Schmerzforschung

Wahrnehmungstraining lindert Phantomschmerzen

17. September 2011, 08:17

Experten diskutieren in Heidelberg über aktuelle Erkenntnisse der Schmerzforschung

Wie entstehen chronische Schmerzen? Wie verändert sich dabei das Nervensystem? Und wie können Schmerz-Patienten behandelt werden? Vom 19. bis 20. September diskutieren in Heidelberg international renommierte Experten aktuelle Erkenntnisse aus der Schmerzforschung. Dabei stehen die strukturellen Veränderungen von einzelnen Molekülen über Nervenzellen bis hin zu Nervenbahnen, Rückenmark und Gehirnarealen, die zur Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses führen, im Fokus.

Während akute Schmerzen sinnvolle Warnsignale sind, haben chronische Schmerzen ihren Sinn und Warncharakter weitgehend verloren. Das Nervensystem hat sich dabei strukturell verändert, diese Eigenschaft wird Plastizität genannt. „Die Veränderungen bleiben, auch wenn der Schmerz-Auslöser nicht mehr vorhanden ist", erklärt Rohini Kuner vom Pharmakologisches Institut der Universität Heidelberg. Der Körper hat ein so genanntes Schmerzgedächtnis ausgebildet.

Ziel der Forschung ist es herauszufinden, welche Veränderungen wann auftreten. „Wenn wir diese grundlegenden Informationen haben, können wir auch gezielt neue Therapien entwickeln", sagt Kuner. Mit ihrer Arbeitsgruppe hat die Wissenschaftlerin im Mausmodell gezeigt, dass chronisches Schmerzempfinden erheblich abnimmt, wenn ein bestimmtes Molekül an Nervenenden ausgeschaltet wird.

Verhaltenstherapie kann Phantomschmerz lindern

Der Phantomschmerz ist ein Schwerpunkt der Forschungsarbeiten von Herta Flor vom Institut für Neuropsychologie und Klinische Psychologie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Heidelberg: Nach einer Amputation leiden die Betroffenen unter Schmerzen, die scheinbar aus den amputierten Gliedmaßen kommen. „Hier liegen strukturelle Veränderungen im Gehirn zugrunde, und zwar in Arealen, die sich auch infolge von Lernprozessen verändern können", erklärt die Wissenschaftlerin.

Dies machen sich Herta Flor und ihr Team zunutze. So konnte sie zeigen, dass Menschen, die nach einer Armamputation unter Phantomschmerzen leiden, von einer Verhaltenstherapie profitieren: Ein zielgerichtetes Wahrnehmungstraining, bei dem der Armstumpf mit Hilfe einer speziellen Prothese elektrisch gereizt wird, verringerte die Veränderungen im Gehirn der Patienten und auch die Intensität des Phantomschmerzes. (red)

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