dass herr karner, der herr oberstratege und berater, hier über moral spricht. er hat doch selbst mitgespielt, in dieser liga. er sonnt sich sehr gerne in der öffentlichkeit und gibt kommentare ab, die viele verstehen, aber manchen einfach nur kopfschütteln verursachen.
erstrebenswert wäre, wenn selbstbild und fremdbild auch in der öffentlichkeit stimmig sind. soviel dazu und soviel als gedankenanstoß, der eh nix bringt.
well done, herr karner & der standard.
well done.

Tango Korrupti !
00
19.9.2011, 20:19
Herr Karner, in Österreich geht es nicht um Kasten, auch nicht um Politik ! In Österreich geht es um cash - money - bagare und allles andere ist S A U B L Ö D sorry !!!

radfahren -am auto?
01
19.9.2011, 21:03

sie sind ein beispiel für einen mitbürger , den ich hier nicht gerne brauche

Karl Jindrak
02
19.9.2011, 19:38

Karner ist doch genauso Teil des politschen "Esteblishments",
was er hier eindrucksvoll beweist:

http://www.youtube.com/watch?v=_roDWQzQk-8

Wolfgang Lederbauer1
00
19.9.2011, 19:02
...Eurofighterbeschaffung ...Die Politik ist in Österreich zur Machterhaltungsmaschinerie degeneriert....

Warum die ganze Aufregung?

- Der Rechnungshof hat die Eurofighterbeschaffung mehrmals geprüft.

- Der Rechnungshof hat den Verkauf der BUWOG bzw der Bundeswohnbaugesellschaften mehrmals geprüft.

- Der Rechnungshof hat die ASFINAG mehrmals geprüft.

Übrigens:

Unterliegt nicht der Herr Brigadier dem Disziplinarrecht der öffentlich Bediensteten?

Man muss aufpassen, dass das Ansehen der öffentlichen Institution nicht beschädigt wird.

Schweigen ist für die Einleitung von Disziplinarverfahren natürlich kein Grund....

http://so-for-humanity.com2000.at

Nirvanacharly
 
00
20.9.2011, 03:16
denuzianten

against not 4 u

Wolfgang Lederbauer1
00
20.9.2011, 08:11
...against not 4 u...

Können Sie sich bitte etwas deutlicher und verständlich ausfrücken?

http://so-for-humanity.com2000.at

radfahren -am auto?
01
19.9.2011, 18:57

Vielen Dank Hr. Gerald Karner!
Das war kein übliches politisches Gequake , sondern Fakten.
Danke nocheinmal

Ziemlichorg
02
19.9.2011, 18:39
Das einzige was da noch helfen kann

ist ausschließlich Parteien zu wählen die NICHT im Parlament vertreten sind. Alles Andere macht einfach keinen Sinn mehr. Was Neues, Unverdorbenes wäre mal wieder eine echte Wohltat.

Mops
00
19.9.2011, 18:28
Dem Titel kann man nur zustimmen besonders

wenn der Kurier Artikel http://kurier.at/nachricht... 153248.php
auch nur ein Körnchen Wahrheit beeinhaltet. Politiker aller Couleurs sind Korrupt und nicht dem Volk sondern der Krone und ihrem eigenen Geldbeutel verbunden. Demokratie und Ehrlichkeit sucht man im hohen Haus am Ring vergeblich.

Mops
00
19.9.2011, 18:45
Habe leider erst jetzt gesehen dass auch der

Standard über die Entacher Geschichte geschrieben hat mein Kommentar bleibt aufrecht alle Politkos Egal ob Grün, Rot, Schwarz, Braun (Blau), Orange sind Korrupt.

Papp Kamerad
00
20.9.2011, 07:23
Bezüglich Grün: Wissen Sie da mehr als wir? Bitte um Info

slimfilter
00
19.9.2011, 18:25

Ich finde es immer SEHR beruhigend, wenn bei innenpolitischen Krisen ein Militärstratege Lösungsvorschläge präsentiert.

Zivilgeselle
00
19.9.2011, 17:41
Typizität

Es ist nicht untypisch, dass man korrupte Gelder nach einer politischen Karriere in Empfang nimmt. Außerdem ist Scheibner nach wie vor Parlamentarier.

Strasser und Grasser haben auch für danach "vorgebaut" bzw. zukünftige Firmenpartner mit Millionen ausstatten lassen.

Scheibner hat zwar ein bißchen zugewartet, aber diese unvereinbaren Nebenjobs als "Geschäftanbahner" und die verdächtig kriminellen Geldflüsse sollten diese Volksvertreter nicht einmal anstreben wollen.

Herr T.
01
19.9.2011, 17:25

und der schlaueste von allen hat sich einen posten bei der RWE besorgen lassen

Ignatius von Stein
00
19.9.2011, 17:22
...

Großartig !

Dr. Fu Man Chu
01
19.9.2011, 17:22
argumentiert je nach dem, woher der wind weht

es war noch selten so opportun gegen politiker zu wettern wie jetzt. der scheint mir auch so ein experte für eh alles zu sein. hauptsache es wird stilistisch beeindruckend vorgetragen. sophisten nannte man das früher.

kann mich an einen club2 erinnern, in dem er jeden für geisteskrank erklärt hat, der an der amerikanischen version von 9/11 zweifelte bzw. zweifelt. sollte sich da was in der öffentlichen meinung ändern, wird er sicher auch schöne worte dafür finden.

DI Peter Schneeweis
01
19.9.2011, 17:42

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

sturmy
01
19.9.2011, 16:54
"Charakter der politischen Kaste ist zu hinterfragen" Mein Bauch sagt seit Jahrzehnten das Selbe...

NONE
00
19.9.2011, 16:50

Die ParteiFirmen werden irgendwann entmachtet.

Sie dienen sich selbst primär. Das geht in einer Demokratie nicht (natürlich in indirekter Demokratie, da sie Macht für sich selbst erhalten, nicht aber in direkter Demokratie).

Bi-ba-butzemann
 
00
19.9.2011, 16:17
Tja,

da gibt es noch so einiges anderes zu hinterfragen in den nächsten Jahren...

"Glückliche Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit!"

Marie von Ebner-Eschenbach

eknaD
00
19.9.2011, 16:16

*
http://kurier.at/nachricht... 153248.php
Sabotage an General Entachers Dienstauto

hotzenplotz1001
01
19.9.2011, 16:32
Fritz Neugebauer lockert neuerdings Radmuttern?

Mostbluzza
00
21.9.2011, 14:14
der käme jo nie wieder hoch

und bei spö ist er a net.

ausserdem ist das ganze eher eine sommerlochente, die letzte vermutlich.

Moist von Lipwig
02
19.9.2011, 16:00
"ausschließlich darum, die Macht für seine Partei zu erhalten und auszubauen."

Oh, auch schon bemerkt, lol.

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