Viszeralmedizin

Schritte gegen die Adipositas-Epidemie

15. September 2011, 15:58

Fettleibigkeit vorbeugen und wirksam behandeln - Adipositaschirurgie gilt als letztes Mittel der Therapie

Leipzig - Wie sich Adipositas wirksam vorbeugen und behandeln lässt, diskutieren Ärzte auf der „Viszeralmedizin 2011" in Leipzig. Der gemeinsame Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), deren Sektion gastroenterologische Endoskopie und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) findet vom 14. bis 17.9.2011 im Congress Center Leipzig statt.

Die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen wächst rasant. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sogar von einer Adipositas-Epidemie. Übergewicht beginnt bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 kg/m², Adipositas ab 30 kg/m². Das entspricht zum Beispiel einem Gewicht von 98 Kilo bei einer Körpergröße von 180 Zentimetern. Die üppige Körperfülle kann zu Erkrankungen führen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, gestörtem Fettstoffwechsel oder Krebs - mit weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen. „Prävention muss deshalb schon im Kindes- und Jugendalter stattfinden - ausreichend Bewegung und geeignete Ernährung sind die denkbar einfachen Mittel auf diesem Weg", betont DGVS-Kongresspräsident Peter Malfertheiner aus Magdeburg.

Essverhalten trainieren

Um Übergewicht und Adipositas erfolgreich behandeln zu können, seien fachübergreifende langfristig angelegte Programme notwendig, so die Experten. „Ein Team von Ärzten, Psychologen, Bewegungstherapeuten und Ernährungsspezialisten sollte zusammenarbeiten, um bei Patienten ein anderes Essverhalten zu trainieren", sagt Johannes G. Wechsler, Internist aus München. Als Diät für Fettleibige habe sich eine Formula-Diät bewährt, die Mahlzeiten durch Nährstoffgetränke ergänzt oder ersetzt. Anschließend sollte eine Reduktionsdiät folgen. „Außenseiter- oder Extremdiäten sind dagegen nicht erfolgversprechend", ergänzt Wechsler.

Auch in Deutschland behandeln Ärzte Adipositas zunehmend operativ: Ein Magenband oder Magenbypass verkleinert das Verdauungsorgan und gibt dem Patienten schneller das Gefühl, satt zu sein. Allerdings gilt die Adipositas-Chirurgie als letztes Mittel der Therapie. „Die Entscheidung für eine Operation sollte interdisziplinär und kritisch getroffen werden", empfiehlt Malfertheiner. Eine chirurgische Behandlung wird bei einem BMI ab 40 empfohlen, ab einem BMI von 35 nur dann, wenn Begleiterkrankungen vorliegen. Derzeit diskutieren Experten bei Menschen mit Diabetes Typ 2 eine sogenannte bariatrische Operation schon bei einem BMI zwischen 30 und 35. Denn der Eingriff scheint den Zuckerstoffwechsel günstig zu beeinflussen.

Um wirksam gegenzusteuern, gelte es, ärztliche Kompetenz auf diesem Gebiet schnellstmöglich zusammenzubringen, so die Experten: „Dies ist zum Beispiel in Form von Schwerpunktpraxen für Ernährungsmedizin vorstellbar und sollte geschehen, bevor kommerzielle Anbieter handeln", empfiehlt Wechsler: Der Mensch habe nun fünf Millionen Jahre Mangelernährung überstanden. „Nur wenn alle Beteiligten in professionellen Behandlungsprogrammen zusammenarbeiten und die Politik gemeinsame Ziele mitträgt, werden wir auch die Folgen und Probleme der Überernährung lösen", gibt Wechsler zu bedenken. (red)

Kommentar posten
23 Postings
karl may aka nestroy aka valentin
00
17.9.2011, 03:07

ganz einfach: FDH

greenling
00
16.9.2011, 14:31
ganz einfach

täglich mindestens 30 Minuten Bewegung und keine Fertigprodukte essen, daher nur selbst gekochtes!

athos
03
16.9.2011, 15:01
Und die selbst gekochten Nudeln haben weniger Kalorien als jene in den Fertiggerichten???

rowdy
00
17.9.2011, 10:08
Blanke Nudeln sind kein Fertiggericht

Fertiggerichte enthalten oft große Mengen an Fett und Kohlehydraten, auch wenn man sie nicht darin vermuten würde.

