"So etwas hatten wir schon einmal"

Empörung über Fekters Vergleich zwischen Juden- und "Reichenverfolgung"

17. September 2011, 14:32
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    foto: apa/pfarrhofer

    Finanzministerin Maria Fekter sorgt mit ihrem NS-Vergleich für Aufregung

Finanzministerin warnt beim EU-Finanzministertreffen vor Feindbildern gegen Banken, Reiche und Vermögende

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) hat auf die jüngsten umstrittenen Aussagen des polnischen Finanzministers und EU-Ratsvorsitzenden Jacek Rostowski mit einer ebenso ungewöhnlichen Antwort reagiert.

Angesprochen auf Rostowski, der gemeint hatte, wenn Europa so weitermache, könne es zum Krieg kommen, sagte Fekter: "Auch ich habe mir schon große Sorgen im Hinblick auf die verstärkten Nationalismen, die wir haben, gemacht. Außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken, die Reichen und die Vermögenden auf. So etwas hatten wir schon einmal, damals verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zweimal in einem Krieg geendet." Jedenfalls "müssen wir uns wirklich alle anstrengen, damit so ein Szenario mit Sicherheit nicht kommt".

Fekter: Lehne Feindbilder ab

Am Samstag betonte die Finanzministerin dann per Aussendung, sie lehne "Feindbilder gegen einzelne Bevölkerungsgruppen - sowohl von rechts, als auch von links" - mit "jeder Faser" ihres Herzens ab, denn sie gefährdeten "den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Frieden". Ein derartiges Aufbauen von Feindbildern habe die Geschichte bereits mehrmals erlebt. Gerade im Beginn antisemitischer Strömungen im 19. Jahrhundert sei der Zeitpunkt zu erkennen, um "vor dem gefährlichen Anfang des gezielten Aufbaus von Feindbildern" zu mahnen.

In einer zweiten Aussendung am Samstagnachmittag betonte sie, dass die Zeit des Nationalsozialismus mit ihren Gräueltaten "und insbesondere dem Holocaust mit nichts anderem vergleichbar ist. Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, weist die Finanzministerin mit Nachdruck daraufhin, dass sie niemals einen Vergleich mit dieser Zeit angestellt hat und dies auch nie zu tun beabsichtigte", hieß es in der Aussendung.

"Antisemitische Stereotype"

Caritas-Direktor Michael Landau Landau bezeichnete Fekters Aussage als "schockierend und völlig inakzeptabel". Der Vergleich der Bankenkritik mit der Judenverfolgung sei "auf das schärfste zurückzuweisen". Für den Wiener Caritas-Direktor hat die Finanzministerin damit "auf übelste Weise antisemitische Stereotype bedient". Für die Kirche sei klar, dass Christentum und Antisemitismus völlig unvereinbar seien.

Landau fordert nun eine Klarstellung durch die Bundesregierung, dass sie mit diesen Aussagen in keiner Weise konform gehe. Er sieht in Fekters Entgleisung ein Zeichen für die "Planlosigkeit und Nervosität der Bundesregierung" nach den diversen Korruptionsvorwürfen. Der Caritas-Direktor fordert die Bundesregierung auf, zur Sacharbeit zurückzukehren und nicht durch "verbale Eskalation" von den Affären abzulenken.

"Besondere Sorgfalt in der Wahl der Worte"

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) mahnte am Samstag in einer Aussendung "besondere Sorgfalt in der Wahl der Worte" ein. Österreich habe aufgrund der Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus und der damit einhergehenden historischen Belastung eine besondere Verantwortung, mit Äußerungen zu dieser Zeit angemessen umzugehen. "Vor allem Regierungsmitglieder sind, aufgrund ihrer Vorbildfunktion, gefordert, sich hier sensibel zu verhalten. Das ist in der Wahl der Worte immer zu berücksichtigen, auch in der Hitze politischer Emotionen muss diese Wortwahl entsprechend gemäßigt sein", forderte der Bundeskanzler.

Grüne fordern Entschuldigung

"Total entsetzt" über die Aussagen Fekters zeigte sich Grünen-Chein Eva Glawischnig. Wenn Fekter ernsthaft der Meinung sei, dass ein Eintreten für eine sozial gerechte Besteuerung der Reichen gleichzusetzen ist mit der Judenverfolgung, "dann ist sie sicher nicht mehr geeignet, ihr Amt als Finanzministerin auszuüben. Das Mindeste ist eine sofortige Klarstellung und Entschuldigung bei den Opfern des Nationalsozialismus", forderte die Bundessprecherin der Grünen in einer Aussendung.

