Hammerschmid

Vetmed-Rektorin warnt vor Uni-Fusionen

S. Pumberger, R. Winkler-Hermaden, 19. September 2011, 13:55
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    foto: derstandard.at/seb

    Universitätsautonome Studiengebühren kann sich Sonja Hammerschmid vorstellen ("Mir soll es recht sein"), nichts hält sie jedoch von Michael Spindeleggers Vorschlag der variablen Studiengebühren.

Sonja Hammerschmid spricht sich gegen variable Studiengebühren aus: "Wir sollten das System so einfach wie möglich halten"

"Die Überschneidungen mit der Universität für Bodenkultur sind enden wollend", sagt die Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Sonja Hammerschmid. Einer möglichen Zusammenlegung von Universitäten, die Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle angedacht hatte, sieht sie daher skeptisch. Die Fusionierung von Vetmed und Boku war schon öfter verlangt worden. Hammerschmid sieht mögliche Fusionen aber prinzipiell kritisch. "In der Wirtschaft bewähren sich kleine, flexible Strukturen bestens".

Größere Universitäten seien langsamer ob der vielen Abstimmungsthematiken, während die kleinen Einrichtungen flexible Systeme seien. Diese würden jedoch ihre Dynamik - auch bei Kooperationen mit der Wirtschaft - bei Fusionen verlieren, zeigt sich Hammerschmid überzeugt.

Einen "riesigen Schritt" nach vorne würde die angekündigte Uni-Milliarde für die Jahre 2013 bis 2015 bringen. Doch damit sei es nicht getan, führt Hammerschmid im Gespräch mit derStandard.at aus. Wichtig sei auch, dass der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ausreichend dotiert ist. "Im Vergleich zu internationalen Fonds hat der FWF zu wenig Mittel."

"Ich wüsste nicht was ich ohne Zugangsbeschränkungen täte"

Froh ist Hammerschmid über die Zugangsbeschränkungen, die es an ihrer Uni gibt. Ohne Zugangsbeschränkungen wäre der Andrang "niemals zu schaffen". Hammerschmids Universität ist in einer Sonderrolle. Sie liegt fernab der großen Masseninstitute im 21. Wiener Gemeindebezirk und kann sich ihre Studierenden aussuchen. Von jährlich rund 1600 BewerberInnen werden in einem Aufnahmeverfahren die besten 200 ausgewählt. Gute Betreuungsverhältnisse sind nur eine der Folgen.

In der aktuellen Debatte um Zugangsbeschränkungen befürwortet Hammerschmid solche: "Ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte. Wir haben welche und sie bewähren sich bestens, vor allem wenn die StudentInnen eine klinische Ausbildung absolvieren. Ich könnte nicht gewährleisten, die 1600 Bewerber durch die Klinik zu schleusen und ihnen eine vernünftige Ausbildung zu geben. Das wäre schlicht nicht möglich." Auch für andere medizinisch-orientiere Universitäten seien Zugangsbeschränkungen ein "must". Ohne die könne man nicht arbeiten.

Studiengebühren: "Keep it simple"

Hammerschmid, seit letztem Jahr Rektorin der Vetmeduni, betont dass die Zugangsbeschränkungen vor allem auch für die internationale Akkreditierung notwendig seien: "Wenn wir nicht ein Betreuungsverhältnis von maximal einem Lehrenden für zehn Studierende haben, dann verlieren wir die Akkreditierung." Bedingungen von denen andere Universitäten nur träumen können.

Neben Zugangsbeschränkungen kann sich Hammerschmid auch Studiengebühren vorstellen, wenngleich "Studiengebühren nicht einmal zwei Prozent unsere Budgets ausmachen". Ausbildungsleistung sollte aber schon etwas wert sein: "Ich bin für eine Deckelung. Wenn das bei 500 Euro gedeckelt ist, dann ist das auch kein soziales Problem, noch dazu - und das fordere ich schon - wenn es ein treffsicheres Stipendiensystem dahinter gibt." Dies würde auch die Verbindlichkeit der Studierenden erhöhen.

Universitätsautonome Studiengebühren kann sich Hammerschmid vorstellen ("Mir soll es recht sein"), nichts hält sie jedoch von Michael Spindeleggers Vorschlag der variablen Studiengebühren: "Wir sollten das System so einfach wie möglich halten, weil sonst der ganze Zusatzeffekt wieder weg ist. Wenn wir ein System mit Studiengebühren machen, dann: keep it simple."

