Wowereit im Interview

"Es gibt in Berlin eine klare Mehrheit für linke Politik"

Interview | Birgit Baumann, 16. September 2011, 17:14

Bürgermeister Klaus Wowereit vor der Wahl: Grüne haben sich verspekuliert, kein Mitleid

Gelassen erwartet Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Wahl. Die Grünen, die ihn aus dem Amt drängen wollen, hätten sich verspekuliert, sagt er und erklärt Birgit Baumann auch, warum er mit ihnen kein Mitleid hat.

***

STANDARD: Sie sind seit zehn Jahren Berliner Bürgermeister. Warum herrscht in der Stadt nach so langer Zeit keine Wechselstimmung?

Wowereit: Ganz einfach, weil die Stadt gut regiert wird. Berlin ist da vielleicht auch anders als andere Städte. Ich freue mich natürlich, dass unsere Arbeit von den Bürgern so honoriert wird.

STANDARD: Die Arbeitslosigkeit ist mit 13,3 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Wowereit: Es ist schon viel Positives passiert. Wir haben 120.000 sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen. Der neue Flughafen Berlin Brandenburg International, der 2012 den Betrieb aufnimmt, bringt auch 40.000 neue Arbeitsplätze. Mit ihm wird Berlin auch zum internationalen Drehkreuz.

STANDARD: Viele Berliner klagen über steigende Mieten. Was wollen Sie dagegen tun?

Wowereit: Keine Partei kann versprechen, dass in Berlin die Mieten nicht mehr steigen werden. Aber es stimmt: Wir brauchen dringend mehr Ein- und Zweizimmerwohnungen, daher wollen wir 30.000 neue Wohnungen schaffen – und zwar mit den Wohnbaugesellschaften, nicht mit privaten Investoren, wie es die CDU vorschlägt.

STANDARD: Apropos CDU – Sie regierten in Berlin schon mit den Grünen und derzeit mit den Linken. Wäre die CDU auch eine Option?

Wowereit: Es gibt in Berlin eine klare Mehrheit für linke Politik. Die Schnittmengen mit der CDU sind sehr gering.

STANDARD: Können Sie sich eine Zusammenarbeit mit der Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast vorstellen?

Wowereit: Da dürfen Sie nicht mich fragen. Renate Künast hat ja angekündigt, sie wolle nur Bürgermeisterin werden und – wenn das nicht klappt – wieder in die Bundespolitik zurückgehen.

STANDARD: Haben Sie Mitleid mir ihr? Das mit der grünen Bürgermeisterin wird wohl nichts?

Wowereit: Nein, hab ich nicht, weil Mitleid in der Politik oft die tiefste Form der Verachtung ist. Renate Künast ist angetreten, um mich aus dem Amt zu drängen, und sie sieht mittlerweile ein, dass sie sich verspekuliert hat. Anders ist nicht zu erklären, dass sie sich faktisch aus dem Spiel nimmt. Denn sie hat ja gesagt, sie wolle keine Koalition mehr mit der CDU, und die Grünen würden auch als kleinerer Partner in eine rot-grüne Koalition gehen. Mal sehen, ob das nach der Wahl auch noch gilt.

STANDARD: Was kann die Bundes-SPD, die nicht recht Tritt fasst, von der Berliner SPD lernen?

Wowereit: Auch die SPD im Bund hat in Umfragen gerade zwei Prozent zugelegt. Wir in Berlin freuen uns natürlich, wenn wir auch über die Länder und über den Bundesrat Vertrauen zurückgewinnen können. Die nächste Wahl nach Berlin findet im Mai 2012 in Schleswig-Holstein statt. Da hat die SPD gute Chancen, den CDU-Ministerpräsidenten abzulösen.

STANDARD: Sie werden auch als SPD-Kanzlerkandidat gehandelt ...

Wowereit: ... und ich kann nur immer wieder sagen: Mein Platz ist in Berlin im Roten Rathaus. Die Frage der Kanzlerkandidatur entscheidet die SPD 2012. Aber es ist schön zu hören, dass der SPD zugetraut wird, dass sie den nächsten Kanzler stellen wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.9.2011)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 302
1 2 3 4 5 6 7
Andre Resestoiserl
11
19.9.2011, 13:11
FAKT IST

daß Berlin ganz gewaltig am Tropf derer Bundesländer hängt, wo gut gewirtschaftet wird (meistens nicht rot regierte Bundesländer). Es werden Unsummen in Soziatransferleistungen gebuttert, dafür propagieren dann die Piraten (Nutzniesser der Sozialtransfers) kostenlose Öffis. Wie die Grünen. Und fast wie in Wien. Multikulti & Haschfreigabe & Anarchismus, jawohl daß ist unsere Zukunft !