Sie warf Fekter vor, das klassische antisemitische Stereotyp vom "reichen Juden" zu verwenden und sich des antisemitischen Klischees vom reichen Weltjudentum zu bedienen. Tatsache sei, dass alle Juden wegen ihrer jüdischen Herkunft, egal ob arm oder reich von den Nazis verfolgt und vernichtet wurden. "Das zeugt entweder von einer historischen Unwissenheit, die einer Finanzministerin unwürdig ist, oder einer bewussten Instrumentalisierung des dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte, um die Reichen vor gerechter Besteuerung zu schützen", meinte Glawischnig.

SOS Mitmensch verurteilt Aussagen

"Der von Fekter angestellte Vergleich kommt einer Herabwürdigung der Opfer nationalsozialistischer Hetze und Verfolgung und einer Verharmlosung von Antisemitismus gleich", kritisiert Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch. Die NGO ist der Ansicht, mit dem Vergleich schade Fekter nicht nur sich selber, sondern der österreichischen Politik als Ganzes:  "Eine Gleichsetzung der Diskussion über einen Solidarbeitrag für Reiche mit Antisemitismus hat in der Politik nichts verloren, und wenn dies die Finanzministerin nicht einsieht, dann hat sie in der Politik nichts verloren." In einer Aussendung am Sonntag forderte Pollak dezidiert Fekters Rücktritt.

SPÖ fordert Entschuldigung

Kritik an Fekter kam auch von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) sowie den beiden SPÖ-Bundesgeschäftsführern Laura Rudas und Günther Kräuter. Darabos hätte eine derartige Aussage "von einem Spitzenrepräsentanten einer christlich-sozialen Partei und einem Mitglied der österreichischen Bundesregierung nicht erwartet. Dieser Vergleich ist ein Hohn für die Überlebenden der Nazi-Gräuel und Angehörigen von Millionen von NS-Opfern", sagte der Verteidigungsminister. "Das hat nichts mehr mit markigen Sprüchen zu tun." Darabos forderte Fekter auf, ihre Wortwahl zu überdenken und diesen Vergleich zurückzunehmen.

Rudas rief die Finanzministerin auf, sich ihrer Verantwortung, ihrer Vorbildwirkung als Regierungsmitglied bewusst sein und sich für ihre Aussagen zu entschuldigen. Auch für ihren Kollegen Kräuter ist der Fekter-Vergleich "eine absolut inakzeptable Entgleisung, die umgehend zurückgenommen werden muss". Für Kräuter ist aber auch die in Medien getätigte Aussage von ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf, wonach eine Besteuerung von Vermögen Diebstahl gleichkomme, nicht akzeptabel. Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer fordert daher ÖVP-Obmann Michael Spindelegger auf, "einzelne außer Rand und Band geratende Repräsentanten seiner Partei zur Vernunft zu rufen".

Der Präsident des Bundes sozialdemokratischer Akademiker (BSA), Andreas Mailath-Pokorny, forderte Fekter auf "Konsequenzen" zu ziehen, "das Mindeste wäre jedenfalls eine Distanzierung von ihren eigenen Aussagen." Auch BZÖ-Obmann Josef Bucher erwartet eine "Klarstellung und Entschuldigung" Fekters. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 3271
Vorsicht beim Tippen,
02
20.9.2011, 15:21
3286 Postings

zu den @rampel sind 3287 zuviel.

Luky Pozzo
02
20.9.2011, 10:18
Der typische Dreh von ganz rechts

"Damals verbrämt (!) gegen die Juden": Das heißt der 6millionenfache Massenmord wäre also anders "gemeint", eigentlich gegen jemand anderen oder etwas anderes gerichtet?!

"Damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint": Das heißt die Nazis hätten nur die Reichen liquidieren wollen, und Juden wären bekanntlich immer reich gewesen??!!

Auch Rechtsextremismus wendet die eigenen Verbrechen und verquere Denkwelt gegen seine KritikerInnen und unterstellt ihnen damit dieselben Verbrechen und Gedanken.

