Der Zahlenmensch, der die Wende verspricht

16. September 2011, 18:31

Mitt Romney versucht sich als die vernünftige Option bei den amerikanischen Republikanern zu profilieren

Neulich in Pella, einer hübschen Kleinstadt in Iowa. Beim Landmaschinenbauer Vermeer rührt Mitt Romney die Werbetrommel, leiser, als man es sonst aus amerikanischen Wahlkämpfen kennt.

Um ein paar Tische sitzen 14 lokale Geschäftsleute, Fensterbauer, Lampenhersteller und Versicherungsmakler, die auf kleinen Aufklebern nur ihre Vornamen tragen: Bob, Diane, Dennis. Der Kandidat verspricht weniger Papierkram, niedrigere Kapital- und Unternehmenssteuern sowie größere Härte im Duell mit dem Rivalen China. "Wir handeln mit jedem, aber auf fairer Grundlage" , sagt Romney. "Und China stiehlt unsere Patente, während es zugleich unsere Exporte blockiert."

Das ist es aber auch schon an Polemik. Die hemdsärmelige Runde mag keine Parolen. Sie möchte wissen, wie Romney ihn durchbrechen will, den amerikanischen Teufelskreis. Ein Klima der Verunsicherung lässt Konsumenten nur noch das Nötigste kaufen, die Betriebe wegen der schwachen Nachfrage keine neuen Leute einstellen, weshalb die Krisenstimmung nicht weicht, die Konsumenten jeden Cent dreimal umdrehen und die Nachfrage noch mehr schwächelt. Patentrezepte könne er auch nicht bieten, bekennt der Kandidat. Aber er habe 25 Jahre im Business verbracht, er wisse, wie die Uhr einer Volkswirtschaft ticke, und zwar nicht nur theoretisch. "Ich habe marode Unternehmen vor der Pleite gerettet. In vielen Fällen die Wende geschafft." Das mit der Wende ist Romneys Standardsatz. Was ihm im Kleinen gelang, will er damit sagen, wird ihm bei America Incorporated gelingen.

Manager und Mormone

1984 gründete er Bain Capital, eine Investmentfirma, die sich darauf spezialisierte, weit verzweigte Konglomerate in kleinere Einheiten aufzuspalten, von denen manche untergingen und andere aufblühten. 2002 bewahrte er die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City vor einer Blamage. Seine mormonischen Glaubensbrüder hatten ihn eilends zum Cheforganisator bestellt, weil ein Chaos zu ordnen war. Als Gouverneur im liberalen Massachusetts setzte Romney die allgemeine Pflicht zur Krankenversicherung durch, ein Vorbild für die spätere Gesundheitsreform Barack Obamas.

Dem 64-Jährigen fehlt das Charisma eines Obama. Er spricht zu schnell, verschluckt oft ganze Silben. Vor Wochen ließ er eine Gruppe Arbeitsloser in Florida kichernd wissen, dass auch er einen Job suche, nämlich den im Oval Office. Der Witz ging nach hinten los. Überhaupt, beim Smalltalk mit Wählern wirkt der Mann von der Sonnenseite des Lebens bisweilen grotesk unbeholfen. Er ist Zahlenmensch, kein Volkstribun. 2008 verlor er den parteiinternen Ausscheid gegen John McCain, weil der die Stimmung besser auffing, den Wunsch nach radikalem Bruch mit George W. Bush.

Nun aber wittert er seine Chance. Die Wahl 2012 wird ganz im Zeichen der Wirtschaft stehen, da hat er gute Karten. "Wäre es nicht schön, wenn jeder Politiker ein paar Jahre im Privatbusiness verbringen würde?" , fragt der Multimillionär. Der Seitenhieb richtet sich nicht nur gegen Obama. Gemeint ist auch Rick Perry, der Späteinsteiger, der das Feld der Konservativen von hinten aufgerollt hat und heute an der Spitze der Umfragen liegt.

Der Sohn eines texanischen Pachtbauern war Airforce-Pilot, ehe er in die Politik ging, erst zu den Demokraten, 1989 zu den Republikanern. Perry beerbte Bush als Gouverneur in Austin und wurde dreimal wiedergewählt. Im Sinne der Tea Party und der religiösen Rechten drischt er besonders rabiat auf die "Etablierten in Washington" ein. "Hören Sie auf, den Leuten Angst einzujagen" , kanzelt Romney den Parteifreund ab. Hier der Ideologe, dort der Macher mit Wall-Street-Biografie - so ließe sich das Duell auf eine Kurzformel bringen. In Pella fasst es Romney so zusammen: "Meine Spezialität: Probleme lösen." (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2011)

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Umfragen - Vorsicht

Die Crux bei den Umfragen zu den Vorwahlen ist, dass diese mit großer Vorsicht zu genießen sind; schlimmer noch: sie sind irreführend.

Alle Umfragen zu den Vorwahlen, die landesweit erhoben werden, sollte man schlicht vergessen. Alles was derzeit zählt, sind die Umfragen in den drei Staaten mit frühen Vorwahlen: Iowa, New Hampshire und - mit Abstrichen schon South Carolina.

Beispiel gefällig: 2007 führte Rudy Guliani in fast allen (!) landesweiten Umfragen bis weit in den Dezember hinein, teils mit großem Vorsprung. Drei Wochen später (nach den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire) war seine Kampagne tot.

Die aktuellen Zahlen aber für Iowa und New Hampshire sind von Ende August und damit veraltet.