rules90
72
18.9.2011, 10:37

das in berlin die leute noch spd, grüne, linke wählen ist mir unverständlich wie das die leute in kärnten noch fpk wählen...berlin hat enorme schulden, wird vom süden zwangsernärt, hat ein enormes multikultiproblem ( schweinefleischfresser sind nicht überall erwünscht), gewaltätige linksradikale....wenn solche situationen in wien herrschen würden wär strache sofort bürgermeister

guzo
01
18.9.2011, 23:05
"Wenn solche Leute in Wien herrschen würden,

wäre Strache schon längst Bürgermeister."

Ich übersetze:

"Wenn solche Leute in Wien Bürgermeister wären, wäre Strache schon längst Bürgermeister."

Kommt Ihnen da nicht auch etwas komisch vor?
Zwei Bürgermeister in Wien?

Wissen Sie, was ich vermute? Sie sind ziemlich sehr dumm.

?und
01
19.9.2011, 15:43
sinnerfassendes lesen ist halt auch so eine sache....

denn gerade die dummheit hat viele gesichter - daher zuerst immer selbst in den spiegel schauen .

guzo
10
18.9.2011, 23:10
Hoppala.

Haben Sie ja gar nicht geschrieben - "solche Leute", sondern "Situationen".

Wurscht.

Dennoch bleibe ich bei meiner Vermutung.

Prost! Auf Berlin!

guzo
00
18.9.2011, 22:55
Ihnen ist offensichtlich

mehr unverständlich in dieser Welt.

Und das liegt nicht an der Welt.

"Able Danger"
00
18.9.2011, 12:50

Kommen Sie bitte nie nach Berlin. Danke.

NIE4
02
18.9.2011, 12:09

sie haben offensichtlich keine ahnung von berlin

marcopolo1971
 
34
18.9.2011, 11:24

Hinterwäldlergefasel. Sie haben von Berlin gar nichts kapiert.

Werner Lischka
33
17.9.2011, 22:49
die tatsache, dass berlin ...

... eher links wählt ist nicht neu. allerdings hat die aktuelle stadtregierung eine bilanz, bei der in wien das rathaus gestürmt würde.
eine explodierende schuldenblase (gut, die verursacher waren die schwarzen, aber besser geworden ist nix), eine verwaltung, gegen die ein wiener magistrat arbeitswütig ist (warten ist dort erste bürgerpflicht) und eine migrantensituation in den schulen, die wissensvermittlung unmöglich macht (nach dem motto - kommst du i.d. schule, hau uns bitte nicht).
es verwundert daher absolut nicht, dass industrie und gewerbe abwandern - mit halbidis kann man nicht arbeiten, und viele migranten der folgegenerationen leben lieber von harzIV. das ist ein tolles potential für eine hauptstadt!

Human factor
11
17.9.2011, 23:09

Die Verschuldung ist nicht gestiegen. Worauf beziehen sie ihre Aussage: "eine explodierende schuldenblase"?

"es verwundert daher absolut nicht, dass industrie und gewerbe abwandern"

Die Industrie wandert in den Speckgürtel von Berlin ab, genauso wie das Gewerbe. Der Speckgürtel ist übrigens in Brandenburg.

"Eckhart, die Russen kommen"

Werner Lischka
00
18.9.2011, 14:13
also heut ...

... 58 mrd gegen 38 vor 10 jahren ist doch durchaus als zunahme zu bewerten - insbesonders, da sparen angekündigt wurde.
der wiener speckgürtel ist in NÖ - und die Pendler fahren nach Wien hinein (da hier die Mehrheit der Betriebe liegt). Im Wiener Speckgürtel finden sich hauptsächlich Handelsfirmen - weniger Produktion.
Lustig ist auch, dass die Berufspendler i.d. Berliner Speckgürtel hauptsächlich in Brandenburg wohnen - der Arbeitskräftefluss v. dort wohnenden Berlinern ist vergleichsweise gering,
Es gibt vernünftige Leute, die das auch auf die tolle Schulbildung der Berliner zurückführen.
Die ankündigung ist falsch - die 'russen' sind längst da!

Johannes Benn
21
17.9.2011, 21:26
,

http://www.bild.de/news/inla... .bild.html
wie oft muss das eigentlich noch passieren?

rules90
10
18.9.2011, 10:31

kulturbereicherung muss sein

marcopolo1971
 
30
18.9.2011, 11:28

"Kulturbereicherung" - also Strachejünger. Ja, solche wie Sie holen sich in Berlin schonmal eine blutige Nase und das ist auch gut so.

