"Wir machen den Stephansplatz zum Tahrir-Platz"

15. September 2011, 18:29
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    foto: standard/corn

    Das Volk erhebt sich von der Kirchenbank: Der "Aufruf zum Ungehorsam" von Helmut Schüllers Pfarrerinitiative soll jetzt die Basis für eine sanfte Revolution gegen Rom sein.

Im Haus Gottes ist Feuer am Dach - Die klerikalen Protestbewegungen vernetzen sich jetzt und rufen zur Revolution des Kirchenvolkes auf - Statt auf Gespräche mit den Bischöfen setzt man jetzt vor allem auf Aktionismus

Linz - Das Dunkel der Nacht umhüllt das Linzer Priesterseminar. Nur im Seminarraum "Heiliger Severin" brennt an diesem Mittwochabend noch Licht. Nein, es sind nicht strebsame Priesteranwärter, die sich zu später Stunde biblischer Lektüre hingeben - es ist der katholische Widerstand.

Am Mittwoch trafen einander in Linz Vertreter von "Wir sind Kirche", der Pfarrerinitiative, "Priester ohne Amt" und der Laieninitiative. Mit einem Ziel: künftig gemeinsam "ungehorsam" zu sein. Insgesamt 60 Klerikal-Rebellen fanden sich kurioserweise im Priesterseminar ein, um über gemeinsame Strategien im Kampf um eine Kirchenreform zu beraten. Basis ist der derzeit viel diskutierte "Aufruf zum Ungehorsam" der Pfarrerinitiative rund um den ehemaligen Wiener Generalvikar Helmut Schüller. Unter anderem wird die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt, die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene und eine Änderung beim Zölibat gefordert.

"Die einzelnen Gruppen werden sich jetzt stärker vernetzen. Wir gehen den Weg nun gemeinsam. Die Bischöfe verweigern leider den Dialog, es braucht jetzt ein klares Handeln. Die Bischöfe glauben ja immer noch, dass sich die Welt dreht, wenn sie ein bisschen mit ihrem Schreibtischglobus spielen. Aber die Welt dreht sich auch ohne die Bischöfe", erläutert Hans-Peter Hurka, Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche" im Gespräch mit dem STANDARD. Noch nie seien die Reformchancen so groß gewesen wie jetzt. Hurka: "Die Zeit ist reif. Erstmals rebelliert nicht nur die Basis, die Laien, jetzt ist es der Mittelbau - die Priester -, der laut aufschreit."

Marsch auf den Bischofshof

Und der Appell des Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, doch endlich "vom Gas" zu gehen, scheint unter den Kirchenrebellen auf wenig Gehör zu stoßen. "Wir steigen jetzt erst so richtig aufs Gas. Wir planen konkrete Aktionen, etwa einen Marsch in einen Bischofshof. Da bin ich dann gespannt, was der Bischof macht, wenn plötzlich 500 Leute dort auftauchen. Auch ist eine Ausweitung der sogenannten Donnerstaggebete für die Erneuerung der Kirche geplant", erläutert Hurka.

Anton Achleitner von "Wir sind Kirche" setzt nach: "Es ist wie in Ägypten. Es wird die Revolution des Kirchenvolkes in Österreich geben. Wir machen den Stephansplatz zum Tahrir-Platz. Eine Spaltung in der katholischen Kirche wolle man aber nicht. Hurka: "Es geht nicht um eine reine Provokation, auch wenn man uns Aktionisten schimpfen mag. Es geht um die Verantwortung leidenden Menschen gegenüber. Wir brauchen endlich ein Glaubensbild, das ins 21. Jahrhundert passt. Es gilt diese Wende voranzutreiben, sonst geht es den Bach runter."

Kardinal Christoph Schönborn lässt hingegen via diözesanem Rundschreiben verlautbaren, er wolle das Priesteramt offenbar nicht für Frauen oder verheiratete Männer öffnen. Denn die aktuellen Strukturen aufrechtzuerhalten, indem etwa die Zulassungsbedingungen geändert werden, sei "zu konservativ" gedacht. (Markus Rohrhofer, STANDARD-Printausgabe, 16.9.2011)

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Blick Winkel
01
21.9.2011, 17:21

Ein Mann der großen Respekt verdient!

Salz Burger
10
22.9.2011, 18:22

jemand, dem sein Job nicht mehr gefällt, der das aber nicht zugibt sondern allen anderen dafür die Schuld zuschiebt, verdient keinen Respekt. Das ist eher lächerlich. Kindergarten-Niveau.

Heavyweather
22
18.9.2011, 10:33

Würde nur funktionieren wenn sie es schaffen sich ab zu spalten, eine neue Kirche zu gründen und die Kirchenbeiträge um zu leiten.

Bleibt immer noch der Schaß den sie "glauben".

Wissen ist Macht, meine Lieben.
Geld ist Macht.

skip intro
00
20.9.2011, 20:09

Beim Wort "abspalten" brauchen Sie nichts abzuspalten, das darf man nach wie vor zusammenschreiben. Wie auch "zusammenschreiben". Außer man will zusammen etwas schreiben ...

Cleaner
01
17.9.2011, 19:54
Jesus !

