In Großwarasdorf betreiben einige Landwirte ihre Traktoren mit Biosprit vom eigenen Acker, mancher greift vermehrt auf normalen Diesel zurück
Großwarasdorf - Am Anfang war eine Vision: Landwirte schließen sich in einem entlegenen Gebiet zusammen und betreiben gemeinsam eine Ölmühle. Die erzeugt nicht nur wertvolles Rapsöl vom eigenen Acker für den Eigengebrauch und für ländliche Betriebe, sondern auch hochwertiges Eiweißfuttermittel für die Rinder im Stall. Der Raps, den man für die regionale Nahrungskette nicht braucht, wird zu Biosprit weiterverarbeitet. Dieser landet wiederum im Tank der eigenen Traktoren. Und die ernten den Raps umweltfreundlich auf den heimischen Feldern.
Diesen Kreislauf haben Landwirte im Mittelburgenland Anfang 2009 in die Tat umgesetzt. Die Ölmühle steht in Großwarasdorf im Bezirk Oberpullendorf, 36 Betriebe haben sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen. Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP), ein echter Großwarasdorfer, ließ es sich bei einem Lokalaugenschein nicht nehmen, selbst ein paar Liter Biotreibstoff in einen Traktormotor zu füllen und von der zukunftsweisenden Energiequelle zu schwärmen.
Auch private Kunden und umweltbewusste Unternehmen haben auf den Biosprit aus dem Burgenland gesetzt und ihre Fuhrparks umgerüstet. Die Schifffahrtsflotte in Mörbisch etwa wird mit "Burgenlandgold" betrieben.
Die anfängliche Euphorie ist aber zweieinhalb Jahre später der Realität gewichen. Der Aufprall war ein harter, erzählt Josef Beidinger, der ehrenamtliche Geschäftsführer der Ölmühle. Vor allem, weil man davor federleicht auf der Ökowelle dahingeschwebt ist. "Ein bisschen Resignation ist schon da", sagt der 60-jährige Bauer. Denn die Ölmühle ist längst nicht so ausgelastet, wie sie sein könnte. Das Projekt "Acker in den Tank" stockt.
Schuld ist der hohe Weltmarktpreis von Raps, der im Moment keinen realistischen Wettbewerb mit herkömmlichem Diesel erlaubt. Nach einem Preissprung Ende 2010 ist Raps in Österreich mittlerweile mit 1,15 bis 1,20 Euro pro Liter nur geringfügig billiger als Diesel, der aktuell im Durchschnitt 1,30 Euro kostet. "Wir können den Raps unmöglich fast preisgleich mit Diesel verkaufen", sagt Beidinger. "So große Idealisten gibt es bei uns nicht."
Denn um den Motor bereitzumachen für den gesunden Treibstoff aus der Heimat, muss richtig Geld investiert werden. Zwischen sechs- und siebentausend Euro kostet es, einen 150-PS-Traktor der Marke Fendt umzurüsten, Förderungen helfen mit 30 Prozent. Beidinger: "Bevor die Landwirte dieses Geld aber in die Hand nehmen, bleiben sie lieber gleich beim Diesel." Von den 36 Betrieben der Vereinigung haben erst acht umgerüstet. Potenzielle Kunden in der Region werden vom hohen Preis des Biosprits ebenfalls nicht unbedingt angezogen.
80 Cent pro Liter
2009 hat die Ölmühle den Liter Rapsöl noch um 80 Cent anbieten können. Beidinger: "Da hat es sich für die Landwirte noch ausgezahlt zu investieren." Derzeit kann man in Großwarasdorf aufgrund des hohen Marktpreises überhaupt keinen Biosprit kaufen. Stattdessen setzt man auf den Verkauf von Rapsöl als Lebensmittel, das als "Burgenlandgold" im Handel erhältlich ist. Die Ernte in dieser Saison soll in rund einem Monat gepresst werden.
Theoretisch verfügt die Ölmühle über eine Jahresleistung von 722 Tonnen Pflanzenöl, das aus 2200 Tonnen Raps gewonnen wird. Diese Menge wird die von Leo Riebenbauer vom "Büro für erneuerbare Energie" geplante Anlage in diesem Jahr aber bei weitem nicht erreichen.
Dass es derzeit keinen Biosprit aus Großwarasdorf zu kaufen gibt, führt Beidinger auch auf die Politik zurück. "In Richtung Umwelt müsste viel mehr getan werden. Man müsste etwa schon die Motor-Hersteller zwingen, nur Geräte zu verkaufen, die auch biosprit-tauglich sind. Aber anscheinend gibt es da keine große Lobby."
Der direkte Draht zum Großwarasdorfer Umweltminister nützt da auch nichts. "Wir werden jedenfalls mit unseren Ideen und Projekten von Ministerium zu Ministerium weiterverwiesen." (David Krutzler, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17./18.9.2011)