Linksruck

In Kopenhagen regiert künftig erstmals eine Frau

16. September 2011, 11:03
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    foto: ap photo / lars krabbe/polfoto

    Jubel bei der sozialdemokratischen Wahlsiegerin Helle Thorning-Schmidt.

Premier Rasmussen tritt nach Wahlniederlage zurück - Thorning-Schmidt wird erste Frau im Premiersamt

Kopenhagen - Nach dem Wahlsieg für Mitte-Links in Dänemark hat die sozialdemokratische Parteichefin Helle Thorning-Schmidt mit Sondierungen für die Regierungsbildung begonnen. Die 44-Jährige kommt als erste Frau an die Spitze einer Regierung in Kopenhagen. Sie bereitete ihre Landsleute am Freitag auf eine möglicherweise langwierige Regierungsbildung vor. Die Sozialdemokraten wollen massive öffentliche Investitionen zur Ankurbelung der Konjunktur durchsetzen.

Der bisherige rechtsliberale Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen (47) reichte bei Königin Margrethe II. seinen Rücktritt ein. Wie erwartet vergab die Regentin wenig später den Auftrag zur Regierungsbildung an Thorning-Schmidt. Rasmussen bleibt bis zu deren Abschluss geschäftsführend im Amt.

Thorning-Schmidt verschob den Start von Koalitionsverhandlungen. Nachdem sie zunächst noch am Freitag die Gespräche mit den Sozialliberalen ("Radikale Venstre") und den Volkssozialisten (SF) aufnehmen wollte, soll es nun "frühestens am Wochenende" losgehen. Als Grund dafür nannten Beobachter das ausgeprägt schwache Wahlergebnis der Sozialdemokraten. Sozialliberale und die als Mehrheitsbeschaffer vorgesehene Einheitsliste hatten massive Zugewinne verbucht und gelten als die eigentlichen Wahlgewinner. Entsprechend stark gehen sie in die Verhandlungen.

Thorning-Schmidt sagte im Sender TV2 News: "Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen." Zusammen mit der linken Einheitsliste hat der Mitte-Links-Block eine Mehrheit von 92 zu 87 Mandaten im neuen Kopenhagener Folketing.

Seit Ende 2001 hatte in Kopenhagen eine Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Konservativen mit der rechtspopulistischen Partei DF (Dänische Volkspartei) als Mehrheitsbeschafferin regiert. Thorning-Schmidt, die vor vier Jahren mit ihrer ersten Kandidatur gescheitert war, freute sich in der Wahlnacht, dass das "Machtmonopol" der Rechtspopulisten nun gebrochen sei. DF-Chefin Pia Kjærsgaard galt als treibende Kraft hinter der betont harten dänischen Außenpolitik.

Die Sozialdemokraten erzielten mit 24,9 Prozent und einem Minus von 0,6 Punkten (gegenüber 2007) ihr schlechtestes Wahlergebnis seit 1903. Die Rechtsliberalen ("Venstre") des bisherigen Regierungschefs Rasmussen wurden mit einem Plus von 0,4 Punkten auf 26,7 Prozent erneut stärkste Kraft. Rasmussen sagte dazu am Freitag: "Ich kann erhobenen Hauptes abtreten."

Den höchsten Zugewinn schaffte die linke Einheitsliste mit einer Verdreifachung ihres Stimmenanteils auf 6,7 Prozent. Sie will als Mehrheitsbeschafferin mit der Mitte-Links-Minderheitsregierung zusammenarbeiten. Die Sozialliberalen sind mit einem Plus von 4,4 Punkten auf 9,5 Prozent zweiter Sieger der Dänen-Wahl. Mit 87,7 Prozent fiel die Wahlbeteiligung unter den 4,1 Millionen Stimmberechtigten noch höher aus als zuletzt 2007 mit 86,6 Prozent. (APA/Reuters)

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Posting 1 bis 25 von 201
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LL MM
00
18.9.2011, 00:02

Diese Gucci-Queen ist ja ein ganz lustiges Mädchen. Tritt gegen Privatschulen auf und schickt dann selber ihre Tochter dorthin.

Auf ihre Doppelmoral angesprochen, meinte sie nur: "Eine Wahl, die ich nicht als Politikerin, sondern als Mutter getroffen habe". Haha.

In Dänemark haben die offenbar auch nicht die bessere Auswahl an Politikern als wir.

Captain Smoker
01
17.9.2011, 17:58
Irgendwie komisch.

Das schlechteste Ergebnis einer Partei seit über 100 Jahren wird als großer Sieg gefeiert.

byron sully
23
16.9.2011, 17:17
sehr schön!

ich freu mich sehr (werd mir zur feier des tages am abend ein tuborg genehmigen). nicht nur deswegen, weil es nach den ewigen siegen von parteien rechts der mitte in der EU mal endlich wieder abwechslung gegeben hat, sondern insbesondere, weil die nach der ungarischen und italienischen so ziemlich drittwiderlichste regierung in der EU abgewählt wurde. und schön auch irgendwie, daß der erfolg des mitte-links-bündnisses nicht so sehr einer der sozialdemokraten, sondern vor allem einer der sozialliberalen und der einheitsliste ist.

