"Man sieht, dass es schwierig genug ist, überhaupt zur europäischen Mittelschicht zu gehören", sagt Austria-Trainer Daxbacher - Diese Erkenntnis gilt auch für Sturm Graz und Red Bull Salzburg
Wien - Die Südamerika-Auswahl von Metalist Charkiw war am Donnerstagabend zum Auftakt der Fußball-Europa-League eine Klasse zu stark für die Austria. "Charkiw war die klar bessere Mannschaft, wir sind permanent unter Druck gestanden", gestand Trainer Karl Daxbacher, dessen Team nach schneller 1:0-Führung noch 1:2 verlor. Um im Aufstiegsrennen der Gruppe G weiter mitzumischen, ist am 29. September auswärts gegen den schwedischen Meister Malmö FF verlieren bereits verboten.
Austria muss Charkiws Stärke anerkennen
"Man sieht, dass es schwierig genug ist, überhaupt zur europäischen Mittelschicht zu gehören", redete Daxbacher nicht lange um den heißen Brei herum. "Wir haben gegen die spielerisch beste Mannschaft der Gruppe gespielt", sagte der defensive Mittelfeldspieler Alexander Grünwald nach dem Duell mit den "Ukrainern", in deren Startelf fünf Argentinier, drei Brasilianer und ein Senegalese standen.
"Man muss zugeben, dass Charkiw eine starke Mannschaft ist. Sie haben sehr gut kombiniert", erklärte Tomas Jun, dank dessen 1:0 bereits nach sieben Minuten trotz des Klasseunterschieds deutlich mehr drinnen war. "Nach dem 1:0 waren wir zu passiv", sagte Daxbacher. "Wir hatten zwei völlig verschiedene Spielhälften", analysierte Verteidiger Florian Klein. "Vor der Pause sind wir kompakt gestanden und haben gefährlich gekontert. Danach war das taktische Konzept weg, wir sind zu weit auseinander gestanden", meinte Klein.
Geärgert haben sich die Austrianer vor allem darüber, dass die Gegentore aus Standardsituationen, also nach einem Corner und aus einem Elfmeter, gefallen sind. "Beide Tore waren sehr unnötig, wir hätten uns ein Unentschieden verdient gehabt", meinte Nacer Barazite enttäuscht.
Die Austria-Spieler haben die Hoffnung auf die K.o.-Phase aber noch lange nicht aufgegeben. "Es gibt noch 15 Zähler zu holen, in Malmö müssen wir aber punkten", weiß Zlatko Junuzovic. "Es ist noch nichts verloren", meinte Alexander Grünwald. "Der zweite Platz ist auf jeden Fall noch drinnen", stellte Barazite fest.
Sturm fehlte gegen Lok die Klasse
Wie auch schon 2009 hat die Gruppenphase für den SK Sturm Graz mit
einer Heimniederlage denkbar schlecht begonnen. Das 1:2 gegen Lok Moskau war
aber nicht der einzige negative Aspekt am Donnerstagabend, wurde doch die
Verletztenliste von Österreichs Fußball-Meister noch um zwei Kicker länger und
der Klasse-Unterschied vor allem im Spiel nach vorne klar ersichtlich.
Die aufgrund des Flutlichtausfalls 40-minütige Verspätung des Anpfiffs hatten
die Grazer noch gut verkraftet. Imre Szabics sorgte nach Wolf-Zuspiel mit einem
platzierten Schuss ins Eck für die Führung der Grazer. Hätte der ungarische
Teamstürmer gleich darauf das 2:0 gemacht, wäre die Partie vielleicht zugunsten
der Grazer gelaufen, so sorgten die Russen aber schnell für die Wende. Zwei
Standardsituationen reichten, um das Spiel innerhalb von rund einer Minute zu
entscheiden. "Wir haben die Führung leichtfertig aus der Hand gegeben, das darf
auf diesem Niveau nicht passieren", ärgerte sich Szabics.
Die entscheidenden Fehler bei Standardsituationen hatten auch schon in der
Play-off-Runde der Champions League gegen BATE Borisow (1:1 und 0:2) den Einzug
in die "Königsklasse" verhindert. "Wir haben geschlafen, das war symptomatisch
für unser Spiel in der Defensive, wir waren in den entscheidenden Phasen nicht
präsent", kritisierte Foda das Abwehrverhalten seiner Mannschaft.
Beim 1:1 prallte der Ball nach einem Schischkin-Freistoß vom Fuß von Obinna
etwas glücklich ins Tor. "Wir üben solche Situationen 100 Mal im Training, da
entstehen fast nie Tore", meinte Foda. Beim 1:2 knallte Gluschakow den Ball nach
einem schnell abgespielten Freistoß aus mehr als 30 Metern an die Latte, ehe
Sytschew am schnellsten reagierte und mit links trocken abstaubte. "Wir haben
leider nur in den ersten 20 Minuten guten Fußball gespielt. Wenn man dann so
einfache, dumme Gegentore bekommt, kann man auf internationaler Ebene nicht
bestehen", analysierte Foda.
