Biosprit in Großwarasdorf

"Ein bisschen Resignation ist schon da"

David Krutzler, 16. September 2011, 18:56
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    foto: riebenbauer

    Sechs- bis siebentausend Euro kostet es, Traktoren auf Biosprit umzurüsten.

In Großwarasdorf betreiben einige Landwirte ihre Traktoren mit Biosprit vom eigenen Acker, mancher greift vermehrt auf normalen Diesel zurück

Großwarasdorf - Am Anfang war eine Vision: Landwirte schließen sich in einem entlegenen Gebiet zusammen und betreiben gemeinsam eine Ölmühle. Die erzeugt nicht nur wertvolles Rapsöl vom eigenen Acker für den Eigengebrauch und für ländliche Betriebe, sondern auch hochwertiges Eiweißfuttermittel für die Rinder im Stall. Der Raps, den man für die regionale Nahrungskette nicht braucht, wird zu Biosprit weiterverarbeitet. Dieser landet wiederum im Tank der eigenen Traktoren. Und die ernten den Raps umweltfreundlich auf den heimischen Feldern.

Diesen Kreislauf haben Landwirte im Mittelburgenland Anfang 2009 in die Tat umgesetzt. Die Ölmühle steht in Großwarasdorf im Bezirk Oberpullendorf, 36 Betriebe haben sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen. Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP), ein echter Großwarasdorfer, ließ es sich bei einem Lokalaugenschein nicht nehmen, selbst ein paar Liter Biotreibstoff in einen Traktormotor zu füllen und von der zukunftsweisenden Energiequelle zu schwärmen.

Auch private Kunden und umweltbewusste Unternehmen haben auf den Biosprit aus dem Burgenland gesetzt und ihre Fuhrparks umgerüstet. Die Schifffahrtsflotte in Mörbisch etwa wird mit "Burgenlandgold" betrieben.

Die anfängliche Euphorie ist aber zweieinhalb Jahre später der Realität gewichen. Der Aufprall war ein harter, erzählt Josef Beidinger, der ehrenamtliche Geschäftsführer der Ölmühle. Vor allem, weil man davor federleicht auf der Ökowelle dahingeschwebt ist. "Ein bisschen Resignation ist schon da", sagt der 60-jährige Bauer. Denn die Ölmühle ist längst nicht so ausgelastet, wie sie sein könnte. Das Projekt "Acker in den Tank" stockt.

Schuld ist der hohe Weltmarktpreis von Raps, der im Moment keinen realistischen Wettbewerb mit herkömmlichem Diesel erlaubt. Nach einem Preissprung Ende 2010 ist Raps in Österreich mittlerweile mit 1,15 bis 1,20 Euro pro Liter nur geringfügig billiger als Diesel, der aktuell im Durchschnitt 1,30 Euro kostet. "Wir können den Raps unmöglich fast preisgleich mit Diesel verkaufen", sagt Beidinger. "So große Idealisten gibt es bei uns nicht."

Denn um den Motor bereitzumachen für den gesunden Treibstoff aus der Heimat, muss richtig Geld investiert werden. Zwischen sechs- und siebentausend Euro kostet es, einen 150-PS-Traktor der Marke Fendt umzurüsten, Förderungen helfen mit 30 Prozent. Beidinger: "Bevor die Landwirte dieses Geld aber in die Hand nehmen, bleiben sie lieber gleich beim Diesel." Von den 36 Betrieben der Vereinigung haben erst acht umgerüstet. Potenzielle Kunden in der Region werden vom hohen Preis des Biosprits ebenfalls nicht unbedingt angezogen.

80 Cent pro Liter

2009 hat die Ölmühle den Liter Rapsöl noch um 80 Cent anbieten können. Beidinger: "Da hat es sich für die Landwirte noch ausgezahlt zu investieren." Derzeit kann man in Großwarasdorf aufgrund des hohen Marktpreises überhaupt keinen Biosprit kaufen. Stattdessen setzt man auf den Verkauf von Rapsöl als Lebensmittel, das als "Burgenlandgold" im Handel erhältlich ist. Die Ernte in dieser Saison soll in rund einem Monat gepresst werden.

Theoretisch verfügt die Ölmühle über eine Jahresleistung von 722 Tonnen Pflanzenöl, das aus 2200 Tonnen Raps gewonnen wird. Diese Menge wird die von Leo Riebenbauer vom "Büro für erneuerbare Energie" geplante Anlage in diesem Jahr aber bei weitem nicht erreichen.

Dass es derzeit keinen Biosprit aus Großwarasdorf zu kaufen gibt, führt Beidinger auch auf die Politik zurück. "In Richtung Umwelt müsste viel mehr getan werden. Man müsste etwa schon die Motor-Hersteller zwingen, nur Geräte zu verkaufen, die auch biosprit-tauglich sind. Aber anscheinend gibt es da keine große Lobby."