Jeder Tag Fekter als Ministerin ist ein Skandal.

sepp schilehrer
50
20.9.2011, 08:59

Ja, Mizzis Kommentar war ziemlich dämlich aber das Gegacker darum ist auch sehr nervig.

Und bitte warum muss ich mir im ORF minutenlang den Kommentar von SOS Mitmensch anhören? Ich hätte gerne auch noch die Meinung des Salzburger Landesfischereiverbandes und des Tiroler Schilehrerverbandes oder des Motorsportclubs Zederhaus dazu gehört.....

Genowo
02
19.9.2011, 18:44
Fekter ist einfach unerträglich!

Tango Korrupti !
00
19.9.2011, 15:32
Was soll die Aufregung, Fekter wollte von den ÖVP Korruptions- Skandalen ablenken und zog ganz bewußt die NAZI Karte ! Und es hat geklappt, Mensdorff Pouilly und seine Habara sind aus den Schlagzeilen verschwunden !

RosaRosenRot
50
19.9.2011, 15:25

Sagt mir bitte EIN Land auf dieser Welt, in dem es keine Studiengebühren gibt. Ich bin für Studiengebühren und den Ausbau eines fairen Stipendiensystems, welches von der Leistung des Studierenden und nicht vom Einkommen der Eltern abhängt.

R. Lexer
01
20.9.2011, 10:10

Alle nordischen Länder, Irland, Polen, ...

guzo
01
19.9.2011, 17:04
Urugugay

sterndermeinennamenträgt
03
19.9.2011, 14:21
Zu spät für Frau Fekter

der Preis für die eifrigste Verfechterin gegen die Neidgesellschaft wurde heuer bereits an Frau Helga Rabl-Stadler vergeben:
www.unser-wohlstand.com

Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

aktuelle Epoche: DesInformationszeitalter
02
19.9.2011, 13:12

Das spricht ihr aus der Seele:

http://h7.abload.de/img/6afa5... da0u52.jpg

Ausmex
04
19.9.2011, 13:11
Fekter: "Lehne Feindbilder ab"

sagt die Frau, die als Innenministerin kein anderes Thema hatte als "Asylmissbrauch" und "die Ausländer"

hellman
 
03
19.9.2011, 12:11
Die Aussage "Das hatten wir schon mal",

ist bezogen auf das nicht unbemerkt gebliebene Banker-Bashing ja gar nicht mal falsch. Dieses jedoch in eine Diskussion über die Besteuerung von, über die Maßen, Begüterten auf europäischer Ebene einzubringen, erlaubt tiefe Einblicke in die moralische Befindlichkeit unserer Mitzi:
Die Diskussion über solche Steuern nimmt sie
a) persönlich,
und darüber hinaus fühlt sie sich
b) von der Steuer existentiell bedroht.
Somit kann sie sich nicht erwehren Maßnahmen die auch nur tendenziell zu einer längst überfälligen Umverteilung führen würden mit der Agonie in der Gaskammer zu assoziieren. Aber, wie wird man eine Finanzministerin deren Psyche Dagobert Duck als Heilland erscheinen lässt wieder los. Eine kleine, beschis... Partei steht hinter ihr!

germ
00
19.9.2011, 12:05
Die Wurzeln des österreichischen Geschichtsbildes:

http://www.youtube.com/watch?v=qbhO5OHO1AY

Peter Hammer 06
02
19.9.2011, 10:08
Offenbar sind hier Vergleiche zwischen.....

...Frau DDr. Fekter und Frau Mag. Korun UNERWÜNSCHT!
Meiner Seel', was war das damals für ein Gejammere von der Regierungsbank herunter.....

Marie Sandoz
03
19.9.2011, 09:12
Warum steht kein Intellektueller auf und sagt,

was wahr ist:

Charakterlosigkeit und Dummheit - dein Nam' ist Fekter!

oppa1
02
19.9.2011, 12:10
Guter Vorschlag prinzipiell

Zwei Fragen drängen sich auf:

Welcher Intellektuelle?

In welchem Forum, für das man sich nicht mit Namen und Adresse anmelden muss sollte er das sagen?

