Der schwere Stand der Jagdgesellschaft

15. September 2011, 20:15
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    foto: reuters

    In einem solchen Urinal im Antidoping-Kontrollzentrum fanden Flüssigkeitsabgabe sowie deren Analyse bei der Leichtathletik-WM in Daegu statt.

Bei einem internationalen Symposium in Freiburg wurde versucht, eine elementare Frage zu beantworten: Wo steht der Anti-Doping-Kampf? Die Szene schwankt zwischen Zuversicht und Ohnmacht

Freiburg - Irgendwann wurde Arne Ljungqvist die Stimmung zu destruktiv, also ergriff der Vizepräsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada das Mikrofon. "Ich bin optimistisch, was den Kampf gegen Doping angeht" , sagte der 80-Jährige. "Die Wissenschaft hat immer wieder bewiesen, dass sie Mittel findet, die zu finden ihr niemals jemand zugetraut hat. Und so wird es immer wieder kommen."

Viele Experten freilich wollten den Optimismus des Schweden nicht teilen. Das Rennen gegen die Betrüger im Sport scheint noch immer eines zwischen Hase und Igel zu sein. Weniger als ein Prozent der getesteten Athleten wird erwischt, dem wissenschaftlich extrem belastbaren Modell des Schweizer Statistikers Pierre-Edouard Sottas zufolge sind allerdings mindestens 14 Prozent aller Spitzensportler gedopt. Und sie dopen intelligent, skrupellos und effizient.

Das Horrorszenario

Immer neue Variationen des Klassikers Epo, verabreicht in extrem schwer, weil nur kurz nachweisbaren Mikrodosen, machen den Jägern das Jagen schwer, zumal die weltweite Durchführung unangemeldeter Tests rund um die Uhr eine Utopie ist. Hinzu kommen die Wachstumshormone. Und vor allem das Horrorszenario eines genmutierten Superathleten bürdet der Szene ein weiteres, extrem schwer fassbares Thema auf.

"Der Kampf gegen Doping ist nicht beendet, er hat im Gegenteil gerade erst begonnen" , sagte Richard Pound. Der Gründungspräsident der Wada trug durch schonungslose Offenheit maßgeblich dazu bei, dass in Freiburg Zweifel an der Effektivität der Anti-Doping-Arbeit eher auf- als abgebaut wurden. Ein weiterer seiner Sätze lautete: "Ein Sportler, der bei Wettkämpfen erwischt wird, muss durch zwei Tests gefallen sein: den Dopingtest und den IQ-Test. Denn so blöd kann er eigentlich gar nicht sein."

Zudem verwies der Kanadier immer wieder auf die Interessenkonflikte, in denen sich die Entscheider im Sport befinden. Zum Beispiel das Internationale Olympische Komitee (IOC), dem Pound beinahe als Präsident vorgestanden wäre, hätte er 2001 nicht die Wahl gegen Jacques Rogge verloren. Ende dieses Jahres veröffentlicht die Wada angeblich ihren sogenannten Compliance-Report (Einhaltungsbericht), in dem diejenigen Staaten gebrandmarkt werden sollen, die sich nicht an den Wada-Code gehalten haben. Nach den IOC-Statuten müsste diesen Ländern die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London verwehrt werden. "Glauben Sie ernsthaft, das IOC wäre so konsequent?" , fragte Pound in die Runde.

Perikles Simon, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Uni Mainz, berichtete eher beiläufig, dass er von einer Gruppe deutscher Sportpolitiker eingeladen und um Rat gefragt worden war. Er sei ausgelacht worden, als er die Notwendigkeiten für einen effektiven Anti-Doping-Kampf erläuterte. Simon: "Glauben Sie, da gehe ich noch einmal hin?"

Der Mainzer ist Experte für das ultimative Horrorszenario: Gen-Doping. Eine Variante funktioniert in der Theorie vereinfacht wie folgt: Der Sportler spritzt sich sogenannte rekombinante Viren, die die Erbsubstanz von Epo im Muskelgewebe ablegen, wo dann scheinbar körpereigenes, "sauberes" Epo produziert wird. Die Methode ist möglicherweise perfekt steuerbar, da der Prozess theoretisch erst von außen durch die Einnahme eines Antibiotikums aktiviert werden kann.

