Zwischen 2005 und Juni 2011 wurden Firmenanteile im Wert von weit über 100 Milliarden US-Dollar gekauft - Alleine 77 Milliarden Dollar in Lateinamerika und Afrika
Wien - Chinesische Firmen haben sich in den vergangenen
Jahren stark in Australien, USA und Argentinien sowie Brasilien
engagiert. Aber auch in Afrika wurde kräftig eingekauft. Zwischen
2005 und Juni 2011 kauften chinesische Firmen für 36,7 Mrd. US-Dollar
(26,7 Mrd. Euro) Anteile an australischen Unternehmen, investierten
30,4 Mrd. in den USA, 16,7 Mrd. in Brasilien und 10,7 Mrd. im Iran,
geht aus Daten der wirtschaftsliberalen US-Denkfabrik "Heritage
Foundation" hervor. In Lateinamerika wurden insgesamt 44,5 Mrd.
Dollar investiert.
Auffallend ist das starke Engagement Chinas in Afrika: Seit
2005
wurden dort Firmenanteile im Wert von 32,5 Mrd. US-Dollar gekauft.
Der chinesische Stahlkonzern Shandong hat sich heuer beispielsweise
um 1,5 Mrd. US-Dollar rund 25 Prozent an African Minerals in Sierre
Leone gesichert um seine Versorgung mit Eisenerz sicherzustellen.
Das größte Investment in den vergangenen Jahren tätigte der
chinesische Aluminiumkonzern Chinalco mit dem Kauf von 11 Prozent am
britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto um 12,8 Mrd.
US-Dollar.
Europa rückt in den Fokus
Europa rückt jetzt im Rahmen der Schuldenkrise immer stärker in
den Fokus von China. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der
größten Exportnation: 2010 kauften die EU-27 Länder chinesische Waren
im Wert von 282 Mrd. Euro. Chinesische Unternehmen haben sich laut
Heritage Foundation zwischen 2005 und Juni 2011 mit 45,6 Mrd.
US-Dollar bei europäischen Unternehmen engagiert. Rund 9 Mrd. Dollar
wurden in Großbritannien investiert, 4,9 Mrd. Dollar in Frankreich
und 2,7 Mrd. Dollar in Belgien.
In Ungarn wurde heuer auch ein großes Investment abgeschlossen:
Der ungarische Chemiekonzern BorsodChem gehört seit Februar nun fast
zur Gänze der chinesischen Industriegruppe Wanhua. Für insgesamt 96
Prozent der BorsodChem-Anteile hat Wanhua 1,23 Mrd. Euro bezahlt.
Außerdem baut der Technologiekonzern Huawei in Ungarn sein weltweit
zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische
Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die
China Railway Construction Corporation das Schienennetz des
osteuropäischen Landes modernisieren soll.
Griechenland und China haben bereits im Jahr 2008 einen Vertrag
in
Höhe von 4,3 Mrd. Euro über chinesische Investitionen im Hafen von
Piräus geschlossen. Mit dem Vertrag übernahm die staatliche
chinesische Reederei Cosco für 35 Jahre das Management des
Containerhafens von Piräus.
In Deutschland hat der PC-Spezialist Lenovo aus Hongkong heuer
den
deutschen Computerhersteller Medion mehrheitlich übernommen und für
75 Prozent der Stimmrechte rund 629 Mio. Euro hingelegt. In
Österreich hat die chinesische XAC (Xi'an Aircraft Industry (Group)
2009 das oberösterreichische Flugzeug-Zulieferunternehmen FACC
übernommen. In den Betrieb wurden 60 Mio. Euro Kapital eingeschossen,
der Kaufpreis wurde nicht genannt.
China besitzt mit rund 3.200 Mrd. Dollar (2.326 Mrd. Euro) die
mit
Abstand größten Devisenreserven der Welt. Experten schätzen, dass
inzwischen ein Viertel der Devisenreserven in Euro-Papieren angelegt
ist. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht
auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren und damit auch Chinas
Euro-Investitionen. (APA)