South Stream-Verträge in Sotschi unterzeichnet - Eni-Chef: Kosten vorerst rund 10 Milliarden Euro - Gazprom steigt mit ENI in Libyen ein
Moskau/Frankfurt - Der russische Erdgasmonopolist
Gazprom treibt zusammen mit seinen Partnern das Projekt einer
Gaspipeline durch das Schwarze Meer zur Versorgung Südeuropas voran.
Die Verträge für den Off-Shore-Teil von South Stream wurden am
Freitag im Beisein des russischen Premierministers Wladimir Putin am
Rande einer Investorenkonferenz im russischen Ferienort Sotschi am
Schwarzen Meer unterzeichnet.
Gazprom hält danach 50 Prozent der Anteile, 20 Prozent die
italienische Eni , mit jeweils 15 Prozent sind die französische EDF
und die Kasseler Öl- und Gasgesellschaft Wintershall, eine Tochter
des Chemieriesen BASF, beteiligt. Die geplante 940 Kilometer lange
Leitung durch das Schwarze Meer ist ein Konkurrenzprojekt zu der von
der EU unterstützten Nabucco-Pipeline, die Europa unabhängiger machen
soll von russischem Erdgas.
ENI-Chef Paolo Scaroni bezifferte gegenüber Reuters die
geschätzten Kosten auf etwa 10 Mrd. Euro. Das könne sich aber noch
ändern. "Nach einer Prüfung wird das höher oder niedriger ausfallen,
sobald wir die Stahlkosten kennen, die einen großen Teil des
Investments ausmachen", sagte Scaroni. Frühere Schätzungen lauteten
auf etwa 15 Mrd. Euro.
Mit South Stream sollen frühestens ab 2015 Süd- und
Südosteuropa
mit russischem Gas beliefert werden. Laut Eni-Chef Scaroni wollen die
Projekt-Partner eine Investmentbank damit beauftragen, die
Finanzierung auszuarbeiten. Mit einer endgültigen
Investionsfestlegung sei bis Ende 2012 zu rechnen.
Wintershall wies anlässlich der Unterzeichung auf die
Bedeutung
der Pipeline für Europa hin. "Im globalen Wettlauf mit den Ländern
Asiens um Rohstoffe sichert uns der Bau der South Stream, wie auch
der Nord Stream, den Zugriff auf die Energieressourcen, die für
unsere Wirtschaft lebensnotwendig sind", erklärte Firmenchef Chef
Rainer Seele in einer Mitteilung. Das South-Stream-Projekt besteht
aus drei Strängen: Dem Ausbau der Transportwege in Russland bis zum
Schwarzen Meer, dem Bau von vier Erdgasleitungen durch das Schwarze
Meer mit einer Gesamtkapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro
Jahr sowie dem Weiterbau der Gasleitung an Land Richtung Süd- und
Mitteleuropa.
Mit South Stream würde Russland eine noch stärkere Kontrolle
über
die Gasversorgung Europas haben. Schon beim Bau der Ostseepipeline
Nord Stream, durch die bereits in diesem Jahr im vierten Quartal
erstmals Gas fließen soll, waren Befürchtungen über eine zu große
Energieabhängigkeit von Russland laut geworden. Die EU tritt daher
auch für das das Nabucco-Projekt ein, das die Erdgasvorkommen am
Kaspischen Meer und im Nahen Osten für Europa nutzbar machen soll.
Über Nabucco soll ab 2017 Gas in Richtung Europa strömen. Die
Pipeline soll an Russland vorbei vom Osten der Türkei über Bulgarien,
Rumänien und Ungarn zu einem Erdgasknotenpunkt in Österreich führen.
Russland ist das Nabucco-Projekt ein Dorn im Auge. Am Montag
hatte Russland die EU aufgefordert, die Gespräche über eine Pipeline
durch das Kaspische Meer mit den Anrainerstaaten Turkmenistan und
Aserbaidschan zu beenden. Dies könnte die Spannungen in der Region
erhöhen, hieß es im russischen Außenministerium. An Nabucco sind
neben dem österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV auch die deutsche
RWE , die ungarische MOL , die rumänische Transgaz, die bulgarische
Bulgargaz und die türkische Botas beteiligt.
Gazprom steigt in Libyen ein
Ungeachtet seiner früheren Kritik an den
Aufständischen in Libyen will Russland nach dem Machtwechsel in
Tripolis an den Ressourcen im nordafrikanischen Land mitverdienen.
Der Gasmonopolist Gazprom unterzeichnete am Freitag ein Abkommen mit
dem italienischen Versorger Eni über den Erwerb von 33 Prozent am
Ölprojekt "Elephant" in Libyen. Das meldete die Agentur Interfax aus
dem Schwarzmeerort Sotschi. Das Abkommen muss noch von der neuen
libyschen Führung gebilligt werden. Ihr Votum gilt als offen.
Ein Grundlagenabkommen über das Projekt hatten Gazprom und ENI
bereits im Februar 2011 in Rom unterzeichnet. Andere Gesellschafter
sind die südkoreanische KNOC und der nationale libysche Ölkonzern
NOC, die gemeinsam das letzte Drittel der Aktien kontrollieren. Nach
Expertenschätzung wird Gazprom für den 33-Prozent-Anteil am
"Elephant"-Projekt rund 178 Mio. US-Dollar (129,4 Mio. Euro) zahlen. (APA)