"Ich kandidiere nicht"

Die Rektorin der Vetmeduni wurde in den letzten Wochen auch als Kandidatin für den Vorsitz der Universitätenkonferenz genannt. Hammerschmid stellt klar: "Ich kandidiere sicher nicht. Ich habe mit meiner Universität genug zu tun." (seb, rwh, derStandard.at, 19.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 102
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Und jedem seine eigene Busspur
00
19.10.2011, 06:22
Bilder können auch ohne Photoshop lügen

http://diestandard.at/127733716... mmerschmid

toms1978
00
27.9.2011, 21:35
Hm

ich habe (leider) noch keine Mail von der Rektorin wegen eines dates bekommen... woran kann das liegen? :))

andiem
00
20.9.2011, 17:22

eine sinnvolle zusammenlegung mit der boku wurde längst verschlafen. dies hätte mit dem neubau der vetmed passieren müssen. ist es aber nicht, eigentlich ein skandal.
inzwischen ist die BOKU auf 3 standorte vom donaukanal über die türken schanze bis nach tulln weit verstreut. ein zusätzlicher in transdanubien würde daher aus infrastrukturgründen heute leider keinen sinn mehr machen.

Adolf Ogi
20
20.9.2011, 12:29
Vet-Med

die Vet-Med ist total aufgeblasen. Niemand braucht so viele Tierärzte, nicht einmal wenn die Leute noch wunderlicher mit ihren Hamstern, Papageien und Chihuahuas werden. Nur ein Viertel der Absolventen, wenn überhaupt, arbeitet später in einem Bereich, für den diese Uni ursprünglich gedacht war, also als Tierarzt für Nutztiere. Statt dessen forschen sie an Hüftprothesen für verhätschelte Großstadthunde. Das muss der Staat wirklich nicht finanzieren. Eine Zusammenlegung mit der Boku mit gleichzeitiger Ausbildungsplatzlimitierung wäre sinnvoll.

apis
00
23.9.2011, 13:50
Wissenslücke

An der Vetmed werden bei weitem nicht nur Leute dazu ausgebildet, Haustiere zu verarzten, sondern vor allem auch solche, die dafür sorgen, dass Sie kein vergammeltes Antibiotika-Schnitzel am Tisch oder verseuchten Käse im Kühlschrank haben - durch Nutztier-, Haltungs- und Lebensmittelkontrolle, Seuchenbekämpfung etc etc etc
Schon einmal darüber nachgedacht?

M.Kalaschnikow
00
20.9.2011, 12:26
vor allem fusion der vetmed mit humanmedizin kann für heitere momente sorgen

bonetree
10
20.9.2011, 11:22

Bis das Minitrue dabei rauskommt.

AliAlkali
00
20.9.2011, 11:06
Kann ich bei ihr ein Privatissimum machen?

toms1978
43
20.9.2011, 07:24
passt gar nicht hier her,

aber sie ist eine sehr attraktive Frau!

Mike LTSA
20
20.9.2011, 07:58

hab ich mir auch gerade gedacht.

Dr. Bob
111
20.9.2011, 08:27

Nur vom Hübschsein wird die Küche auch nicht sauber!

vmf
00
20.9.2011, 08:58

dazu hat man ja eine putzfrau, die geht sich bei frau hammerschmids einkommen sicher aus.

Mike LTSA
00
20.9.2011, 08:38

so eine Direktorin hätte ich auch gerne gehabt....

F. T.
22
20.9.2011, 06:41
Noch eine Anmerkung zu den ständigen Märchen der christlich-bürgerlichen Landesretter und Bildungsexperten, wonach Bildung, die nichts koste, auch nichts wert wäre

Wo sollen in den besten Wohlstandsländern der Erde auch nur annähernd so viele Halb- und Ganzanalphabeten in der Schule und auf der Straße herumtorkeln wie in den turbokapitalistischen Ländern?

Wo soll es in den besten Wohlstandsländern auch nur annähernd so viel Kriminalität in den Schulen und auf der Straße geben (Rauschgift, Waffen, Körperverletzungen u. dgl.) wie in den turbokapitalistischen Ländern?

Und wo sollen sich Dekadenz und Verblödung des Volkes schneller verbreiten als in den Ländern, wo die Turbokapitalisten und Profitoptimierer(!) die Gesellschafts- und Medienpolitik in der Hand haben?

F. T.
01
20.9.2011, 09:11
Zusatz

Dass eine Verbesserung der Bildung dringend notwendig wäre, sieht man an diversen Rotstrichlern, denen offensichtlich immer wieder total die Fähigkeit fehlt, gegen Punkte einer Behauptung schlüssig zu argumentieren.

Wenn sie denn überhaupt argumentieren!

