Vermögenssteuer

Fiskalpolitik ist kein Tummelplatz für Träumer

Kommentar der anderen | Erich W. Streissler, 16. September 2011, 19:24
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    Streissler: Auf Goethe und die Kunst des Möglichen bauen.

Warum eine Reichensteuer finanziell nichts bringt und politisch primär nur einem nützt: H. C. Strache - Von Erich W. Streissler

Mein hochgeschätzter Kollege Felderer sieht in einer Vermögenssteuer eine Enteignung, ja eine schwere Verteilungsungerechtigkeit. Was Gerechtigkeit ist, kann in einer pluralistischen Gesellschaft nicht einheitlich definiert werden. Mit so hehren Prinzipien kann man in Deutschland, wo Felderer Professor war, nicht aber in Österreich argumentieren. "Ich bau' auf fest'rem Grund" (um mit Goethe zu sprechen), nämlich auf der "feasibility", der Frage also, ob eine solche Steuer finanziell überhaupt etwas brächte.

Hier gibt es drei Möglichkeiten: Erstens gleiche Besteuerung sowohl von Finanz- wie Grundvermögen, letzteres bemessen nach herrschenden Einheitswerten. Eine solche Steuer würde wegen Ungleichbehandlung sofort vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden; und das war ja auch Grund ihrer Abschaffung! Als meine Frau und ich vor etwa zwanzig Jahren eine Eigentumswohnung in Wien kauften, war selbst ich erstaunt, dass der vor kurzem neu festgesetzte Einheitswert dieser zu mäßigem Preis gekauften Wohnung nur 4 (!) % des Kaufpreises betrug. Unterschiedliche Bewertung von Vermögen für Steuerzwecke im Ausmaß von 1:25 ist evidente verfassungswidrige Ungleichbehandlung!

Zweite Möglichkeit: Deshalb dann eine getrennte Vermögensteuer, je auf Grund - und auf Finanzvermögen? Zur Grundvermögenssteuer: Als ich vor über einem Vierteljahrhundert im Finanzministerium vorschlug, eine solche Grundvermögenssteuer durch Anhebung der Einheitswerte ertragskräftig zu machen, schrie der vorsitzende (damalige) Abgeordnete Ewald Nowotny wie von der Tarantel gestochen auf: Das würde aus der SPÖ die unzähligen "Häuselbauer" in den Bundesländern vertreiben, die ja aus Fremdenverkehrsgründen meist sehr große und daher hoch zu bewertende Eigenheime besitzen. Ähnliche Vermögenssteuer-Bemühungen hatten übrigens schon 1970 den Umschwung von der ÖVP-Alleinregierung zur SPÖ-Alleinregierung hervorgerufen.

Fiskalstrategisch brächte somit höhere Besteuerung der Grundvermögen nur Unfrieden, politisch wäre sie freilich großartig: Wir hätten endlich eine handlungsfähige österreichische Regierung, weil dann nämlich die FPÖ unter Strache nicht nur wahrscheinlich die demnächst größte Partei sein würde, sondern dies mit Sicherheit und mit großer Mehrheit bereits wäre, regierend vielleicht gemeinsam mit Wirtschaftsbund und Bauernbund. Kanzler Strache und sein aus höchsten internationalen Würden zurückgekehrter Finanzminister Robert Holzmann würden in Erfüllung ihres Wahlversprechens natürlich die Grundvermögenssteuer sofort wieder abschaffen.

Dritte Möglichkeit: eine neue Besteuerung nur der Finanzvermögen, anders ausgedrückt die "Orbánisierung" Österreichs. Aber das würde sofort die bei der herrschenden internationalen Freizügigkeit von Kapital durchaus zulässige Verlagerung aller größeren Finanzvermögen ins Ausland bewirken. Will man dann österreichisches Kapital auch im Ausland besteuern - oder erst recht Auslandskapital in Österreich -, so bliebe nur ein Weg: der Austritt Österreichs aus der EU.

Steuerpolitik ist und bleibt die Kunst des Möglichen und nicht ein Tummelplatz wirklichkeitsfremder Träumereien. (Erich W. Streissler, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17.9.2011)

Autor Erich Streissler lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Uni Wien.

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Posting 1 bis 25 von 112
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Urban Loritz
 
00
18.9.2011, 18:34

"Eine solche Steuer würde wegen Ungleichbehandlung sofort vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden"
ääh...und die Grundsteuer?

