Missbrauchsklage gegen Papst beim Strafgerichtshof

16. September 2011, 13:16
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Dem Vatikan werden in einem mehr als 20.000-seitigen Dossier "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorgeworfen

Wien - Aktivisten des US-amerikanischen Missbrauchsopferverbandes "Survivors Network of those Abused by Priests" (SNAP) und der Menschenrechtsorganisation "Center for Constitutional Rights" (CCR) haben am Freitag in Wien bestätigt, Klage gegen den Vatikan und namentlich gegen Papst Benedikt XVI. bei dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eingereicht zu haben.

Dem Vatikan werden in dem über 20.000-seitigen Dossier u.a. "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sowie die systematische Verheimlichung und Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. "Wir Opfer haben alles versucht, um die Zuständigen des Vatikan dazu zu bringen, die Struktur, die die Vergewaltigung und den Missbrauch durch Bischöfe und Nonnen in der römisch-katholischen Kirche von über zehntausend Kindern zulässt, zu ändern", so die SNAP-Präsidentin Barbara Blaine. Bisher habe die Kirche keine Schritte in diese Richtung unternommen, außer wenn sie durch äußere Umstände - z. B. Untersuchungen von Journalisten oder durch Betroffene, die an die Öffentlichkeit gingen - dazu gezwungen worden sei.

"Sehr genaue Überprüfung"

"Uns ist kein einziger Fall weltweit bekannt, in dem die Bischöfe einen Priester, der Kinder sexuell missbrauchte, aus seiner Position entfernt hätten", behauptete Blaine. In Folge dieser Umstände kam es zu der Erarbeitung des Dossiers, das nun dem IStGH vorliegt. Bei der Übergabe der Beschwerde am vergangenen Dienstag sei den Aktivisten die "sehr genaue Überprüfung" der Klage durch Mitglieder der Staatsanwaltschaft des IStGH zugesichert worden.

"Tausende Seiten von Beweismaterial über sexuelle Gewalt, Vergewaltigung und Folter durch Mitglieder des römisch-katholischen Klerus brachten uns zu dem Schluss, dass ein systematischer Angriff auf Kinder und verletzliche Erwachsene seit Jahrzehnten vor sich geht", so Katherine Gallagher, CCR-Anwältin und Vertreterin von SNAP in dieser Angelegenheit. Durch die Vorfälle u.a. in Großbritannien, Deutschland, Belgien, Kanada und den USA konnte festgestellt werden, dass derartige Taten weit verbreitet seien. (APA)

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