Der Doppelschlag hatte die Grazer komplett aus dem Konzept gebracht, in der
Folge war das Bemühen zwar zu erkennen, sie waren aber an Harmlosigkeit nicht zu
überbieten und schafften es nicht, eine richtige Torchance herauszuspielen. "Man
hat gesehen, dass der eine oder andere nicht in der Lage war, über 90 Minuten
volles Tempo zu spielen. Uns hat es an der Passgenauigkeit, Dynamik und an
Kreativität gefehlt", kannte Foda die Gründe für die Niederlage. "Das Spiel wäre
noch zu drehen gewesen, aber wir waren einfach schwach", fügte der Deutsche
hinzu.
Ein Hauptgrund war sicher die akute Verletzungsproblematik beim heimischen
Titelverteidiger. Nach Koch, Kienast, Säumel und Gratzei, der noch am Donnerstag
am Meniskus operiert wurde, fielen vor der Partie noch Dudic und Sandro Foda
aus, während des Spiels gesellten sich auch noch Hölzl und Feldhofer dazu. "Aber
es bringt nichts zu jammern. Sich auf die Ausfälle auszureden, ist mir zu
billig", meinte Foda. Kapitän Manuel Weber sah das etwas anders. "Das
Verletzungspech hat uns sicherlich auch nicht gut getan. Uns fehlen wichtige
Spieler, wenn die alle an Bord sind, können wir in dieser Gruppe mit Sicherheit
konkurrenzfähig sein."
Am 29. September steht nun das Auswärtsspiel gegen AEK Athen auf dem
Programm, die Griechen verloren zum Auftakt in Anderlecht 1:4. "Ich hoffe, dass
wir noch einige Punkte machen werden", sagte Foda. "Es war erst das erste von
sechs Spielen", ist für Torschütze Szabics noch nichts verloren. Allzu große
Hoffnungen darf man sich aufgrund der Darbietung in den jüngsten sechs
Europacup-Spielen, in denen es nur einen vollen Erfolg (1:0 gegen FC Sestaponi)
gab, aber nicht machen.
Salzburg zahlte in Paris Lehrgeld
Red Bull Salzburg hat am Donnerstag auf internationalem Parkett wieder einmal
schonungslos seine Grenzen aufgezeigt bekommen, Österreichs Fußball-Vizemeister ging bei Paris St. Germain mit 1:3 (0:2) unter.
Dabei hatte sich das französische Millionen-Ensemble lange Zeit ebenfalls nicht
in berauschender Form präsentiert.
Die Salzburger brachten sich durch Eigenfehler um die Früchte eines
couragierten Auftritts in der ersten halben Stunde. Trainer Ricardo Moniz ortete
einen "Mangel an Disziplin" als Grund. Stefan Maierhofer etwa hatte den
vorentscheidenden Elfmeter zum 0:1 durch einen Outeinwurf eingeleitet, für den
er nicht vorgesehen ist. "Disziplinär waren wir nicht immer top", sagte Moniz.
Die Lufthoheit von Maierhofer sei zu wenig ausgenützt worden. Zudem vermisste
der Niederländer die Ruhe am Ball. "Wir haben Bälle ohne Druck weggeschossen",
kritisierte Moniz. Spiele gegen internationale Klassegegner seien aber die beste
Möglichkeit zur Weiterentwicklung. "Wir haben unsere Lektion gelernt. Im
nächsten Europa-League-Spiel kann es schon besser sein."
Das bestreiten die Salzburger am 29. September zu Hause gegen Slovan
Bratislava - vermutlich ein Pflichtsieg, will man in Gruppe F weiter eine Rolle
spielen. Der slowakische Meister war zum Auftakt Athletic Bilbao zu Hause 1:2
(1:2) unterlegen. "Wir nehmen die positiven Dinge aus der ersten halben Stunde
mit", erklärte Moniz. "Es geht noch fünf Spiele, es ist noch nicht vorbei."
PSG hat seine Favoritenrolle nach Anlaufschwierigkeiten allerdings bestätigt.
"Paris prickelnd. Durch einen dominierenden Sieg über Red Bull Salzburg beweist
PSG sein lebendiges Interesse am europäischen Wettbewerb", schrieb die
französische Sportzeitung "L'Equipe" am Freitag. "Um Red Bull Salzburg zu
ertränken, hat ein bisschen Champagner-Fußball gereicht."(APA)