100101
00
16.9.2011, 18:37
"drittwiderlichste EU-regierung abgewählt"

Stimmt!

Austro Schleck Fan
00
16.9.2011, 15:12
Sympatisches Land, sympatische Frau und die richtige Partei!

Mich wundert nur: so viele Linksparteien, aber darunter KEINE Grüne.... Gfrei mi scho auf die Straßenrad-WM in Kopenhagen nächste Woche!

Chanel3
12
16.9.2011, 13:56
Jedenfalls jaulen die nicht gleich "Feminat" in Dänemark.

Im Gegensatz zu hier, wo's viele Männer ja nicht ertragen, ein paar Frauen in leitenden Positionen zu sehen.

In Dänemark sind die Vorsitzenden von 4 der 9 angetretenen Parteien weiblich. Übrigens.

byron sully
22
16.9.2011, 17:19

stimmt, da sind uns die skandinavischen länder um einiges voraus. hierzulande hat's niemanden aufgeregt, als bei der letzten eu-wahl die ersten sieben(!) auf der bzö-liste allesamt männer waren. aber kaum ist irgendwo eine frau spitzenkandidatin, gilt sie hierzulande automatisch als quotenfrau.

politisch verfolgt
18
16.9.2011, 14:16
na und?

vielleicht sind dänische frauen einfach politisch interessierter und aktiver. die tatsache, daß frauen in österreichs politik weniger führungsaufgaben haben ist kein bewies dafür, daß frauen in österreichs politiklandschaft unterdrückt werden.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
11
16.9.2011, 13:35
wenn die Sozialdemokraten dort so beinander sind, wie unsere, kann wohl

von einem Linksruck nur geträumt werden

byron sully
00
16.9.2011, 17:22

na ja, es sind ja nicht nur die sozialdemokraten. die drei anderen bündnispartner kommen zusammengerechnet auf ebenfalls ca. 25%.

Igor Gassner
00
16.9.2011, 15:54
1% verlust an Wählerstimmen

aber das gesamtbündnis der Linken hat gewonnen

Cesarus55
24
16.9.2011, 13:33
Mal sehen

wie lange Dänemark noch ein Vorzeigestaat ist. Bis jetzt war er es zumindest.

byron sully
42
16.9.2011, 17:20

vorzeigestaat? wirtschafts-/sozialpolitisch ja, das stimmt schon. aber was da an brutaler fremdenpolitik aufgeführt wurde oder die wiedereinführung von grenzkontrollen, ist ja echt abartig.

politisch verfolgt
01
16.9.2011, 21:38
was bitte

ist an der wiedereinführung von grenzkontrollen so "abartig"? es ist eher ein populistischer gag, der vielleicht nervt, weil er an der grenze zeit kostet, so wie früher halt. aber sie tun ja so, als würden dort einreisewillige mißhandelt und gefoltert.

byron sully
00
17.9.2011, 13:00

es wäre nicht abartig, wenn dänemark gleichzeitig aus schengen austreten würde. gleichzeitig schwanger und nicht schwanger zu sein, geht schließlich auch nicht.

politisch verfolgt
00
19.9.2011, 11:11
schengen erlaubt

die zeitlich begrenzte enführung von genzkontrollen ausdrücklich. so geschehen bei der fußball-em.

byron sully
00
19.9.2011, 15:54

unter "zeitlich begrenzt" versteh ich aber ein paar tage bis maximal ein paar wochen - und das aus einem konkreten triftigen grund.

mans zelmerlöw
03
16.9.2011, 17:53

sagt jemand der dänemark vielleicht von einem wochenendshoppingtrip in kopenhagen kennt...

RogerRabbit
11
16.9.2011, 12:16

finde sie sehr sympathisch und dass man sie "Gucci-Sozi" nennt, weil sie teure Kleider trägt finde ich sehr amüsant

Poldi Fesch
13
16.9.2011, 12:49
wird aber

vom Standard konsequent verschwiegen

Erik der Rote
03
16.9.2011, 12:25

ja wirklich, sehr amüsant :-(

mirko burijan
01
16.9.2011, 12:15
absage an den konsens von washington?

ost bahn
00
16.9.2011, 18:32
10 Jahre NATO-Rasmussen Tyrannei waren genug!

"Aus dem früher als freundlich-liberal und etwas konfliktscheu geltenden Land ist ein Staat mit ausgeprägt harter Ausländerpolitik geworden, der bei internationalen Kriegseinsätzen vorneweg marschiert und von einem brutalen Debattenklima geprägt ist." Der ORF liegt richtig: http://www.orf.at/stories/2... 9/2079217/

das ist synallagmatisch oida!
10
16.9.2011, 11:49
glückwunsch..

..obwohl, eine wochenarbeitsstunde mehr und neue schulden für dänemark..?

politisch verfolgt
54
16.9.2011, 11:43
der erste programmpunkt der dänischen sozis:

schulden machen.
war klar.

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