Milliardenverlust

Ups, UBS

Kommentar | Lukas Sustala, 18. September 2011, 22:29

Wer riskant investiert, braucht einen guten Polster

Ein Händler bei der Investmentbank der Schweizer UBS hat zwei Milliarden Dollar verzockt: ein Hoppala, das selbst für eine sogenannte "Großbank" groß ist.

Die Summe allein wäre für die Schweizer Schmach genug. Doch dass es eine Bank trifft, die nach Milliardenverlusten am US-Hypothekenmarkt 2008 eine "Überprüfung der Risikogrundsätze, bedeutende personelle Veränderungen im Bereich Risikomanagement und -kontrolle sowie Verbesserungen bei der Erfassung, Darstellung und Überwachung der Risiken" vornahm, macht keinen schlanken Fuß. Denn obwohl ein Zwei-Milliarden-Loch in den Büchern der UBS klaffte, blieben die Alarmglocken stumm.

Der Händler selbst hat die Bank laut aktuellen Informationen über den Verlust in Kenntnis gesetzt. Zwei Milliarden Dollar zu verlieren, ohne dass Kollegen, Risikomanager, Vorgesetzte oder die vielfach eingesetzten vollautomatischen Monitoring-Systeme draufkommen, ist richtig schwierig. Dass die Wetten des Händlers "nicht autorisiert" waren, verwundert dabei nicht wirklich: Gute Chefs autorisieren nur gewinnbringende Transaktionen.

Der Megaverlust bei der UBS zeigt wieder einmal, dass Basel III und die damit gestiegene Eigenkapitalausstattung von Geldinstituten eine gute Sache sind. Wer riskant investiert, braucht einen Polster für Verluste. Wenn zwei Milliarden "ohne Autorisierung" verschwinden können, können diese Polster wohl kaum zu groß sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2011)

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Taschenkalender
00
18.9.2011, 17:37
und was würde Basel III hier ändern?

Wenn man sich nicht an die Regeln hält, helfen die besten Regeln nichts..

Wär das ganze gut ausgegangen, wär er wahrscheinlich der Held der Bank und natürlich wäre es "autorisiert" gewesen..

B. Simone
00
18.9.2011, 18:01
Einhaltung von Regeln ??

Bei derartigen Beträgen wird wohl ein elektronische Gegenzeichnung durch einen Vorgetzten notwendig sein. Ansonsten könnte ein kurrupter Mitarbeiter auch derartig grosse Beträge einfach verschwinden lassen.
Entsprechende Verfügung wird ein Mitarbeiter, der sich aus irgendwelchen Gründen nicht an bankinterne Regeln hällt nicht einfach umgehen können ?! Dies lässt grobe Mängel bei der internen Sicherheit der UBS aufkommen. Möglicherweise gibt es noch weitere illegale Geschäftsabwicklungen, die ohne Wissen der Bankleitung abgewickelt werden, was bedeuten würde: Die Bankleitung und das Management haben Ihre Mitarbeiter nicht unter Kontrolle. Also ein grobes Mistrauensvotum an die Bankleitung der UBS !

B. Simone
00
18.9.2011, 16:49
Verantwortung der Bankleitung

Eigentlich verwunderlich, dass ein einzelner Mitarbeiter überhaupt die Befugnis hat über derart grosse Beträge alleine zu verfügen. Ein grober Mangel beim Bankmanagement und bei der Leitung der Bank. Spekulationsgeschäfte gehen hallt mal schief, aber dass diese nicht zumindest über einen 4Augen Prinzip mit Einbindung eines Vorgesetzten abgewickelt werden dürfen, lässt grob an der Seriosität der Bank selbst (magelende Sicherheitskontrollen) und an der Bankleitung zweifeln. Das Management verdient doch für Ihre Aufgaben ein Vielfaches als der ausführende Mitarbeiter und hat auch die Möglichkeiten "organisatorische Sicherheitslücken" zu schliessen. Eigentlich sollte nun auch die Bankleitung zur Veranwortung gezogen werden !

laurelundhardy
01
18.9.2011, 16:25
Hauptsache bei Selbständigen, EPUs, KMUs wird penibel auf die ''kaufmännische Sorfaltspflicht'' geachtet!

Und seriösen, verlässlichen Kunden den Kredit verweigert (Basel II und Basel III haben die Banken sich selber auferlegt), wenn sie nicht soviele Eigenmittel haben, dass sie egentlich eh keinen Kredit mehr brauchen.

An Überziehungszinsen verdient die Bank eben mehr, als an billigeren Krediten.

blablabla blablabla
11
17.9.2011, 21:09
diese Heuchler,

er hat auf den steigenden Franken gewettet und auch gewonnen. Wenn die ZB nicht bei 1,20 die Bremsen angezogen hätte.