Niemand weiß, ob es schon Sportler gibt, die an ihrem Erbgut herumgepfuscht haben. Simon fürchtet, dass "sich die ersten Bodybuilder solche Viren schon gespritzt haben" . Der Weg aus den Studios bis in den Spitzensport sei noch nie weit gewesen. Die gute Nachricht: Simon hat nach eigenen Angaben bereits ein Verfahren entwickelt, das diese Form von Gen-Doping nachweist, auch rückwirkend, im eingefrorenen Blut von Athleten. (sid, red - DER STANDARD, Printausgabe 16.9. 2011)

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10 Postings
Zukunftsoptimist1
00
24.9.2011, 15:15
Alle machen es, einige erwischt man,

das Ganze nennt sich Doping-Bekämpfung. Das Theater wäre zum Lachen, wären die Folgen nicht so traurig. Die einzige Lösung: gedopter Sport wird "uninteressant" für Zuschauer, dann gibt es auch kein Geld und ohne Geld keine Musi. Auch so kann sich der Wettkampfsport nach über einem Jahrhundert überleben. Schade.

ludwig123
01
20.9.2011, 06:19

wenn man die Leistungen der Jamaikaner Powell, Bolt und Blake anschaut fragt man sich, wie die anderen Sprinter trainieren weil sie so weit hinten sind.
Sind die Trainer der Jamaikaner auf einmal so gut und die der USA so schlecht?
So viele Supertalente in Jamaika....Zufall?

....derzeit haben die Doper einen Vorsprung

ice daisie
00
16.9.2011, 22:51

tja, noch elementarer wäre die frage: was ist eigentlich doping, warum, und was nicht und warum

Austro Schleck Fan
21
16.9.2011, 15:34
Nicht schon wieder

Einfach nicht mehr so hohe Standarts setzten, geringere bis keine Prämien im Sport, das Geld lieber Bedürftigen schenken, dann hören die meisten auf mit dem Pharma-Mist!

FEKTER BITTE SCHLEICH DICH ABER NACHHALTIG
10
17.9.2011, 19:41

nach dem das unrealistisch ist, folgender Vorschlag:

Zwangsdoping für alle, dann ist keiner mehr benachteiligt.

Boys Noize
12
17.9.2011, 03:54

Ja klar träum weiter, deshalb wird ja auch von Freizeitsportlern gedopt was der Schwarzmarkt hergibt.

jerry springer
04
16.9.2011, 14:31
brandmarken, strafen, freiheiten eingrenzen...

...vielleicht braucht die wada einfach neue gedankenmuster, ich weiß schon lange nicht mehr, was jetzt schädlicher sein soll: doping oder die antidemokratischen gelüste der guten.

Adolf Kottan1
 
12
16.9.2011, 12:29
ja ja...

der "kampf" gegen doping: ein großartiges geschäft der pharmaindustrie.

doping gehört seid der antike zum sport, wie das tägliche training.

ps: 1991 und 2002 sind nach der einfürhung besserer epo test - in den jahren danach, bis man doping wieder kaschieren konnte - mehr junge sportler verstorben als sonst.

avision
22
16.9.2011, 09:42
Dr. Rüdiger Dahlke - Woran krankt die Welt? - Moderne Mythen der Konsumgesellschaft

Ohne den amerikanischen Materialismus,
den als Erstes an einem Menschen interessiert, wie viel Dollar er macht, zu kennen wird es schwer, unsere heutigen Karriere- und Beziehungsmuster einzuschätzen. Was macht die Anziehungskraft aus? McFood und McJobs regieren zunehmend McWorld.

Tausende von Tonnen Psychopharmaka werden in den USA und auch in Deutschland routinemäßig Minderjährigen verabreicht, damit sie so funktionieren, wie das in einer modernen Großstadt in einem ehrgeizigen Elternhaus, das auf beste Ausbildung Wert legt, für notwendig erachtet wird. Hier haben wir es ebenfalls mit Doping zu tun. Jedes Doping hat seinen Preis.

Goethes Faust erkennt, dass er für alles zahlen muss. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann.

goldene mitte
00
19.9.2011, 13:21
es kommt wahrscheinlich gut,...

... in einem posting zum thema doping den faust zu erwähnen. wenn sie jetzt noch erläutern möchten, wann selbiger erkannt hat, dass er für alles zahlen müsse?

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