Darin, dass derartige Entgleisungen der Finanzministerin und des Vizekanzlers nach zwei Tagen schon kein Thema mehr sind, wird doch wieder einmal das intellektuelle Dilemma Österreichs offenbar: Die Elite wurde vertrieben und umgebracht und die Nachkommen der Täter profitieren vom gesenkten Niveau.

more more
50
19.9.2011, 11:53

[...]Warum steht kein Intellektueller auf und sagt, was wahr ist[...]
Weil die Leute einfache Parolen brauchen.
Das die Krise dadurch zustande gekommen ist das Wähler Wahlgeschenke wollten und sich die Staaten deshalb verschuldet haben klingt nicht sexy.
Besser ist es "äußere Mächte" wie etwa angebliche Neoliberale oder Spekulanten verantwortlich zu machen.
Die Leute wollen eben hören das die Anderen Schuld sind.
Nur: Diesen Anderen wird man irgendwann ein Gesicht geben müssen.
Gut, das Fekter den Mut hatte das endlich anzusprechen.

Ankick
 
06
19.9.2011, 05:01
aufklärung

Zwar schon ein bissl spät, aber muss:
http://www.wissensmanufaktur.net/danistakratie
Schaut euch das mal an (ist ein Vortrag eines Wissenden, ruhig die ganzen 2 Stunden ansehen), dann versteht ihr die Hintergründe der Aussage der Frau F. Man muss erwarten, dass sie als Finanzministerin die Zusammenhänge kennt (ich behaupte nicht, dass sie die Tragweite erkennt). Da sieht man, wie unglaublich perfide ein solches Ablenkungsmanöver ist, gerade bei einer Konferenz, bei der es um die Rettung des Euro geht. Wenn die gute den Antisemitismus reitet, um mit dem Thema Verwirrung bei den Systemgegnern hervorzurufen (und nichts anderes ist hier passiert in über 3000 Postings), dann muss sie ganz schön was zu verheimlichen haben.

Mostbluzza
00
19.9.2011, 14:41
dann wäre sie eine märtyrerin für österreich

nach dem motto: liebe landsleute, ich opfere mich mit dem blödsinn, dafür fällt es euch - hoffentlich - leichter (die blöde eurogschicht).

ich hoffe nicht und glaubs nicht (bei ihr).

ihr link ist natürlich schon werthaltig, da ist was dran.

Ankick
 
01
19.9.2011, 23:25

Es geht ihr vielleicht um's nackte Überleben. Sie ist vielleicht von Seiten der Drahtzieher bereits freundlich darüber aufgeklärt worden, dass im Falle des Nicht-Mitspielens "Staatsbankrott", Ausschreitungen und Umsturz drohen mitsamt strafrechtlicher Konsequenzen für sie. Das Kapital für die Steuerung dieser Unruhen ist bei den Banken und die nötige Gesinnung ebenso. Im Fall eines Austritts aus dem Euroland (Rückholung der Währungssouveränität) könnten möglicherweise tragische Unfälle passieren, mit Hinweis auf Kennedy.

sprungbrett
133
19.9.2011, 01:04
Die Sozis sind empört..

lächerlich!!
Maria Fekter wollte mit ihrem Vergleich keine Verharmlosigung vorantreiben, sonder klipp und klar auf dieselben Stereotype hinweisen, die uns schon einmal 'die' Hetze beschert haben.
Aber empört euch nur weiter über solche Kleinigkeiten, das könnt ihr ja am Besten!!

jacques05
02
19.9.2011, 17:29
seins ned so überheblich,...

von wegen sozis.
eben diese sozis halten euch an der macht, ohne sie lägt ihr in der gosse.

SFO-VIE: The Weana in California
07
18.9.2011, 23:14

Bitte mich zu informieren, wenn Millionäre in Mauthausen einquartiert werden und es durch den Schornstein verlassen. Oder, um gegenueber Fekter grosszuegig zu sein, wenn Herr Glock und Co. im 1. Bezirk den Gehsteig mit Zahnbuersten putzen.

Österreichische Regierungen der letzten Jahre sind schon was Besonderes....deppert, korrupt, unverschämt.

jacques05
00
19.9.2011, 17:31
ihre aussage ist, bis...

auf den letzten satz saudumm.

goldameir
11
19.9.2011, 02:32

lernen sie geschichte, dann würden sie sehen, wie ns propaganda gegen reiche, trusts, kapitalisten, das zinssystem etc in der vermengung mit antismitismus zu den schlimmsten verbrechen der geschichte führten.

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