Der Erlöser ------->http://youtu.be/nXyDfbzyOcM

the cato eater
01
17.9.2011, 13:55
der stephansplatz

sollte aus anderen gründen zum tahrirplatz werden: soziale devastierung, demokratieabbau, sowie eine politik die man nur noch als lobbying bezeichnen kann und keinesfalls im interesse eines großteils der bevölkerung ist. angesichts der tatsache dass dadurch immer mehr leute unter die räder kommen und an den rand jeglicher existenzmöglichkeit gedrängt werden, erscheinen mir die anliegen der kirchenkritiker, bei allem respekt vor h. schüller und mitstreitern, doch nebensächlich.

litswd
02
17.9.2011, 14:55

gleic vorweg: die von ihnen angesprochenen probleme sind natürlich nicht kleinzureden!
aber: für gläubige menschen wie Schüller (oder mich) ist das leben in "unserer" kirche nun mal auch sehr wichtig, da vesteh ich sehr gut, dass er diese proteste gerade am Stephansplatz, also vor der haustür des kardinals fordert.
ich bin kaholik, und befürworte die forderungen der priesterinitiative voll. gleichzeitig ist es mir als österreicher natürlich ein anliegen, gegen demokratieabbau, korruption etc. aufzutreten.
ich möchte auf keinen fall diese beiden punkte gegeneinander ausspielen, aber wenn sie so wollen glaube ich, dass proteste die den staat betreffen am Ballhausplatz besser aufgehoben sind.

zhang sanfeng
01
17.9.2011, 15:59

vorschlag zur güte:
möge der arabische frühling als österreichischer herbst die route vom stephansplatz zum ballhausplatz unter umgehung des heldenplatzes nehmen.

litswd
00
17.9.2011, 18:50
passt

bin dabei.

BBC
01
16.9.2011, 22:52
Wenn der Herrgott net wü nutzt des gor nix...

mike1004
84
16.9.2011, 21:05
statt kapriziöser Priesterattrappen:

http://www.aufruf-zum-gehorsam.eu/

misfits74
 
00
27.9.2011, 14:51
wenn du willst,

dann lauf halt dem mittelaltersexistenverein nach!

Tuco Ramírez
00
19.9.2011, 22:00

"Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen."

Also, weshalb sollte irgendwer vor dem selbsternannten Servus Servorum Dei zu Boden kriechen?

A Voice
00
16.9.2011, 19:52
Den Vergleich mit dem Tahrir-Platz

finde ich ein wenig daneben. Prinzipiell wünsch ich viel Spaß und Alles Gute beim Reformieren.

apostata1
 
22
16.9.2011, 17:55
ki-reform kratzt mich nicht

aber die rkKi hat menschheitsverbrechen begangen, zb die zus.arbeit mit den kolonialherren und dem sklavenhandel (Sh Jean Ziegler), der Süden ist erwacht und erinnert sich dieser verbrechen, die niemals gesühnt wurden. am ende der rkKi soll sie endlich einmal zur kasse gebeten werden. die NAZI kooperation gehört auch dazu.

KammerlExperte
02
16.9.2011, 16:47
Auch recht interessant eine DE-Doku

2 Teiler Index die schwarze Liste des Vatikan

welche Bücher der Zensur zum Opfer fielen.

Zu finden in der Newsgroup a.b.tv.german.

peace & love
00
16.9.2011, 16:29
vel einfacher :

datenbauer
21
16.9.2011, 16:13

gas geben, tahrir-platz, aktionen... jetzt fängt diese drecksrhethorik auch hier an. donnerstagsgebet und tag des ungehorsams ist um nichts besser als freitagsgebet und tag des zorns...

passt bloß auf, dass der stephansplatz nicht zum platz des himmlischen friedens wird...

Joseph Roth1
00
16.9.2011, 16:15
"Kampfbeten"

hat noch nie geholfen.

Mediator113
10
16.9.2011, 19:33

Beten auch nicht.

Hörmen Maia
00
17.9.2011, 23:40
Gedankenübertragung!

Das hat schon was. Natürlich: Die Schnapsidee mit dem zentralen Gebetsserver "Gott" ist natürlich Blödsinn, aber das sich auf wen anderen konzentrieren (sei es nun via Gebet oder was anderes) hat was. Muss nur noch physikalisch erforscht werden.

sandokan55
01
16.9.2011, 21:45

paar Milliarden Menschen haben eine gegenteilige Meinung!

Mediator113
01
17.9.2011, 08:33

Abgesehen von der inherenten logischen Problematik des Betens (ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott soll entweder durch ständiges Wiederholen eines persönlich sinnfreien Textes zu etwas gebracht werden, oder durch einen Schacherdeal - wenn du mir hilfst, dann mach ich für dich -, als ob ein allmächtiger Gott das nötig hätte, ist wohl viel eher eine Projektion der eigenen Persönlichkeit) und den widersprüchlichen Bitten so vieler (es kann ja nur immer einer gewinnen z.B.), gibt es auch wissenschaftliche Nachweise:
http://www.spiegel.de/wissensch... 05,00.html
Beten hilft im besten Fall dem der betet, wobei zu klären wäre, ob das Beten hier nur Probleme löst, die ausschließlich durch den Glauben entstanden sind

sandokan55
01
17.9.2011, 23:07
"..inherenten logischen Problematik des Betens „...wenn du mir hilfst, dann mach ich für dich ..“

Sie als Person, haben u.a eine Individualität, die nur dann entfaltet werden kann, wenn es auch einen andere gibt. Das Beten ist mMn dafür da, dass eine Person seine Beziehung zum Gott wahrnehmen und in seiner Nähe leben kann.
Die Voraussetzung dieser Nähe ist mMn, dass das Beten aus dem Herzen kommt und
die Beziehungen zu den Mitmenschen gottgefällig gestaltet wird.

Aber einen Tun-Ergehen Effekt zu erwarten, wäre zu einfach, es entspreche nur der menschlichen Denkweise.

Stattdessen vertraut man Gott und blickt mit Optimismus in die Zukunft.
Es ist wunderbar immer wieder zu beobachten, wie z.B. Sorge, Probleme sich auflösen, auch wenn man vorher keine Ahnung hatte, wie diese zu lösen sind.
Manche reden vom Glück, ich denke an Gott.

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