jo-Mobil

Oligarch entwickelt erstes russisches Hybridauto

Verena Diethelm, 17. September 2011, 17:35

Produktionsstart des jo-Mobils für 2012 geplant - mangelndes Umweltbewusstsein der Bevölkerung

Ganz geheuer war dem Autofan Wladimir Putin das bunte Gefährt nicht. Ob man denn damit auch wirklich ans Ziel komme, fragte der mächtigste Mann Russlands skeptisch, bevor er sich hinter das Steuer des E-Mobils (russisch: jo-Mobil) setzte. Der Grund für die Skepsis des russischen Premierministers: Der Kleinwagen wird auch mit einem Elektromotor betrieben.

Putin erreichte sein Ziel, die Residenz des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, und versprach den Initiatoren des ersten russischen Hybridautos seine Unterstützung. Das Hybridauto ist ein Projekt von Michail Prochorow, der mit einem geschätzten Vermögen von 18 Milliarden US-Dollar der drittreichste Russe ist.

Der 46-jährige Oligarch verfügt bisher über keine Erfahrung im Automobilbau. Sein Mischkonzern Onexim engagierte sich bis dato nur in den Bereichen Bergbau, Strom, Immobilien, Banken und Versicherungen, Medien sowie Nanotechnologie.

In Russland sind Fahrzeuge mit alternativen Antrieben noch Exoten. Während in europäischen Großstädten schon vielerorts Erdgasbusse im Nahverkehr eingesetzt werden, ist die Autobusflotte in der russischen Metropole gut 30 Jahre alt und alles andere als umweltfreundlich. 90 Prozent der Luftverschmutzung in Moskau entfallen auf den Straßenverkehr.

60 Prozent aller Autos auf den russischen Straßen erfüllen keine einzige in der EU übliche Abgasnorm. Das Verbot von Treibstoffen nach der Euro-2-Norm wurde bereits mehrmals verschoben.

Ein großes Problem stellt das mangelnde Umweltbewusstsein der Bevölkerung dar. Der internationale autofreie Tag, der seit drei Jahren auch in Russland zelebriert wird, wird von den Autofahrern regelmäßig ignoriert.

Vor diesem Hintergrund scheint ein Erfolg des ersten russischen Hybridautos zweifelhaft. Der angepeilte Verkaufspreis von rund 10.000 Euro dürfte aber selbst für russische Umweltmuffel attraktiv sein.

Bei seinem Autoprojekt greift Unternehmer Prochorow auf ein Konzept des Sankt Petersburger Lkw-Produzenten Jarowit zurück. Das Unternehmen hatte bereits einen Entwurf für ein Hybridauto entwickelt, das bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi eingesetzt werden soll. Nachdem es Jarowit nicht gelang, eine staatliche Finanzierung heranzuziehen, wandte sich der Eigentümer Andrej Birjukow an den Oligarchen. Am Joint-Venture-e-Auto ist Jarowit zu 51 Prozent beteiligt. Prochorows Onexim-Gruppe hält 49 Prozent.

Prochorow will in der Entwicklungsphase rund 150 Millionen Euro investieren. Westliche Brancheninsider witzeln, dass man mit dieser Summe gerade einmal eine neue Hinterachse entwickeln könne. Auch Elena Sachnowa, Analystin der Investmentbank VTB Capital, schätzt die Entwicklungskosten eines Hybridautos auf rund eine Milliarde US-Dollar.

Das jo-Mobil soll von einem 60 PS starken Einkammerwankelmotor, der entweder mit Benzin oder Gas betrieben werden kann, und einem Elektromotor ausgestattet sein. Laut den Herstellern verbraucht das Fahrzeug rund 3,5 Liter Treibstoff auf 100 Kilometern und kann maximal eine Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern erreichen. Das jo-Mobil wird es in drei Varianten geben: als Minivan, Cross-Coupé und Lieferwagen.

Als Produktionsbeginn wurde die zweite Jahreshälfte 2012 anvisiert. Derzeit befindet sich das erste Werk in der Nähe Sankt Petersburgs im Bau. Die Kapazität des Werkes liegt zunächst bei 10.000 Autos im Jahr, mit der Option, die Kapazitäten später auf 40.000-50.000 zu erhöhen. In Zukunft sollen fünf weitere Werke in ganz Russland entstehen. (Verena Diethelm, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17./18.9.2011)

Kommentar posten
17 Postings
salaam aleikum
00
18.9.2011, 15:50
Dumme schreiben von dummen ab...

...welcher oligarch hat de tschäsn SELBER (wuiiii) entwickelt?
...was bitte ist ein EinKammerWankelmotor (kenne nur scheiben...)?
Ect.

->---
00
18.9.2011, 15:22
nettes Übergangskonzept so ein Hybrid

Zitat:" Ein großes Problem stellt das mangelnde Umweltbewusstsein der Bevölkerung dar"
Aufklärung beginnt in Schule und Medien bzw. läuft darüber am Besten.

Wann gibts das Fahrzeug bei uns? Die großen deutschen Autokonzerne hinken Jahrzehnte in der Entwicklung hinterher und die Amis verstehen vom Zusammenhang Nachhaltigkeit und Zukunuftsfähigkeit so viel wie eine Kuh von der Raumfahrt. Die nächste Generation persönlicher Fortbewegungsmittel kommt ohnehin aus Indien/China (Asien) und wie es jetzt aussieht auch aus Russland.