Beim selber kochen hat man die Kontrolle darüber, was man wirklich so isst. Das bietet zumindest die Möglichkeit, gesünder un kalorienbewusster zu essen.

Plus Lucis
02
16.9.2011, 14:26

Wie wäre es einmal mit einem recherchierten Artikel zum Thema?

Wie sieht es nach derartigen Operationen 10 Jahre später aus? Gibt es überhaupt Hinweise, dass Diäten langfristig funktionieren (die Nestlewerbung wollen wir mal beiseite lassen)? Wie sieht es mit dem Einfluß von Plastikflaschen, Pille, Psychopharmaka, Migränemittel, Depressionen, Schlafstörungen, Stresss etc. aus?

Bonair
00
16.9.2011, 17:26
Ähm...wie bitte?

Eine Diät ist per definitionem ein zeitlich begrenzter Vorgang, langfristige Daten braucht es da nicht.

Und die Einflüsse der wahllos von Ihnen in den Raum geworfenen Faktoren sind weitestgehend bekannt:
Psychopharmaka können je nach Wirkstoffgruppe sowohl eine Zu- als auch eine Abnahme verursachen, Depressionen ebenso. Die (moderne) Pille ist nach Erkenntnissen gewichtsneutral, ebenso Migränemittel. Was die Plastikflaschen in der Aufzählung sollen, ist mir schleierhaft. Jeder Amateurchemiker kann Ihnen berichten, das Plastik nicht wasserlöslich und relativ inert ist.

Chocoholic
00
16.9.2011, 21:12
"langfristige Daten brauchen wir nicht"...

eh ned. ich sag nur eins: jojo effekt...

Frau Techne
12
16.9.2011, 11:24
Besonders wichtig: Lebensfreude und (kalorienfreier) Genuss!

Esssucht (Binge Eating Disorder, BDE), die Übergewicht und Adipositas zugrunde liegt, ist ja oft in negativen Gefühlen begründet, mit denen man/frau nicht umzugehen gelernt hat: Stress, Langeweile, Wut, Einsamkeit etc.

Das Essen wird als Ersatzhandlung herangezogen für jenes Verhalten, das eigentlich in der Situation angebracht wäre: Entspannung bzw. Anregung suchen, sich aussprechen, Gesellschaft suchen etc.

Wenn man lernt, wieder schöne Momente ins Leben hereinzuholen (Sport, Malen, Thermenbesuch, Sex - whatever) und wieder (bzw. erstmals?) die eigenen Gefühle richtig wahrzunehmen, einfach gut für sich selbst zu sorgen, dann wird das Essen irgendwann nicht mehr benötigt.

Viele Dicke sind einfach nur enorm unglücklich.

experimentation_never_fails
09
15.9.2011, 21:02
Professor macht Werbung

"Als Diät für Fettleibige habe sich eine Formula-Diät bewährt..."

Der im Artikel erwähnte Prof. Wechsler ist laut eigener Website im Gremium einer von Nestle entwickelten Formula-Diät.

Das relativiert seine Unabhängigkeit schon sehr stark...

karl may aka nestroy aka valentin
00
17.9.2011, 03:37

der erste weg zur einsicht. der zweite schritt: umstellung der ernährung.

Lord Chaos
00
15.9.2011, 17:13
Essverhalten trainieren

Meiner Meinung nach ein falscher Ansatz. Gegen genuss ist auf Dauer wenig Kraut gewachsen.
Das Bewegungsverhalten trainieren verspricht wesentlich mehr Erfolg und hat ausser Abnehmen/Gewicht halten auch sonst eine Menge gesundheitlicher Vorteile.

qwertztt
12
15.9.2011, 18:29

"Essverhalten trainieren" klingt für mich nach Abrichtung eines Hundes.....also ganz WHO Linie ;-)

experimentation_never_fails
00
15.9.2011, 17:41
reicht leider nicht.

