ARGE-Eigenheim-Obmann Klaus Lugger macht sich große Sorgen um die Generationengerechtigkeit der Wohnbauförderung und fordert die Länder auf, aktiv zu werden
Große Sorge was die Zukunft leistbaren Wohnens für Jungfamilien in Österreich betrifft äußerte am Freitag der Obmann der Arge Eigenheim, Klaus Lugger. Insbesondere der steigende Anteil der Ausgaben für Sanierung aus den Wohnbaufördertöpfen der Länder ist ihm ein Dorn im Auge, wie er im Gespräch mit derStandard.at zu bekennen gibt. "Sanierung frisst Neubau", bemerkte Lugger, der auch Geschäftsführer des gemeinnützigen Bauträgers Neue Heimat Tirol ist.
Und "natürlich" fordert er auch eine Wiedereinführung der Zweckwidmung bei der Wohnbauförderung. Diesbezüglich schlägt er vor, dass diese "nicht vom Bund, sondern von den einzelnen Bundesländern wieder eingeführt wird" - also nicht im Rahmen einer so genannten "15a-Vereinbarung", sondern als Regelung im jeweiligen Landesrecht. Initiativen dafür gab es zuletzt in manchen Ländern, bisher aber ohne durchschlagenden Erfolg. Lugger fordert nun die Landesgesetzgeber dazu auf, aktiv zu werden.
60 Prozent aus Rückflüssen in Tirol
Was die aktuelle Situation der Wohnbauförderung in den Ländern betrifft, sieht der Arge-Eigenheim-Obmann insbesondere Tirol und Vorarlberg auf einem guten Weg. In Tirol seien im Vorjahr 60 Prozent der Wohnbaufördermittel - immerhin eine Viertelmilliarde Euro - aus Darlehensrückflüssen finanziert worden, in Vorarlberg war es ähnlich.
Ob er im Vergleich dazu etwa Niederösterreich, wo in den vergangenen Jahren große Bestände an Darlehensforderungen verkauft wurden und derzeit der Verkauf einer weiteren Tranche erwogen wird, als abschreckendes Beispiel betrachtet? "Das würde ich so nicht formulieren", sagt Lugger gegenüber derStandard.at, denn in Niederösterreich gebe es noch ausreichend Wohnbaufördermittel aus dem Budget, und außerdem halte der Wohnbau mit dem Bedarf Schritt.
Wien im "Wellental"
Über Wien, wo es zuletzt eine stärkere Reduktion der Wohnbauförderung aus dem laufenden Budget gab, will der Obmann der Arge Eigenheim, eines Zusammenschlusses ÖVP-naher Bauvereinigungen, aber auch kein böses Wort verlieren. "Wien war jahrzehntelang im Vergleich mit anderen europäischen Metropolen stets großes Vorbild." Der starke Zuzug habe die Bundeshauptstadt nun in ein "Wellental" gestoßen - von dem Lugger aber davon ausgeht, dass es nur eine vorübergehende Erscheinung ist. (map, derStandard.at, 16.9.2011)