Leser1010
 
00
18.9.2011, 12:25
...

...bis dato nur in den Bereichen Bergbau, Strom, Immobilien, Banken und Versicherungen, Medien sowie Nanotechnologie...

Er schafft sich damit möglicherweise eine gute Basis.
Der Bergbau liefert die Rohstoffe, die im Bereich Nanotechnologie adaptiert werden, mit dem Strom fährt das in den eigenen Medien beworbene Auto dann, versichert und finanziert über den eigenen Konzern zumindest im eigenen Fuhrpark. Da kann die Immobilienkrise auch in Russland kommen ;)

KaiserVonChina
00
18.9.2011, 12:17
"Ein großes Problem...

... stellt das mangelnde Umweltbewusstsein der Bevölkerung dar. Der internationale autofreie Tag, der seit drei Jahren auch in Russland zelebriert wird, wird von den Autofahrern regelmäßig ignoriert."
So a Schas-Argument!
Wer weiß denn hierzulande WANN dieser autofreie Tag ist und wer beachtet den bei uns?

Erika Rothen
00
18.9.2011, 14:18
Jeweils der 22. September.

Bei uns gab es einen Postwurf des Marktgemeindeamtes mit der Bitte, diesen Tag zu beachten und auf Öffis (zu denen Fahrpläne und Infos auf diesem Postwurf verzeichnet waren) umzusteigen, oder per Fahrrad oder zu Fuß die nötigen Wege zu machen.

Aber "bei uns", das ist diesfalls in Bayern. Im SUV Paradies Wien wird der autofreie Tag freilich niemanden interessieren, am allerwenigsten die korrupte Stadtverwaltung.

Andrei Tchoubrikov
07
18.9.2011, 11:19
Während in europäischen Großstädten schon vielerorts Erdgasbusse im Nahverkehr eingesetzt werden

Kompletter Schwachsinn. Autobusse und Autos mit Erdgas gab's schon zu Sowjetzeiten, und sind (sammt entspr. Tankstellen) keine Seltenheit. Strombetriebener Nahverkehr ist auch keine Seltenheit, und bei weitem nicht schlechter ausgebaut, als in Westeuropa (Metro, Strassenbahn, Trolleybusse).

Sogar bei einem recht positiven Thema gelingt es so viel Negatives ueber Russland zu schreiben (kein Umweltbewusstsein, umweltverpestender Verkehr & Treibstoffe, boeser Putin usw usf). Wahrlich paranoide Schreiberlinge am werkeln !

sadf1asfasfasfasf
00
18.9.2011, 16:14

Stimmt, kann Ihnen nur zustimmen. Der Autor/die Autorin sollte sich lieber einmal ein halbwegs objektives Bild machen und nicht einfach irgendwelche Vorurteile verbreiten.

Es ist z.B. unglaublich, wieviele Leute in Moskau mit der U-Bahn zur Arbeit fahren. Die U-Bahn kommt dann wirklich nacheinander.
Viele Russen fahren auch noch mit dem Zug richtig weite Strecken, welche im Westen prinzipiell nur mehr geflogen werden.
Die Öffis sind auch viel günster.
Usw.

Darius Minor
00
18.9.2011, 09:23
"... engagierte sich bis dato nur in den Bereichen Bergbau, Strom, Immobilien, Banken und Versicherungen, Medien sowie Nanotechnologie."

Ah, eh "nur". 8-/

black jack
00
18.9.2011, 08:10

Wankelmotor?

Schluckt der nicht grundsätzlich mehr als ein herkömmlicher "Schüttelhuber" (wie Felix Wankel die normalen Hubkolbenmotore bezeichnete).

Jedenfalls find ich gut, dass ein russischer Oligarch einmal was in ein halbwegs sinnvolles Projekt investiert.

Gäbe es einer dieser Kisten vielleicht auch im Lada/Fiat Retro Look? Ok, aber ich find, dass der Fiat 124 (mit der Alfa Giulia Super) einer vom Design gelungensten klassischen Kleinwagen ist.

M.Honeybee
00
18.9.2011, 09:33

Wankelmotor = billiger, weil einfacher & frisst fast alles. Imo kommen aber anfänglich normale Motoren zum Einsatz (aus DE von Weber).

Gobi Todic
00
17.9.2011, 22:43
Gefällt mir

Nur sollte man den richtigen Namen verwenden:

Yo-Mobil

http://en.wikipedia.org/wiki/Yo-mobil

FS4 - the science channel
00
18.9.2011, 09:58

Schauen Sie einmal in der deutschen Transkriptionstabelle für kyrillische Buchstaben nach...

Gobi Todic
00
17.9.2011, 23:49
aha

gut zu wissen.

mei, wie gern ich ein wenig russisch könnt ... to do liste

:-:¦¦¦¦:+_†_+:¦¦¦¦:-:
65
17.9.2011, 17:48
hat alle Chanzen der Welt hübscher als ein Prius zu werden.

El Clandestino ****
00
18.9.2011, 09:11

im gegensatz das prius halt jetzt schon irgendwie "cult" ist!

salaam aleikum
00
18.9.2011, 15:53
Wos is?

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