Garfield2
00
18.9.2011, 18:02
Ich seh das ziemlich aehnlich

Die Idee einer Vermoegenssteuer ist gut. Sie aber defacto praktisch nicht umsetzbar - die Gruende sind oben und in vielen anderen Artikeln nachzulesen - und die Diskussion daher nur Populismus.

Mir waere daher lieber, weil praktisch machbar, sich mal anzuschaun wo in Oesterreich (Steuer) Geld unnoetig verprasst wird. Es liegen genuegend Konzepte auf dem Tisch, die ich hier jetzt nicht wieder aufwaermen moechte. Mit jeder Millarde, die man so einspart, hat man eine Millarde mehr, die man beduerftigen zukommen lassen kann, in Bildung investieren kann, und die beruehmte Mittelschicht entlasten kann, die das alles finanziert. Sollte das gelingen, braucht man auch von Strache keine Angst mehr zu haben.

karl may aka nestroy aka valentin
02
18.9.2011, 17:56

ist doch egal, zahlts halt keine st, nehmts weiterhin das volk für blöd und aus, so wird das system wenigsten noch rascher gegen die wand gefahren.

schwejk
02
18.9.2011, 17:40

das sind die wirtschafts-universitäten und professoren von denen die theorien kommen, deren krachendem untergang wir gerade beiwohnen.

die architekten der katastrophe erklären uns immer noch wies anders wird: mit mehr vom selben!

abdanken bitte!

MundMs
13
18.9.2011, 17:28
und wieder ein vollkommen argumentloser Text gegen die Besteuerung der Reichen

MundMs
11
18.9.2011, 17:37

und das sogar von einem Uni-prof.

Schön langsam sehe ich die Argumentlosigkeit jeglicher Reichensteuergegner, als ein weiteres Argument für solche Steuern: Es gibt einfach keine Gründe das nicht zu tun, wenn nichteinmal die akad Gegner richtige Argumente dagegen geben können

Argumente ohne sichtlichem Zusammenhang mit dem, wofür sie stehen, zeigen nur, dass es solche nicht gibt:

1.) Man kann sich nicht darauf einigen was Gerechtigkeit ist, darum bitte erst garnicht versuchen gerecht zu sein - ist das sein ernst?

2.) Bitte erst garkein sinnvolles System zur Grundbesteuerung ausdenken, Grundbest. heißt FPÖ Absolute! also ist es zu verhindern

3.) unbesteuertes Kapital, das in Ö parkt, bringt Ö mehr als Transaktionen mit Transaktionssteuer

karl may aka nestroy aka valentin
00
18.9.2011, 17:26

was für ein photo :) das grobe korn, geil. die person: like an uhu

neeeed
04
18.9.2011, 17:10
das soll ein uni-professor sein??

1. "nämlich auf der "feasibility", der Frage also, ob eine solche Steuer finanziell überhaupt etwas brächte"
feasibility = Durchführbarkeit - und nicht ob es etwas bringt - er meint wohl eher "usability" (= u.a Gebrauchstauglichkeit)
für einen uni-professor ist solch eine verwechslung peinlich

2. spö/övp führen reichensteuer ein und darum gehen die wähler zum strache?? diese logik müssen sie uns bitte auch etwas näher erläutern

3. ich höre immer nur ein "nein, geht nicht, nix gut, könn ma ned, woll ma ned, usw" - aber NIE konstruktive vorschläge!

4. liest der herr professor auch die user-kommentare? ich glaube nicht. ich glaube dass ist eine fire and forget aktion - mein schreibt einen klugschei**erischen text, fühlt sich gut, und...

neeeed
01
18.9.2011, 17:12

...und braucht sich keine kritik anhören => man fühlt sich weiterhin ganz super

PS: punkt 3 gilt nicht nur für den herrn professor sondern für alle diese nein-sager

karl may aka nestroy aka valentin
01
18.9.2011, 17:28

nun, es geht einfch darum, daß diese leute einfach keine st für die gesellschaft zahlen wollen. die stehen auf dem standpunkt. zahlen sollen die andern. d.h. klassenkampf wird wieder kommen.

neeeed
01
18.9.2011, 17:15

noch was:
ich persönlich finde auch nicht jede art von "(pseudo) reichensteuern" gut, aber ich habe auch schon von ein paar guten ideen gehört

nukularteilchen
01
18.9.2011, 16:59

Warum muss man eigendlich Besitz besteuern?
Ich finde es einfach erschreckend wie man glaubt man müsse Menschen die sich Besitz erarbeitet haben nochmal kräftig melken. Wäre es nicht sinnvoller und vor allem gerechter endlich die Steuerschlupflöcher zu schliessen? Das wäre wirklich gerecht und würde mehr bringen als eine Enteignungssteuer. Sinnvoll wäre wohl auch endlich eine Finanztransaktionssteuer. Soweit wird aber leider nicht gedacht.
Ausserdem bezweifel ich das all die Steuern jemals etwas bringen werden die Schulden zu reduzieren. Dafür ist es schön längst zu spät in Hinblick auf 32 Billionen Euro Schulden in der EU.

tock tock tock
10
18.9.2011, 20:09

Wenn man genügend Besitz hat, kann man diesen auch besteuern. Derzeit besteuert man nur jene, die sich Besitz aufbauen wollen! Die dafür aber kräftig!