Bewegungsverhalten trainieren ist schon gut.

Nur wieviel Kalorien können Sie pro Tag durch Sport verbrennen? 1000 kcal?

Sie können viel viel mehr essen pro Tag.

Bewegung alleine ist daher keine Lösung

Godesberg
02
15.9.2011, 22:34

Es geht nicht darum, dass Sie beim Sport viele Kalorien verbrennen, sondern darum, Muskeln aufzubauen, die auch dann Energie verbrauchen wenn man keinen Sport macht. Sie erhöhen durch Sport indirekt ihren Grundumsatz.

experimentation_never_fails
00
16.9.2011, 00:12
gutes Essverhalten üben ist essentiell

dann erhöhen´s den Grundumsatz halt um ein paar 100 kcal.

Das ändert genau nichts an der Tatsache, dass Sie trotzdem locker viel mehr essen können. Es gibt einfach so viel, das sehr gut schmeckt!

Übrigens erhöht sich mit mehr Sport auch der Appetit, üblicherweise, was auch plausibel ist.

Chocoholic
00
18.9.2011, 11:49
nur eines ist auch klar> ein bewegter uebergewichtiger koerper bleibt gesund,

wohingegen ein uebergewichtiger unbewegter koerper genau die gesundheitlichen Probleme bringt, die immer allen uebergewichtigen koerpern unterstellt wird.

U-Bahn Steuer
00
15.9.2011, 23:25

tschuldigen fürs klugscheiben:

aber durch den sport wird der grundumsatz dann ja doch wieder direkt gesteigert!

an alle die es interessiert: ich habe im vergangenen monat meinen bmi von 33,1 auf 30,4 senken können - also mich könnts damit bald wieder rausnehmen, aus der epidemie!

ka-r-li
00
16.9.2011, 00:37

und wie?

U-Bahn Steuer
04
16.9.2011, 01:18

1400 kcal am tag, möglichst fettarm

und 3 stunden diversen sport

oder anders ausgedrückt: reha

aber das grundrezept lautet:

körpergrösse (in cm) - 100 * 30

das ist der tagesumsatz auf das normalgewicht gerechnet

also, zb: ein mensch von 1,80 -> (180-100)*30 = 2400 kcal am tag!

wenn man es nun schafft, diese kalorienaufnahme um 500 kcal / tag zu reduzieren (kombiniert aus ernährungsumstellung und sport - sport ist ganz wesentlich - also etwa 300kcal an essen einsparen, und im schnitt 200kcal mit sport verbrennen, zb, auf die woche gerechnet!)

wo war ich? ach ja - wenn man diese 500kcal/tag einspart, dann kommt man auf etwa 3500kcal/woche, was einen (echten, gesunden und dauerhaften) gewichtsverlust von 0,5kg entspricht

karl may aka nestroy aka valentin
00
17.9.2011, 03:45

endlich ... einmal einer der es kapiert ohne weniger kalorienaufnahme geht es nicht. heisst nicht umsonst fdh :)

U-Bahn Steuer
00
17.9.2011, 10:05

tatsache ist, dass sich alle übergewichtigen selbst belügen (das weiss ich aus eigener erfahrung) - wenn man ganz ehrlich zu sich ist, und die tagesaufnahme zusammenrechnet (inklusive alkohol), dann kommt man als "durchschnitts"bürger weit über 3000kcal - und da braucht man sich nicht mehr wundern

wobei man ja auch bei einer halbwegs reduzierten kost, von knapp unter 2000 nicht einmal darben oder verzichten müsste

Rafflesia
 
00
16.9.2011, 16:15
Bravo!

experimentation_never_fails
00
16.9.2011, 00:10

Gratulation. Weiter so!

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