Medien zerfallen zunehmend in Links zu Artikeln, die über soziale Netzwerke verbreitet werden
Eine Binsenweisheit, dass Internet und mobile Geräte wie Smartphones und Tablets unsere Lesegewohnheiten verändern. Eine der gravierendsten Auswirkungen: Was bisher in Form von Zeitung oder Magazin gebündelt (und verkauft) wurde zerfällt in einzelne Geschichten. Über Suchmaschinen und soziale Medien, Facebook und Twitter allen voran, werden Geschichten per Links empfohlen. Am Ende des Tages wird immer mehr nicht die von einem Medium vorgesetzte Speisekarte sondern das gelesen, was der "Freundeskreis" empfiehlt - so wie immer weniger CDs und immer mehr einzelne Tracks per Download gekauft werden. Rund die Hälfte aller Zugriffe kommt etwa bei derStandard.at über Suchmaschinen und Links.
Pionier und Platzhirsch Flipboard
Eine neue Kategorie von Apps, "Social Magazines" getauft, fügt diesen unstrukturierten Strom an Nachrichten zu einer Art Magazin zusammen. Pionier und Platzhirsch des jungen Segments ist Flipboard am iPad: Aus banalen Links, Tweets und dem Facebook-Posting-Strom wird ein ansprechend designtes, virtuelles Heft mit kurzen Anrissen und Bildern gemacht. In diesem "Newsfeed" aus dem Freundesnetzwerk kann man ähnlich wie einem Magazin blättern. Weckt die Kurzform das Interesse, wird bei Antippen die Langfassung serviert. Andere Anbieter: Zite, erst vor wenigen Tagen von CNN gekauft, AOL Editions, Yahoo's Livestand, Pulse.
App "Propeller" in Entwicklung
3,5 Millionen mal wurde Flipboard bisher geladen, 550 Mio. Seiten werden monatlich serviert. Viel Werbepotenzial, was Google nicht verborgen bleiben konnte. Darum steigt der Suchmaschinenkonzern jetzt mit einem eigenen Angebot ein, berichtet der Techblogger Robert Scoble. "Propeller" heißt eine in Entwicklung befindliche App, die für Android-Tablets ebenso wie am iPad auf den Spuren von Flipboard wandelt.
Millionenschweres Angebot abgelehnt
Der Eigenentwicklung ging ein Übernahmeangebot voraus: Google soll dem Start-up ein millionenschweres Angebot unterbreitet haben. Mit dem Zusatz, dass Google im Fall einer Zurückweisung ein Konkurrenzprodukt auf den Markt bringen würde, berichtet die zum Wall Street Journal gehörende Techsite AllThingsD. Flipboard, das sich auf 60 Mio. Dollar an Investorengeld stützen kann, lehnte ab, also warf Google den Propeller an. Wann die App auf den Markt kommen soll ist nicht bekannt. Eile scheint geboten: Denn auch Facebook arbeitet daran, die auf seinen Seiten verlinkten Medien attraktiver und besser konsumierbar darzustellen. (spu, DERSTANDARD/Printausgabe, 17.09.2011)