"Reich sein muss sich eben lohnen - reich werden (bzw. wohlhabend werden) durch Arbeit? Pfui! - Ihre ÖVP"

Massimo Del Prato
00
18.9.2011, 19:02
besitz ist politische macht.

mehr besitz ist mehr politische macht. umverteilung erzeugt theoretisch sozialen frieden (individuelle freiheit) und kann liberalistisch gerechtfertigt werden.

muppetbasher
03
18.9.2011, 16:27
Wie? Was?

Außer im Aufmacher war keine Begründung zu lesen, warum eine Reichensteuer dem Strache nutzen sollte!?

laurelundhardy
03
18.9.2011, 16:51
Alles nützt St.Rache: ob die Sonne scheint, ob es regnet, ob sich wer den Fuß anhaut...

Kontra
00
18.9.2011, 14:21
Der einzige Weg zu höheren Vermögenssteuern ist die Anhebung der Grund und Wiedereinführung der Erbschaftsteuern

Allerdings hat er recht mit den politischen Konsequenzen.

grun gie
00
18.9.2011, 14:08
der streissler wird auch alt...

strache mit wirtschaftsbund - selten so gelacht!
grundsteuern erhöhen und im Gegenzug Steuern auf Arbeit senken, würde jeder in österreich (außer vlt. den 10% Superreichen) verstehen.

Bruno der echte
01
18.9.2011, 15:47
klug durchdacht ...

... nur wäre es dann keine "Reichensteuer" mehr, weil es alle Besitzenden (z.B. Häuslbauer) treffen würde.

Soll doch die SPÖ so ehrlich sein und aussprechen, dass sie das will!

Anm. glauben Sie wirklich, dass im Gegenzug Steuern gesenkt würden? Die Besitzsteuern sollen doch eingeführt werden, um weiterhin fleißig ausgeben zu können.

tock tock tock
00
18.9.2011, 20:11

Geh bitte! Mit dem Freibetrag von dem zuletzt die Rede war, ist kein "Häuslbauer" betroffen. Ein "Villenbauer" eventuell.

karl may aka nestroy aka valentin
00
18.9.2011, 17:29

dafür gibt's freibeträge

DarwinsHammer
01
18.9.2011, 15:18

Nur redet nie jemand davon, ernsthaft die Steuern auf Arbeit zu senken, schon gar nicht die SPÖ oder Faymann.

laurelundhardy
02
18.9.2011, 13:37
Gerade noch dachte ich Steueroasen schliessen, auch Google soll Steuern zahlen!

Ich dachte sogar Gerechtigkeit ist ganz einfach! (Nämlich wenn alle Steuern zahlen müssen und nicht nur die, die nicht in Briefkastenfirmen in Steueroasen ausweichen können, oder ihr Vermögen im Kofferraum nach CH verbringen lassen)

Aber nach der Lektüre obigen Artikels, sehe ich ein: es ist alles urkompliziert, viel zu kompliziert für uns Laien.

Besser die ausgewiesenen Experten, wie die Fekter machen das für uns!

Weltfremd ?
00
18.9.2011, 12:53
Leider interessiert mich die Frage der Feasibility

nur zweitrangig. Für mich sollte die Gesetzgebung zunächst eine Frage der Gerechtigkeit sein, jedoch keinesfalls im Sinne der SPÖ.

Truhe
 
22
18.9.2011, 11:36

Ich kann diese Status-Quo Jonglagen einfach nciht mehr hören.
"Wenn alles so ist wie's ist und keiner nachdenkt wie's wirklich funktionieren kann, wirds nicht funktionieren!"

Was für eine Erkenntnis, was für eine Scheiße - Wen Sie nichts zu sagen haben, Herr Professor, dann halten Sie ihre Klappe, denn unnötiges und unsinniges Herumgelaber haben wir genug um die Distanz von der Erde zum übernächsten Stern zu füllen.

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