Erzpiefke
 
11
20.9.2011, 05:12
Studiengebühren müssen eine starke Lenkungswirkung haben

und müssen sie deshalb extrem variabel sein. Ansonsten wären Studiengebühren reine Abzockerei. Meine Disziplin, die Mathematik, ist sehr kostengünstig und die Studentenzahl liegt chronisch unterhalb des Bedarfs. Deshalb sollte es hier überhaupt keine Studiengebühren geben. Medizin-Studienplätze wiederum sind sehr kostenintensiv und es wird über den Bedarf ausgebildet. Deshalb sollte es hier besonders hohe Studiengebühren geben. Außerdem würden dann die in diesem Bereich sehr stark vertretenen Studenten aus D stärker an den Kosten beteiligt.

jcMaxwell
01
20.9.2011, 10:23

elektrotechnik ist ein sehr kostenintensives studium, ergo hohe studiengebühren?

..ich vermisse die logik in deiner argumentation, achja nur so nebenbei: wir haben einen ärztemangel.

Hans Funkelfels
00
20.9.2011, 08:04

Soll durch die Studiengebühren ärmere vom studieren abgehalten werden? Nein, es gibt ja Stipendium. Was kann man dann lenken? Gerade als Mathematiker sollten Sie doch logisch denken können, wenn jemand aufs Geld schaut, ist es eh schon gelenkt, dass er/sie dass studieren wird, wo er/sie das höchste Gehalt erwartet!

Medizin ist auch ein komplexes Thema, neben all den Weinerein soviele Medizinstudenten, wääh, gibt es dazu ein chronischen Ärztemangel. Paradox nicht?

Zinnmo
 
07
19.9.2011, 23:16
Trotz Zugangsbeschränkungen wird der wirkliche Bedarf nicht gedeckt

Was auf die VetMed drängt, sind vor allem junge Frauen mit bürgerlich-städtischem Hintergrund. Deren Traumjob ist üblicherweise die städtische Kleintierpraxis, oder die Betreuung von Pferden. Nur in den seltensten Fällen ist es Fleischbeschau oder die (teilweise harte) Arbeit mit Rindern, Schweinen, oder Hühnern, also mit den üblichen Nutztieren in Österreich. Dort baut sich ein zunehmender Mangel auf.

jack johnson
 
00
20.9.2011, 04:02
Wie hoch ist der Bedarf?

Sind hier nicht auch paralellen zu Humanmedizinern? die gehen halt auch net' gern mit der Familie in die Pampa, wodurch die laendlichen Gegenden in Oe unterversorgt sind.

Zinnmo
 
02
20.9.2011, 07:34
Im Gegensatz zu Humanmedizinern ist es auch eine Frage der Ausbildung.

Die den Nutztieren gewidmeten Pflichtvorlesungen nehmen nämlich seit Jahren ab. Menschen sind in Stadt und Land relativ gleich, zwischen Haus- und Nutztieren ist der Unterschied größer. Ein Hochleistungswiederkäuer wie eine Milchkuh hat ganz andere Probleme als ein überfütterter Fleischfresser (Stadthund). Wer das nicht auf der Uni freiwillig belegt, steigt später auch kaum mehr um.

Die Nutztierärzte werden dann halt aus den Ausland kommen. Gerade die östlichen Nachbarländer bilden da sehr gut aus.

jack johnson
 
00
20.9.2011, 08:39
Das klingt nach einem Problem des Curriculums

Interessant waere, warum gerade 200 und net' 100 oder 350?

Zinnmo
 
00
20.9.2011, 09:40

Das ist afaik die Studentenzahl, auf die z.B. die Labors ausgelegt sind.

Denksportler
03
19.9.2011, 21:12
Wenn's um die eigenen Schrebergärten geht, dann entwickelt die Rektoralbürokratie plötzlich Initiative

Doppelgleisigkeiten und Parallelstrukturen finden sich gerade in Wien mehrfach: Wirtschaftsuniversität und SoWi-Fakultät der Uni Wien und einzelne Departements der TU Wien etwa. Die schlafen - insbesondere forschungstechnisch - isoliert in ihrem gemütlich eingerichteten Mikrokosmos. Gemeinsame, interuniversitäre Initiativen oder gar Studienrichtungen (z. B. "Öffentliche Wirtschaft und Verwaltung" zwischen TU und SoWiFak) liess man verkommen. Allein schon bei den Bibliotheken und der IT könnten Leistungen optimiert und gleichzeitig Millionen eingespart werden. Einzige "Kosten": Eine Person wäre ihren Rektorstitel los und wäre halt "Vize-Rektor".

Hans Funkelfels
00
19.9.2011, 22:43

Vergessen Sie bitte nicht, dass das Betriebswirtschaftszerntrum der UnWien von der Regierung explizit *aufgebaut* wurde, anstatt die WU weiter auszubauen. Man wollte doch eine Konkurrenzsituation erst entstehen lassen, und jetzt soll das plözlich alles wieder schlecht sein?

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