Der direkte Draht zum Großwarasdorfer Umweltminister nützt da auch nichts. "Wir werden jedenfalls mit unseren Ideen und Projekten von Ministerium zu Ministerium weiterverwiesen." (David Krutzler, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17./18.9.2011)

Kommentar posten
24 Postings
Markus1975
00
21.11.2011, 17:04
Man höre und staune...

was sagt denn der Hr. Minister dazu ? Nix wie immer ... und wahrscheinlich haben die Leut, die eine 2- jährige Erfahrung mit Biosprit nachweisen können keine Ahnung ... Aber Hauptsache wir fordern es und alle haben dann den Schaden ... BRAVO wie bei den Energiesparlampen ... DANKE

Salz Burger
00
21.11.2011, 22:26

Ich finde es schon sinnvoll, für Licht nicht so viel Strom zu verbrauchen. An meiner Wohnung gibt es fast nur LEDs. Tolles Licht und braucht fast keinen Strom.

Blick Winkel
00
21.11.2011, 15:19

Kleine Zusatzfrage:

Wenn Raps (selbst in Relation zum teuren "schwarzen Gold") einen so hohen Wert hat, warum jammern dann die Bauern immer so viel? Das müsste ja ein ausgezeichnetes Geschäft sein, wenn man Raps anbaut und verkauft.

Im Supermarkt steigen die Preise überproportional und gleichzeitig kämpfen angeblich so viele Bauern ums nackte Überleben.

Wie kann das sein?

Joe - Mitarbeiter des Tages! (bis zur Jause)
00
21.11.2011, 15:52

hm, ob diese preissteigerungen vom handel wirklich an die bauern weitergeben werden?

glauben sie das wirklich? also ich bin da doch ein bisserl, ein ganz kleines bisser skeptisch.

;)

raps ist genauso viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu bezahlen.
das trifft übrigens auf alles zu.

ps: bauernbashing meinerseits kommt dann morgen.

Blick Winkel
00
21.11.2011, 16:25

Schon richtig, aber ein Detail ist sehr wichtig!

Die Bauern liefern Ihren Raps nicht bei der dorfeigenen Presse ab, sondern verkaufen ihn lieber am freien Markt. Da spielt kein Zwischenhändler mit bei der Kostenrechnung, sondern nur der Betrag, den den Bauer auf die Hand bekommt! Die Mühle wurde ja auch in der Gemeinschaft angeschafft und somit kann man deren Kosten ebenfalls weglassen. Es zählt mehr oder weniger nur die Relation zum Diesel- Tankstellenpreis!

Und da verwundert es mich schon sehr, dass sich die Mühle nicht rechnet bei fetten 1.35 € pro Liter Diesel (und der im Artikel angesprochenen Verwertung der Abfälle aus der Mühle).

Dr. Hannibal Fekter
00
21.11.2011, 13:44
Nikolaus Berlakovich (VP), ein echter Großwarasdorfer, ließ es sich bei einem Lokalaugenschein nicht nehmen, selbst ein paar Liter Biotreibstoff in einen Traktormotor zu füllen und von der zukunftsweisenden Energiequelle zu schwärmen.

WOW was für eine Großtat! Was für ein Pfosten...!

Salz Burger
00
21.11.2011, 22:27

Politiker sind nun mal so. Alle. Jemanden, der in Ruhe arbeiten will, werden Sie da nicht finden. Geht auch gar nicht, bei den vielen Verpflichtungen.

Andreeeas
00
19.9.2011, 00:38

Resignation und Enttäuschung, dass es sich nicht lohnt, ein Lebensmittel zu verheizen? Stattdessen muss man es jetzt leider als Lebensmittel verkaufen?

Ist mit meiner Weltanschauung etwas verkehrt, oder was? Biosprit ist ja super, wenn nicht aus Lebensmittel...

Pierre d´Aubusson
00
18.9.2011, 01:43
Und indirekt

subventionieren wir die fehlende Anbaufläche für Zuckerrüben mit einem erhöhten Zuckerpreis.
Ein Hoch dem Bio-Gedanken...

Der Kluge
00
19.9.2011, 01:07

des glaubens aber net wirklich?

kramperl
12
17.9.2011, 19:22
mei oma hot imma gsogt:

in groswarasdorf, durt lebn de wossakrowodn. de eingebüdeten. nua nix mit de foischen hund zum tan hobn.

der niki berlakovits kumt a va durt. da betrieb mit den höchsten bauernförderungen va burgenland auch. und sogoa da söbe noman: berlakovits!

so a zufoi!