Was ist jetzt mit freien Markt. In jeder Bank geht das so, wenn er gewonnen hätte man nichts gehört.

Nur Heuchler, normalerweise gehören die Zentralbänker ins Gefängnis. Wenn sie keine Spekulationen wollen sollen sie alles verbieten und nicht nur eingreifen wenn es ihnen passt.

Wenn ich bei 1,10 gekauft habe und die gehen dann bis 1,50 ist es Enteignung.

chrilly donninger1
00
18.9.2011, 12:50
Auf einen starken oder schwachen Franken wetten

ist kein Zero-One und insbesondere keine Index-Arbitrage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Grossbank ein derartig primitives und riskantes Spiel spielt. Auf den steigenden Franken wetten kann auch jeder Amateur.
Bei Index-Arbitrage ist die Richtung relativ egal. Es geht um die kurzfristigen Abweichung von Spot- und Futures-Preis bzw. um mangelhaftes Tracking des Indexes durch einen ETF. Index-Arbitrage wird bei hoher Volatilität in der Regel profitabler. Man muss "nur" genügend Luft haben um durch die Welle durchtauchen zu können. Der Spread kann sich vorübergehend noch weiter öffnen. LTCM ist daran zugrunde gegangen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Long... Management

blablabla blablabla
00
18.9.2011, 14:27
welche Geschäfte keine Ahnung,

Sie haben da sicher mehr Einblick. In den Schweizer Medien posaunt man die Großbanken wurden durch Milliarden vom Steuerzahler gerettet und jetzt wetten sie gegen die Schweizer Wirtschaft. Ob das Populismus ist oder nicht kann ich nicht beurteilen.

Anscheinend dürfte der Franken schon im Spiel sein. Link unten:

Es kursieren aber auch Gerüchte, wonach Adoboli grosse Positionen in Schweizer Franken abgesichert hat.

Wenn bei diesen Delta-One Sachen die Spreads so gering sind, würde eine Absicherung in Schweizer Franken den grossen Verlust erklären.

Andreas Prucha
00
18.9.2011, 02:26
Also ich hab noch nirgends gelesen, dass der Verlust von Franken-Wetten kam. Aber selbst wenn: Die Schweizer Nationalbank hat in den letzten Monaten öfter ihr Missfallen über den irrationeln Kursanstieg ausgedrückt,

weil er der schweizer Wirtschaft schadet. Also eigentlich hätte klar sein müssen, dass die SNB irgendwann mal eingreift, überhaupt wenn man ein paar Jahre zurückdenkt: Damals wurde der Franken massiv gegen die DM aufgewertet und die Schweizer haben sich das auch nicht gefallen lassen. Die haben damals mit Negativ-Zinsen und massiver Inflation gegengewirkt. Wenn man unter solchen Vorzeichen weiter auf Franken-Verteuerung zockt, kamma nur sagen: Selbst schuld. Von Enteignung keine Spur. Das Kind hats einfach beim Spielen übertrieben und viel kaputt gemacht und hat eine auf die Finger bekommen.

hobsch
00
18.9.2011, 12:02
blablabla blablabla
20
18.9.2011, 05:15
der Franken ist eine Fluchtwährung,

die Schweizer wären besser mit einem starken Franken bedient in Zukunft. Mit solchen Massnahmen ruinieren sie nur ihre Währung mit einem kurzfristigen Wirtschaftsaufschwung den sie sowieso nicht halten können.

Aber klar die Politiker müssen ja für die Wähler ein paar Nebelkerzen werfen. Dabei sind sie nur Migros, Nestle und dem Grosskapital verpflichtet.

Die Kinder sind die Schweizer Zentralbänker, warum haben sie monatelang zugesehen wie der Franken aufwertet, um dann bei der Abwertung einen Schnitt zu machen.

Andreas Prucha
00
18.9.2011, 15:30
Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben letztendlch Probleme mit dem teuren Franken.

Die grossen schweizer Konzerne lassen eh nicht nur in der Schweiz produzieren. Denen liegt ein teurer Franken zwar im Magen, bringt sie aber nicht um.

