"Wir sind nicht die Democrazia Cristiana"

15. September 2011, 17:09
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    foto: standard/weisgram

    Dietmar Halper: "Das ist die DNA der ÖVP. Wir bekennen uns bewusst dazu, aus sechs Teilen zu bestehen."

Auch in der ÖVP gibt es Menschen, die sich um die Zukunft Gedanken machen - Zum Beispiel Dietmar Halper; den Direktor der Politischen Akademie

STANDARD: Wie geht's?

Halper: Danke der Nachfrage. Mir selber geht es ganz gut. Und was die Partei betrifft, muss man halt sagen, dass die ÖVP auch schon einmal eine bessere Konjunkturlage hatte. Für uns ein Ansporn, wieder nach oben zu kommen.

STANDARD: Ich frage deshalb so einfallslos, weil die bohrenden Fragen eh schon in der ÖVP selbst gestellt werden. Ich zitiere Ursula Stenzel: Wie kommt die ÖVP aus der Talsohle? Was kann sich die ÖVP noch alles leisten? Warum ist die ÖVP auf der Welt?

Halper: Das sind Fragen, die Frau Stenzel der Wiener ÖVP stellt, aber es gibt jede Menge Gründe, diese Fragen auch für die ÖVP auf Bundesebene zu beantworten. Also: Wie kommen wir aus der Talsohle? Durch gute, beständige Arbeit, durch Besinnung auf unsere Grundsätze und Werte. Dass wir die politische Arbeit ausrichten nach dem, was die ÖVP ausmacht: Verantwortung zu tragen und einen Ausgleich der Interessen zu suchen.

STANDARD: Das führt direkt zur Frage drei der Frau Stenzel. Was sind die Grundsätze der ÖVP? Warum ist die ÖVP auf der Welt?

Halper: Die ÖVP wächst aus drei Wurzeln: das Christlich-Soziale, das Konservative, das Liberale. Und gerade in Zeiten wie jetzt müssen wir uns wieder in Erinnerung rufen, woher wir kommen.

STANDARD: Ginge es eine Spur konkreter?

Halper: Wir müssen die ÖVP als Partei nicht neu erfinden, wir haben mit unseren Werten ein starkes Fundament - Leistung, Verantwortung, Solidarität: anderen beistehen, wo es notwendig ist.

STANDARD: In den vergangenen Jahren hat sich der Eindruck verdichtet, dass diese Solidarität in erster Linie für die Banken da ist.

Halper: Es gibt keinen Punkt im ÖVP-Parteiprogramm, der besagt, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden sollen. Und auch keinen Punkt, dass wer too big to fail wäre. Dafür steht aber sehr viel im ÖVP-Programm über Eigenverantwortung und dass man für Fehler selber geradestehen muss. Auf diese Punkte wurde in der schwierigen Situation der Wirtschaftskrise vielleicht etwas zu wenig Gewicht gelegt.

STANDARD: Sie kümmern sich als Direktor der Politischen Akademie um die Zukunft der ÖVP. Wie wird sich die ÖVP aus dem aktuellen Strudel freischwimmen können?

Halper: Indem wir uns bei politischen Themen klar positionieren, unsere Werte in jeden Lebensbereich herunterdeklinieren. Zum Beispiel im Bereich Bildung, da gibt es eben die Position der Zentralisierung und Gleichmacherei, und es gibt die Position der ÖVP: Jeder nach seinen Neigungen und Talenten, und so Vielfalt fördern. Das müssen wir halt klar herausarbeiten.

STANDARD: Täuscht der Eindruck, oder sind die Christsozialen in ganz Europa ins Schwimmen gekommen?

Halper: Man darf nicht vergessen, dass sich die Finanzkrise in einer großen Dramatik abgespielt hat. Und dass da auch Handlungen gesetzt wurden, bei denen die Grundsätze und Werte des Parteiprogramms nicht erster Gradmesser gewesen sind. Es war einfach auch der Druck da, das System nicht kollabieren zu lassen. Bei Licht betrachtet, kann man sich natürlich auch die Frage stellen, ob damals alles so gescheit gewesen ist. Jedenfalls sollte man überlegen, mit welchen Maßnahmen man Ähnliches in Zukunft vermeidet. Da ist tatsächlich wenig passiert.

STANDARD: Welche Maßnahmen könnten das sein?

Halper: Angefangen mit einer europäischen Rating-Agentur bis hin zur Frage, ob man nicht das Bankensystem so gestaltet, dass sich Banken gegenseitig auffangen können und nicht Staaten Schirme aufspannen müssen.

STANDARD: Die ÖVP ist mit ihren Bünden immer schon in einem sehr fragilen Gleichgewicht von zentripetalen und zentrifugalen Kräften gewesen. Könnte es sein, dass sich so etwas überlebt hat?

