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Chinesische Firmen kaufen sich weltweit ein

16. September 2011, 16:12

Zwischen 2005 und Juni 2011 wurden Firmenanteile im Wert von weit über 100 Milliarden US-Dollar gekauft - Alleine 77 Milliarden Dollar in Lateinamerika und Afrika

Wien - Chinesische Firmen haben sich in den vergangenen Jahren stark in Australien, USA und Argentinien sowie Brasilien engagiert. Aber auch in Afrika wurde kräftig eingekauft. Zwischen 2005 und Juni 2011 kauften chinesische Firmen für 36,7 Mrd. US-Dollar (26,7 Mrd. Euro) Anteile an australischen Unternehmen, investierten 30,4 Mrd. in den USA, 16,7 Mrd. in Brasilien und 10,7 Mrd. im Iran, geht aus Daten der wirtschaftsliberalen US-Denkfabrik "Heritage Foundation" hervor. In Lateinamerika wurden insgesamt 44,5 Mrd. Dollar investiert.

Auffallend ist das starke Engagement Chinas in Afrika: Seit 2005 wurden dort Firmenanteile im Wert von 32,5 Mrd. US-Dollar gekauft. Der chinesische Stahlkonzern Shandong hat sich heuer beispielsweise um 1,5 Mrd. US-Dollar rund 25 Prozent an African Minerals in Sierre Leone gesichert um seine Versorgung mit Eisenerz sicherzustellen.

Das größte Investment in den vergangenen Jahren tätigte der chinesische Aluminiumkonzern Chinalco mit dem Kauf von 11 Prozent am britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto um 12,8 Mrd. US-Dollar.

Europa rückt in den Fokus

Europa rückt jetzt im Rahmen der Schuldenkrise immer stärker in den Fokus von China. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der größten Exportnation: 2010 kauften die EU-27 Länder chinesische Waren im Wert von 282 Mrd. Euro. Chinesische Unternehmen haben sich laut Heritage Foundation zwischen 2005 und Juni 2011 mit 45,6 Mrd. US-Dollar bei europäischen Unternehmen engagiert. Rund 9 Mrd. Dollar wurden in Großbritannien investiert, 4,9 Mrd. Dollar in Frankreich und 2,7 Mrd. Dollar in Belgien.

In Ungarn wurde heuer auch ein großes Investment abgeschlossen: Der ungarische Chemiekonzern BorsodChem gehört seit Februar nun fast zur Gänze der chinesischen Industriegruppe Wanhua. Für insgesamt 96 Prozent der BorsodChem-Anteile hat Wanhua 1,23 Mrd. Euro bezahlt. Außerdem baut der Technologiekonzern Huawei in Ungarn sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des osteuropäischen Landes modernisieren soll.

Griechenland und China haben bereits im Jahr 2008 einen Vertrag in Höhe von 4,3 Mrd. Euro über chinesische Investitionen im Hafen von Piräus geschlossen. Mit dem Vertrag übernahm die staatliche chinesische Reederei Cosco für 35 Jahre das Management des Containerhafens von Piräus.

In Deutschland hat der PC-Spezialist Lenovo aus Hongkong heuer den deutschen Computerhersteller Medion mehrheitlich übernommen und für 75 Prozent der Stimmrechte rund 629 Mio. Euro hingelegt. In Österreich hat die chinesische XAC (Xi'an Aircraft Industry (Group) 2009 das oberösterreichische Flugzeug-Zulieferunternehmen FACC übernommen. In den Betrieb wurden 60 Mio. Euro Kapital eingeschossen, der Kaufpreis wurde nicht genannt.

China besitzt mit rund 3.200 Mrd. Dollar (2.326 Mrd. Euro) die mit Abstand größten Devisenreserven der Welt. Experten schätzen, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven in Euro-Papieren angelegt ist. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren und damit auch Chinas Euro-Investitionen. (APA)

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19 Postings
Ivan Bukov
00
18.9.2011, 20:22

Da will jedes Land Investitionen anziehen. Kommen sie dann auch ist es ploetzlich eine Katastrophe.
Wie jetzt?

Der Kluge
00
18.9.2011, 15:01

Toll der Marktliberalismus hat uns ja wirklich viel gebracht.

Zum wirtschaftlichen Zurückfallen kommt natürlich noch Demographie, Schulden, Gesellschaftliche Erosion usw. usf.