Wäre der Franken-Anstieg einer überschiessenden Export-Wirtschaft geschuldet, wäre es ja noch nicht so ein Problem. Das ist aber nicht der Fall. Und der Durchschnitts-Schweizer hat auch nicht so viel vom teuren Franken. Der kann zwar jetzt schön billig im Ausland einkaufen, aber das nutzt ihm nichts wenn er selbst aufgrund der Währung so teuer wird, dass er seine Leistung nicht verkaufen kann.

chrilly donninger1
01
17.9.2011, 17:01
Chancenlos

Ich hätt durchaus den Ehrgeiz den grössten Spielverlust aller Zeiten zu schaffen. Solche Verluste zu bauen ist ja durchaus eine Kunst. Ich bin aber schon entmutigt. Die Summen werden immer höher. Selbst wenn man einen neuen Rekord geschafft hat, macht man sich nicht unsterblich. Man sitzt noch in der U-Haft und hat den Verlustgürtel schon wieder los. Wenn man aus dem Häfn kommt ist man ein kleines Verlustwürstchen.
Die Verluste von Nick Leeson sind inzwischen eher eine Anfängermarke. Bemerkenswert ist nur noch, dass er eine 200 Jahre alte Bank gekentert hat. Banken werden normaler Weise nicht so alt, weil sie schon lang vorher untergehen.

chrilly donninger1
00
17.9.2011, 16:22
Am Delta-One Hoffnungsmarkt ausgerutscht

Delta-One gilt als relativ fades und sicheres Spiel. Man muss aber viel Geld&Infrastruktur dafür haben. Deswegen können es nur die Grossen spielen.

"Despite this lack of clarity and their conservative image, the units are tipped for growth in revenues over the next three years.
Delta One desks generate most of their revenue through index arbitrage, where a bank exploits differences between a stock index and the futures price.
Revenues will rise from $9.9bn in 2010 to $10.8bn in 2011 and $11.8bn in 2012. Return on equity from Delta One is estimated to be 40%.
http://www.efinancialnews.com/story/201... -spotlight
Bei 40% Gewinnmarge nimmt man es wohl mit der Risikokontrolle wohl nicht mehr so genau.

chrilly donninger1
01
17.9.2011, 15:21
Mit Delta-One eine Kunst

Laut der Standard-Zeitungsausgabe hat der Händler "Delta-One", auf den Unterschied zwischen ETFs und den zugrundeliegenden Aktien gespielt. Nachdem mit dieser Strategie nur sehr kleine Abweichungen von einem theoretischen Wert augenützt werden, muss der Einsatz in der Hundert-Milliarden Größenordnung gewesen sein. Oder es wurde ein Derivat verwendet, dessen Hebelwirkung sich auf diese Grössenordnung hinausläuft.
Wie man unbemerkt 100 Miliarden einsetzt, bleibt wohl ein UBS Rätsel.

Herr T.
01
17.9.2011, 17:27

nichts genaues weiß man noch nicht. alles blos spekulation - noch. das mit den 100 mrd könnte sogar stimmen, diese sind aber nicht real gesichert, sondern nur spielerisch. so absurd sind die heutigen geschäfte der zocker. gehört schon längst abgeschafft, aber solange die unterm strich gewinne machen, bleiben die dabei

chrilly donninger1
02
17.9.2011, 21:18
Index-Arbitrage

ist ein reines Spiel. Da gehts nicht um irgendwelche realen Werte. Man nützt kurzfristige "Irrtümer" des Marktes aus.
Es ist wie am Pokerserver. Persönlich würde ich auch lieber Poker- als Börseprogramme machen. Bei Poker spielt das Können eine viel grössere Rolle. Poker ist in Relation wie Schach, die Börse wie Roulette. Ein fast reines Glücksspiel.
Man verliert in Schach - wenn man gegen einen wesentlich stärkeren spielt - jede Partie. Bei einem (fast) reinen Glücksspiel ist das aber schon schwierig. 2 Milliarden zu verlieren ist da schon eine höhere Kunst von Blödheit.

Andrej Stoltz
00
17.9.2011, 15:41

Also, ganz kurzfristig, im Sekunden und Minutenbereich gibts bei dieser Arbitrage, gerade bei der derzeitigen Vola, schon Kursunterschiede, die es lohnt auszunützen, va wenn man keine Spesen hat und die hatte er ja nicht.

Was ich mich frage, wenn das so war, wie man dabei überhaupt Geld verlieren kann, denn eigentlich sollte so was eine sichere Bank sein.

Dass dabei ungeheuere Summen eingesetzt worden sein mussten ist klar.

chrilly donninger1
01
17.9.2011, 16:29
Die Frage, wie man damit 2 Milliarden verspielen

kann, stell ich mir auch. Wahrscheinlich ist es keine simple Index-Futures Arbitrage mehr.
Man kann es mit Sicherheit nicht auf einmal verspielen. Er hat wahrscheinlich versucht Verluste mit einem Rollover und Erhöhung des Einsatzes zu kompensieren.

"Nobody blames the tiger for stalking its prey, but you do blame the zookeeper for leaving the tiger's cage open," said Stephen Brown, professor of finance at New York University's Stern School of Business".
http://finance.yahoo.com/news/Alle... et=&ccode=
Der Tiger muss da monatelang frei herumgewildert haben.