Mitt Romney stellt mehr "Spenden"-Gelder von Lobbyisten (=große Interessensgemeinschaften) auf, als alle anderen 2012 GOP-Kandidaten zusammengezählt…

…Grafik am Ende des Artikels:

http://www.huffingtonpost.com/2011/08/1... 23323.html



Interessant zu sehen, daß Ron Paul es nicht einmal auf die Liste geschafft hat, da seine Spenden ausschließlich von den Bürgern kommen.

Mitt wird es diesmal schaffen, zumindest bei der GOP

romney ist vermutlich der noch gemäßigteste von den republikanischen kandidatInnen - was ziemlich schlimm ist...

john jackson und jack johnson

Bei diesen Politikern wird mir schlecht. Da sind ja unsere richtig wählbar (bis auf den Zahntechniker)

eine volkswirtschaft funktioniert aber nicht wie ein unternehmen. das ist der irrtum derer, die glauben, nur weil sie einen betrieb geführt haben, verstünden sie etwas von wirtschaft.

Wie eine Volkswirtschaft funktioniert, das verstehen nicht mal die Makroökonomen so wirklich - wenn z.B. Obamas neuer Super-Wirtschafts-Wunderwuzzi Krueger das "Genie" hinter der desaströsen "cash for clunkers" Aktion ist...

der interessanteste Kanditat
der Republikaner , Ron Paul
wird totgeschwiegen .

Pass auch sein Abrüstungskonzept
nicht
in die Vorstellungswelt des
stets bedrohten und wehrhaften Verteidigers
des "Guten "

Bachmann hat soch mit der letzten Debatte rausgeschossen: anfangs sah es noch so aus, als ob sie wieder punkten hätte können, aber eine komplett unsinnige Aussage in einem Interview kurz nachher hat ihr schwer geschadet (wenn man als erzkonservative Kandidatin von Rush eine am Deckel bekommt, dann heißt das was).
Perry liegt mittlerweile vor Romney aber gegen Obama recht schlecht. Und das ist Romneys Chance - sich als der Republikaner zu präsentieren, der Obama schlagen kann (was Perry schwer fallen dürfte).

kurze anmerkung zur causa Bachmann:

sie hat Romney während der debatte wegen seiner gesundheitsreform in Massachusetts angegriffen: mädchen würden zur impfung gegen gebärmutterhalskrebs gezwungen, dabei müsse jeder die freiheit haben, sich selber entscheiden zu können (tosender applaus vom publikum)

in einem interview nach der debatte hat sie erzählt, eine mutter sei zu ihr gekommen und habe ihr von ihrer tochter erzählt, die nach so einer impfung geistig behindert sei - und das ist dermaßen dämlich und ohne grundlage, dass jeder (auch die konservativsten kommentatoren) nur noch den kopf schütteln können

Sie hat Perry - nicht Romney - attackiert - die Geschichte war in Texas.

Wo sich übrigens Perry auch ziemlich angeschüttet hat. Auf den Vorwurf, daß er die Aktion nur durchgezogen hat, weil der Hersteller des Mittels ein Spender von ihm ist, hat er gemeint, er ließe sich für 5.000$ nicht bestechen.
Erstens hat der betreffende herr Perry mehr gespendet, zweitens könnte man das auch so interpretieren: mein Preis liegt höher!
In einer Zeit, wo einem bei Obama (Solyndra und viele andere Fälle) in Sachen "crony capitalism" das Kotzen kommt, ist da Perry mMn auch nicht die opimale Wahl.
Und genau solche Ausrutscher sind mMn auch der Grund, weshalb es am Ende Romney machen wird: der hält dem Druck des Frontrunners schon seit Jahren mehr oder minder stand.

"Ich habe marode Unternehmen vor der Pleite gerettet. In vielen Fällen die Wende geschafft."

Blöderweise gibt es nen kleinen Unterschied zwischen einem Unternehmen und einer Volkswirtschaft...

Ein Unternehmen ist in erster Linie erwerbswirtschaftlich orientiert, ein Staat (sollte zumindest) gemeinwirtschaftlich.

Und wenn du noch ein bißchen selber nachdenkst, kommst du sicherlich noch auf viele weitere Unterschiede;)

Ein weiterer Punkt ist in seiner "wirtschaftlichen" Karriere. Er stückelte große Konglomerate und ließ einige den Bach runtergehen.

--- 1984 gründete er Bain Capital, eine Investmentfirma, die sich darauf spezialisierte, weit verzweigte Konglomerate in kleinere Einheiten aufzuspalten, von denen manche untergingen und andere aufblühten.

das sagen immer die, die keinen mumm haben mal in der privatwirtschaft was zu machen bzw. einfach von der wiege bis zur bare durchgefütterte totalversager sind!

ich finde es gut, romney hat von wirtschaftspolitik und den ökonomischen zusammenhängen auf jedenfall viel ahnung; er ist kompetent und weiss, wovon er spricht.
im gegensatz zu perry hat er auch ein soziales gewissen, für jene, die unterstützung wirklich benötigen!
er vermeidet auch radikale positionen, wahrscheinlich würde er sogar, wenn er präsident wäre, ziemlich liberal sein, in einigen bereichen traue ich ihm sogar mehr als obama zu.

Ansonsten klingt er für nen Republikaner relativ gut find ich.

Ja, verglichen mit den frankensteinartige anderen Kandidaten der Republikaner wirkt er tatsächlich vernünftig.
Alle anderen - vielleicht noch mit Ausnahme von Ron Paul - wirken voll durchgeknallt.

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