Sonja Hammerschmid spricht sich gegen variable Studiengebühren aus: "Wir sollten das System so einfach wie möglich halten"
"Die Überschneidungen mit der Universität für Bodenkultur sind enden wollend", sagt die Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Sonja Hammerschmid. Einer möglichen Zusammenlegung von Universitäten, die Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle angedacht hatte, sieht sie daher skeptisch. Die Fusionierung von Vetmed und Boku war schon öfter verlangt worden. Hammerschmid sieht mögliche Fusionen aber prinzipiell kritisch. "In der Wirtschaft bewähren sich kleine, flexible Strukturen bestens".
Größere Universitäten seien langsamer ob der vielen Abstimmungsthematiken, während die kleinen Einrichtungen flexible Systeme seien. Diese würden jedoch ihre Dynamik - auch bei Kooperationen mit der Wirtschaft - bei Fusionen verlieren, zeigt sich Hammerschmid überzeugt.
Einen "riesigen Schritt" nach vorne würde die angekündigte Uni-Milliarde für die Jahre 2013 bis 2015 bringen. Doch damit sei es nicht getan, führt Hammerschmid im Gespräch mit derStandard.at aus. Wichtig sei auch, dass der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ausreichend dotiert ist. "Im Vergleich zu internationalen Fonds hat der FWF zu wenig Mittel."
"Ich wüsste nicht was ich ohne Zugangsbeschränkungen täte"
Froh ist Hammerschmid über die Zugangsbeschränkungen, die es an ihrer Uni gibt. Ohne Zugangsbeschränkungen wäre der Andrang "niemals zu schaffen". Hammerschmids Universität ist in einer Sonderrolle. Sie liegt fernab der großen Masseninstitute im 21. Wiener Gemeindebezirk und kann sich ihre Studierenden aussuchen. Von jährlich rund 1600 BewerberInnen werden in einem Aufnahmeverfahren die besten 200 ausgewählt. Gute Betreuungsverhältnisse sind nur eine der Folgen.
In der aktuellen Debatte um Zugangsbeschränkungen befürwortet Hammerschmid solche: "Ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte. Wir haben welche und sie bewähren sich bestens, vor allem wenn die StudentInnen eine klinische Ausbildung absolvieren. Ich könnte nicht gewährleisten, die 1600 Bewerber durch die Klinik zu schleusen und ihnen eine vernünftige Ausbildung zu geben. Das wäre schlicht nicht möglich." Auch für andere medizinisch-orientiere Universitäten seien Zugangsbeschränkungen ein "must". Ohne die könne man nicht arbeiten.
Studiengebühren: "Keep it simple"
Hammerschmid, seit letztem Jahr Rektorin der Vetmeduni, betont dass die Zugangsbeschränkungen vor allem auch für die internationale Akkreditierung notwendig seien: "Wenn wir nicht ein Betreuungsverhältnis von maximal einem Lehrenden für zehn Studierende haben, dann verlieren wir die Akkreditierung." Bedingungen von denen andere Universitäten nur träumen können.
Neben Zugangsbeschränkungen kann sich Hammerschmid auch Studiengebühren vorstellen, wenngleich "Studiengebühren nicht einmal zwei Prozent unsere Budgets ausmachen". Ausbildungsleistung sollte aber schon etwas wert sein: "Ich bin für eine Deckelung. Wenn das bei 500 Euro gedeckelt ist, dann ist das auch kein soziales Problem, noch dazu - und das fordere ich schon - wenn es ein treffsicheres Stipendiensystem dahinter gibt." Dies würde auch die Verbindlichkeit der Studierenden erhöhen.
Universitätsautonome Studiengebühren kann sich Hammerschmid vorstellen ("Mir soll es recht sein"), nichts hält sie jedoch von Michael Spindeleggers Vorschlag der variablen Studiengebühren: "Wir sollten das System so einfach wie möglich halten, weil sonst der ganze Zusatzeffekt wieder weg ist. Wenn wir ein System mit Studiengebühren machen, dann: keep it simple."
"Ich kandidiere nicht"
Die Rektorin der Vetmeduni wurde in den letzten Wochen auch als Kandidatin für den Vorsitz der Universitätenkonferenz genannt. Hammerschmid stellt klar: "Ich kandidiere sicher nicht. Ich habe mit meiner Universität genug zu tun." (seb, rwh, derStandard.at, 19.9.2011)