Halper: Das ist die DNA der ÖVP. Wir bekennen uns bewusst dazu, aus sechs Teilen zu bestehen. Dass wir also eine Partei sind, in der Wirtschaftstreibende genauso ihren Platz haben wie Arbeitnehmer, Bauern, Senioren, Frauen, Jugend. Das führt uns dazu, dass wir immer die Partei des Ausgleichs waren. Weil wir innerparteilich trachten müssen, Lösungen zu finden, mit denen jeder leben kann.

STANDARD: Die ÖVP hat also Zukunft? Oder geht es ihr wie der Democrazia Cristiana?

Halper: Wir sind nicht die Democrazia Cristiana. Die ÖVP gibt es mit 1600 Bürgermeistern, mit starken Länderorganisationen. Die DC war eine reine Kopfpartei. (Wolfgang Weisgram, STANDARD-Printausgabe, 6.9.2011)

DIETMAR HALPER (42) war von 2001 bis 2008 Geschäftsführer der burgenländischen ÖVP und leitet seither die Politische Akademie der ÖVP in Wien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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Madras
01
3.10.2011, 19:39
Das ist also..

.. der politische Arm der ÖVP.

Redet genauso daher wie der wirtschaftliche Arm (der, der im Parlament sitzt). Leistung, blabla.. Verantwortung.. bla, Leistung.

mml1
02
4.10.2011, 15:29
Jetzt weiß ich endlich....

...wer deren skurriles Marketingkonzept macht. Erschütternd.
Prognose: bei den nächsten Nationalratswahlen wird die FPÖ stimmenstärkste Partei, es geht sich aber knapp eine Koalition SPÖ/ÖVP aus, womit sich erstmals die stimmenstärkste Partei in der Oppositionsrolle wiederfindet, nachdem es Herr Fischer nicht über sich gebracht hat HC mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Wetten????

Der dicke Michl
01
29.9.2011, 11:47
"...in der Wirtschaftstreibende genauso ihren Platz haben wie Arbeitnehmer, Bauern, Senioren, Frauen, Jugend..."

Naja, "Platz" haben die alle, das steht ausser Zweifel. Aber zu reden hat nur eine Gruppe, die hier gar nicht aufgeführt ist: Die Bankstergangster.

Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass die Steuerzahler den Bankstern den Hintern gerettet haben, die aber ihrerseits keinerlei Verpflichtung daraus ableiten. Und sich weiterhin gegen jede Regulierung wehren und noch schlimmer: Genau so weitermachen wie bisher.

Wo ist da die Eigenverantwortung? Wo ist da ein "für Fehler geradestehen"? Nirgends. Denn entweder man enteignet und verstaatlicht die Banken, wo die Eigentümer nicht geschaut haben, oder man lässt die Bank über die Klippe springen. Aber den Zockern raushelfen, das geht gar nicht.

Verdammte Heuchler.

smea_gol
01
20.9.2011, 13:00

wäre die övp ein güter, wäre sie ein verdorbenes lebensmittel, dass von jedem vernünftigen kunden / wähler als sinnloser ladenhüter betrachtet wird.

wie seltsam müssen die leben von menschen verlaufen, die sich im vp-weltbild wiederspiegeln?

sind das all die hanseln, denen in der volksschule ein bleistift vom nachbarn wegenommen wurde ((c) Spindelegger)?

bitte um ernstgemeinte nachposts.
krampfposter a la academius - kaufts euch an boxsack.

Titus Petronius
00
19.9.2011, 09:53
Sehr sympathisch der Herr Halper !

Weiter so!

Ich würde mir nur wünschen dass die Liberale Säule wieder mehr gestärkt wird. Pro Europa und für ein freies offenes Bürgertum.

lieschen müller4
01
16.9.2011, 02:57
Illusion und Wirklichkeit

...Die ÖVP wächst aus drei Wurzeln: das Christlich-Soziale, das Konservative, das Liberale...
Von diesen drei Wurzeln ist nur "das Konservative,bzw.Christliche" vorhanden.Sozial und Liberal haben nie existiert oder sind völlig verkümmert.
...Dass wir also eine Partei sind, in der Wirtschaftstreibende genauso ihren Platz haben wie Arbeitnehmer, Bauern, Senioren, Frauen, Jugend....
Der Platz wird völlig von den Wirtschaftstreibenden,Bauern und höheren Beamtenpensionisten vereinnahmt.Falls noch ein Zentimeter übrig ist,sitzt dort ein aktiver Beamter.

