Pipeline

Gazprom und Partner treiben South Stream

16. September 2011, 18:47

South Stream-Verträge in Sotschi unterzeichnet - Eni-Chef: Kosten vorerst rund 10 Milliarden Euro - Gazprom steigt mit ENI in Libyen ein

Moskau/Frankfurt - Der russische Erdgasmonopolist Gazprom treibt zusammen mit seinen Partnern das Projekt einer Gaspipeline durch das Schwarze Meer zur Versorgung Südeuropas voran. Die Verträge für den Off-Shore-Teil von South Stream wurden am Freitag im Beisein des russischen Premierministers Wladimir Putin am Rande einer Investorenkonferenz im russischen Ferienort Sotschi am Schwarzen Meer unterzeichnet.

Gazprom hält danach 50 Prozent der Anteile, 20 Prozent die italienische Eni , mit jeweils 15 Prozent sind die französische EDF und die Kasseler Öl- und Gasgesellschaft Wintershall, eine Tochter des Chemieriesen BASF, beteiligt. Die geplante 940 Kilometer lange Leitung durch das Schwarze Meer ist ein Konkurrenzprojekt zu der von der EU unterstützten Nabucco-Pipeline, die Europa unabhängiger machen soll von russischem Erdgas.

ENI-Chef Paolo Scaroni bezifferte gegenüber Reuters die geschätzten Kosten auf etwa 10 Mrd. Euro. Das könne sich aber noch ändern. "Nach einer Prüfung wird das höher oder niedriger ausfallen, sobald wir die Stahlkosten kennen, die einen großen Teil des Investments ausmachen", sagte Scaroni. Frühere Schätzungen lauteten auf etwa 15 Mrd. Euro.

Mit South Stream sollen frühestens ab 2015 Süd- und Südosteuropa mit russischem Gas beliefert werden. Laut Eni-Chef Scaroni wollen die Projekt-Partner eine Investmentbank damit beauftragen, die Finanzierung auszuarbeiten. Mit einer endgültigen Investionsfestlegung sei bis Ende 2012 zu rechnen.

Wintershall wies anlässlich der Unterzeichung auf die Bedeutung der Pipeline für Europa hin. "Im globalen Wettlauf mit den Ländern Asiens um Rohstoffe sichert uns der Bau der South Stream, wie auch der Nord Stream, den Zugriff auf die Energieressourcen, die für unsere Wirtschaft lebensnotwendig sind", erklärte Firmenchef Chef Rainer Seele in einer Mitteilung. Das South-Stream-Projekt besteht aus drei Strängen: Dem Ausbau der Transportwege in Russland bis zum Schwarzen Meer, dem Bau von vier Erdgasleitungen durch das Schwarze Meer mit einer Gesamtkapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr sowie dem Weiterbau der Gasleitung an Land Richtung Süd- und Mitteleuropa.

Mit South Stream würde Russland eine noch stärkere Kontrolle über die Gasversorgung Europas haben. Schon beim Bau der Ostseepipeline Nord Stream, durch die bereits in diesem Jahr im vierten Quartal erstmals Gas fließen soll, waren Befürchtungen über eine zu große Energieabhängigkeit von Russland laut geworden. Die EU tritt daher auch für das das Nabucco-Projekt ein, das die Erdgasvorkommen am Kaspischen Meer und im Nahen Osten für Europa nutzbar machen soll. Über Nabucco soll ab 2017 Gas in Richtung Europa strömen. Die Pipeline soll an Russland vorbei vom Osten der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn zu einem Erdgasknotenpunkt in Österreich führen.

Russland ist das Nabucco-Projekt ein Dorn im Auge. Am Montag hatte Russland die EU aufgefordert, die Gespräche über eine Pipeline durch das Kaspische Meer mit den Anrainerstaaten Turkmenistan und Aserbaidschan zu beenden. Dies könnte die Spannungen in der Region erhöhen, hieß es im russischen Außenministerium. An Nabucco sind neben dem österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV auch die deutsche RWE , die ungarische MOL , die rumänische Transgaz, die bulgarische Bulgargaz und die türkische Botas beteiligt.

Gazprom steigt in Libyen ein

Ungeachtet seiner früheren Kritik an den Aufständischen in Libyen will Russland nach dem Machtwechsel in Tripolis an den Ressourcen im nordafrikanischen Land mitverdienen. Der Gasmonopolist Gazprom unterzeichnete am Freitag ein Abkommen mit dem italienischen Versorger Eni über den Erwerb von 33 Prozent am Ölprojekt "Elephant" in Libyen. Das meldete die Agentur Interfax aus dem Schwarzmeerort Sotschi. Das Abkommen muss noch von der neuen libyschen Führung gebilligt werden. Ihr Votum gilt als offen.

Ein Grundlagenabkommen über das Projekt hatten Gazprom und ENI bereits im Februar 2011 in Rom unterzeichnet. Andere Gesellschafter sind die südkoreanische KNOC und der nationale libysche Ölkonzern NOC, die gemeinsam das letzte Drittel der Aktien kontrollieren. Nach Expertenschätzung wird Gazprom für den 33-Prozent-Anteil am "Elephant"-Projekt rund 178 Mio. US-Dollar (129,4 Mio. Euro) zahlen. (APA)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.