Peter_23
01
17.9.2011, 18:09
Zum Glück ist dieser Bio-Wahnsinn betreffend Treibstoffe schon fast aus, bevor es noch richtig begonnen hat

Mehr als reine Geldverschwendung wäre das sowieso nicht geworden.

das ist fix
02
17.9.2011, 11:40

und wieder einmal ein beispiel dafür, dass "umwelt" als mittel verwendet wird um selbst kasse zu machen

Arno Niesner
 
00
22.9.2011, 14:39

gerade diesen aspekt kann ich dem artikel jedoch nicht entnehmen. wie kommen sie darauf?

chaimele
02
17.9.2011, 09:44
wenn es ein regionales projekt mit regionalen anbauprodukten ist, was spielt da der weltmarktpreis für eine rolle?

oder muß im großen maß zugekauft werden über die rapsbörse in woauchimmer.
oder ist das nur die offiielle sprache für "es geht halt nicht so wie wir uns vorgestellt haben, z.b. effizienz, etc."

PegasusNbW
00
18.9.2011, 09:42
ähm

wieso sollten die landwirte ihren raps an dieses lokale projekt verkaufen, wenn sie über den weltmarkt einen weitaus besseren preis bekommen können? idealismus schön und gut, aber ab einer gewissen preisdifferenz wird sich jeder agrar-ökonom die frage stellen, ob er sich den idalismus wirklich leisten kann.

F.S.K
01
16.9.2011, 20:36
viele pkws könnnen ohne umrüstung verschiedene kraftstoffe tanken

und gerade beim traktor soll das nicht gehen?

Vorname Nachname
00
19.9.2011, 16:20
auch nur in der theorie

die motoren vertragen das bio zeuchs (auch E10 ect) bei weitem nicht problemlos

nur beim auto faellt das ned weiter auf

automotoren laufen im schnitt pro 100.000km ca 1900 betriebsstunden

traktormotoren laufen wie stationärmotore aber nicht nach km sondern nach betriebsstunden

da kommen in einem jahr schnell mal 12000 oder 15000 betriebsstunden zusammen

das entspricht ca 750.000km im PKW

ein hoeherer verschleiss wie er beim biodiesel gegeben ist und der beim PKW erst nach 100.000 km zu auswirkungen (schaeden) fuehrt der zeigt sein auswirkungen beim traktormotor schon nach 2000 betriebsstunden, also nach ca 6 bis 8 wochen

ich kann mir gut vorstellen dass sogar die erzeuger den saft nimmer selber tanken ...

F.S.K
00
19.9.2011, 23:39

12000 Betriebsstunden im jahr, aha.

Vorname Nachname
00
19.9.2011, 23:48

1200 natuerlich

sie werden aber sicher verstaendnis dafuer haben dass ich nur wegen dem kleinlichen rechenfehler meine ausgezeichnete these zu dem thema jetzt ned im nachhinein selber in frage stelle, oder?

carbonara
00
18.9.2011, 02:30

Für Bauern gelten andere Gesetze.

luke skywalker
04
16.9.2011, 22:38
Nein, reines Pflanzenöl (nicht verwechseln mit RME) hat eine rel. hohe Viskosität

Reines Pflanzenöl können Sie auch in PKWs nur sinnvoll verwenden, wenn Sie Vorwärmer verwenden.
Nur eine gewisse Beimischung zu Diesel ist ohne Vorwärmer möglich.

Kalt führt das einerseits zu erhöhter mechanischer Belastung des Einspritzsystems. Andererseits wird das kalte zähe Pflanzenöl schlecht zerstäubt, was dann zu unvollständiger Verbrennung führt.
Dann kann es zu Motorölverdünnung und Verkokkung im Motor kommen.

Nur alte Vor/Wirbelkammermotoren sind da etwas toleranter.

Peter_23
00
17.9.2011, 18:19
Alter Wirbelkammermotor schnurrt im Sommer auch mit gefilerten, Altspeiseöl von der Frittenbude. (im Winter ist das nix!)

Das Zeugs was sich normalweise diese McDonals-Esser reinwerfen, und sich dann wundern warum so dick und fett werden. :-)

Das Fahren mit Altspeiseöl ist zwar billig aber es ist ohne Geräte eine verdammte Patzerei und vorallem Geruchsbelästigung. Und was für ein Gestank das ist. Sagenhaft. Der alte Ford stinkte schlicht wie eine Frittenbude und bei der Fahrt gab es einen Geruchsschweif das sich jeder schon umdrehte. Ausserdem deutlich mehr Rusbildung.

Das fahren mit Frittenöl ist eben nur was für wirkliche McDonald-Fans, die diesen fettigen Gestank mögen.

Joe - Mitarbeiter des Tages! (bis zur Jause)
21
16.9.2011, 19:22

ich dachte das thema "biosprit" wäre vom tisch?

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