Die gegenwärtigen Eliten sollten sich schämen

Martin Müller10
 
00
18.9.2011, 10:47
Meine Tochter lernt schon Mandarin ;-)

docw
10
19.9.2011, 13:21

hat ihre ex jetzt doch zugestimmt? die beste möglichkeit, in wien mandarin zu lernen, ist das konfuzius-institut im alten akh-gelände. professionelle lehrer und kleine klassen.

José Atento
01
18.9.2011, 09:44
Wer die Unternehmen besitzt,

hat natürlich auch politischen Einfluss.
Die Chinesen waren schon immer sehr clever.
Der Westen ist pleite, die Chinesen haben das Geld.
Der Westen sollte sich in Acht nehmen.

Ivan Bukov
00
18.9.2011, 20:21

Das Risiko liegt immer beim Geber. Daher duerfte sich China wohl in Acht nehmen muessen.

José Atento
00
19.9.2011, 11:37

So lange der Westen auf Rechtsstaatlichkeit beruht, wohl nicht.

MSchalko
00
19.9.2011, 12:47

Sorry, aber ganz clever ist die Unterhaltung nicht...
China ist schon einmal mit ähnlicher vorgehensweise eingefahren.
Und sie sind am besten Weg wieder dorthin wo sie vor 20 Jahren waren, da wird die ganze Kohle etc. auch nichts nutzen.

José Atento
00
19.9.2011, 20:20

Die Chinesen bauen aber sehr viele Kohle Kraftwerke.
Die Kohle wird ihnen sehr wohl helfen.

rabe wunderbar
00
17.9.2011, 05:45

ah. jetzt weiß ich endlich, warum man für das sinologiestudium keine studiengebühren einheben möchte.
und wieviel verdient eigentlich so ein bildungsminister :o

desparate wife without house
00
17.9.2011, 05:17

spannend, dieser überblick.

selbstlos ist dieses engagement natürlich nicht (wirtschaftswachstum in afrika, dort wo's leidlich funktioniert, ist ziemlich groß, wie auch der bedarf). aber wenn europa schläft - oder - wie auch die us-unternehmen bis noch vor gar nicht langer zeit - lieber in china investiert ... und wenn europa ständig klagt, keine fachkräfte zu haben ... tja, der import ist auf diese weise gewiss.

apropos: in nigeria gab's unlängst einen aufstand zuerst kam von staatsseite kritik, dass zu wenig strom produziert wird und die frage warum. das führte zu einem aufstand, weil - so die angestellten - die chinesen alle arbeitsweisungen in chinesisch gaben und sie daher ausgeschlossen waren.
@carbonara: was sagt uns das?

carbonara
00
16.9.2011, 23:23
Unsere ÖBB können die Chinesen gern haben..

vielleicht noch ein paar Politiker als Geschenk dazu ?!

Arrow
00
16.9.2011, 17:45
Na ja

da haben die Chinesen also über einen Zeitraum von 6 Jahren Firmen im Gegenwert von insgesamt weniger als einem Drittel des Martwertes von Apple gekauft.

Arrow
00
16.9.2011, 18:01
...oder

,um es noch etwas anders auszudrücken: 100 Milliarden $ sind circa 0.2% des Martwertes aller Aktien der Welt.

Dem Freinderl sei Wirtschaft
00
16.9.2011, 17:25
Da freut sich der Arbeitnehmer

Chinesische Firmen sollen was Arbeitnehmerschutz und -rechte betrifft ja noch härter vorgehen als die schlimmsten Kapitalisten.
Für die Arbeitnehmer sicher kein Feiertag wenn ihre Firma übernommen wird.

José Atento
00
18.9.2011, 09:46

Noch gelten die österreichischen Gesetze. Aber wie man sieht, werden diese auch bereits teilweise an die Sharia angepasst.

Jax
00
16.9.2011, 17:16
wie sinnig

im darüberstehenden Advertorial: "Büroflächen günstig zu vermieten"

presumption of innocence
11
16.9.2011, 17:09
Chinesen denken mit

bevor ihre Reserven in US$ dahinschmelzen, werden sie investiert in Schnäppchenkäufe.

Wir Konsumenten sind die Schuldigen: billig kaufen verlangt Auslagerung nach China, und mit den Billiarden kaufen sie uns auf.

José Atento
00
18.9.2011, 09:48

In der Marktwirtschaft gibt es einen automatischen Ausgleich. Auch wenn uns das jetzt nicht so recht ist.
Dass es Jahrzehnte lang umgekehrt war, war uns aber sehr recht.

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