Quargelbrot
21
16.9.2011, 02:20

So, wie der dreinschaut, hat er gerade einen Ministranten weiter unten...

itavalda
11
16.9.2011, 01:12

Hoffentlich zählt der Wirt nach der Veranstaltung die Silbergabeln!

isodora
12
16.9.2011, 00:22
Nun - der Vizekanzler war gerade vor 5 Tagen in Rom, um die Mafia-Direktiven des aktuellen

"Bosses der Bosse" in Privataudienz zu erfragen (Dollfuß-Konkordat und unser vieles Steuergeld wackeln beim Schicksal der DC-VP-Austria).

Und dort haben die Soldati erfahren, dass es um das Geld des Mittelstandes geht, der weiter dringend zu melken ist.
Dafuer die Superreichen, Reichen und Sehr Vermögenden unbedingt zu schonen sind.
Und die Pfaffen bei Grundstern.
Und dann erst recht der Ex-Adel.

Karl Heiden1
00
15.9.2011, 23:48
"Die DC war eine reine Kopfpartei"

Da ist der Akademie-Chef aber schlecht informiert. Er sollte "Don Camillo und Peppone" von Guareschi nachlesen, um seine peinliche Wissenslücke über das historische italienische Parteiensystem zu schließen.
Und was die absonderliche Überlegung, "die Banken sollten sich selber gegenseitig auffangen", betrifft: Das hat man ja im Gefolge des Niedergangs der Lehman Brothers gesehen, wie sich die Bankinstitute vor lauter Misstrauen gegenseitig keine kurzfristigen Darlehen mehr gegeben und damit die Krise nur noch verschlimmert haben. "Auffangen" bedeutet unter den Bedingungen der Konkurrenz nur "schlucken" ...

walter helfmann
12
15.9.2011, 23:47
Besinnung auf unsere Grundsätze und Werte

etwa nehmen ist seliger als geben?

jacques05
01
15.9.2011, 22:57
ja, die dc und ihr pate, onkel giulio...

onkel wolfgang kann halt nicht mehr vor der unabhängigen justiz, sollte sich so etwas jemals in ö etablieren nach libyen fliehen...
dass die dc eine reine kopfpartei war ist falsch.
da ihr chef, eben onkel andreotti ein mafiapate war, war die dc in alle landes und bevölkerungsschichten vorgedrungen.
wie die övp eben auch.

Tiberius Sempronius Gracchus
00
15.9.2011, 22:06
Aber Kopf ist doch der größte aller Leistungsträger der ÖVP!

walter helfmann
00
15.9.2011, 23:54
wie es ein ende der fahnenstange gibt,

gibt es auch ein anderes ende der wirbelsäule.

dahofawors
00
15.9.2011, 22:05
leistungsträger

das sind die, die leistungsträger sind als die, die die leistung wirklich tragen.....

walter helfmann
00
15.9.2011, 23:46
wer glaubt, dass leistungsträger auch wirklich leistungen tragen,

walter helfmann
11
15.9.2011, 23:52
wer glaubt ....

der glaubt auch, dass zitronenfalter zitronen falten können.

leistungsträger der övp-fpbzö-regierungen sollen entlastet werden, fordern deren anwälte.

breiter
00
15.9.2011, 21:48
die chuzpe werte zu vermitteln zu wollen

aber selbst soviel dreck am stecken zu haben, dass es nur noch dreck zu sehen ist, die macht einen sprachlos.

dahofawors
02
15.9.2011, 22:07
das ist das ende

schüssel hat den besen noch mal aus dem eck geholt, doch damit wohl, ohne das zu beabsichtigen, das ende eingeläutet.

denn die kommen nicht mehr, soviel ist klar.

Takeshi Kovacs
00
15.9.2011, 21:39
direktor der politischen akademie!

das ist ein beruf ???

Christian Eder
02
15.9.2011, 21:35
"Democratia Cristiana"

Oh ja- ihr seid es! Euer Stimmenanteil geht schon in die Richtung.

GWS
 
00
15.9.2011, 21:25

Manches von dem, was er da so erzählt, könnte sogar ich als überzeugter Linker unterschreiben. Nur sieht man halt in der realen Politik der ÖVP überhaupt gar nichts davon.

Phoenixx
 
01
15.9.2011, 20:55
Erste Frag war: Wie kommt die OVP aus der Talsohle

"typisch", was ist das wichtigste?
Schon der Reporter des STANDARDS:
- vergiss es
- Wir sind auf einer moralischen Talsohle!

Mensch0815
02
15.9.2011, 20:31

Wir sind nicht die Democrazia Cristiana......Doch!!!!

Ashdod
01
15.9.2011, 20:41
nein, diesemal lügen die vaupn nicht wie sonst

tatsächlich sind sie nicht die DC, vielmehr die ’Ndrangheta'

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