Johannes Benn
02
18.9.2011, 11:45
.

ihre aussage ist eine unverschaemtheit. in berlin werden regelmaeßig menschen unterschiedlichster politischer angehoerigkeit opfer sinnloser gewaltattacken, haeufig mit todesfolge

marcopolo1971
 
11
18.9.2011, 17:07

Lesen Sie nicht so viel Bild, Sie jämmerlicher Spießer.

uni versalis
03
18.9.2011, 18:19
sie kasperl sollten überhaupt einmal lesen.

das dürfte ihr problem sein.

Human factor
12
17.9.2011, 22:24

So lange bis die Bahnhofs DJ's wieder eingesetzt werden. Vor der Abschaffung dieser gab es diese Übergriffe/Gewalttaten nicht in diesem Ausmaß.

Johannes Benn
00
17.9.2011, 23:01
.

DJ´s? was ist das? sicherheitskraefte?

Schnarch
98
17.9.2011, 18:43
Berlin und Wien, kaum vergleichbar.

Berlin, eher auferstanden aus Ruinen. Die Zukunft ist noch offen, aber aufregend und hoffnungsvoll. Das zieht viele Wagemutige aus aller Welt an.
Wien ist das Vergangene. Das Moos des Gewesenen hat die Zukunft überwuchert, die Bedeutungslosigkeit läßt sich schon ahnen.
Es gibt Menschen die das lieben. Direkt vom Opernball zum Zentralfriedhof.

uni versalis
13
17.9.2011, 22:03
und trotzdem lebt's sich hier besser.

und die meisten zuwanderer aus unserem nördlichen nachbarland sind hier zufrieden und können sich fast alle vorstellen hier zu bleiben. so schlecht kanns also nicht sein.
das ist die realität zu ihrer eindimensionalen (fern?)diagnose.

Monaco Franze
00
18.9.2011, 13:49
Ihre Statistik ist leider falsch!

In Deutschland leben weit mehr Österreicher als umgekehrt. Wenn man dann auch noch den Faktor Gesamtzahl der Einwohner berechnet ergibt sich ein Hebel von über 10.

Siehe: http://derstandard.at/127733737... -umgekehrt

So schlecht kann dann Deutschland doch nicht sein!
Alleine in meinem Freundeskreis gibt es einige Österreicher aus Wien, Graz und Tirol die München nicht mehr verlassen würden. Das ist aber auch gut so, Mentalitätsunterschiede gibt es ohnehin nicht und meine Freunde habe ich gerne in meiner Nähe. Und die Farbe des Reisepasses interessiert mich herzlich wenig.
Leider sind Ihre Postings immer sehr aggressiv. Keep cool, es muss ja nicht jeder der gleichen Ansicht sein.

uni versalis
00
18.9.2011, 18:58
ausserdem..

posten sie am thema vorbei. hier hat jemand die stadt wien als etwas gestriges, nicht lebenswertes und totes darzustellen versucht - was ein ausgemachter blödsinn ist, von kaum jemanden der hierher kommt bestätigt wird und sie nicht gestört hat. dass etliche deutsche hierher kommen um arbeit zu finden oder doch studieren zu können, ist eine tatsache und dass viele nicht mehr weg wollen ebenso. was hat das mit den österreichern in deutchland zu tun?

"aggressiv" wie sie sagen werde ich nur bei sturer deutschtümelei und diese ist hier sehr verbreitet.

uni versalis
10
18.9.2011, 15:32
sorry dass ich sie korrigieren muss, sie sagen mir nichts neues, aber welche statistik meinen sie?

wer ein wenig recherchiert weiss auch, dass es einen unterschied gibt:
- nach ö mehrheitlich günstige arbeitskräfte die vor der arbeitslosigkeit oder niedrigsten löhnen flüchten und studenten, die daheim keinen studienplatz erhalten
- nach d oft gut qualifizierte österreicher, die entweder temporär innerhalb des konzerns nach d gehen (zb ins headquarter) oder/und bei dem der weg über d teil der karriereleiter ist, aber nicht vor der arbeitslosigkeit flüchten.

weiters steigt der zustrom zu uns schneller an als umgekehrt (heute kommen die meisten aus d), schließlich ist es realität, dass viele deutsche hier bleiben wollen.

die anderen indikatoren wie arbeitsmarkt, einkommen, wohlstand, kriminalität uvm sind leicht zu belegen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 302
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.