Andrej Stoltz
00
17.9.2011, 17:17

Ja, steht ja auch im Artikel im Wirtschaftsteil, daß schon im Juli Feuer am Dach war und die Verluste langsam aufgelaufen sind.
Nur stellt sich die Frage, was das dann fürn tolles Handelsmodell sein soll.
Und, wenn es nix bringt, warum man es nicht früher stoppte.
MMn gibts dafür nur 2 Antworten, eine erschreckender als die andere:

Entweder checken die Vorstände ihre eigenen Geschäftsmodelle nicht mehr und wissen gar nicht, was ihre Soldaten machen.
oder
mit dem Rauslassen solcher überraschender Verluste wird die Öffenlichkeit verarscht und es werden ganz andere, grössere Machenschaften kaschiert, bzw elegant mitreingepackt. Das Bauernopfer ist ja vorhanden.

chrilly donninger1
03
17.9.2011, 20:46
Ich vermute beides

Die Vorstände checken es sicher nicht. Ich bin selber Quant im Sibyl-Fond. Ich erklär es so einfach wie möglich, geb den Strategien auch einprägsame Namen, aber dann bekomm ich Fragen, bei denen ich weiss: Die haben überhaupt nicht begriffen um was es geht. Die Modelle sind stark mathematisiert. Es begreifen auch die Trader die zugrundeliegende Mathematik nicht.
Dass man dann alle Verluste gleich mit bündelt ist auch logisch. Es muss der ganze Ablauf, das Modell, die Umsetzung, die Risikokontrolle ... Schrott sein, wen man so verliert. Das ist nicht das Werk eines Einzelnen. Aber man hat nun einen schwarzen Peter und entsorgt denn Schrott auf einmal.

Herr T.
02
17.9.2011, 10:47

ich glaube langsam, dass solche hintertürchen bei banken fast gewollt sind, um hausintern vor der finanz gewisse machenschaften zu verbergen.

societe generale und ubs zeigen lücken, die - wie von kerviel behauptet - gewollt sind, um im dunklen große summen zu manövrieren.

vielleicht sollte dieses system langsam als gewollt erkannt werden. tja, und dann wundert es einen nicht mehr, wenn einer über den eigenen schatten springen will und als held dastehen will... aber alles verzockt.

selber schuld

chrilly donninger1
00
17.9.2011, 16:39
Es ist gewollt

Allerdings geht es nicht um Steuerbetrug.
Das Spiel (Delta-One) galt als neuer, heisser Goldesel. Wobei es nur die Grossen spielen können.
Es werden junge, intelligente und aggressive Spieler darauf angesetzt. Die machen schöne Gewinne und bekommen dann freie Hand.
Das Spiel gilt noch dazu als ziemlich risikoarm. Man nützt kleine Differenzen von 2 Werten aus, die in einem perfekten Markt identisch sein sollten. Der Spread sollte wieder gegen Null gehen. Man braucht - theoretisch - nur lange genug darauf warten.
Wahrscheinlich hat er deswegen auch beliebig hoch (ich schätz > 100 Milliarden) spielen dürfen.
http://en.wikipedia.org/wiki/Delta_One

blablabla blablabla
00
18.9.2011, 05:28
Sie haben ja die Antwort,

Er hat auf den starken Franken gewettet. Geringer Spread zwischen 2 Werten. Und wäre richtiggelegen wenn nicht ein stärkerer Spieler ZB aufgetreten wäre, wie im Schach.

Bei wem ist jetzt der Verlust.

Ich habe nichts verloren, aber einen Größeren Gewinn nicht realisiert. Man ist einfach zu gierig.

maxbz
12
16.9.2011, 23:03
Erschreckend ist nicht der Verlust,

sondern das einzelne Menschen mit solche enormen Summen spekulieren dürfen.
Wenn er 2 Milliarden Gewinn macht, dann steht das nicht in der Zeitung, aber vielleicht erhöht sich dadurch irgendwo der Brotpreis und viele Menschen müssen hungern.
Hier zeigt sich die Macht des Geldes, eine Machtausübung ohne jede demokratische Legitimation mit enormen Auswirkungen auf viele Menschen und ohne großes Risiko, den letztlich muss man für die Banken haften.

chrilly donninger1
10
17.9.2011, 15:25
Verlust und Gewinn

bleiben bei dieser Art von Spekulationen (Abweichungen eines ETFs von den zugrundeliegenden Aktien) weitgehend im Casino. In diesem Fall haben andere Casinobesucher die besser gespielt haben die 2 UBS Milliarden kassiert. Umgekehrt wäre das Geld von der Pokerrunde in die UBS Kassa geflossen.
Die realen Auswirkungen dieser Spiele sind relativ gering.

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